DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-36,13): Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung der Midjaniter, Landzuteilung an die Stämme Gad und Re'uwen, Liste aller Reisestationen während der Wüstenwanderung, Gebot der Austreibung der Kana'aniter, die 6 Levitenstädte, Gesetz von der Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht für Frauen; Ende des 4. Buches Moscheh. Haftara: Jirmijahu 2,4 - 28, 3,4
Die Reisestätten der Kinder Israel "Das sind die Reisestätten der Kinder Israel ... und das sind ihre Reisestätten bei ihren Zügen" (Num. 33,1-2). Schon die Kommentatoren fragten sich, warum die Reisestätten in der Gegenwart niedergeschrieben wurden, obwohl sie nur die Wüstengeneration betrafen, und wozu wurde überhaupt dieser ganze Abschnitt erwähnt, der offenbar nur jene Generation anging? In jenen Büchern, die sich eher mit hochgradiger Spiritualität beschäftigen, wird erwähnt, dass diese 42 Reisestätten zur "Aushebung der Funken der Heiligkeit" dienten, die sich aufgrund der Sünde des ersten Menschen über die Welt verstreut hatten, und darum heißt es im Vers: "Das sind die Reisestätten der Kinder Israel, die ausgezogen aus dem Lande Ägypten" - "denn so wie der Auszug aus Ägypten dazu diente, die Funken der Heiligkeit zu erlösen, die der Unreinheit in die Hände gefallen und in Ägypten gefangen waren und mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten alle Funken der Heiligkeit mit ihnen zogen und zu ihrem Ursprung in Heiligkeit zurückkehrten, genau so verhält es sich auch mit allen 42 Reisestätten in der großen und furchtbaren Wüste, nämlich um die überall dort verstreuten Funken der Heiligkeit zu erlösen" (Netiwot Schalom, Bemidbar S.176). Nach dieser Deutung erklärte der Or Hachajim hakadosch, warum das Volk an manchen Orten ein Jahr lang, an anderen nur wenige Stunden verweilte: "das richtete sich danach, wielange für die Auffindung der Funken jenes Ortes benötigt wurde, und für dieses Klärungsverfahren gibt es keine natürliche Kraft auf der Welt". Weiter schrieb er: "..sondern in einer Wirklichkeit von vollkommener Heiligkeit - nämlich der göttlichen Präsenz und Israel und die Tora zusammen mit sechzig Zehntausenden heiliger Seelen des Volkes Israel, die sich mit göttlicher Hilfe fortbewegten ... wurden die Reißzähne des Unrechts gebrochen und einer enormen Klärung unterworfen" (zu Num. 32,1). Es handelt sich hierbei also nicht um einfache Reiseberichte von den Stationen der Kinder Israel, sondern um eine Wissenschaft für sich, wobei jede Etappe ihren eigenen Sinn und Zweck hatte, und aus jeder Etappe gingen die Israeliten stärker und besser vorbereitet hervor auf ihrem Weg nach dem Lande Israel, ihrer vollkommenen Erscheinung in der Welt. Die Etappen des Individuums Weiterhin lehrt Netiwot Schalom, dass es sich so auch bei jedem einzelnen Juden verhält, der in seinem Leben 42 Etappen durchläuft, um die Mischung aus Gut und Böse, die der Wurzel seiner Seele entspricht, zu bereinigen. "Darum schrieb die Tora Das sind die Reisestätten der Kinder Israel ausgerechnet mit diesen Worten, um damit zu lehren, dass dieses Thema immer der Gegenwart zugehört, dass jeder Einzelne 42 Etappen durchläuft, um zu seiner vollkommenen Bereinigung zu gelangen, und jene Etappen sind besonders schwierig ... und so wie die israelitische Allgemeinheit die Etappen unter den extremen Bedingungen der Wüste durchlief, so verhält es sich auch bei den Etappen eines jeden Einzelnen, die Aspekte dieses großen und furchtbaren Wüstenzuges aufweisen wie Schlangen, Giftschlangen, Skorpione und Durst. Und der Mensch muss dies alles durchstehen, um zu seiner endgültigen Vervollkommnung zu gelangen" (S.178). Auch der Kommentar Sfat Emmet lehrt uns, dass die Reisestätten dazu niedergeschrieben wurden, um dem Volke G~ttes mitzuteilen, dass ein Diener G~ttes niemals den Mut sinken lassen sollte, trotz seines häufigen Versagens, denn so ein Auf