DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH 
Nr. 771
30. Sivan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):

Putschversuch Korachs und seiner Anhänger gegen Moscheh und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden, andere werden von himmlischem Feuer verzehrt; deren Räucherpfannen dienen als Altarüberzug zum Mahnmal; anschließender Unmut im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon heilt; göttliches Wunder mit Aharons Stab bestätigt Führung durch Moscheh und Aharon; Bestimmung der Priester und der Leviten zum Tempeldienst und die ihnen zustehenden Abgaben.

Haftara: Jeschajahu 66, 1 - 24

(Schabbat Rosch Chodesch)


Der Stand der Dinge...
Der Ratschluss des Ewigen 
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR


Die Behauptung Korachs und seiner Anhänger gegenüber Moscheh und Aharon: "Zuviel für euch! denn die ganze Gemeinde sind lauter Heilige, denn unter ihnen ist der Ewige, und warum erhebt ihr euch über die Versammlung des Ewigen?" (Num. 16,3) scheint auf den ersten Blick berechtigt - denn wirklich sind die ganze Gemeinde lauter Heilige, wie es heißt: "Aber ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein" (Ex. 19,6), und auch die Behauptung "unter ihnen ist der Ewige" ist wahr, wie bereits gesagt wurde: "Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne" (Ex. 25,8) - warum wurden Korach und seine Anhänger also bestraft? Weil Korach nach Amtswürden strebte und auf die Führung Moschehs und Aharons neidisch war; alle seine Sprüche beruhten auf Neid und Machtgier. Korach sprach auch nicht die volle Wahrheit - wohl kann man das jüdische Volk allgemein als heiliges Volk bezeichnen, doch innerhalb des Volkes gibt es Unterschiede zwischen Kohanim (Priestern), Leviten und Israeliten, sowie dem Hohepriester.

G~tt zog Grenzlinien in seiner Welt (siehe Raschi zu Num. 16,5), d.h. Abstufungen, beim Menschen, bei der Örtlichkeit und bei der Zeit. Wer alles in den Topf der Gleichmacherei wirft, sündigt gegen die Wahrheit und zerstört am Ende sich selbst und andere.

Die Verwendung einer korrekten Behauptung zur Erreichung eines bösen Zweckes, so wie es Korach tat, bringt nicht ans gewünschte Ziel, sondern im Gegenteil, führt zu Zerstörung und Untergang. Dieser Sachverhalt wird beim "Räucherwerk" (Ketoret) angedeutet, jenes Räucherwerk, das Israel Sühne verschaffen und die Plage anhalten sollte, und ebenfalls die 250 Leute vernichtete, die Korach nachliefen, wie es heißt: "Und ein Feuer ging aus von dem Ewigen und verzehrte die zweihundertfünfzig Männer, welche das Räucherwerk dargebracht hatten" (Num. 16,35). Man könnte das mit einem Atomkraftwerk vergleichen, mit dem man Millionen Menschen mit Licht und Energie versorgen kann, so wie das Räucherwerk im Tempel für Erleuchtung und spirituelle Erhebung in der Welt sorgt, und mithilfe desgleichen Atomkraftwerkes lassen sich furchtbare Waffen fertigen, mit denen g~ttbehüte Millionen Menschen vernichtet werden können. Die Frage ist nur, wer es benutzt und wofür.

Nach dem Stand der Dinge begegnen wir auch in unserer Generation Behauptungen, die denen Korachs ähneln, d.h. allgemein-universalen Einstellungen, ohne in der Allgemeinheit verschiedene Stufen zu unterscheiden. Was die Menschheit betrifft, so sind doch alle Menschen gleich, denn sie alle wurden "im Ebenbild G~ttes" geschaffen (Gen. 1,27), und das Volk Israel unterscheidet sich von den anderen Völkern, wie wir im Unterscheidungssegen (Hawdala) sagen: "der zwischen Israel und den Völkern unterscheidet", und auch innerhalb des jüdischen Volkes gibt es Unterschiede, zwischen Hohepriester, den übrigen Kohanim, den Leviten und den übrigen Juden. Eine Verneinung der Grenzen und der Unterschiede zwischen den Menschen und zwischen den Völkern führt zu Selbstzerstörung, zu Assimilation und Verfälschung der Wirklichkeit. So verhält es sich auch mit dem Ort. Es stimmt wohl, dass die Erde rund ist und sich alle Länder auf der gleichen Kugel befinden, doch gibt es einen Unterschied zwischen dem Lande Israel und allen anderen Ländern, und innerhalb Israels - Jerusalem, und innerhalb Jerusalems - der Tempelberg, der Ort unseres Heiligtums. Eine Verwischung der Unterschiede der Orte führt zwangsläufig zu Wissens- und Glaubensmangel im Verhältnis zum Lande Israel und zu Jerusalem und dadurch zu einer Schwäche unseres Festhaltens an ihnen und der großen Pflicht, das ganze Land Israel, und besonders Jerusalem zu besiedeln. Diese unsere Schwäche nutzen die Amerikaner, die Europäer und die Araber aus, um auf uns Druck auszuüben, Teile unseres Landes abzugeben und sogar Jerusalem zu teilen.

