DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Dt. 32,1-32,52):
Schabbat Schuwa - Montag:
Jom Kippur
Nicht weniger als acht Mal erscheint das Wort "Zur" (Fels) in verschiedenen Beugungen im Liede "Ha'asinu", das die ganze Tora zusammen gefasst enthält. In diesem Lied zeichnet unser Lehrer Moscheh den Ablauf der Geschichte des jüdischen Volkes bis ans Ende der Zeiten vor, bis hin zu seiner endgültigen Vervollkommnung. Darüber hinaus lautet das erste Wort, mit dem Moscheh seine Rede eröffnet (nach einer kurzen Einleitung): "Ein Fels ist er, sein Tun vollkommen" (Dt. 32,4). Was soll das bedeuten? Die talmudischen Weisen erklärten dazu im Midrasch Sifri (zur Stelle), der Stamm des Wortes "Zur" enthalte zwei Weisungen: 1. Stärke und Nachdruck, 2. Zur wie Ziur (Bild), wie es im Talmud heißt: "es gibt keinen Schöpfer (Zur) wie unser G~tt - es gibt keinen Bildner (Zajar) wie unser G~tt" (Brachot 10a). Die Bedeutung: Das Erscheinen des Volkes Israel auf der Achse (Zir) der Geschichte kannte Höhen und Tiefen, Erleuchtung und Verbergen, Gut und Böse. Dazu könnte der Betrachter fragen, wo findet sich da der Zur, die göttliche Stärke und der Nachdruck, verfährt etwa so der Herr der Welt mit seinen Kindern? Diese Frage verschärfte sich noch im tiefsten Mittelalter, als das jüdische Volk so niedrig angesehen war, bis dass sich Rabbi Jehuda Halevi genötigt sah, sein berühmtes Buch "Kusari" zu verfassen, dessen ursprünglicher Titel lautete: Das Buch der Verteidigung und des Beweises des erniedrigten Glaubens...". Will sagen, die göttliche Macht offenbart sich in der Geschichte auf verschiedene Weisen. Manchmal auf angenehme, und manchmal auf sehr unangenehme Weise. Manchmal verstehen wir sie, und manchmal überhaupt nicht. Doch das alles ist Bestandteil eines großen Gesamtbildes des großen Zeichners, dem Herrn der Welt. Das ist die Basis für das Lied "Ha'asinu". Es gibt einen Schöpfer, der den ganzen Prozess vorzeichnet, nach allen seinen Stufen und Gründen - "Ein Fels ist er, sein Tun vollkommen". In einer Zeitperiode, in der es scheint als ob die ganze Welt von einer Gruppe Herrscher, Politiker und Volksführer geleitet wird, von denen manche mit Zerstörung und Untergang drohen, so wie der iranische Präsident, und in der der menschliche Verstand keine Grenzen zu kennen scheint, wie in der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung zum Ausdruck kommt, wollen wir uns ins Gedächtnis rufen, dass das Herz der Könige in der Hand G~ttes liegt (nach Sprüche 21,1), "der die Kriege beherrscht, Wohltaten aussät, Heil hervor sprießen lässt...", bis er "ein neues Licht über Zion aufleuchten lässt" (Morgengebet). Das zeitweilige Versagen (das in Wirklichkeit ein Dauerzustand ist), den göttlichen Partikel zu finden, der die Entstehung der Welt auslöste, "denn [G~tt] sprach, und es ward, er gebot, und es bestand" (Psalm 33,9), und nicht dieses oder jene Teilchen, die schwere Wirtschaftskrise, die die Supermacht USA heimsucht, die als Führungsmacht der Welt angesehen wird, sind nur einige Anzeichen dafür. Darum wollen wir uns und andere auch einen Moment vor dem Betreten der Sukka (Laubhütte) daran erinnern, dass es Zustände gibt, bei denen die zeitweilige Behausung in Wirklichkeit die feste ist - und was uns als felsenfest erschien, zerbröckelt vor unseren Augen. Wie bedeutend zeigen sich doch die Worte von Rabbiner A.J. Kuk ("Moadej Hara'aja"): "Und wenn einer sich wundern sollte, wie könne eine zeitweilige Behausung so sehr schützen, bis dass sie als Musterbeispiel des Schutzes heran gezogen wird? Wie kann ein Bauwerk aus zwei dünnen Wänden, wie sie die Halacha vorschreibt, und einer dritten von nur 10cm Weite zu einer Festung gegen jeden Angreifer und Feind werden? Ganz offen zu sagen vor Allen in der Welt, es ist das Wort G~ttes, das die dünnen Wände der Sukka stärkt und festigt. Das Gesetzeswerk der Tora, das die Sukka als 'Wohnung' definiert, das ist es, was ewig besteht und Bestehen verleiht, und wenn auch die modernsten Waffen die stärkste Festung durchbrechen können, so vermögen sie doch nicht die Festungsmauer der Toragesetze, des G~tteswortes zu fällen". "Es gibt keinen Schöpfer
wie unser G~tt - es gibt keinen Bildner wie unser G~tt" (s.o.).
Jom Kippur Was passiert an Jom Kippur? Rav Eran Tamir Der zentrale Vers, den wir so G~tt will viele Male in unseren Gebeten an Jom Kippur aussprechen werden, erläutert das Wesen und die Hochrangigkeit dieses heiligen Tages, der uns zum Guten gereichen möge: "Denn an diesem Tage wird er euch sühnen, dass ihr rein werdet; von all euern Sünden sollt ihr rein werden vor dem Ewigen" (Lev. 16,30). Schon nach einer ersten Betrachtung ergeben sich dazu einige Fragen: 1. Denn an diesem Tage
wird er euch sühnen - worin besteht die erwähnte Sühne,
bis dass die talmudischen Weisen dazu erklärten: "Denn dieser Tag,
er wird euch Sühne bringen" (Joma 85b, Maimonides, Gesetze von der
Umkehr 1,3)?