und Ab ist ganz normal ... denn so war es auch bei den Kindern Israel: Von dort brachen sie auf, und lagerten ... Von dort brachen sie auf, und lagerten ..., nämlich von Stärke zu Stärke zu ziehen, denn für die Diener G~ttes gibt es keine Ruhe, denn dafür wurden sie geschaffen, nämlich (immerfort) die Kämpfe G~ttes zu kämpfen". Die Etappen der Generationen Diese Etappen enthalten auch eine Lehre für alle Generationen. So erklärt der Netiwot Schalom weiter: "Im Buch Megale Amukot ["der Tiefsinn offenbart"] heißt es, dass die Anfangsbuchstaben von Das sind die Reisestätten der Kinder Israel die Edomiter, Meder (Perser), Babylonier und Griechen symbolisieren - die vier Exile, die die Kinder Israel durchliefen; auch sie gehören zu den Reisestätten der Kinder Israel". Seitdem haben wir noch viele andere Leiden in unserem Exil durchgemacht, Aufbrüche und Lagerungen, und aus allen diesen erlangten wir das Land Israel und lagerten dortselbst durch Gründung unseres eigenen Staates, und auch hier durchlaufen wir noch verschiedene Etappen, manche schwerer, manche leichter, und wir finden, dass wir alle diese Etappen nicht umsonst durchgemacht haben, vielmehr handelt es sich dabei um die Stufen der Erlösung Israels, und jede Stufe bringt eine Besserung und eine Lehre für den Fortgang der Erlösung mit sich. Dazu benötigt jede Klärung ihre besondere Zeit, bis die Sache der Nation klar geworden ist, und darum dürfen wir im Verlaufe der Etappen nicht den Mut sinken lassen oder g~ttbehüte an der Erlösung verzweifeln. So lehrte Rabbiner A.J.Kuk in einem seiner Schreiben an Rabbiner Moscheh Charlap: "Es bedeutet keine Schwäche, wenn die Errettung Israels nur Stück um Stück vorankommt, sondern größte Stärke und höchste Macht, die Alles umfasst und erfüllt" (Briefe, Nr.753). Auch der Kommentar Schem MeSchmu'el sieht die Reisestätten so: "Die Bedeutung des Abschnittes von den Reisestätten, der nicht nur von seiner Zeit, sondern auch über die Zukunft lehrt - das Herz Israels zu stärken, damit es nicht wegen der Dauer und der Leiden des Exils den Mut verliert, und er lehrt vom Vorzug des Landes Israel in der Zukunft ... denn alles geschieht zu einem wunderbaren Nutzen, und alles ist in der Geschichte von den Reisestätten angedeutet". Diese Erkenntnis und die Erwartung der Errettung von all diesen "Reisen" stärken unseren Geist und geben uns die Kraft zum Weitermachen auf den Etappen der Zeitalter bis hin zur vollkommenen Erlösung, amen.
"Und viele Herden hatten die Söhne Re'uwens und die Söhne Gads in gewaltiger Menge, und als sie das Land Jaser und das Land Gilead sahen und fanden, dass die Gegend für Herden geeignet sei ... fuhren sie fort: Wenn wir Gnade in deinen Augen gefunden haben, so möge dieses Land deinen Dienern zum Besitz gegeben werden, führe uns nicht mit über den Jarden" (Num. 32,1/5). "So spricht der Ewige: Nicht rühme sich der Weise seiner Weisheit, und nicht rühme sich der Starke seiner Stärke, nicht rühme sich der Reiche seines Reichtums" (Jirmijahu 9,22). "Und jene Gaben, wenn sie nicht von G~tt kommen - am Ende werden sie aufhören; unsere Meister lehrten: Zwei Weise gab es in der Welt, einer von Israel und einer von den Völkern; Achitofel von Israel und Bil'am von den Völkern, und beide kamen aus der Welt abhanden, und auch zwei Starke gab es in der Welt, einer von Israel und einer von den Völkern, Schimschon von Israel und Goliat von den Völkern, und beide kamen aus der Welt abhanden, und auch zwei Reiche gab es in der Welt, einer von Israel und einer von den Völkern, Korach von Israel und Haman von den Völkern, und beide kamen aus der Welt abhanden - und warum? Weil ihre Gaben nicht von G~tt kamen, sondern sie sie sich geschnappt hatten, und so findest du auch bei den Söhnen Gads und den Söhnen Re'uwens, die reich waren, viele Herden hatten und ihr Vermögen liebten - und außerhalb des Landes Israel siedelten. Darum wurden sie als erste von allen Stämmen