DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT LECH LECHA
Nr. 740
13. Marcheschwan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 12,1-17,27):
Awra(ha)ms Umzug nach Kana'an, göttliches Versprechen, seinen Nachkommen das Land zu geben, ägyptisches Intermezzo, Trennung von Lot, dessen Rettung aus der Gefangenschaft nach den Kriegen mit 4-5 Königen, "Bund der Opferteile", Geburt Jischma'els durch die ägyptische Magd Hagar, Awram>Awraham, Sarai>Sara, Versprechen der Fruchtbarkeit, Gebot der Beschneidung
Haftara: Jeschajahu 40, 27-31, 41, 1-16
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Natur und Auserwähltheit

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

"Und der Ewige sprach zu Awram: Gehe aus deinem Lande und aus deinem Geburtsorte und aus dem Hause deines Vaters" (Gen. 12,1). Dazu fragten die Kommentatoren, warum sich die Einführung von Awraham so sehr von der Einführung Noachs unterscheidet. Bei Noach erwähnte die Tora zuerst seine G~ttverbundenheit: "Noach aber fand Gnade in den Augen des Ewigen" (6,8), und erst danach wird erwähnt, dass G~tt zu ihm sprach, während bei Awraham die Tora überhaupt nichts von seiner Gerechtigkeit erwähnt, sondern plötzlich redet G~tt zu ihm und sagt ihm, er werde ihn zu einem großen Volke machen. Wie ist also die Art und Weise zu verstehen, auf die uns die Tora mit Awraham bekannt macht?

Unser Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk sel., legte uns immer das Studium der Werke des MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag ans Herz, den er "Weltkapazität des Judentums" zu nennen pflegte, besonders, was das Buch "Nezach Israel" (Ewiglichkeit Israels) betrifft, das sich mit dem Wesen des Volkes Israel befasst. Er wies besonders auf das 11.Kapitel hin, das er "das Herz der Ewiglichkeit" nannte, in dem der MaHaRaL die obige Frage behandelt und dazu schreibt: "Die Hauptsache bei der Auswahl, als G~tt Awraham erwählte, war nicht die Auswahl dieser individuellen Person, vielmehr erwählte er ihn und seine Nachfahren in genereller Auswahl".

Der Unterschied besteht darin, dass sich "die individuelle Erwählung nach dem Empfänger richtet, und wenn sich der Empfänger ändert, ändert sich die ganze Angelegenheit, und damit erklärt sich, warum die Schrift die Gerechtigkeit Awrahams nicht erwähnte, bevor sich ihm die göttliche Präsenz offenbarte und ihm sagte 'Gehe aus deinem Lande'... denn sonst hätte es bedeutet, sie offenbarte sich ihm wegen seiner Verdienste - und das wäre eine 'Liebe, die an einen Gegenstand geknüpft ist', und 'jede Liebe, die an einen Gegenstand geknüpft ist, hört auf, wenn der Gegenstand aufhört...' (Mischna "Sprüche der Väter", 5.Kap.), und darum nannte er nicht sein Verdienst um zu zeigen, dass seine Auserwähltheit überhaupt nicht vom Verdienst abhänge; darum ist es unmöglich, dass sie aufhöre".

Der MaHaRaL erklärt dort weiter, dass als Resultat "G~tt die Israeliten zu sich nahm, nicht wegen der Gerechtigkeit Israels und ihrer Taten, sondern in genereller Erwählung", und bemerkt abschließend: "Würden die Menschen das verstehen, würde ihnen gar nicht erst der unsinnige Gedanke kommen, der Ewige verschmähte Israel, g~ttbehüte".

