DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ
Nr. 747
2. Tewet 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1 - 44,17):

Pharaos Träume und Josefs Deutung: 7 fette und 7 Hungerjahre, Josef Vizekönig, Anlage von Vorratsspeichern, Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft, Josefs Brüder kommen Getreide zu kaufen, erkennen ihn aber nicht.

Haftara: Könige I, 7, 40-50

2. Schabbat Chanukka

Am Schabbes-Tisch...

Josef und die Finanzkrise

Rav Ejal Vered
Rabbiner an der Jeschiwa "Nezer Mata'aj" in Ari'el

"Und der Ewige war mit Josef und er war ein Mann, dem Alles gelang" (Gen. 39,2).

Wo wir hinschauen, stoßen wir auf die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise - Aktienkurse, die in den Keller gehen, Unternehmen, die von der Bildfläche verschwinden, Milliarden, die einfach futsch sind und alteingesessene Firmen, "groß und stark wie Eichen", die ihre Produktion einstellen oder sogar bankrott machen. Da fragt sich der einfache Bürger: Warum? Wie entstand diese Krise? Handelt es sich etwa um eine Naturkatastrophe? Weltweite Dürre? Weltkrieg? Rein wirtschaftlich gesehen hat sich doch seit dem Vorjahr nichts geändert, wie sind wir also in diese Talfahrt geschlittert?

Die Antwort ergibt sich immer deutlicher aus der Menge an Fakten und deren Interpretationen. Irgendwo blieb das Vertrauen auf der Strecke. Die heutige Wirtschaft fußt mehr denn je auf Vertrauen als auf Geld.

Wir alle bringen unser Geld zur Bank. Die Bank behält das Geld jedoch nicht bei sich. Sie investiert es in verschiedene Branchen, da sie weiß, dass wir ihr und ihrer ehrlichen und legalen Arbeitsweise vertrauen, und darum kommt es nicht zu einer Situation, in der alle Kunden auf einmal ihre gesamte Einlage zurück fordern. So ist die Bank darauf eingerichtet, jeweils nur einen kleinen Teil der Einlagen für Barauszahlungen zur Verfügung zu halten - der Rest ist investiert, und zwar mit dem gleichen Vertrauen wie das zwischen den Sparkunden und der Bank.

Nur dass eben manchmal das Vertrauen gebrochen wird. Plötzlich entpuppt sich, dass die Bank unser aller Geld verantwortungslos verwendet und in hochriskante Geschäfte gesteckt hat, um schnell viel Geld zu verdienen. Die Bank vergab Kredite an jene, die sie nicht zurück zahlen können, gab Hypotheken auf Grundstücke, die nicht den veranschlagten Wert hatten und drehte alles in allem ein zu großes Rad, was allein schon auf einen Vertrauensmangel hindeutete. Und wenn der Normalverbraucher von solchen Dingen hört, läuft er sofort zur Bank um sein Geld zu retten, und will es sofort in bar auf die Hand. Aber die Bank hat keines. Und so dreht sich die Spirale.

Mit anderen Worten: Die "reale" Wirtschaft ist eigentlich in Ordnung. Die Produktion wurde von nichts betroffen, und es gibt genug Essen und Konsumgüter für Alle. Nur das Vertrauen ist hinüber. Doch der Kapitalmarkt, so stellt sich heraus, ist auf Vertrauen gebaut, auf Wahrheit der Bilanzen, auf Leute, die sich von der Möglichkeit eines schnellen Gewinns nicht blenden lassen, auf Verantwortlichkeit und Durchschaubarkeit, und natürlich - auf absolute Ehrlichkeit. Als diese nachließen, zogen sie andere Wirtschaftszweige mit sich herab, die mit der ganzen Sache nichts zu tun hatten. Die "Seele des Menschen aber ist eine", und eine Krise, die einmal ins Rollen kam, macht nirgendwo halt, sondern zieht immer weitere Kreise.

Und was ist mit Josef? Was hat der mit der ganzen Sache zu tun?

