DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Num. 19,1-22,1): Wasser mit Asche der roten Kuh zur Beseitigung von Leichenunreinheit im
Tempel; Mirjam stirbt, Brunnen versiegt, Volk murrt; Moscheh eröffnet neue
Quelle, aber nicht genau wie von G~tt befohlen; Edom verweigert Durchreise;
Aharon stirbt nach Übertragung der Hohepriesterschaft auf seinen Sohn Elasar;
Kana'aniter greifen an und werden geschlagen; Volk will kein Manna mehr,
Strafung durch Giftschlangen; kupferne Schlange; Volk singt Loblied; Eroberung
von Moaw und Baschan (Transjordanien und Golan). Haftara: Richter 11, 1 - 33
Das letzte große Thema unseres Wochenabschnittes handelt von der Begegnung mit unseren Feinden auf dem Wege nach dem Lande Israel - Edom, die Kana'aniter, Sichon und Og. Edom wichen wir aus, und mit den Kana'anitern sowie Sichon und Og kämpften wir und siegten. König David fasste das in seinem Buch der Psalmen so zusammen: "Der geschlagen zahlreiche Völker, und getötet mächtige Könige. Den Sichon, König der Emoriter, und den Og, König von Baschan, und all die Königreiche Kana'ans. Er gab ihr Land zum Besitze, zum Besitze Israel, seinem Volke" (Psalm 135,10-12). Dazu lässt sich fragen, wenn alle Königreiche Kana'ans mit ihren 31 Königen, gegen die sie im Lande Kana'an kämpften, in einer Kategorie zusammengefasst werden, hätte König David doch parallel dazu schreiben müssen: "alle Könige der Emoriter", oder "alle Könige jenseits des Jordans", und dann entsprechend "all die Königreiche Kana'ans". Weshalb war es Sichon und Og "vergönnt", jeder in Alleinvertretung genannt zu werden? Erklärte Rabbiner A.J.Kuk, dass der Kampf gegen Sichon, Og und alle Königreiche Kana'ans nicht nur ein historischer Kampf in der Vergangenheit war, sondern drei Arten von Kampf darstellt, mit denen wir uns im Verlauf der ganzen Geschichte auseinanderzusetzen haben, natürlich auch heute. Die Völker der Welt greifen uns auf drei Ebenen an, auf drei verschiedene Weisen, auf die wir vorbereitet sein müssen, um sie zu überwinden und gestärkt daraus hervorzugehen (Sidur Olat Ra'aja II, S.83). 1. "Sichon, König der Emoriter": Sichon, vom Wortstamm siach, Füllen, Wildesel. In der Wüste lebende Tiere zeichnen sich gegenüber Haustieren durch eine Grenzenlosigkeit aus, sie leben ein Leben der Unbeschränktheit, wo alles "erlaubt" ist. Die Eigenschaft Sichons, die uns in allen Zeitaltern bekämpft, offenbart sich durch Bosheit, Rohheit, grenzen- und hemmungsloser Grausamkeit, um uns Ängstlichkeit, Furcht und Verzweiflung einzuflößen. Dieser Krieg wird auf der seelisch-psychologisch-moralischen Ebene geführt und bedroht unsere physische Existenz nicht direkt, sondern über unsere seelische Widerstandskraft, "die rohe seelische Macht, das ist die Kraft, die Schrecken verbreitet, die von den Bösewichten der Vorzeit benutzt wurde, besonders von solchen wie Nebukadnezar, der ein lebendiges Kaninchen aß, um sich die Eigenschaften von Schrecklichkeit und roher Grausamkeit anzugewöhnen, da er in dieser Kraft die Stärkung seiner furchtbaren Herrschaft sah" (ebda.). Einer solch rohen seelischen "Macht" müssen wir mit wahrhaftiger seelischer Stärke begegnen, mit hoher Moral, die dem Glauben an die Rechtmäßigkeit unseres Weges und unserer Ziele entspringt. Das Volk Israel hat in der Vergangenheit - und auch heute - viele Male bewiesen, dass alle Wirren und Leiden, die es erdulden musste, es nicht nur nicht zu Fall brachten, sondern noch stärkten und widerstandsfähiger machten und seine eherne seelische Standfestigkeit offenbarten. 