DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MISCHPATIM
Nr. 755
29. Schwat 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 21,1 - 24,18):

Gesetze vom Umgang mit Sklaven, von den Schädigungen durch Mensch, Tier und Feuer, Diebstahl, Leihe, Hütung, Wucher, Gerichtsbarkeit, Schabbat u.v.a.m. G~tt verspricht Segnungen und Hilfe bei der Eroberung des Landes Israel, wenn die Gebote eingehalten werden; das Volk verspricht die Einhaltung der Gebote, und sie zu erlernen; Moscheh steigt auf den Berg Sinai, um die Gesetzestafeln zu erhalten.

Haftara: Könige II, 12, 1-17

 

Schabbat Schekalim

Am Schabbes-Tisch...

Bestechen verboten

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Rechtsverfälschung

In unserem Wochenabschnitt finden sich viele Gebote und Gesetze, die den Talmudtraktaten von den Schädigungen als Basis dienen, z.B. dem Abschnitt von den vier Grundarten der Schädigungen, den Gesetzen der Hüter u.v.a.m.

Nach diesen Gesetzen urteilen die Dajanim (Richter am Rabbinergericht), und im weiteren Verlauf der Parscha lehrt uns die Tora, wie nach diesen Gesetzen zu richten ist. "Beuge nicht das Recht... Von einem falschen Ausspruch halte dich fern... Und Bestechung nimm nicht; denn Bestechung blendet die klar Sehenden und verkehrt die Worte der Gerechten" (Ex. 23,6-8). Im Traktat Ketubot (S.105b) untersuchen die Weisen eingehend, was in dem Dajan vorgeht, der Bestechung annimmt. So heißt es dort: Was heißt 'Bestechung'? Was eins ist". Raschi: "Der Gebende und der Nehmende werden zu einem Herzen". Entsprechend erklärte Rawa (ebda.): "Wer von jemand Bestechung annimmt, dessen Sinn nähert sich diesem, so dass er ihm selber gleicht, und niemand sieht sein eigenes Unrecht" Der Autor der Tora temima fügte eine Erklärung hinzu: "Weil er (der Dajan) und der Gebende zu einem Herzen werden, spürt er schon nicht mehr seine Hinneigung (zum Geldgeber)".

Das Verbot der Bestechung gilt auch dann, wenn der Dajan den Unschuldigen frei und den Schuldigen schuldig sprechen will, denn er kann sich daran gewöhnen, bis dass er Unrecht urteilt. So schrieb Sefer HaChinuch, dass der Dajan selbst dann keine Bestechung annehmen darf, wenn er gerecht zu urteilen vorhat, "um die böse Gewohnheit von ihm fern zu halten, vielleicht komme er durch die Bestechung schließlich zu Unrechtsurteilen".

Für Viele versteht es sich von selbst, dass mit Bestechung Geldgaben gemeint sind, und nur diese fallen unter das Verbot der Bestechung. Doch wenn man ihnen Sachgeschenke oder Dienste anbietet, denken sie, was ist denn schon dabei, wenn er mir einen kleinen Gefallen tut? Das ist ein Geschenk von einem guten Freund, und warum sollte man sich davor hüten? Dazu erklären die Weisen: Auch die Bestechung durch Sachen oder Dienste ist verboten, da sie dich beeinflussen können, das Urteil entsprechend zu neigen. So erzählt dort der Talmud: "Der Gartenpächter des Rabbi Jischma'el ben Rabbi Jossi pflegte ihm an jedem Vorabend des Schabbat einen Korb Früchte zu bringen; einst brachte er ihn ihm am Donnerstag, und als er ihn fragte, weshalb heute anders als sonst, erwiderte er: Ich habe einen Prozess, und brachte sie nebenbei für den Meister mit. Dieser aber nahm sie nicht an und sprach zu ihm: Ich bin für dich als Richter unzulässig. Hierauf setzte er ein paar Jünger ein, die über seine Angelegenheit verhandelten. Während er auf und ab ging, sprach er [vor sich:] Wollte er, könnte er dies vorbringen; wollte er, könnte er jenes vorbringen. Hierauf sprach er: Dass doch den Bestechung Nehmenden der Geist schwinde! Wenn es mir, der ich nichts genommen habe, und wenn ich genommen hätte, meines genommen haben würde, so ergeht - um wieviel mehr denen, die Bestechung nehmen", ganz sicher wird sein Herz dadurch geneigt und er spricht ein falsches Urteil.

Der Talmud erzählt weiter von Schmu'el, der es noch strenger mit sich nahm; wenn ihm z.B. jemand die Hand reichte, um ihm aus dem Fischerboot zu helfen, in dem er den Fluss überquerte, sagte er, ich kann nun nicht mehr dein Richter sein, denn die Hilfe, die du mir gerade gabst, kann unter Umständen als Bestechung ausgelegt werden, und das könnte das Recht beugen.