In der Tat, Josef zeichnete sich besonders durch Folgendes aus: Wo immer er auch hinkam, gelang es ihm, in kürzester Zeit ein so großes Vertrauen zu erwecken, dass man ihm sogar die Kronjuwelen überlassen hätte. Das Geheimnis seines Erfolges lag nicht unbedingt in seinen beruflichen Fähigkeiten der Wirtschaftsführung. Man darf wohl annehmen, dass es in Ägypten nicht weniger gewiefte Wirtschaftsexperten als Josef gab. Vielmehr bestand das Geheimnis seines Erfolges in dem Vertrauen, das er überall erweckte, von Potifar bis Pharao über das Gefängnis. Josef erweckte das Gefühl absoluter Vertrauenswürdigkeit. Auf diesen Mann konnte man sich blind verlassen. Er würde einem immer die Treue halten, nicht lügen und nicht stehlen und alles auf die ehrlichste Weise abwickeln. Und das war eine enorme Neuerung, besonders in Ägypten.

In dieser Hinsicht stellt Josef die Nemesis des Eßaw dar. Sowohl Josef als auch Eßaw beschäftigen sich mit der Auseinandersetzung mit der Welt des Materiellen. Eßaw ist der Nachfolger Nimrods. Die Welt des "Jägers" besteht in endlosem Konkurrenzkampf, in der Ausnutzung der Schwäche des Schwachen, ihn zu verschlingen, Kartelle und Absprachen an der Grenze der Legalität, und auch jenseits der Grenze, alles ist recht zur Erlangung eines noch höheren Gewinns, wenn man sich nur nicht erwischen lässt. Eßaw wird von roten [Edom] Motiven getrieben, vom Konkurrenzkampf, er will das Blut des Konkurrenten vergießen, entweder wirklich oder in der modernen Version, ihn in die Pleite zu treiben und ihn somit vom wirtschaftlichen Horizont verschwinden zu lassen.

Josef repräsentiert eine ganz andere Art der Auseinandersetzung. Vertrauen heißt die Parole. Josef vertraut auf die Leute um ihn herum, er erzieht sie, er lässt sich nicht von Offerten blenden, die nicht seiner Geistes- und Glaubenswelt entsprechen und darum lehnt er ab, als die Ägypter zu ihm kommen und sich ihm als Sklaven verkaufen wollen. Er kauft sich keine Sklaven. Er macht sie alle zu Lohnarbeitern, die der Regierung angemessene Steuern zahlen. Damit steigerte er noch mehr das Vertrauen des Volkes in seine doch recht radikale Wirtschaftsführung, und dabei brachte er das Volk von einem Extrem zum anderen.

Es versteht sich von selbst, dass das von Josef erweckte Vertrauen aus einem einzigen Punkte stammte, und zwar seinem Glauben an G~tt. Josef brauchte keinen Aufpasser, der seine Schritte überwacht. Er wurde von einem innerlichen Kompass geleitet. Sein Glauben war fest und unerschütterlich. Josef wusste, wer alle Fäden in der Hand hält, wer ihn nach Ägypten schickte und wer seine Stationen bestimmte - und der das ganze Geschehen im Auge behält. Den himmlischen Namen führte er im Munde, und immerzu hatte er die Furcht vor Augen, "und sündige gegen G~tt?" (Gen. 39,9). Josef war ein Mann des Glaubens, des Glaubens in einer vielschichtigen und komplizierten Welt. Josef erlebte das an eigenem Leibe, der Glauben bedeutete für ihn den Kern des Lebens und die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit allem, was ihm widerfuhr, und darum traf Josef den "Glaubensnerv", den es in jeder menschlichen Seele gibt, selbst in der ägyptischen, und brachte diese Seele zum Wollen, sich diesem großen Menschen unter zu ordnen, Josef dem Gerechten.