2. "Og, König von Baschan" - neben dem psychologischen Krieg erscheint hier ein physischer, gewalttätiger, militärischer Krieg, so wie Og, ein Mensch von riesigen körperlichen Maßen, und stark dazu. In diesem Krieg kämpft der Feind gegen uns mit starker militärischer Macht, mit vielen geübten Soldaten, mit modernen Waffen ausgerüstet usw., der wir eine starke und zum Sieg befähigte Armee gegenüberstellen müssen, die jeden Feind in die Knie zwingen und vernichten kann. Viele "Ogs" haben sich schon gegen uns erhoben, doch immer mussten sie den Augenblick bedauern, an dem sie sich dazu erdreisteten. 3. "und all die Königreiche Kana'ans" - das ist der Kampf mit Vereinigungen und Gruppierungen, der internationale Druck, der auf uns ausgeübt wird, der allgemeine Zusammenschluss gegen uns, der uns bedroht und abschreckt. Gegen diesen allgemeinen Druck müssen wir wie ein Herz und eine Seele zusammenstehen, in einer Einigkeit, die uns Mut und Kraft einflößt, alle diejenigen zu konfrontieren, die sich zu unserer Schädigung zusammenfinden, so wie es immer in schweren Zeiten war: "Sichon", die wilden Drohungen aus Gasa, der atomare "Og" des Irans und die "Königreiche Kana'ans", UNO, Vereinigte Staaten und die Europäische Gemeinschaft. Das wird nur durch moralische und militärische Überlegenheit gelingen sowie Einigkeit im Innern, und wie Rabbiner Kuk schrieb: "Und das ist uns eine Lehre für alle Zeitalter, dass der Ratschluss G~ttes und sein heiliges Wort auf ewig Bestand haben, und keine seelisch-wilden Mächte, und keine materiell-gewaltigen Mächte, und kein Bündnis der Völker und Königreiche, die sich gegen das Volk G~ttes verbünden, so wie es Sichon, dem König der Emoriter und Og, König des Baschan und allen Königreichen Kana'ans erging, und er gab ihr Land zum Erbbesitz, Erbbesitz seinem Volke Israel" (ebda.), in jenen Tagen und mit G~ttes Hilfe bald und vollständig in dieser Zeit.
Mühsam schleppen sich die Verhandlungen zwischen Jiftach und dem König der Ammoniter [in der Gegend des heutigen Amman/Jordanien] dahin. Die ammonitische Armee steht zum Angriff auf das Gebiet von Gile'ad bereit. Auf der anderen Seite sammelt sich eine kleine Armee um Jiftach. In dieser Situation werden die Friedensgespräche eröffnet. Die Forderung des Königs der Ammoniter lautet kurz und klar: "Gebiete für Frieden". Die Ammoniter fordern Gerechtigkeit. "... weil Israel mein Land genommen, als es aus Ägypten heraufzog, von Arnon bis zum Jabbok und zum Jarden; und nun gib es zurück in Frieden" (Richter 11,13). Jiftach gibt nicht so schnell nach und schickt eine weitere Gesandtschaft zu Gesprächen mit den Ammonitern, die mit der folgenden Feststellung den Dialog eröffnet: "Israel hat das Land Moaw und das Land der Söhne Ammon nicht genommen" (V.15). Eure Behauptung stimmt nicht! Wir haben euch nichts gestohlen. Und dann beginnt er eine lange Reihe von Argumenten, die seine Feststellung untermauern: 1. Wir haben niemals den Ammonitern oder Moabitern Land abgenommen, sondern Sichon dem Emoriter und Og, König des Baschan. (Allerdings hatte Sichon die Gebiete von Moaw erobert, doch damit endete das Recht der Moabiter darauf: "Ammon und Moaw wurden durch Sichon rein", Gittin 38a). 