DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHAJE SARA
Nr. 742
27. Marcheschwan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 23,1-25,18):
Saras Tod, Kauf der Höhle Machpela bei Chewron ("Hebron"), Awrahams Hausverwalter Elieser auf Brautschau für Jizchak, bringt Riwka, Awrahams neue Frau Ketura und ihre Nachkommen, Awrahams Tod, seine Beerdigung in der Höhle Machpela durch Jizchak und Jischma'el, Jischma'els Nachkommen und Tod.
Haftara: Könige I, 1, 1-31
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Nachruf und Beweinen

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Der Nachruf ist eine Angelegenheit des Verstandes, und das Beweinen eine des Gefühles. Im Nachruf werden Person und Charakter des Verstorbenen beschrieben, gestützt auf Tatsachen. Wenn sich der Trauerredner zu einem Abweichen von den Tatsachen hinreißen lässt und Dinge vom Verstorbenen erzählt, die nicht der Wahrheit entsprechen, so heißt es dazu bei den talmudischen Weisen: "Wie an den Toten Vergeltung geübt wird, so wird Vergeltung geübt auch an den Trauerrednern" (Brachot 62a). Der "Aruch" erklärt dazu: "So wie man den Verstorbenen zur Rechenschaft zieht, wenn er ein Sünder war, werden auch die Trauerredner zur Rechenschaft gezogen, wenn sie behaupten, er war ein Gerechter". Der Nachruf ist also eine auf dem Verstand fußende Rede, wohingegen das Beweinen einen spontanen Gefühlsausbruch aus dem Innersten der Seele darstellt, Ausdruck des inneren Schmerzes, den der Mensch wegen der Schwere des Verlustes beim Ableben eines teuren Verwandten oder eines verehrten Menschen fühlt, dessen Fehlen sich sowohl beim Einzelnen als auch in der Öffentlichkeit bemerkbar macht. In diesem Sinne kommt das Beweinen vor dem Nachruf. Sofort bei der Bestätigung des bösen Gerüchtes, noch bevor der Mensch die Katastrophe verdaut hat, die ihn heim suchte, reagiert das Gefühl und drückt durch das Weinen seinen Schmerz aus, und erst nachdem man sich ein wenig erholt hat, beginnt der Verstand, die Vorzüge und Verdienste des Verstorbenen zu schätzen, und diese Wertschätzung trägt man beim Nachruf den Versammelten vor. Wie wir aber bei der Beerdigung von Sara sehen, verfährt Awraham nicht so, sondern stellt den Nachruf vor die Beweinung, wie es heißt: "Und Awraham kam herbei zu klagen um Sara und sie zu beweinen" (Gen. 23,2). Warum verhielt sich Awraham auf diese Weise?

