DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 758
20. Adar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):

Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des goldenen Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40 Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.

Haftara: Jecheskel 36, 16-38

Schabbat Para

Am Schabbes-Tisch...

Seid rein

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Nach den Geboten zum Bau des Heiligtums und seiner Geräte im Abschnitt Truma und den Geboten zur Anfertigung der Priestergewänder im Abschnitt Tezawe erscheint in unserem Wochenabschnitt das Gebot zur Anfertigung eines weiteren Gerätes, nämlich des Waschwasserbehälters. "Mache ein Becken von Kupfer und sein Gestell von Kupfer zum Waschen... Und Aharon und seine Söhne sollen daraus ihre Hände und ihre Füße waschen" (Ex. 30,18-19). Das ist seltsam - warum steht das Gebot zur Anfertigung des Wasserbehälters hier und nicht im Abschnitt Truma? Erklärte Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin (Neziw) aus Woloschin: "Weil alle Geräte zur Heiligung des priesterlichen Dienstes gemacht wurden, und dieses Gerät, obwohl es doch das Wasser heiligt, hat seinen Zweck auch ohne Heiligung des Dienstes, nur zur Vorbereitung des Menschen für den Dienst, oder zum Betreten des Heiligtums auch ohne Ausführung eines Dienstes" (Ha'emek dawar). D.h. dieses Waschen gehört nicht zu den Diensten im Heiligtum, sondern dient der Vorbereitung zu diesem Zwecke. Dazu erklärte Nachmanides: "Dieses Waschen zeugt von Respekt vor der Hoheit, denn wer sich dem Tische der Könige zum Dienste nähert und das Brot und den Wein des Königs berührt, wäscht vorher seine Hände, die doch immerzu irgendwo anfassen, und hier kommt noch das Waschen der Füße hinzu, da die Kohanim ihren Dienst barfuß verrichten, und manche Menschen haben an ihren Füßen Schmutz und Ekliges".

Wir lernen daraus, wegen des Respektes vor der Hoheit uns nicht mit schmutzigen Händen und Füßen dem Heiligtum zu nähern, sondern für deren Sauberkeit zu sorgen.

Doch nicht nur beim Betreten des Heiligtums ist der Mensch dazu verpflichtet, vielmehr schrieb Maimonides: "Da die volle Gesundheit des Körpers zu den Wegen, die zu G~tt führen, gehört - weil der Mensch, solange er krank ist, unmöglich etwas von G~ttes Wesen begreifen und erfassen kann - deshalb muss er sich von all den Dingen fern halten, die dem Körper schädlich sind, und sich nur an die Dinge gewöhnen, welche gesund und kräftig machen" (Sittenlehren 4.Kap.). Im selben Kapitel lehrte Maimonides weiter, wie man durch rechtes Essen und Trinken und überhaupt vernünftige Lebensweise seine Gesundheit schützt, wobei er auch einige Paragraphen dem Waschen widmet. So heißt es auch im Talmudtraktat Schabbat (50b): "Der Mensch wasche sich täglich Gesicht, Hände und Füße zu Ehren seines Schöpfers, denn es heißt: alles hat der Herr ihm zu Ehren geschaffen", und Raschi erklärt "zu Ehren seines Schöpfers": 1. "denn im Bildes G~ttes hat er den Menschen gemacht" (Gen. 9,6), 2. "Wer schöne Geschöpfe sieht, spreche: Gepriesen sei, der solches in seiner Welt geschaffen hat" (Awoda sara 20a).

