DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EMOR
Nr. 765
17. Ijar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 21,1-24,23):

Besondere Vorschriften für die Nachkommen Aharons, die Priester: Verbot der Leichenunreinheit, Heiratsvorschriften, Dienstuntauglichkeit durch Gebrechen oder Unreinheit, Strafen; Vorschriften für Mitglieder der Priesterfamilie; Regelungen über die Tauglichkeit von Opfertieren; Schabbat und Festtage und ihre Gebote; Leuchter und Brottisch im Heiligtum/Tempel; Strafe des Gotteslästerers; div. Gesetze von Schädigungen.

Haftara: Jecheskel 44, 15-31


Moza'ej Schabbat: Lag Ba'omer



Am Schabbes-Tisch...
 

Womit fängt man an?
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Zwei zentrale Gebote werden in unserem Wochenabschnitt erwähnt: "Und entweihet nicht meinen heiligen Namen, auf dass ich geheiligt werde unter den Kindern Israel" (Lev. 22,32) - 1. G~tt nicht verunheiligen, 2. G~tt heiligen (Buch der Gebote nach Maimonides, Gebot Nr.9, Verbot Nr.63 u.a.).

Mit der "Verunheiligung G~ttes" (Chilul haschem) ist im einfachen Sinne das Verbot gemeint, in unserem Leben keinen Leerraum (chalal) zu schaffen, in dem das Licht G~ttes nicht (er)scheint, da er doch alles zu seiner Ehre und zu seiner Offenbarung schuf. So verhält es sich bei allen Aspekten unseres geistigen und materiellen Lebens, sowohl im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Mensch und G~tt als auch im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Menschen und seinem Nächsten auf privater, familiärer und öffentlicher Ebene; wir dürfen weder glauben, wollen noch handeln aus einer Leere heraus, die von göttlicher Erscheinung frei ist, einfach so aus privatem, materiellem Interesse heraus. Wie Maimonides (Rabbiner Moscheh ben Maimon) entschied, gilt das Verbot der Verunheiligung G~ttes in allen Bereichen des Lebens und für jeden Menschen entsprechend seinen spirituellen Möglichkeiten, wie der Leerraum, den er durch seine Taten im Verhältnis zu seinem Potenzial erzeugt, das er nicht verwirklicht. So schrieb Maimonides: "Und es gibt andere Dinge, die unter die Verunheiligung G~ttes fallen, und zwar wenn sie von einem großen Toragelehrten ausgeübt werden, der für seine Frömmigkeit bekannt ist, Dinge, von denen die Leute über ihn hinter vorgehaltener Hand reden, und obwohl es sich um keine Sünden handelt, so hat er damit G~tt verunheiligt. Zum Beispiel, wenn er Ware annahm und nicht sofort bezahlte, obwohl er das Geld flüssig hatte, sodass die Verkäufer das Geld einfordern, und er hält sie hin; oder er übertreibt den Frohsinn oder das Essen und Trinken bei und mit dem primitivem Volk; oder er redet nicht bedächtig mit seinen Mitmenschen und empfängt sie nicht mit freundlicher Miene, ein Streithahn und Wüterich, und dergleichen Dinge mehr. Je nach der Größe des Weisen muss er es mit sich genau nehmen und über das normalerweise Verlangte hinausgehen" (Gesetze von den Grundlagen der Tora, 5.Kap., Hal.11). (Zwar bezogen manche dieses Gesetz nur auf die großen Toragelehrten, andere hingegen verstanden darunter jeden Menschen, je nach Rang und Bedeutung). Die Heiligung G~ttes bedeutet jedoch das genaue Gegenteil, nämlich indem der Mensch bei jeder seiner Taten den göttlichen Namen heiligt, den Respekt vor G~tt unter den Geschöpfen mehrt und durch sein persönliches Beispiel an Prinzipientreue, Ehrlichkeit und Anständigkeit vor seiner Umgebung andere zur Annäherung an G~tt veranlasst. Weiter heißt es dort: "Und wenn der Gelehrte es mit sich genau nimmt und bedächtig mit den Menschen redet, und er Verständnis für sie zeigt, und sie mit freundlicher Miene empfängt, Beleidigungen erduldet, aber selber keine austeilt, Respekt erweist selbst denen, die ihn nicht respektieren, in seinem Handel gewissenhaft ist und bei allen seinen Taten über das Übliche hinausgeht ... bis alle nur Gutes von ihm reden und ihn lieben und seine Taten anstreben - so einer heiligt den göttlichen Namen, und über ihn heißt es in der Schrift: 'Und sprach zu mir: Mein Knecht bist du, Israel, an dem ich mich verherrliche' (Jeschajahu 49,3; ebda. Hal.12)".