Dieser Grundgedanke erscheint wieder und wieder in den Lehren Rabbiner A.J.Kuks (erster Oberrabbiner Israels), wie z.B. hier: "Es gibt zwei hauptsächliche Dinge, die zusammen die Heiligkeit Israels und die göttliche Kommunikation mit ihnen konstituieren - das eine ist die Eigentümlichkeit (sgula), d.h. eine Natur der Heiligkeit in der Seele Israels als Erbe der Vorväter, wie es heißt: 'Nicht um dein Verdienst... sondern nur nach deinen Vätern trug der Ewige verlangen, er liebte sie und wählte euch, ihre Nachkommen, aus allen Völkern, wie es jetzt geschehen ist' (Dt. 9,5+10,15); diese Eigentümlichkeit ist eine heilige innere Kraft, ruhend in der Natur der Seele nach dem Willen G~ttes wie die Natur einer jeden Sache in der Wirklichkeit, die absolut unveränderlich ist, 'denn er sprach, und es ward' (Psalm 33,9), 'und er stellte sie hin für beständig, ewiglich' (Psalm 148,6)" (Briefe, Nr.555).

Auf dieses Fundament bauten seine zahlreichen Schüler, die die Liebe eines jeden Juden propagierten, um seines Judentums willen, in dem Glauben, dass er die göttliche Eigentümlichkeit besitzt, und auch wenn sie sehr tief verborgen und verdeckt ist, wird sie sich durch große Liebe immer mehr offenbaren, so wie Rabbiner Kuk selbst die Toragelehrten in Israel aufrief, "die in ihrer Natur die Natur der inneren Eigentümlichkeit erkennen... sie sind verpflichtet und dazu ermahnt, jene Sünder [dem Judentum] näher zu bringen, die die innere Eigentümlichkeit besitzen, um mehr und mehr die Kraft des Guten zu erwecken, die in ihnen verborgen liegt, bis dass sie vollständig das der freien Entscheidung entstammende Böse überwältigen und es bezwingen" (ebda.).

In dieser für das Volk Israel schweren Periode, in der sich jene mehren, deren jüdische Eigentümlichkeit sehr unsichtbar im Verborgenen existiert, wollen wir es nach der Weise unserer Lehrmeister halten und Liebe und Frieden mehren, bis sich diese Eigentümlichkeit offen zeigt und es auch von jenen heißt: "Israel, an dem ich mich verherrliche" (Jeschajahu 49,3).
 
 
 