Das Weinen drückt den individuellen Schmerz aus, während der Nachruf den Verlust der Allgemeinheit kund tut. Sobald unser Vorvater Awraham seine geistige Reife erlangt hatte, und während seines ganzen weiteren Lebens, setzte er die Bedürfnisse der Öffentlichkeit vor seine privaten Angelegenheiten. So war es, als er die Bereitschaft zeigte, sich in den Feuerofen werfen zu lassen (Midrasch), sein Leben zu verlieren und gegen seine Überzeugung zu handeln, und auch später, als er krank war, kümmerte ihn nicht seine Heilung, vielmehr saß er vor seinem Zelt in der Mittagshitze und wartete auf Gäste, um sie zu bewirten. Nicht nur Awraham, sondern auch Sara zog das Wohl der Allgemeinheit dem eigenen Wohlergehen vor, wie man bei ihrem gemeinsamen Werk sieht, Ferne ihrem Vater im Himmel näher zu bringen, wie es heißt: "und die Seelen, die sie erworben in Charan" (Gen. 12,5); nach der talmudischen Auslegung: "Awraham bekehrte die Männer, und Sara bekehrte die Frauen" (siehe Raschikommentar zum Vers). Zur Verwirklichung dieses Zieles widmete Sara Tage und Nächte. Sie war nicht nur an dem erzieherischen Werk Awrahams beteiligt, sondern auch an seiner Mildtätigkeit bei der Bewirtung von Gästen. Wegen ihrer sittlichen Zurückgezogenheit konnte man zwar den Eindruck gewinnen, sie spiele bloß zweite Geige, die Nebenrolle und Helferin des Hausherrn, doch tatsächlich sagte G~tt noch zu ihren Lebzeiten zu Awraham: "In allem was Sara dir sagt - hör' auf ihre Stimme!" (Gen. 21,12). Dazu heißt es im Midrasch: "Von daher lernst du, dass Awraham bezüglich Prophetie hinter Sara zurück stand". Doch davon wusste die Öffentlichkeit nichts, und erst nach ihrem Tode wurde allgemein bekannt, dass sie praktisch die Herrin im Hause war, wie man an den einsetzenden Veränderungen ablesen konnte: "Alle Lebtage Saras war eine Wolke an den Eingang ihres Zeltes gebunden. Als sie starb, verschwand die Wolke... Alle Lebtage Saras waren ihre Tore zum Wohle Aller offen, und als sie starb, hörte dieses Wohl auf. Alle Lebtage Saras fand sich der Segen im Teige, und als sie starb, hörte dieser Segen auf... Alle Lebtage Saras brannte ein Licht von Schabbatnacht zu Schabbatnacht, und als sie starb, hörte das Licht auf" (Ber. raba §60). Und weil Awraham wusste, dass Saras Tod vor allem ein Verlust für die ganze Öffentlichkeit war, hielt er trotz seines persönlichen Schmerzes die Tränen zurück, die diesem Ausdruck verliehen hätten, und wollte lieber erst der Öffentlichkeit ihren Verlust bekannt machen, und hielt den Nachruf auf seine Frau, deren Vorzüge und Größe er so der Bevölkerung schilderte. Erst hinterher ließ er seinem Schmerz freien Lauf und beweinte Sara. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Awraham sofort danach von allen seinen Beschäftigungen frei machte, um eine passende Frau für Jizchak als Saras Nachfolgerin zu suchen, denn die Frau ist ein wichtiger und lebensnotwendiger Bestandteil der Familie zum Erfolg des Hauses, so wie Riwka, die auf der Hut war und nicht zuließ, dass Jizchak von seiner Liebe zu Eßaw in die Irre geführt wurde.
 
 
 
Der Stand der Dinge...

Das Gesetz vom 
"Ger Toschaw"

Rav Uri Scherki
(Leiter der hebräischsprachigen Abteilung von MACHON MEIR)

Das Thema um den Status der nichtjüdischen Bevölkerung unter der Herrschaft des Volkes Israel in seinem Lande gehört zu den brennenden Punkten auf unserer Tagesordnung sowohl in politischer als auch in religionsgesetzlicher Hinsicht. Das Judentum kennt die Lehre um den besonderen Status, verankert in Halacha und Midrasch, des Fremden, der in der Mitte des Volkes Israel weilt, nämlich den "Ger Toschaw" ("Beisassproselyt") - die Pflicht der Sorge um sein Wohlergehen, wobei er seinerseits die "sieben Gebote, zu denen die Kinder Noachs (Bnej Noach) verpflichtet sind", und noch weitere Regeln einzuhalten hat. Wäre es realistisch, den Status weiter Teile der Araber diesseits und jenseits der "grünen Linie" im Einklang mit dieser Halacha zu regeln, die eine Unterabteilung der allgemeinen Anleitung des Judentums für die gesamte Menschheit darstellt, die als die "Lehre der Kinder Noachs" bekannt ist? Wir können diese Frage nicht einfach ignorieren, insbesondere im Lichte zweier Tatsachen unserer Lebensrealität:

Die eine ist unsere Rückkehr nach Zion. Das Wiedererlangen staatlicher Unabhängigkeit nach einer sehr langen Unterbrechung macht uns aufs Neue zu einem Faktor im System der internationalen Beziehungen. Endlich kehrte das realistische Werkzeug zur Erfüllung unserer Bestimmung des "und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des Erdbodens" (Gen. 12,3) durch "das Land, das ich dir zeigen werde" (12,1) in unsere Hände zurück.

Die zweite ist die allgemeine Verfassung der Welt. Wir befinden uns inmitten eines Kampfes der Titanen, nämlich zwischen der moslemischen und der freien Welt, d.h. am Rande eines internationalen Streites, der die Frage nach der führenden Kultur der Welt entscheiden wird. Die Welt ist würdig, das Wort G~ttes für die Menschheit von Zion zu hören, und was wir zur Besserung der Welt beitragen können.