Die Gegenwart bietet uns die seltene Gelegenheit, die Verbindung zwischen Wirtschaft und Glauben und zwischen Erfolg und Himmelsfurcht zu verinnerlichen. Das jüdische Volk hat eine Botschaft für die Welt, auch im wirtschaftlichen Sinn. Der jüdische Geist, der keine Sekunde ruht, kann die Welt lehren, wie eine ehrliche und verlässliche Wirtschaft auszusehen hat, und Israel muss die Anschrift für all jene sein, die ihr Geld sicher und ehrlich investieren wollen. So wie zu Josefs Zeiten kann gerade eine Wirtschaftskrise eine bedeutende Gelegenheit für jemanden schaffen, der eine andere Wirtschaftsform anzubieten weiß, eine glaubenstreue Wirtschaft, die auch, wie wir von Josef lernten, eine erfolgreiche Wirtschaft sein kann.


Chanukka

So macht man Reklame?

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Die talmudischen Weisen entschieden sich zur Bekanntmachung des Wunders von Chanukka für das Anzünden von Lichtern. So wollten die Weisen den Sieg der Wenigen über die Vielen und das Wunder des Ölkrugs ins öffentliche Bewusstsein rücken. Durch das Anzünden von Lichtern wollten sie den jüdischen Geist in unser aller Bewusstsein bringen, der felsenfest stand hielt und sich nicht der hellenistischen Kultur unterwerfen ließ.

Die Wahl, das Wunder durch Kerzenlicht bekannt zu machen, scheint sehr befremdlich. Die Werbung versucht ihrer Natur nach die Aufmerksamkeit des Menschen in die von ihrem Auftraggeber gewünschte Richtung zu lenken. Eine Werbeaktion muss augenfällig sein, die Aufmerksamkeit erregen, und wenn ihr genügend Mittel zur Verfügung stehen, sich an alle Sinne des Menschen richten, sonst wird der potentielle Kunde das Werbeplakat nicht beachten und die Botschaft nicht in sein Bewusstsein und sein Unterbewusstsein eindringen. Eine aggressive Werbung, voller Farben und Gefühle, neutralisiert die Widerstandskraft des Verstandes gegenüber der angepriesenen Ware und erzeugt ein Gefühl sofortigen Verlangens und Verwirklichung des von der Werbung projizierten Traumes.

Entsprechend wäre es nur natürlich gewesen, das Wunder von Chanukka mit einem Riesenleuchter zu verkünden, der in der Mitte einer Hauptstraße aufgestellt wird. Wir würden "die größte Menora der Welt" bauen, gewaltige Fackeln auf ihr entzünden und das ganze mit dem gemeinschaftlichen Verzehr der größten Sufgania (Berliner Pfannkuchen) krönen, die je die Frittierschüssel verließ. So ein Chanukkaleuchter, in bunten Farben mitten in der Stadt leuchtend, würde sicher eine Menge Aufmerksamkeit erregen, kein Mensch würde dessen Präsenz ignorieren können. Unter Zugabe von pyrotechnischem Schnickschnack, Feuerwerk und Feuerschluckern käme eine perfekte Werbeaktion heraus.

Die talmudischen Weisen jedoch bestimmten, dass die Reklame für Chanukka im Gegensatz zu jeglicher Marketing-Logik stehen sollte. Das Produkt wird nicht in den Hauptstraßen der Städte zur Schau gestellt, sondern an den Eingängen der Privathäuser, "eine Kerze pro Mann und sein Haus" (Schabbat 21b). Der Chanukkaleuchter stehe am Eingang eines jeden Hauses, aber nicht in beeindruckender Höhe, sondern ganz normal, nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Die Weisen entschieden, dass ein überdimensionierter Leuchter von atemberaubender Höhe von über zehn Metern keinen Anteil an dieser Reklame hat, auch ein in den Straßen und nicht am Hauseingang aufgestellter Leuchter gilt nicht als legitimes Werbemittel, und wer so einen Leuchter anzündet, erfüllt nicht das Gebot des Chanukkalichtes und der Bekanntmachung des Wunders. Wer dazu noch mit lodernden Fackeln auf Augenfängerei erpicht ist, entspricht schon gar nicht den Kriterien für ein koscheres Chanukkalicht. Die Weisen wählten also offensichtlich keine Bekanntmachung des Wunders auf sinnesberauschende Weise... bleibt also nur noch zu verstehen, warum?

