DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT JITRO
Nr. 754
22. Schwat 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 18,1 - 20,23):

Jitro, Moschehs Schwiegervater, kommt zum Volk Israel in die Wüste; gibt Moscheh Rat, Richtervollmachten zu delegieren; Bund mit dem Ewigen, ein heiliges Volk zu sein und seine Worte zu befolgen; die 10 Gebote am Berge Sinai; das ganze Volk Augenzeugen.

Haftara: Jeschajahu 6, 1-13, 7, 1-6, 9, 5-6

 

Am Schabbes-Tisch...

Die Guten und die Bösen

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Unsere Vorfahren lebten nicht im luftleeren Raum, sondern begegneten ihren Mitmenschen von den Völkern der Welt. Nach dem, was in der Tora und von den talmudischen Weisen darüber berichtet wird, zeitigten diese Begegnungen meistens negative und feindliche Resultate, begleitet von Gefahr und Bedrohung. Awraham wurde von Nimrod in den Feuerofen geworfen, Sara sah Jischma'el mit Jizchak "spielen", wobei die Weisen in diesem "Spiel" Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen erkannten. Dabei handelte es sich um den Versuch, Jizchak sowohl spirituell zu beseitigen (Götzendienst), moralisch (Unzucht) als auch physisch (Blutvergießen). Diese Gefahren wurden von Awraham nicht erkannt, sondern nur von Sara in ihrer Sorge um Jizchaks Wohlergehen und Zukunft. Darum forderte sie von Awraham: "Treib aus diese Magd und ihren Sohn" (Gen. 21,10), doch er weigerte sich, und erst der göttliche Befehl: "In allem was Sara dir sagt, hör auf ihre Stimme!" (V.12) veranlasste ihn, seiner Frau zu zu stimmen. Auch Jakov wurde bedroht, und zwar von Eßaw: "Es werden heran kommen die Tage der Trauer um meinen Vater, dann will ich meinen Bruder Jakov erschlagen" (Gen. 27,41). Danach Lawan, der sogar von sich selbst sagte: "Es steht in der Kraft meiner Hand, euch Übles zu tun" (Gen. 31,29), und nur die göttliche Einmischung hinderte ihn daran: "..aber der G~tt eurer Väter hat gestern zu mir gesagt: Hüte dich zu reden mit Jakov weder Gutes noch Böses" (ebda.). Später fällt Schchem Sohn des Chamor über Jakovs Tochter Dina her. Pharao und die Ägypter zeigten große Undankbarkeit nach Allem, was Josef für sie getan hatte, und vergolten Gutes mit Bösem.

Eine Ausnahme bildete Jitro, Moschehs Schwiegervater, dessen Begegnung mit dem Volke Israel gute Resultate brachte. Jitro begann seine Karriere als Götzenpriester, der keine Art Götzendienst ausließ (Midrasch) und Kälber für den Götzendienst mästete (Sota 43a). Obwohl er in Midjan sowohl ein politisches als auch ein religiöses Oberhaupt war (Fürst und Priester), verzichtete er zugunsten der Wahrheit sogleich auf alle Ämter und Würden, als er sich seines Irrtums bewusst wurde: "Er sah, dass der Götzendienst keinen wirklichen Inhalt hatte und schwor ihm ab, rief seine Landsleute zusammen und sagte ihnen: Bis jetzt diente ich euch, jetzt bin ich alt, wählt euch einen anderen Priester, und er brachte die Götzendienst-Utensilien heraus und gab sie ihnen". Diese Entscheidung nahmen seine Leute nicht so leicht hin: "Da standen sie auf und taten ihn in den Bann, dass niemand ihm helfe und kein Mensch ihm eine Arbeit verrichte und sein Vieh nicht weide, darum schickte er seine Töchter dazu aus" (Midrasch Schemot raba).