in die Verbannung geführt, wie es heißt: und er trieb sie aus, den Re'uweni und den Gadi und den halben Stamm Menasche (Chronik I, 5,26), und was verursachte es ihnen? Weil sie sich von ihren Brüdern absonderten wegen ihres Vermögens, und woher? Wie es in der Tora steht: Und viele Herden hatten die Söhne Re'uwen usw." (Bemidbar raba 22,25). * * * Wir begegnen im Leben häufig Leuten, die von der Höhe des gesellschaftlichen Olymps stürzten und auf dem Boden der Realität zu Staub zerfielen, bekannte Persönlichkeiten, die nach großer Berühmtheit im Abgrund verschwanden. Reiche Leute, die ihr ganzes Vermögen einem Betrüger anvertrauten - und eines schönen Tages war es spurlos verschwunden. Gelehrte, Professoren und preisgekrönte Forscher - deren Lehren, Forschungen und Status plötzlich und überraschend ihre Geltung einbüßten, weil sich die Wissenschaft, das Wissen und die Kultur der Welt weiterentwickelt hatten. Großartige Kriegshelden, die im Alter oder nach Überwechseln in die Politik nur noch einen Schatten ihrer einstigen Größe verkörpern und niemanden mehr interessieren... Der genannte Midrasch setzt sich mit der Frage auseinander, warum das so ist. Warum spielt G~tt diesen Menschen übel mit, indem er sie in die höchsten Höhen erhebt und dann fallen lässt? Wenn sie der Größe nicht würdig waren, warum erhob er sie dann? Und wenn er sie schon erhob, warum zerstörte er sie dann? Zu dieser Frage bietet der Midrasch zwei Antworten, eine lange und ausführliche, und eine kurze, schmerzhafte. Gestützt auf den Vers aus dem Prophetenbuch Jirmijahu bringt der Midrasch Beispiele für Weise, Starke und Reiche, deren Stern am Himmel der jüdischen und der Weltgeschichte leuchtete - und verblasste, erlosch und verschwand - "unsere Meister lehrten: Zwei Weise gab es in der Welt ... Achitofel von Israel und Bil'am von den Völkern ... und auch zwei Starke gab es in der Welt ... Schimschon von Israel und Goliat von den Völkern ... und auch zwei Reiche gab es in der Welt, ... Korach von Israel und Haman von den Völkern, und beide kamen aus der Welt abhanden". Mit Hilfe dieser Beispiele sowohl aus der jüdischen als auch der allgemeinen Geschichte verdeutlicht hier der Midrasch ein Prinzip der Vorsehung, eine Regel, die bestimmt, dass "ihre Gaben nicht von G~tt kamen, sondern sie sie sich geschnappt hatten". Der Mensch kann einen Status erlangen, der nicht für ihn bestimmt war, sei es in Bezug auf Reichtum, Würde, Ehepartner oder Karriere, und auf lange Sicht wird er ihn nicht halten können. Die Frage, was denn ja für ihn bestimmt sei, lässt der Midrasch offen, einerseits verlässt er sich auf den gesunden Menschenverstand und andererseits verspricht er, dass Fehler auf diesem Gebiet sowieso nicht lange überdauern. Nach der Ansicht des Midrasch hat der zweite Grund für den Niedergang der Großen etwas damit zu tun, was der Betreffende mit seinem Erfolg anstellt. Selbst wenn dein Erfolg dir vorbestimmt war, kannst du durch falschen Gebrauch verlieren. Die Söhne Re'uwens und Gads hatten ihre großen Herden verdient, und zwar als Kriegsbeute aus den Kriegen jenseits des Jarden, doch weil diese Herden ihren Verstand verwirrten, waren diese beiden Stämme die ersten, die ihren Erbbesitz verloren und vom Horizont des Landes Israel verschwanden - "und so findest du auch bei den Söhnen Gads und den Söhnen Re'uwens, die reich waren, viele Herden hatten und ihr Vermögen liebten - und außerhalb des Landes Israel siedelten. Darum wurden sie als erste von allen Stämmen in die Verbannung geführt, wie es heißt: und er trieb sie aus, den Re'uweni und den Gadi und den halben Stamm Menasche (Chronik I, 5,26), und was verursachte es ihnen? Weil sie sich von ihren Brüdern absonderten wegen ihres Vermögens, und woher? Wie es in der Tora steht: Und viele Herden hatten die Söhne Re'uwen usw.".
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
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