Wir müssen und von dieser Schwäche erholen und uns durch Rückkehr zu unseren Ursprüngen stärken, und müssen in absolut sicherem Glauben wissen, dass G~tt nicht nur der Herr über Alles und König der Welt ist, sondern auch Grenzen in seiner Welt gezogen hat - und uns von allen Völkern unterschieden und das Land Israel von allen Ländern erwählt hat, wie es heißt: "Denn erkoren hat der Ewige Zion, begehrt zum Wohnsitze sich" (Psalm 132,13), "Denn Jakov hat sich G~tt erkoren, Israel zu seinem Heiligtume" (135,4), und dadurch wird sich an uns erfüllen: "Es gehen unter die Völker aus seinem Lande" (Psalm 10,16), "Der Ewige stört den Ratschluss der Völker, vereitelt die Gedanken der Nationen" (33,10), "Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen, aber der Ratschluss des Ewigen, der hat Bestand" (Sprüche 19,21), "Des Ewigen Ratschluss wird ewiglich bestehen, seines Herzens Gedanken für alle Geschlechter" (Psalm 33,11).

In Erwartung der vollkommenen Erlösung
Rav Dov Begon


Kinder, Kinder...
 

Reagieren oder ignorieren?
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim


Vor einiger Zeit gab es in unserem Lande eine Woche lang ein großes Spektakel und Gezeter wegen der Verhaftung eines bekannten Unterhaltungskünstlers, der einen gewalttätigen Angriff auf seine Arbeitgeber beim Rundfunk geplant hatte. Der Skandal löste einen Sturm in den Massenmedien aus, die Zeitungen veröffentlichten detaillierte Beschreibungen, und die elektronischen Medien sendeten Reportagen. Das brachte uns nun zu einem erzieherischen Dilemma: Ist es pädagogisch richtig und angebracht, sich mit diesen Ereignissen auseinanderzusetzen und den Standpunkt des Judentums darzustellen, sowohl vor Jugendlichen als auch Erwachsenen, in den Schulen und in den Synagogen? Inwieweit sollte die Erziehung einen Charakter von "Neuigkeit" annehmen? Bedeutet die Auseinandersetzung mit aktuellen Geschehnissen einen Vorzug oder einen Mangel?

Manche sagen, aber sicher muss man sich mit den "Neuigkeiten" auseinandersetzen, weil unsere Tora eine Lehre des Lebens ist, die uns auch durch aktuelle Geschehnisse navigieren muss, durch das Hier und Jetzt. Man darf sich nicht mit frommen Gemeinplätzen begnügen, die immer und jederzeit, allerorts und in jeder Generation gültig sind, weil das Realitätsferne und Entfremdung von den Höhen und Tiefen des Lebens signalisiert. Pädagogen müssen den Nachrichten folgen und darauf reagieren. Und nicht nur das: Es darf auf keinen Fall eine so goldene Gelegenheit verpasst werden, die finsteren Machenschaften der mächtigen Massenmedien vorzuführen. Sie zeigen sich von ihrer schlimmsten Seite, und wie sollten wir das nicht ausnutzen, vor den Gefahren des Fernsehens zu warnen, wenn jene seine Idole sind! Dieser Fall macht schlagartig deutlich, was wirklich dort im Verborgenen vorgeht. Der Charakter der Kulturakteure legt Zeugnis ab vom Charakter der von ihnen vermarkteten Kultur. Die Schande der Programme und der Realityshows wird vor aller Augen sichtbar, und warum sollten wir bei dieser Gelegenheit nicht an alle empfänglichen Leute appellieren, sich und ihre Familien von diesem "Sündenpfuhl" fernzuhalten?!

Man darf wohl annehmen, dass sich viele Erzieher und Eltern zu diesem Dilemma ihre Gedanken machten, ob bei dieser Gelegenheit oder ähnlichen: Reagieren oder ignorieren?