Jitro symbolisiert den prinzipientreuen Nichtjuden, der seine gesellschaftliche Stellung zugunsten seiner Prinzipien und Ideale zu riskieren bereit ist. So handelte er, als er in Würden im Palast des Pharao saß: "Drei waren an diesem Ratschlage beteiligt (als Pharao sagte: Lasst uns ihnen durch List beikommen, Ex. 1,10): Bil'am, Ijow und Jitro. Bil'am, der den Rat erteilte, wurde erschlagen; Ijow, der schwieg, wurde durch Züchtigungen bestraft; Jitro, der floh, war es beschieden, dass Enkelkinder von ihm in der Quaderhalle saßen" (Sitzungsraum des Sanhedrins im Tempel; Sota 11a). Nach langer Wanderung gelangte Jitro zum Lager Israels und wurde dort hoch geehrt, nicht nur Moscheh, sein Schwiegersohn, ging ihm entgegen, sondern auch Aharon, Nadaw und Awihu und mit ihnen siebzig der Ältesten Israels (Midrasch). Da ereignete sich etwas Seltsames: Obwohl Jitro in seinem Lande zu einer unerwünschten Person erklärt und von seiner Umgebung gebannt wurde und ihm im Lager Israels alle Würden zuteil wurden, blieb er nicht, sondern bestand darauf, in sein Land und seine Heimat zurück zu kehren. Obwohl ihm Moscheh versprach: "wir wollen dir Gutes tun, denn der Ewige hat Israel Gutes zugesagt" (Num. 10,29), lehnte Jitro höflich diesen Vorschlag ab und hielt zu seiner Ansicht: "Ich will nicht gehen, sondern in mein Land und nach meinem Geburtsorte will ich gehen" (V.30). Moscheh gab nicht nach und beschwor ihn: "Verlass uns doch nicht... Wenn du nun mit uns gehst, so wollen wir dich jenes Gute mit genießen lassen, dass der Ewige uns angedeihen lassen wird" (V.31-32). Doch Jitro blieb hart und kehrte am Ende in seine Heimat zurück.

Was war der Grund für Jitros Verhalten? Im Midrasch finden wir mehrere Gründe, und alle zeugen von ideellen Motiven. Nach der Mechilta begnügte sich Jitro nicht mit seinem persönlichen Glück, es reichte ihm nicht, seine eigene Seele gerettet zu haben, sondern ging, alle seine Landsleute zu konvertieren. Dies formulierte er gegenüber Moscheh folgendermaßen: "Eine Kerze nützt nur am Orte der Finsternis, was aber hat sie neben Sonne und Mond zu suchen?! Du bist die Sonne, und Aharon der Mond" (Midrasch hagadol). Jitro behauptete, in Midjan könne er mehr Nutzen bringen als im Lager Israels. Einen weiteren Grund entnehmen wir dem gleichen Midrasch: "Jitro überlegte und sagte: Letztes Jahr war Dürre, und ich borgte und ernährte die Armen, und wenn ich nicht gehe und die Schulden zurück zahle, würde ich den heiligen Namen entweihen". An anderer Stelle wurde hinzu gefügt: "Viele Menschen gaben ihm Dinge zur Aufbewahrung; wenn ich alles liegen lasse und meinen Weg gehe, werden sie sagen, er nahm die Dinge und gab sie seinem Schwiegersohn, und bringe mich und dich dadurch in Verruf; ich gehe und gebe alles zurück". So war Jitro vom Anfang bis zum Ende ein prinzipientreuer Mensch.

 


Am Schabbes-Tisch...

Chuppa am Sinai

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Die letzte Mischna im Traktat Ta'anit stellt einen Vergleich an zwischen der Übergabe der Tora am Sinai und dem Tag der Eheschließung eines jüdischen Menschen: "Kommt heraus und schaut, Töchter Zions, den König Schlomo im Kranze, mit dem ihm seine Mutter bekränzt hat am Tage seiner Vermählung, am Tage seiner Herzensfreude. Am Tage seiner Vermählung - das ist die Gesetzgebung; am Tage seiner Herzensfreude - das ist die Erbauung des Tempels...". Dazu findet sich Folgendes im Kommentar Taschbetz katan: "Hier hast du eine Regel zur Hand: Alle Bräuche von Bräutigam und Braut lernen wir von der Übergabe der Tora, als G~tt sich wie ein Bräutigam gegenüber der Braut aufführte, nämlich Israel".