Erstaunlich sind diese Geschichten der Weisen, die lehren, wie sehr wir uns vor Bestechung hüten müssen, selbst vor allem, was im Entferntesten nach Bestechung riecht, um nicht das Urteil zu verfälschen. Und diese Worte sollten sich nicht nur die Richter gesagt sein lassen, sondern gelten auch bezüglich jedes Falles, wenn wir unseren Nächsten oder sogar Familienmitglieder irgendwie beurteilen, dass wir uns nämlich rein halten müssen von jeglicher Bestechung, die die Beurteilung verfälscht.

Die göttliche Präsenz

Im Traktat Sanhedrin, das sich an vielen Stellen mit den Gesetzen von den Dajanim beschäftigt, wird gelehrt, dass ein korrupter Dajan nicht nur ein individuelles Problem des Dajan und seines Klienten darstellt, vielmehr wird dadurch das ganze Volk Israel getroffen. So heißt es dort: "Ein Richter, der ein gerechtes Urteil der Wahrheit wegen fällt, veranlasst, dass die Göttlichkeit unter Israel weile", und demgegenüber: "Jeder Richter aber, der kein gerechtes Urteil der Wahrheit wegen fällt, veranlasst, dass die Göttlichkeit von Israel weiche" (7a).

Dazu lehrte Rabbiner A.J.Kuk: "Und darum saß unser Lehrer Moscheh während der Grundlegung der Gerichtskraft der Nation höchstpersönlich zu Gericht über die Israeliten, und dadurch erhob er alle Werte des Rechtes bis zum Ende aller Generationen zu jenem göttlichen Inhalt, zu dem die Rechte Israels gelangen". Und weiter: "Der göttliche Anspruch an das Recht verbleibt eine israelitische Besonderheit..." (Orot), "weil die Rechte das göttliche Hauptanliegen der göttlich auserwählten Nation darstellen, von ihnen her kennt die Nation ihren Wert, versteht ihre Bestimmung, und durch sie ist sie verbunden mit kraftvollem Band mit dem Geber der Tora. Darum sind die Rechte Allerheiligstes für Israel, und das Sanhedrin die höchste Autorität der Nation... Das ist die Stütze, auf der wir ruhen und auf die wir uns stützen, mit der wir uns beratschlagen und die wir befragen zur Zeit des Friedens und in der Stunde des Krieges" (Niznuzej Orot). Dadurch lässt sich verstehen, warum vom Dajan ein reiner Charakter und edle Eigenschaften verlangt werden, wie in der vorigen Parscha erwähnt wurde: "..tüchtige Männer, G~ttesfürchtige, Männer der Wahrheit, Gewinn hassende" (Ex. 18,21). Wenn wir uns ehrlich diese Eigenschaft zulegen, werden uns Reinheit und wahres Recht vergönnt sein, ebenso wie die Anwesenheit der göttlichen Präsenz unter uns.