Nach der Reihenfolge im Toravers nun darf man erstens den göttlichen Namen nicht entweihen und muss erst zweitens danach streben, seinen Namen zu heiligen, wie es heißt: "Und entweihet nicht meinen heiligen Namen, auf dass ich geheiligt werde unter den Kindern Israel" (s.o.), wohl aus dem Grunde, wie immer zuerst heißt: "Halte dich fern von Bösem" - den heiligen Namen nicht zu entweihen - und hinterher: "und tue Gutes", in diesem Falle den Namen G~ttes zu heiligen. Maimonides jedoch drehte die im Vers genannte Reihenfolge in der Einleitung zu diesen Gesetzen um, er setzte das Gebot der Heiligung vor die Warnung vor der Entheiligung, wie er schrieb: "Dem ganzen Haus Israel ist die Heiligung dieses großen göttlichen Namens geboten, wie es heißt: 'auf dass ich geheiligt werde unter den Kindern Israel', und sie sind gewarnt, ihn nicht zu entweihen, wie es heißt: 'Und entweihet nicht meinen heiligen Namen'" (s.o., 5.Kap., Hal.1).

Warum änderte Maimonides die biblische und offensichtlich logische Reihenfolge und setzte die Pflicht der Heiligung vor die Vorsicht und die Vermeidung der Entheiligung?

Hier will uns Maimonides anscheinend ein wichtiges erzieherisches Prinzip lehren. Der richtige Weg, sich von Bösem fernzuhalten, ist Gutes zu tun. Häufig sagt der Mensch zu sich selbst: Jetzt nehme ich mich in acht, ich passe auf, nicht noch weiter abzusinken, und das Resultat - meistens versagt er und fährt fort auf der abschüssigen Strecke. Nur wenn er die gute Tat voranstellt, das Vorwärtsstreben, er rafft sich auf und entwickelt sich weiter - nur dann wird er die Kraft aufbringen können, nicht wieder abzusacken. Stillstehen bedeutet bekanntlich nicht Stillstehen, sondern Rückschritt, da der Mensch von Natur aus aktiv und dynamisch ist. Zum Beispiel: Ein junger Mann, der seinen Armeedienst beginnt, sagt sich: Hauptsache, ich lasse spirituell nicht nach in der Armee; das ist ein großer Irrtum, dessen Resultat von vornherein feststeht, nämlich Rückzug und Abgleiten. Vielmehr sollte er sich bei seiner Einberufung sagen: Außer meiner Beschäftigung mit einem höchst bedeutenden allgemein-israelischen Toragebot [der Verteidigung Israels] werde ich nach Höherem streben und mich auf dem Gebiet der Tora, des Gebetes und den Charaktereigenschaften verbessern, und dadurch wird es mir gelingen, nicht nur nicht abzugleiten, sondern immer höher zu gelangen und meine Eigenschaften, meine Himmelsfurcht und meine Nützlichkeit für die Allgemeinheit wirklich immer weiter zu bessern.

Nur dadurch, dass uns die Heiligung des göttlichen Namens geboten ist und wir auch wirklich so handeln, vermeiden wir ein Absinken und eine Verunheiligung G~ttes. Mit G~ttes Hilfe wird es ein jeder von uns nach besten Kräften versuchen und es schaffen, auf privater als auch allgemeiner Ebene, bald und in unseren Tagen, amen.

Kinder, Kinder...
 

Vom Feuerschein träum' ich die ganze Nacht
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim


Lag Ba'omer erreichte, was den meisten anderen Feiertagen nicht vergönnt ist: Die Kinder erwarten sehnsüchtig sein Kommen und bereiten sich intensiv darauf vor, trotz der damit verbundenen knochenharten Arbeit. Fast dreißig Tage vor dem "Fest" beginnen sie bereits mit dem Heranschleppen von brennbarem Material für die Lagerfeuer an Lag Ba'omer. Im Allgemeinen sind sie nicht besonders wählerisch, was das Brennmaterial und seine Qualität angeht; sie zeigen dabei große Flexibilität und begnügen sich mit nur irgendwie Brennbarem: Balken, Zweige, Pappkartons, alte Möbel und dergleichen mehr. Manche bringt die Liebe zu diesem Fest vollkommen um den Verstand und verwirrt ihr Gefühl für die Flora des Landes Israel, indem sie in ihrer zügellosen Begeisterung Äste von Parkbäumen abbrechen und sogar ganze Bäume entwurzeln und somit den Baumbestand des Landes dezimieren. Verbotene Vergeudung!

Und wozu das alles? Um in der Nacht von Lag Ba'omer ein großes Feuer zu entfachen und alles in Flammen aufgehen zu lassen, was einen Monat lang mühsam gesammelt wurde. Die besonders Eifrigen rösten Kartoffeln und Zwiebeln auf den Holzkohlen und stimmen hie und da sogar ein Lied an. Andere wärmen sich am Feuer und glotzen in die flackernden Flammen. Müde und entkräftet kommen die Kinder und Jugendlichen spätnachts nach Hause mit Ruß an den Sohlen und Kleidern, die nach Rauch stinken.

Soweit die Kurzbeschreibung der üblichen Festlichkeiten einer Lag Ba'omer-Nacht. Es stellt sich allerdings die Frage: Wo bleiben Rabbi Akiva und seine Schüler beim festlichen Treiben der Jugendlichen? Wo bleibt Rabbi Schimon bar Jochai, der Fürst des Sohar (Hauptwerk der Kabbala)? Sie gehören doch zu den Lagerfeuern unserer Söhne und Töchter! Die Jugendlichen beteiligen Rabbi Akiva und Rabbi Schimon bar Jochai nicht an ihren Feiern! Durch ihre Abwesenheit entfernt sich das innere Feuer Lag Ba'omers, und bleiben tut bloß das oberflächliche Lager-Feuer mit dem Verbrennen von Holzmüll.