Es ergibt sich also daraus, dass die alt-neue Religion der "Gebote der Noachskinder" als Weltbewegung mit Zentrum in Jerusalem als eine spirituelle Alternative zum Christentum und zum Islam wieder auferstehen muss. Es besteht dazu bereits eine mentalitätsmäßige Vorbereitung bei einigen wenigen Gruppen in der weiten Welt, und wenn wir mit Einsicht und Verstand diese glühenden Kohlen schüren, werden sie zu einer großen leuchtenden Flamme werden.

Man muss allerdings unterscheiden zwischen der Form, die eine solche Initiative in der weiten Welt annehmen könnte, und wie sich die Angelegenheit im Innern, im Staate Israel entwickeln sollte. Und das aus verschiedenen Gründen:

1. Der Vorschlag an die nichtjüdischen Bewohner des Landes Israel, die Gebote der Kinder Noachs anzunehmen, muss von der Rücknahme ihrer Forderung nach einem separaten Nationalwesen im Lande Israel begleitet sein. Von seiten der Muslime bedeutet dies die Anerkennung ihrer Religion als die "dienstbare Tochter" des Judentums, aus dem sie hervor ging. Das bedeutet zwar eine theologische Änderung für den klassischen Islam, doch lassen sich dafür Fundamente in der moslemischen Tradition finden.

2. Maimonides unterscheidet zwischen einem Ben-Noach, der seine sieben Gebote vor einem Rabbinergericht akzeptiert und sie sorgsam befolgt, weil ihm dies seinem Glauben nach als religiöse Pflicht obliegt, und jenem, der sie akzeptiert, weil sie ihm nach "verstandesmäßiger Entscheidung" vernünftig erscheinen. Ersterer wird ein "Frommer der Völker" genannt, während der Zweite ein "Weiser der Völker" geheißen wird. Nach Rabbiner A.J.Kuk haben beide einen Anteil an der kommenden Welt, und es kann sein, dass der "Weise" sogar höher angesehen wird. Allerdings verleiht Maimonides nur dem "Frommen" den Titel des "Ger Toschaw", d.h. Besitzer der Berechtigung in unserem Lande zu wohnen, und nicht dem "Weisen". Den Grund dafür bedingt das Sicherheitsbedürfnis der Nation, das nur dann befriedigt wird, wenn die Treue des Fremden zu seiner Lehre speziell der religiösen Erkenntnis entspringt, die die verbindliche Anerkennung einer Autorität enthält, und nicht einer philosophischen Erkenntnis, trotz all ihrer Erhabenheit, weil eben die Befürchtung besteht, dass er das Gefühl hegen könnte, der israelischen Herrschaft zu nichts verpflichtet zu sein.

3. Zwar "gilt das Gesetz vom Ger Toschaw nur dann, wenn das Joweljahr abgehalten wird" [wenn alle Knechte freigelassen werden und alle Grundstücke an ihre ursprünglichen Eigentümer zurück kehren], doch scheint die Absicht dabei dahin zu gehen, dass wir nicht verpflichtet sind, zu ihrer Aufnahme die Entscheidung eines Rabbiner-Gerichtes zu verlangen, und selbst in dem Falle, wenn wir sie aufnehmen, wir nicht an die halachischen Pflichten der Sorge um ihr Wohlergehen gebunden sind, denn solange sich das Volk Israel nicht in seinem Idealzustand befindet, der z.B. im Abhalten des Joweljahres zum Ausdruck kommt, kann man von ihm nicht bindend die Fürsorge für eine andere Bevölkerung verlangen. Wenn wir uns allerdings freiwillig zu so einer Möglichkeit entscheiden, dann bedeutet das keinen Hinderungsgrund. Darüberhinaus gereicht es dem Volke Israel durchaus zur Ehre, wenn es sich um angemessene Behandlung auch für jemanden einsetzt, der nicht offiziell Bürger seines Staates ist.

Diese Gedanken mögen vielleicht fern von Realität und Verstand klingen zu einer Zeit, da wir uns in bitterer Auseinandersetzung mit unseren Feinden befinden, denen die Erfüllung selbst einfachster Pflichten menschlicher Moral fern liegt. Doch aus reichhaltiger Erfahrung wissen wir, dass die Geschichte viele Überraschungen birgt. Wollen wir nicht die Gunst der Stunde verpassen, das Wort G~ttes auch jene hören zu lassen, die unter unserer Hoheit stehen. Wenn wir wollen, ist es kein Märchen. 

OK224



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