Erläuterte Rabbiner Moscheh Charlap (seinerzeit Leiter der Merkas-Harav Jeschiwa in Jerusalem) in seinem Werk "Ori wejisch'i" (S.349): "Und das ist die Bedeutung von Sühne und Reinigung: Die Sühne ist das entsühnen von der Sünde, und die Reinheit ist die Abtrennung der Sünde an sich vom Menschen, der so getrennt von den Sünden ist, und die Sünde ist ein Zweites neben ihm". Im Klartext: Jede Sündentat (Mangel), die der Mensch begeht, hat zwei Konsequenzen, zwei Bedeutungen, was automatisch zu zwei Schäden führt, zwei Schädigungen: a) technisch-äußerlich - die Tat an sich, die sich gegen den Willen G~ttes richtet, macht den Menschen zum Schuldner G~ttes, und die Schuld, der Negativsaldo, wird ins göttliche Schuldenbuch eingetragen, bis der Mensch bußfertige Umkehr tut und damit seine Schuld tilgt. b) technisch - wesentlich - innerlich (die Hauptsache): jede mit einem Mangel behaftete Tat hinterlässt ihre negativen spirituellen Spuren auf der Seele des Sünders, Spuren, die eine Entfernung von G~tt verursachen und den Empfang seiner Reinheit unmöglich machen, bis er umkehrt, indem er zeigt, dass er sich G~tt nähern und ihm anhängen will. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Jemand, der seine Einkäufe im Laden anschreiben lässt und nicht jedes Mal bezahlt, vor Allem nicht entsprechend seinen wirtschaftlichen Verhältnissen aus Mangel an Verantwortungsbewusstsein und falscher Einschätzung seiner finanziellen Lage. Es ergeben sich zwei Probleme: 1. Er schuldet dem Ladenbesitzer. 2. Die Hauptsache: Die Persönlichkeit des Käufers wandelt sich immer mehr hin zur Verantwortungslosigkeit, er wird ein Mensch, auf den man sich nicht verlassen kann, sein Leben vernünftig und seinen Verhältnissen entsprechend zu führen, bis er vollkommen den Rückhalt verliert, zu einer Belastung der Gesellschaft wird und sich von der Wohlfahrt ernährt. Auf unser Thema bezogen bedeutet das, dass wir als Besitzer eines Sündenkontos, von Mängeln behaftet, als Schuldner nicht selber die Schuld beseitigen können, wir sind nicht der "Ladenbesitzer". Das kann nur der Herr der Welt selber, uns Sühne verschaffen, "Sühne" (kapara) nach der Deutung der talmudischen Weisen "Fortschaffen" und "Abwischen" (siehe Mezudat Zion zu Sprüche 16,14), das ist die besondere Eigenschaft von Jom Kippur, der Tag der fortschafft - ausradiert, die Schulden der Schuldner aus dem Schuldbuch fortschafft und wegwischt. Das ist das große Geschenk, das uns am Jom Kippur zuteil wird. Es gibt aber ein noch größeres Geschenk, das uns G~tt an Jom Kippur macht, und zwar dass er uns nicht nur entsühnt, somdern auch reinigt, indem er die seelischen und spirituellen Spuren entfernt, die sich aufgrund unserer Taten ansammelten und unsere Persönlichkeit von allem reinigt, was in unserer Seele G~ttesentfernung verursacht; doch all das unter einer Bedingung: "sollt ihr rein werden vor dem Ewigen". Wir können uns zwar nicht selbst entsühnen und auch nicht unsere Schulden ausradieren, aber wir können sicher den Willen aufbringen, uns zu reinigen. Nur wenn G~tt "sieht", dass wir uns wirklich Mühe geben, uns zu ändern, zu bessern, uns G~tt zu nähern und unser wahres Wesen zu offenbaren - erst nachdem wir selber mit der Reinigung beginnen "sollt ihr rein werden vor dem Ewigen", erst dann wird G~tt seinen Teil dazu beitragen, "denn an diesem Tage wird er euch sühnen, dass ihr rein werdet", wie es im Talmud heißt, dass Jom Kippur nur denen Sühne bringt die umkehren. Natürlich muss unsere Reinigung echt sein und aus der Tiefe unserer Persönlichkeit kommen, nicht nur so als ob, nach außen hin. G~tt kann unsere wahren Absichten erkennen, unsere Ernsthaftigkeit und unsere Reinheit, denn sie erfolgt ja "vor dem Ewigen", der die Geheimnisse eines jeden Menschen kennt und ihn auf Herz und Nieren prüft, wie es im Kli jakar zur Stelle heißt: "..und ermahnte noch zur inneren, von Herzen kommenden Umkehr, nur diese nennt sich vor dem Ewigen, denn Dinge des Herzens sind nicht offen sichtbar, nur G~tt allein, so dass man nicht zu den Scheinheiligen gehöre, die fasten und sich einschränken und viele Bittgebete sprechen, damit man sie für Gerechte halte, als Reine in den Augen der Öffentlichkeit, doch von ihrem inneren Schmutz sind sie nicht gesäubert; darum heißt es sollt ihr rein werden vor dem Ewigen". Wollen wir uns mit G~ttes
Hilfe bemühen, vor G~tt rein zu sein, sowohl zur rechten Zeit als
auch dem wahren Wesen nach, in vollkommener, sauberer und reiner Absicht
- und G~tt wird das Seinige tun, "Denn an diesem Tage wird er euch sühnen,
dass ihr rein werdet", und mögen wir Alle damit zum Guten und zur
vollkommenen, baldigen Erlösung eingeschrieben und besiegelt werden.
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
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