Zum Vers "Und wenn dein Bruder verarmt" (Lev. 25,35) heißt es im Midrasch (Wajikra raba): "Es steht geschrieben: Es erzeigt sich selber Gutes der Liebreiche (Sprüche 11,17) - das ist Hillel der Ältere, der, als er seine Schüler verabschiedete, mit ihnen ging, und sie fragten ihn: Rabbi, wohin gehst du? Sagte er ihnen: Ein Gebot erfüllen. Fragten sie: Und welches Gebot? Sage er: Mich im Badehaus waschen. Sagten sie: Aber ist denn das ein Gebot? Sagte er: Ja. Wenn man nämlich für die Königsstatuen in den Theatern... jemanden anstellt, der sie pflegt und reinigt".. d.h. der dafür bezahlt bekommt, "dann doch erst recht ich, der ich im Ebenbild geschaffen wurde, wie es heißt: denn im Bildes G~ttes hat er den Menschen gemacht (s.o.)". Und im Midrasch zu den Klageliedern heißt es zum Vers "Und meine Seele verzichtet auf Heil, ich vergesse des Glücks" (Ejcha 3,17): "Sagte Rabbi Schimon ben Gamli'el: Das ist das Hände- und Füßewaschen nach dem Besuch des Badehauses", und die Kommentatoren zur Stelle erklären, dass der Prophet beklagt, seinen Händen und Füßen die Wohltat des Waschens vorenthalten zu müssen.

Aus den genannten Quellen lernen wir den großen Wert der Beachtung körperlicher Reinlichkeit. Manchmal begegnet man einem Bekannten und es fällt einem schwer, sich in dessen Nähe aufzuhalten, weil er von unangenehmen Gerüchen umgeben ist, die in Nachlässigkeit oder Unachtsamkeit ihren Ursprung haben. In einer Zeit, in der Seifen, Deodorants usw. überall leicht erhältlich sind, muss das Bewusstsein zu dieser Reinlichkeit erhöht werden, da sich der Mensch doch häufig in Gesellschaft anderer befindet, oder mit seinem Ehepartner, und sollte die einfachsten Regeln der Körperhygiene beachten. Dadurch erreicht der Mensch alle Vorzüge, wie Rabbiner Mordechai Elijahu (früherer sefardischer Oberrabbiner Israels) in seinem Sidur erwähnt (Sefer hajaschar von Rabenu Tam zitierend): "Reinheit führt zu Heiligkeit, sowohl die Reinheit des Körpers als auch die Reinheit der Seele, und es sind jene lobend zu erwähnen, die in der Mikwe unter zu tauchen pflegen, denn dieses Untertauchen bewirkt auch Sauberkeit, und die Reinlichkeit des Körpers erneuert die Reinheit des Herzens".



HaRav Aviner
 
Fahr Fahrrad!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Fahr mit dem Fahrrad! Rase nicht und riskiere nichts, aber - fahr Fahrrad. Das spart auch Geld. Und es geht schneller als mit Autobus oder Auto und Parkplatzsuche.

Radeln ist leichter, bequemer und auch angenehm. Welch ein Genuss, sich die frische Luft um die Nase wehen zu lassen!

Diese Betätigung ist auch eine nützliche Körperertüchtigung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erklärt, erhöhte Körperbewegung sei das beste Rezept für eine gesunde Bevölkerung, wobei das Fahrradfahren die geeignetste Aktivität dazu darstelle.

Das Fahrradfahren vermindert die Gefahr vorzeitigen Ablebens um mehr als 40%. In wirtschaftlicher Hinsicht lohnen sich Investitionen für entsprechende Infrastruktur wie z.B. Fahrradwege, die nur 5% der medizinischen Kosten ausmachen, die dadurch eingespart werden.

Gleichzeitig geben Leute viel Geld für sportliche Betätigung aus, die manchmal sehr eintönig sein kann. Und hier haben wir in einem einzigen Gerät vereinigt: Schnellen und billigen Nahverkehr + Vergnügen + Sport.

Natürlich gelten die bekannten Vorsichtsregeln: Beleuchtung vorne und hinten, Rückstrahler, funktionierende Bremsen, Klingel, Fahrradhelm, gute Reifen, die nicht rutschen (und auch ein starkes Schloss...).

Vielleicht möge jemand einwenden: "Und hütet sehr eure Seelen..." (Dt. 4,15)! - es ist doch gefährlich, zwischen den unvernünftig schnell fahrenden Autos zu radeln! Das stimmt aber nicht, Radfahren ist nicht gefährlicher als zu Fuß gehen. Und wir werden sicher nicht aufhören zu Fuß zu gehen. Motorradfahren ist wirklich gefährlich, das geben wir zu, aber nicht Fahrradfahren. Kauf dir ein Anleitungsbuch, wie man sicher fährt und Unfälle vermeidet.