Die Welt der Werbung, so wie wir sie heute erleben, kennt keine Hemmungen, fast jedes Ziel ist wert, dafür die potentiellen Kunden einzufangen. Angesprochen werden fragwürdige Charaktereigenschaften, Begierden werden erregt, Neid und Ehrgefühl gereizt, und schließlich - die unglaubliche Distanz zwischen der wahren Qualität des Produktes und der Art und Weise seiner Vermarktung. Mit Leichtigkeit wird ein Produkt als "der Sinn [wörtl. Geschmack] des Lebens" angepriesen [Anspielung auf den Slogan eines bekannten Sprudelgetränks], das nach einhelliger Meinung der Gesundheit eher abträglich ist, und als ob man ohne es nicht auskommen könne... wobei man über viele solche Produkte sagen könnte, ihr regelmäßiger Verbrauch sei eher gefährlich...

Wenn man daran geht, den jüdischen Geist bekannt zu machen, der mutig dem Geist der Griechen trotzte, wenn vom Sieg der Welt des Glaubens über die äußerliche Wissenschaft die Rede ist, die in der Welt nur die Naturgesetze und die Herrschaft der mythischen Götter kannte, muss man mit Genauigkeit vorgehen. Die jüdische Feinfühligkeit siegte, der jüdische Familiensinn überwand alle auf Zerstörung der Fundamente der jüdischen Familie gerichteten Verordnungen. Tora und Glauben, die sich mit der Innerlichkeit des Lebens beschäftigen, besiegten das blinde Folgen bunter Anziehungskräfte von Trieben und Sinnen. Die Wenigen siegten über die Vielen, die (körperlich) Schwachen über die Starken, die Innerlichkeit über alle äußerlichen Gefühle.

Für Feinfühligkeit und seelische Reinheit lässt sich nicht mit Geschrei werben, die Werte der Ehereinheit lassen sich nicht mitten in einer geschäftigen Hauptstraße vermarkten. Nicht umsonst wurden die Kerzen gewählt. Ein sanftes Licht, das nicht blendet, das das Auge nicht zum Hinschauen zwingt. Kerze G~ttes - die Seele des Menschen. Ein sanftes Licht, ein innerliches Licht, ein Licht der Wahrheit. Den Leuchter stellen wir am Eingang des Hauses auf, um zu zeigen, dass es dem besonderen Licht des jüdischen Hauses gelang, die Finsternis der blendenden griechischen Kultur zu erhellen, die sich marktschreierisch der Straßen bemächtigte. Mit der Aufstellung des Chanukkalichtes am Hauseingang gegenüber dem öffentlichen Gelände wollen wir auch andeuten, dass das jüdische Haus nicht nur für sich selbst lebt, vielmehr nimmt es alles ernst, was in der Welt geschieht. Es wendet sich nach außen hin und möchte die Außenstehenden an seinem sanften Licht teilhaftig werden lassen.

Es mag wohl sein, dass wir durch diese sanfte Art der Reklame viele Menschen nicht erreichen, die nur auf Lärm und Flackerlichter reagieren, auf derbe Gefühle und schnelle Erregung. Wir können jedoch nicht die Mittel zur Erzeugung künstlicher Äußerlichkeiten als Boten für den wahren jüdischen Geist einsetzen.

Wenn ein Werber weiß, dass niemand sein Produkt braucht, muss er enorme Mittel in eine aggressive Kampagne investieren, die den Verstand überlistet und die Sinne verführt. Wenn ein Werber ein Produkt vermarkten soll, das dem Verbraucher wirklich Nutzen bringt, braucht er nicht zu betrügen und die Ware in schillernden Farben zu malen. Es reicht ein einzelner Satz, ein kleines Wort auf einem großen Blatt, ein stiller Ruf von einer großen Wahrheit. Ganz so wie die Lichter von Chanukka.


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