Trotz der großen Versuchung, sich mit derlei Aktualitäten zwecks Übermittlung einer erzieherischen Botschaft zu beschäftigen, neigen die pädagogischen Abwägungen gerade zugunsten des Ignorierens! Und warum? Weil jedem, der sich mit Schmutz beschäftigt, selbst wenn er ihn beseitigen will, davon anhaftet und ihn selber beschmutzt, wie ein bekanntes chassidisches Sprichwort besagt. Der gute Pädagoge ignoriert den Kulturschmutz. Die intensive Beschäftigung mit negativen gesellschaftlichen Erscheinungen beschmutzt die Seele, die eigene als auch die Anderer, auch wenn man zum Ziel hatte, diese Erscheinungen anzuprangern und zu beseitigen. Dem Bösen gegenüber verhalten wir uns nach der halachischen Regel (die die Rückgabe von Fundsachen geringen Wertes behandelt, wobei die Beschäftigung damit unter der Würde mancher Menschen ist, z.B. "ein Greis und nicht nach seiner Würde"): "Und du wirst dich ihrer entziehen (Dt. 22,1) - zuweilen darfst du dich entziehen" (Baba mezia 30a).

Wer die Gesellschaft verbessern und voranbringen will, sollte sich lieber mit mit der Förderung einer positiven Alternative befassen, mit den ewig gültigen Werten, mit dem "Guten", mit den gesunden moralischen Bestrebungen und seine Seele so weit wie möglich von der Beschäftigung mit schlechten Dingen fernhalten (obwohl das "Böse" Schlagzeilen macht und die Medien in Atem hält).

Das vorgenannte chassidische Sprichwort wurde vom Kommentar Schem MeSchmu'el im Namen seines Vaters, dem Awnej Neser (dem chassidischen Oberhaupt von Sochatschow) erwähnt: "Von meinem Vater ... hörte ich ein Gleichnis dazu, dass es dem Menschen nicht gut ansteht, daran zu denken, wie er das Böse von sich abwehrt, denn wenn er so über das Böse Überlegungen anstellt, selbst um es abzuwehren, ist es unmöglich, dass er nicht wenigstens davon einen üblen Geruch annimmt, so wie jemand, der die Kanalisation und Latrinen reinigt, denn auch wenn er sie reinigt, bleibt immer von dem Geruch an ihm hängen. Vielmehr lenke er alle seine Gedanken auf das Torastudium und die Halacha, dann verschwindet das Böse von selbst" (Schem Meschmu'el, "Pinchas" 5677). Man sollte sich nicht mit dem Inhalt von Latrinen beschäftigen, um sich nicht zu beschmutzen. Ebenso sollte der Mensch nicht in Gedanken in der "Abwehr des Bösen von sich" stochern, denn diese Beschäftigung hinterlässt Spuren an ihm. Wollen wir uns lieber nur mit dem Guten beschäftigen, dann verschwindet das Böse von ganz alleine.

Darum lassen wir am besten die "Kultur des Sündenpfuhls" links liegen. Diese Kultur ist unserer Aufmerksamkeit nicht würdig, und ihre Vertreter keiner Erwähnung. Und wie setzen wir uns mit ihr auseinander? Indem wir uns in die Alternative vertiefen, ins Gute - Tora, Halacha, Glauben und Charakterbesserung. Konzentrieren wir uns auf die Gesetze der Gnade, die den Menschen lehren, für das Wohl des Nächsten zu sorgen, wodurch er automatisch von der Selbstvergötterung abkommt. Wir werden weiterhin in den Schulen den Talmudabschnitt "Dies sind die Funde" (Baba mezia II) lehren, der sich mit den Gesetzen von der Rückgabe von Fundsachen beschäftigt, um unseren Kindern Respekt und Verantwortung bezüglich des Eigentums Anderer einzuflößen. So schaffen wir eine Alternative.

Überhaupt sind die Möglichkeiten der frontalen Bekämpfung des Bösen sehr beschränkt. Predigten gegen eine Kultur der seichten Unterhaltung nützen nicht, solange keine attraktive Alternative geboten wird: eine alternative Kultur mit Tiefgang und Optimismus, eine "Lehre des Lebens". "Ansprachen gegen" allein führen nicht zum Erfolg. Und der Beweis: Trotz der unzähligen Beweise, die sich zur Illusion vom Rückzug aus Gebieten des Landes Israel angesammelt haben, glauben immer noch Zehntausende daran und halten daran fest. Wie kommt das? Weil ihnen niemals eine würdige Alternative aufgezeigt wurde. So verhält es sich auch mit billiger Kultur. Wissen denn die Konsumenten der Fernsehunterhaltung und der Realityshows nicht, welches Gift sie sich selber und ihren Familienmitgliedern verabreichen und damit ihre geistige Gesundheit und den Zusammenhalt der Familie aufs Spiel setzen?! Natürlich wissen sie es, doch sie sind nicht davon überzeugt, dass es eine Alternative gibt. Darum werden zusätzliche Gardinenpredigten nicht die Wende herbeiführen, sondern der Aufbau einer angemessenen Alternative, und darauf sollten wir uns konzentrieren.



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