Lag Ba'omer ist eigentlich ein Feiertag des inneren Wesens des Judentums. Er wird weder in der Mischna noch im Talmud oder im Midrasch erwähnt. Eine spätere Überlieferung aus der Periode der Rischonim (vor 700-1000 Jahren) erwähnt ihn als den Tag, an dem die Schüler Rabbi Akivas aufhörten zu sterben, und darum pflegte man an diesem Tag kein Fasten abzuhalten. Der MaHaRiL (einer der größten aschkenasischen Gesetzesautoritäten gegen Ende der Rischonim) schrieb, dass man den Tag von Lag Ba'omer freudig begehe. Da die Schüler von Rabbi Akiva während 32 Tagen starben, zählt man 32 Tage und "freut sich am nächsten Tag zur Erinnerung [ans Ende der Plage]".

Eine spätere Überlieferung, diesmal aus dem Lehrhause von Rabbiner Jizchak Luria, dem größten Kabbalisten der letzten 500 Jahre, und seinem Schüler Rabbi Chajim Vital bezeichnet Lag Ba'omer als Datum des Todestages von Rabbi Schimon bar Jochai, des "Freudenfestes (Hilula) von Rabbi Schimon bar Jochai" [da er mit dem Tod sofort auf eine höhere spirituelle Stufe gelangte, nicht wie gewöhnliche Sterbliche]. Diese Überlieferung steht mit der vorhergenannten in engem Zusammenhang: Rabbi Schimon bar Jochai gehörte zu den Schülern von Rabbi Akiva! Die Bräuche des Freudenfestes entstanden in Zfat (Safed) und Meron, und von dort breiteten sie sich über die anderen Städte des heiligen Landes und schließlich die Diaspora aus. Der eigentliche Brauch bestand in der Beschäftigung in dieser Nacht mit den verborgenen Lehren des Judentums und der Kabbala.

Die Wurzeln von Lag Ba'omer reichen in die Welt der inneren Lehren des Judentums. Dieses innere Feuer bricht hervor und beleuchtet und wärmt die materielle Wirklichkeit. Daher der Brauch der Freudenfeuer. Wenn aber das innere Feuer fehlt, dann ist das ganze Freudenfeuer nichts anderes als eine Altholzentsorgung.

Im Laufe der Generationen zogen viele der Geistesgrößen Israels einige der Gebräuche von Lag Ba'omer in Zweifel, vermieden jedoch die Äußerung offener Ermahnungen, da "die Massen glauben, ein Gebot zu erfüllen und die Trennung davon würde ihnen schwerfallen, und die Juden sind heilig und möchten Gebote erfüllen" (Responsen Scho'el umeschiw). Darum darf jemand, der den gegenwärtigen nicht gerade befriedigenden Zustand verbessern will, nicht mit lautstarken Protesten gegen die vorherrschenden Bräuche vorgehen, sondern muss sie abmildern, zügeln und auf ein spirituelles Niveau bringen.

1. Zügeln. Man darf die Jugendlichen nicht dazu ermutigen, eine ganze Nacht durch Herumsitzen um einen Haufen Kohlen und ein wenig Ruß zu verbringen.
2. Spirituelles Niveau. In jedem erzieherischen Rahmen sollte so viel wie möglich über die Bedeutung dieses Tages gelehrt werden - über das Wesen von Rabbi Akiva und seinen Schülern, den Tod von 24.000 seiner Schüler zwischen Pessach und Schawuot, über das Wesen von Rabbi Schimon bar Jochai, und eine erste Begegnung mit den "Lehren des Verborgenen (Nistar)".

Viele Schüler haben nicht die geringste Ahnung von den Lehren des Verborgenen, sie kennen nicht den Unterschied zwischen Kabbala nach ihren Inhalten und Prinzipien einerseits und Segnungen, Talismanen und Wundermitteln andererseits. Alles geht bei ihnen durcheinander - Kabbala, Magie und Parapsychologie. Die Jugendlichen kennen noch nicht einmal die Namen der Autoren der Bücher über die Grundlagen der Lehren des Verborgenen und deren bedeutendste Werke. Da ist es doch eine ausgezeichnete Gelegenheit, den Schülern zu erklären, dass die "Geheimlehren" eine Wissenschaft sind, eine Forschungsmethode zum Verstehen der spirituellen und der materiellen Realität, zum Erkennen der Wege G~ttes in der Welt und wie man ihnen folgt. Sie bedeuten einen Baustein in der Halle der Tora, neben den jüdischen Gesetzen und der Gelehrsamkeit, dem Midrasch und der jüdischen Religionsphilosophie (Rav Sa'adja Gaon, Maimonides und andere). Sie bilden einen bedeutsamen Anteil an G~ttes Tora.


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