Der Stand der Dinge

Erlösung durch Einheit

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

"Wenig und trübe waren die Tage meiner Lebensjahre" (Ex. 47,9), wie Jakov vor Pharao bezeugte. Nach langer Wanderung gelangte Jakov ans Ende des Weges, und er wusste, dass seine Söhne eine großartige Zukunft erwartete, eine Zukunft von Licht und Finsternis, von Exil und Erlösung. Darum fühlte Jakov vor der Trennung von seinen Söhnen das Bedürfnis und die Pflicht, sie auf ihre Zukunft vorzubereiten, und er rief sie zu sich um ihnen zu sagen, was ihm auf dem Herzen lag. Zuerst wollte er ihnen prophezeien, was ihnen am Ende der Tage geschehen werde, vor ihnen das Geheimnis der jüdischen Geschichte ausbreiten, alles zu schildern, was auf sie zu käme. Als aber alle bei ihm versammelt waren, änderte er plötzlich seine Meinung und begnügte sich mit einer persönlichen Auseinandersetzung mit jedem einzelnen von seinen Söhnen. Auch wenn Jakov ihnen bei dieser Gelegenheit "das Ende der Tage" nicht offenbarte, übermittelte er ihnen nebenbei ein Geheimnis: "Versammelt euch, und ich will euch verkünden.." (Gen. 49,1). Was wollte ihnen Jakov mit dem Ausdruck "versammelt euch" sagen? Erklärte der Schlah (Schnej luchot habrit): "Versammelt euch, und ich will euch verkünden - er benutzte den Ausdruck 'Versammlung', denn die Endzeit ist unmöglich, wenn zwischen euch grundloser Hass herrscht, vielmehr müsst ihr alle in einer Versammlung sein und zusammen vereint". Jakov sagte diese Worte im Lichte der Erfahrung seines Lebens. Denn auch wenn wir die Erklärung Nachmanides' akzeptieren, der schrieb: "Es scheint mir nach dem einfachen Wortsinn, dass Jakov alle seine Tage nichts vom Verkauf Josefs durch dessen Brüder gesagt wurde", so heißt es ja schon vor dem Verkauf: "und vermochten nicht, mit ihm freundlich zu reden" (Gen. 37,4), und dann: "aber sein Vater merkte sich die Sache" (V.11). Schon im Hause Awrahams war Bruderhass keine Neuigkeit, wo nämlich Jischma'el mit Jizchak "spielte" und ihn, wie der Midrasch berichtet, töten wollte. Und über Eßaw sagte Riwka zu Jakov: "Eßaw, dein Bruder, sinnt gegen dich Rache und will dich erschlagen" (Gen. 27,42). Auch wenn Hass und Streit schmerzen, sind sie doch nicht so zerstörerisch, denn Jischma'el hatte keinen Anteil mit Jizchak, und Eßaw hatte später keinerlei Verbindung zu Jakov; bei den Söhnen Jakovs hingegen, von denen das Haus Jakovs nur von allen gemeinsam erstehen wird, und nur alle gemeinsam das Volk Israel bilden werden, sind Hass und Streit vollkommen unakzeptabel. Entsprechend schrieb Rabbiner Jonathan Eybeschütz in seinem Buch Ahawat Jonathan: "Das erste Exil (Ägypten) und das letzte Exil (Rom) nach der Zerstörung des zweiten Tempels, beide kamen wegen grundlosen Hasses, darum warnte sie ihr Vater Jakov: Versammelt euch, verbindet euch, vereint euch, denn davon hängen die zuküntigen Ereignisse am Ende der Tage ab".

Nicht nur unser Vorvater Jakov ermahnte die Israeliten vor seinem Tode zur Einheit, diese Botschaft wurde dem Volk Israel von einem weiteren Anführer vor dessen Tode vermittelt, nämlich im Segen unseres Lehrers Moscheh an die Kinder Israels. Auch er segnete jeden einzelnen der Stämme mit einem individuellen Segen, vorher jedoch verkündete er: "Da ward er in Jeschurun König, da sich versammelten die Häupter des Volkes, vereint die Stämme Israels" (Dt. 33,5). Was wollte Moscheh den Israeliten mit dieser Einleitung sagen? Dazu heißt es im Midrasch (Sifri): "Wenn Israel sich in den unteren Sphären bei seinem Ratschluss einig ist, dann wird G~ttes großer Name in den höheren Sphären gepriesen, wie gesagt wird: Da ward er in Jeschurun König - wenn sie eine Gemeinschaft bilden und nicht, wenn sie viele Gemeinschaften bilden". Die Worte von Jakov und Moscheh waren nicht in den leeren Raum gerichtet, die Krankheit der Spaltung und des Bruderzwistes begleiteten uns, leider, während unserer ganzen Geschichte. Für diese Erscheinung gibt es viele Gründe, einer der hervor stechendsten ist aber wohl bei den persönlichen Ambitionen der Führer der Nation zu suchen, die das ganze Volk damit anstecken. So erklärte der Kommentar Toldot Jakov Josef die Nennung nebeneinander von "da sich versammelten die Häupter des Volkes" und "vereint die Stämme Israels", was ausdrücken soll: Zuerst müssen "die Häupter des Volkes" einig sein, die Anführer, und erst dann kann man sich Hoffnung machen auf "vereint die Stämme Israels". In diesem Sinne schrieb auch der Torakommentar Or HaChajim: "Denn das Königtum Israels wird Bestand haben, wenn sich die Häupter Israels versammeln und nicht jeder für sich, und das wird den Grund liefern zum Zusammenschluss der Stämme Israels, und wenn Israel diesen Zustand erreicht hat, wird es auf der Höhe des Erfolges sein und seine Regierung das Wesen der Existenz inne haben". Am Ende schreibt er: "Geh und lerne was ihnen zustieß vom Tage an, als sich die Herzen und die Königreiche abspalteten. Und das lag an den Götzenkälbern Jerowams und seiner Nachfolger. Denn der Hauptgrund für den Untergang ist die Spaltung, und der Behälter, der den Segen aufnehmen kann, ist der Frieden und die Einheit der Herzen". Seitdem hat sich nichts geändert, denn auch heute, in unserer Generation, stehen wir vor der Erscheinung, dass die Masse des Volkes die Aufspaltung in Parteien nicht versteht, es würde gerne den religiösen Zionismus in einem geeinten Lager sehen, und es sind nur die Führer der Öffentlichkeit, die Spaltungen betreiben und damit künstlich die Spaltung des Lagers hervor rufen.

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