Frage und Antwort

Wissenschaft oder Einbildung?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wo genau verläuft die Grenze zwischen konventioneller und alternativer Medizin? Denn wenn letztere allgemein akzeptiert wird, wird sie ja automatisch konventionell! 
Antwort: Nein, auch wenn sie von Vielen akzeptiert wird, bleibt sie weiterhin alternativ, nur dass eben Viele darauf herein fallen. Entscheidend ist, ob eine Heilwirkung wissenschaftlich bewiesen wurde oder nicht, d.h. mit Hilfe von Beobachtungen und Versuchen. 
Frage: Tatsache ist aber doch, dass alternative Methoden in vielen Fällen wirken?
Antwort: In wissenschaftlicher Hinsicht gibt es keine "nackten Tatsachen", sondern nur Tatsachen mit Erläuterung. Wir freuen uns, wenn ein Mensch geheilt wurde, doch muss man sicher sein, dass nicht eine andere Ursache die Heilung bewirkte. Vor 200 Jahren z.B. brach die schwarze Pest aus, und in der Türkei hatten Mütter den Brauch, Eiter aus der Wunde eines Kranken zu entnehmen, auf ein Messer zu streichen und ihre Kinder damit zu ritzen. Das sollte den Teufel in die Irre führen, damit er glaube, das Kind sei schon krank und lasse es in Ruhe. Diese Methode hatte Erfolg, und so war bewiesen, dass man den Teufel bezwingen kann. Nur dass danach der Arzt Edward Jenner mit seinen Versuchen die Wirksamkeit der Impfung nachwies.
Frage: Was stört denn, ob die Erklärung nicht stimmt, Hauptsache, die Methode wirkt und der Kranke wird gesund.
Antwort: Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, und zwar die psychologische Wirkung, der "Plazeboeffekt". Der Kranke glaubt fest an die Wirksamkeit der Behandlung, daraufhin scheidet sein Gehirn natürliche schmerzdämpfende Substanzen aus, und dann fühlt er sich besser. Deshalb muss man "doppelt verblindete Studien mit Kontrollgruppe" anstellen, d.h. eine Gruppe erhält ein wirkungsloses Mittel, und auch die behandelnden Ärzte dürfen nicht wissen, welche Gruppe sie behandeln. Zum Beweis seiner Wirksamkeit muss die Gruppe mit dem zu prüfenden Mittel deutlich bessere Ergebnisse vorweisen als die Gruppe, die nur Plazebos erhielt. 
Frage: Wen stört, dass es nur wie ein Plazebo wirkt, Hauptsache, der Mensch fühlt sich gut?
Antwort: Weil man damit nur die Symptome angeht, nicht aber die Krankheit selber, die sich verschlimmern kann, und auf diese Weise wird eine wirkliche Behandlung der Krankheit verhindert. Man kann zum Beispiel den Schmerz lindern, der von Krebs herrührt, aber die Krankheit breitet sich weiter aus. So wurde einmal ein homöopathischer Arzt vor Gericht gestellt, weil er die nötige Behandlung verhindert hatte. Ferner muss bewiesen werden, dass die alternative Behandlung keinen Schaden anrichtet.
Frage: Auch in der konventionellen Medizin ist nicht alles bewiesen, Tatsache ist, dass dort immer wieder Veränderungen stattfinden.
Antwort: Das trifft nur auf Details zu, aber die generelle Theorie wurde jeweils bewiesen. Und was die Änderungen angeht, im Gegenteil, das zeigt nur, dass sich die wissenschaftliche Medizin ständig prüft, kontrolliert und verbessert. Das gilt allerdings nicht bei einer Vielzahl eingebildeter Heilmethoden, die auf der Annahme basieren, es gebe "Lebensenergien", deren Existenz noch niemals nachgewiesen wurde, vielmehr handelt es sich dabei um heidnisches Erbe des fernen Ostens. 
Frage: Alternative Medizin wird aber doch auch von den Krankenkassen unterstützt und in den öffentlichen Krankenhäusern praktiziert, die damit letztendlich deren Wirksamkeit zugeben.
Antwort: Nein, dafür gibt es Gründe der Wirtschaftlichkeit und der Verantwortung. Das bringt einfach viel Geld ein, das den echten Behandlungsmethoden zugute kommt. Ferner wird dort verantwortlich behandelt, d.h. Behandlungen durch die wissenschaftliche Medizin werden nicht einfach abgebrochen. 
Frage: Manche behaupten, die wissenschaftliche Medizin sei selbst gar nicht so wissenschaftlich, sondern wirksame Methoden werden von Profit- oder Prestigebestrebungen verdrängt. 
Antwort: Sicher gibt es Erscheinungen von Geldgier und Prestigesucht wie bei allen anderen Berufen auch. Da die wissenschaftliche Methode aber auf ständige Kontrolle gebaut ist, bleiben Manipulationen nicht lange unbemerkt und die Wahrheit bahnt sich ihren Weg ans Tageslicht. Was man nicht von der eingebildeten Medizin sagen kann, die seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden auf erfundenen Annahmen beruht, wie z.B. "Energien", die noch niemals wirklich nachgewiesen werden konnten, oder dass sie wirsamer wären als ein Plazebo.