Dafür lassen sich viele Beispiele finden (mein besonderer Dank gilt Rabbiner Israel Sammet, von dem ich die meisten der hier angeführten Dinge lernte): Die Zählung der Tage durch die Braut bis zur Chuppa im Zuge ihres Reinheitsprozesses vor der Hochzeit entspricht dem Omerzählen, dem Zählen der Tage auf dem Wege der Reinigung von den Unreinheiten Ägyptens (7 Tage gegenüber 7 Wochen). Das Fasten des Brautpaars am Tage der Chuppa (aschkenasischer Brauch) entspricht dem Fasten an Jom Kippur, an dem die Tora nach der Sünde vom goldenen Kalb erneut gegeben wurde. Die Kerzen, die von den Eltern des Brautpaares gehalten werden, erinnern an die Blitze am Berge Sinai (und das Orchester an den "Posaunenschall, der fort und fort stärker ward", Ex. 19,19...). Der Gang des Bräutigams zur Braut und die Bekanntmachung seiner Wahl durch ihr Bedecken mit dem Brautschleier entsprechen G~ttes Wahl des Volkes Israel, nachdem er vorher alle anderen Völker angegangen war. Der Hochzeitsbaldachin (die eigentliche "Chuppa") entspricht den "Wolken der Ehre", die den Berg umgaben, und die Aufstellung des Brautpaares darunter die der Israeliten am Fuße des Berges. Der Rabbiner, der die Trauung durch führt, erinnert ein wenig an unseren Lehrer Moscheh. Die Ketuba (das Verpflichtungsdokument des Ehemannes) ähnelt den Gebotstafeln - der schriftlichen Tora, und das Zerbrechen des Glases erinnert auch an das Zerbrechen der ersten Gebotstafeln. Das Eintreten des Paares in ihr Hochzeitszimmer (wo sie zum ersten Mal zusammen alleine sind; Aschkenasim: gleich nach der Chuppa, Sefaradim: gleich nach der Hochzeit) gleicht der Einweihung des Heiligtums und dem Erscheinen der göttlichen Präsenz dortselbst, im Sinne von "Mich brachte der König in seine Gemächer" (Hohelied 1,4).

Die Parallelen erstrecken sich nicht nur auf Äußerlichkeiten, sondern reichen auch tiefer. Zwei Aspekte lassen sich dazu erwähnen, der erste betrifft das Erlebnis: ein Volk, freudig erregt bei der eindrucksvollen Begegnung mit G~tt, dem Fels Israels und seines Erlösers, das seinem ernsten Willen zu dieser Verbindung mit den Worten "wir wollen es tun und [auf G~tt] hören" (Ex. 24,7) Ausdruck verleiht. Dieser Aspekt wurde in folgendem Vers verewigt: "Ich gedenke dir deine jugendliche Huld, deine bräutliche Liebe" (Jirmijahu 2,2). Der zweite Aspekt betrifft die Fortsetzung der Verbindung und ihre volle Umsetzung im täglichen Leben. "Dies lehrt, dass der Heilige, gepriesen sei er, über sie den Berg wie einen Kübel stülpte und zu ihnen sprach: Wollt ihr die Tora empfangen, so ist es gut, wenn aber nicht, so ist hier euer Grab" (Schabbat 88a).

Beide genannten Aspekte gelten auch bei der Chuppa. Das eindrucksvolle Erlebnis des Liebespaares, das froh ist, nun die Verbindung zu verwirklichen, die sich zwischen ihnen abzuzeichnen begann, einerseits, und die gegenseitige Verpflichtung zur Erfüllung des mit Urkunde und Antrauung eingegangenen Bundes andererseits.