2. Wir hatten jenen Krieg nicht veranlasst. Wir wurden von Sichon angegriffen. Unser Krieg war ein Verteidigungskrieg. Unter diesen Umständen haben wir ein volles Anrecht auf die eroberten Gebiete. (Überhaupt siedelten die Bewohner Gile'ads, Angehörige der transjordanischen Hälfte des Stammes Menasche, nördlich des umstrittenen Gebietes, das im Erbgebiet des Stammes Gad lag). 3. Wir haben das Land aus der Hand G~ttes erhalten. Eure Forderung widerspricht dem Willen G~ttes. "Und so hat denn der Ewige, der G~tt Israels, den Emoriter ausgetrieben vor seinem Volke Israel, und du willst es einnehmen?" (V.23). 4. Die früheren Generationen der Moabiter sahen sich nicht als Herren des Landes, von Balak dem König von Moaw an bis auf den heutigen Tag, einschließlich der Zeiten, als die Moabiter über ausreichende militärische Macht dazu verfügten. Eine Verjährung von 300 Jahren ist wohl ein hinreichender Beweis für dieses Argument. (Nebenbei bemerkt, auch heute schweigen die Moabiter. Wer die strittigen Gebiete in ihrem Namen einfordert, sind ihre Vettern, die Ammoniter. Seltsam, nicht wahr?). 5. Die gegenwärtige ammonitische Bedrohung ist unmoralisch und nichts anderes als ungezügelte Aggressivität. "Ich aber habe nichts verschuldet gegen dich, und du tust mir Böses gegen mich zu streiten" (V.27). Das ammonitische Argument von wegen Gerechtigkeit trieft von Scheinheiligkeit und bedeutet bloß eine Ausrede, einen Krieg vom Zaun zu brechen, der ganz andere Beweggründe hat. Und Jiftach fügt hinzu, er sei so sehr von der Richtigkeit seines Standpunktes überzeugt, dass er sich höchstrichterlicher Prüfung zu stellen bereit ist: "Es richte der Ewige, der Richter, heute zwischen den Kindern Israel und den Söhnen Ammon" (ebda.). Wie erwartet überzeugen diese Worte nicht den König von Ammon. Jiftach wartet nicht den Angriff der Ammoniter ab, sondern marschiert kreuz und quer in Windeseile von Ort zu Ort unter Irreführung des ammonitischen Geheimdienstes, der seine Absichten nicht durchschaut, trägt den Kampf in das Gebiet des Feindes und erzielt eine schnelle Entscheidung. Allem Anschein nach machte sich Jiftach keine Illusionen und glaubte nicht an die Kraft der Diplomatie, die Krise zu lösen. Er hatte auch gar keine Absicht, sich auf irgendwelche Verhandlungen über die strittigen Gebiete einzulassen, denn der Erbbesitz G~ttes ist kein Thema für politische Geschäfte. Man darf wohl annehmen, dass das Hauptziel der israelischen "Friedensdelegation" neben der Erfüllung des göttlichen Gebotes "Wenn du dich einer Stadt näherst, sie zu bekriegen, so rufe sie zum Frieden auf" (Dt. 20,10) auf den Hausgebrauch gerichtet war. Die Ansprache Jiftachs, israelischen Ohren zugedacht, enthielt drei zentrale Botschaften an sein Volk:
1.
Aufklärung darüber, dass die "territoriale Frage" den
Ammonitern nur als Vorwand für ihre Angriffslust dient. Dieser Standpunkt bewirkte in den Bewohnern Gile'ads und in Jiftach selber, der ihnen vorstand, das angemessene Bewusstsein in Hinsicht auf Glauben, Moral und Existenz. Dadurch ruhte auf Jiftach der Geist G~ttes zum Kampfe, und G~tt gab die Ammoniter in seine Hand. Jede Ähnlichkeit mit Geschehnissen der jüngeren Zeit sind natürlich rein zufällig...
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
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