Frage: Wie kann man hier von Plazeboeffekt reden, denn das wirkt doch auch bei Tieren, die von alledem keine Ahnung haben.
Antwort: Aufgrund des Vertrauens in ihre Eigentümer. Die Gesundheit von Haustieren wird vom seelischen Zustand ihrer Eigentümer beeinflusst.
Frage: Dann muss man auch die Eltern von behandelten Säuglingen mit untersuchen, um den Plazeboeffekt auszuschließen?!
Antwort: Genau das tut man auch; und natürlich ist ein Plazebo unendlich viel besser als eine eingebildete Heilmethode, die obendrein viele Schäden verursachen kann. 
Frage: Es stimmt, dass die alternative Medizin manchmal keine Heilung bewirkt, aber das hat seine Gründe...
Antwort: Ein Grundprinzip wissenschaftlicher Forschung ist das Prinzip der Beweisbarkeit. D.h. der Forscher, der eine Theorie vorlegt, muss einen Versuch mitliefern, und wenn der Versuch misslingt, gilt die Theorie als widerlegt. Die eingebildete Medizin hat in ihren Augen jedoch immer recht, hat für Alles eine Ausrede parat und lässt sich grundsätzlich nicht widerlegen. So heißt es gewöhnlich bei der Homöopathie: Tritt eine Besserung ein - ein Zeichen, dass die Behandlung wirkt. Der Zustand verschlechtert sich während der Behandlung - das ist ein gutes Zeichen, denn der Körper reinigt sich von Giften. Keine Besserung - wenigstens verhindert die Behandlung eine Verschlimmerung. Der Patient stirbt - weil die alternative Behandlung zu spät zum Zuge kam, nachdem die konventionelle Medizin den Patienten bereits ruiniert hatte.
Frage: Vor etwa 200 Jahren brach in Europa eine Choleraepidemie aus, und in den homöopathischen Krankenhäusern starben nur 18% der Kranken, in den gewöhnlichen Krankenhäusern dreimal soviel.
Antwort: Das ist bekannt. In den gewöhnlichen Krankenhäusern mangelte es an Hygiene, und so wurden Krankheiten von einem zum anderen übertragen. Heute sind die gewöhnlichen Krankenhäuser sauber und es sterben 0%, während die Rate bei den homöopathischen Krankenhäusern immer noch 18% beträgt. 
Frage: Wie kann man behaupten, die alternative Medizin sei "eingebildet", wenn sie nicht erforscht wurde?
Antwort: Alles wurde erforscht. Jede medizinische Behandlung auf der ganzen Welt, inklusive Volksheilkunde, sogar das Verfahren von Nostradamus gegen die Pest, durch das Institut Pasteur in Paris. Forscher begeben sich in Lebensgefahr in den entlegensten Winkeln der Erde, um irgendwelchen Medizinmännern die Rezepturen für Heilkräutermischungen zu entlocken, vielleicht wirkt es ja wirklich. Nichts wird von vornherein abgewiesen, doch wird auch nichts ohne Beweise akzeptiert. Im Jahr 5745 erließ die französische Gesundheitsministerin eine Verordnung zur Prüfung eines homöopathischen Verfahrens nach Bauchoperationen. 600 Kranke aus 12 Krankenhäusern wurden in vier Gruppen unterteilt: Die erste erhielt zwei Medikamente, die von Homöopathen ausgewählt wurden, die zweite eines der Medikamente und ein Plazebo, die dritte nur Plazebos und die vierte nichts. Es ergab sich nicht der geringste Unterschied zwischen den vier Gruppen!
Frage: Wo steht in der Tora geschrieben, dass man sich der wissenschaftlichen Medizin bedienen muss?
Antwort: Unser großer Lehrmeister, Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") erklärte, es gebe drei glaubwürdige Quellen für menschliches Wissen: 1. Verstand, 2. Erfahrung, 3. Prophetie und heilige Inspiration. Auch im Talmud heißt es einige Male: "Wozu brauche ich einen Vers, das ist doch logisch?!". Da uns der Schulchan Aruch keine Medizin vom Himmel anbietet, müssen wir uns der anderen beiden Möglichkeiten bedienen. Wenn nicht, liegt das Verbot des "wandelt nicht nach ihren Satzungen" (Lev. 18,3) vor, d.h. die "Methoden der Emoriter" (Tossafot Sanhedrin 52b, Awoda sara 11a). So gibt es ungefähr 150 verschiedene Methoden alternativer Medizin, und fast alle fußen auf antiken Ideologien des fernen Ostens, China, Indien und Tibet, in moderne Begriffe übersetzt - aber nicht auf kontrollierbaren wissenschaftlichen Versuchen. Maimonides schrieb, die "Methoden der Emoriter" entspringen nicht der Erforschung der Natur, sondern sind Ableger der Zauberei ("Führer der Unschlüssigen", III 37), möge G~tt uns davor bewahren. (Eine gute Nachricht: Gerade erschien auch auf Hebräisch das Buch von Simon Singh und Edzard Ernst "Trick or Treatment?", deutsch: "Gesund ohne Pillen - was kann die Alternativmedizin?", zwei ernsthafte Forscher, nach deren Analyse von großen Teilen der Alternativmedizin nicht viel übrig bleibt). Möge uns G~tt vollkommene Heilung zuteil werden lassen...
 
 

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