Zwei Lehren erhielten wir am Berge Sinai: die schriftliche Tora und die mündliche Tora. "Schreibe dir diese Worte auf" (Ex. 34,27) - die schriftliche Tora. "denn auf den Inhalt dieser Worte schließe ich mit dir einen Bund und mit Israel" (ebda.) - die mündliche Tora. Bei der Chuppa werden die Gebotstafeln, die schriftliche Tora durch die Ketuba vertreten: die schriftliche Verpflichtung, unterschrieben von zwei Zeugen und besiegelt durch die Unterschrift des Bräutigams. Die mündliche Tora wird bei der Chuppa durch den Ring symbolisiert. Zwei Bedeutungen hat dieser Ring, der deutlicher als alles Andere "den Brauch von Moscheh und Israel" (aus der Antrauungsformel) zum Ausdruck bringt. Eine davon bezieht sich auf die Weisung, "einen Zaun um die Tora" zu machen. Den Ausdruck "und er grub ihn um" aus dem Beispiel des Weinbergs bei Jeschajahu (5,2) erklärte Raschi: Er begrenzte und umzäunte ihn wie eine Art Ring".

Der Ring steht für die Verpflichtung der Eheleute, sich nicht mit den formalen Verpflichtungen zu begnügen, die sie bei der Eheschließung übernahmen, sondern den Bund zwischen ihnen wie ihren Augapfel zu hüten und weitere Verhaltensweisen zu entwickeln, die jene Verbindung verbessern und schützen, die sie derzeit schaffen.

Jene "Vorschrift zur Vorschrift" (Mo'ed katan 5a), jener "Zaun um die Tora", den das Volk Israel selbst zieht um den Bund mit G~tt zu stärken, führt zu einer weiteren Deutung der Antrauung mit Ring. Der Talmud jeruschalmi (Rosch Haschana 1,3) bringt ein Gleichnis, das die Autorität der Weisen zur Festlegung der Feiertage durch die Heiligung des Neumonds erklärt: "Der König hatte einen Ring; als sein Sohn groß war, übergab er ihn ihm".Auch von der Estherrolle her kennen wir die Übergabe des Ringes als Verleihung von Autorität - der Ring, den Achaschwerosch an Haman übergab, und von Haman in die Hände von Mordechai gelangte.

Die mündliche Tora ist die Autorität, die G~tt den Weisen seines Volkes übergab, die Gesetze so fest zu legen, wie sie es von seinem Worte verstehen. Hier gibt es kein Diktat "von oben", sondern einen fundamentalen Dialog zwischen der Tora, die vom Himmel herab kommt, und der Tora, die von der Erde empor wächst.

"Der Geist der Nation, der mit dem Lichte der Tora der Wahrheit verbunden ist wie die Flamme mit der Glühkohle, verursachte durch ihren besonderen Charakter, dass die mündliche Tora auf ihre besondere Weise entstand" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot Hatora).

So verhält es sich auch im System der gegenseitigen Beziehungen des Ehepaares. Es darf nicht nur auf die Implementierung von Weisungen gebaut sein, die sie "von oben" erhielten. Sie müssen die Gestaltung ihres Heimes auf Dialog gründen und aus diesem Dialog heraus eine neue Schöpfung von Lebensführung, Bräuchen und Verhaltensweisen sprießen lassen, die ihr Haus als ihr besonderes Revier auszeichnen und die Persönlichkeit jedes Einzelnen von ihnen durch scheinen lässt, unter ständiger Anlegung der festen Grundprinzipien an die sich wechselnden Lebensumstände.

Der Bund der Ehe und der Bund bei der Übergabe der Tora sind miteinander verflochten, lehren und lernen einander. Dazu sagten die Weisen: "Wer vom Gastmahl des Bräutigams genießt und ihn nicht erheitert, übertritt fünf Stimmen, denn es heißt: Stimme der Wonne und Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams und Stimme der Braut, Stimme derer, die da sprechen: Danket dem Herrn der Heerscharen. Was ist seine Belohnung aber, wenn er ihn erheitert? Ihm wird die Tora zuteil, die durch fünf Stimmen gegeben wurde" (Brachot 6b).

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