Alles in Allem überwiegen die gesundheitlichen Vorzüge die Risiken der Straße. Diese gemäßigte körperliche Anstrengung bedeutet einen ernsthaften Kampf gegen die Fettleibigkeit und schützt vor vielen Krankheiten.

Und natürlich, nicht zu vergessen, der ökologische Gewinn durch fehlende Umweltverschmutzung. Ebenso wie die verminderte Aufnahme von Abgasen gegenüber jemandem, der in einem geschlossenen Fahrzeug sitzt.

Darum sind Sie aufgerufen, sich den weltweit anderthalb Milliarden Fahrradfahrern anzuschließen, wobei Schweden mit 1000km pro Person an der Spitze liegt.

Übrigens richte ich meine Empfehlungen an Männer wie an Frauen. Es gibt besondere Fahrradrahmen für Frauen, und es besteht nicht das geringste halachische Problem bezüglich des Radfahrens der Frauen, natürlich mit sittlicher Kleidung; siehe Kommentar Rabenu Chananel zu Beginn des Traktats Pessachim zum Vers "Da erhoben sich Riwka und ihre Mägde und ritten auf den Kamelen" (Gen. 24,61).

Auch Frauen fühlen sich auf dem Rad freier, mobiler und einen Hauch von Befreiung. Frances Willard, Präsidentin der Abstinenzbewegung und einflussreiche Frauenrechtlerin in Amerika, schrieb im Jahre 5655 (1895) ein Buch mit dem Titel "Wie ich lernte, Fahrrad zu fahren", worin sie erklärte, wie es ihr Vergnügen und ein optimistisches Gefühl verschaffte, ein bedeutender Beitrag zu ihrer Lebensqualität.

Zwar entstand vor einigen Monaten ein Streit im chassidischen Viertel von Williamsburg im Staate New York über das Entfernen der Markierungen von Fahrradwegen, weil dort auch Frauen längs fahren. Demgegenüber kann man aber in Antwerpen Satmarer Chassidim durch die Stadt radeln sehen, ebenso wie ihre schwarz gekleideten Frauen, mit traditioneller Kopfbedeckung und einem Baby auf dem Rücken.

Darum - fahr Fahrrad und atme frei!

Radler

* * *

Hochzeitsfragen

Frage: Wenn die Braut während der Zeremonie fünf oder zehn Minuten betet - warum bedeutet eine so kurze Zeit "Tircha deZibura" - eine Bürde für die Gemeinde?

Antwort: "Tircha deZibura" ist keine Frage der Menge, sondern der Einstellung. Die Braut hat den ganzen Tag Zeit zu beten. Warum soll sie es ausgerechnet dann tun, wenn Alle herum stehen und auf sie warten? Es gibt eine Zeit für Hochzeiten und eine Zeit für Gebete.

Frage: Unsere Weisen sagten: "Der Lohn der Hochzeit sind Worte", was Raschi erklärt: Worte, die Braut und Bräutigam erfreuen. Warum soll man dann keine Ansprache unter der Chuppa halten?

Antwort: Man sollte dem Bräutigam sagen: "Was für eine schöne und fromme Braut", und Ensprechendes der Braut. Es geht um Folgendes: Sicher sollte man während der Hochzeit viele Toraworte sagen, aber nicht unbedingt während der Trauungszeremonie. Es gibt eine Zeit für die Chuppa und eine Zeit für das Toralernen. Überlassen wir aber die Entscheidung darüber dem trauenden Rabbiner.

Frage: Warum sollte der Rabbiner nicht die Trauungszeremonie ausführlich erklären, damit die Leute verstehen, was vorgeht?

Antwort: Im Prinzip eine gute Idee, aber nicht genau dann. Es gibt eine Zeit für die Chuppa und eine Zeit für ausführliche Erklärungen.

Frage: Sollte man einen ausgebreiteten Tallit über das Brautpaar halten?

Antwort: Das ist ein alter, heiliger sefardischer Brauch. Ich möchte hinzu fügen, dass auch viele aschkenasische Gemeinden diesen Brauch hatten, und jeder sollte nach seinem Brauch verfahren. Hauptsache, man verhält sich nach den Regeln der Sittlichkeit.



Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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