DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 753
15. Schwat 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 13,17 - 17,16):

Ägypter verfolgen die Kinder Israels nach dem Auszug; Spaltung des Schilfmeeres; Übergang der Israeliten, Untergang der Ägypter; 2 Lobgesänge; erste Beschwerden; Man ("Manna"); freitags doppelte Menge, reicht auch für Schabbat; wiederum Zank um Trinkwasser; Moscheh schlägt den Felsen; Überfall der Amalekiter; Gebot, Amalek in allen Generationen zu bekämpfen.

Haftara: Richter 4, 4-24, 5, 1-31

Schabbat TuBiSchwat!

 

Am Schabbes-Tisch...

Mit Stolz erhoben

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Einer der auffälligsten Ausdrücke beim "Lied am Meer", wenn nicht gar der auffälligste, betrifft den göttlichen Stolz. "Singen will ich dem Ewigen, denn mit Stolz hat er sich erhoben; Ross und Reiter hat er geschleudert ins Meer" (Ex. 15,1). Auch Miriam, die Prophetin singt so, wie sie mit den Frauen das Lied am Meer wiederholt: "Singet dem Ewigen, denn mit Stolz hat er sich erhoben" (Ex. 15,21). Im weiteren Verlauf des Liedes wird der Stolz G~ttes noch einmal erwähnt: "Und in der Größe deines Stolzes hast du deine Gegner nieder gerissen, du hast los gelassen deine Zornglut, sie hat sie verzehrt wie Stoppeln" (Ex. 15,7).

Das ist schwer zu verstehen. Gibt es doch auf der Welt kaum eine widerlichere Eigenschaft als den Hochmut, und die talmudischen Weisen sparten nicht mit Worten, sie zu verurteilen: die "wie ein Götzenhain abgehauen werden sollte" und ähnliche Ausdrücke. Wie kommt man also auf den Gedanken, diese unwürdige Eigenschaft dem Ewigen, unserem G~tt zuzuschreiben?

Zu diesem Zwecke müssen wir uns etwas näher mit den ideellen Grundlagen der Eigenschaft des Stolzes beschäftigen.

Der Stolz bedeutet nicht die Erkenntnis des Menschen von seinen Fähigkeiten und Talenten. Heute würde man diese Eigenschaft vielleicht eher ein "hohes Selbstwertgefühl" nennen. Da ist eigentlich nichts Schlechtes dran, solange sich der Mensch wirklich kennt, mit allen seinen Vorzügen und Mängeln. Auch die sogenannte Selbsteinschätzung ist nichts Negatives. Jemanden, der das Gefühl hat, seinem Leben fehle jeglicher Wert und er habe eigentlich kein Recht zu existieren, kann man nicht als demütig bezeichnen, sondern muss ihn schleunigst zu einem Psychologen schicken... Doch all das unter einer Bedingung - dass dieses Selbstwertgefühl ein Fundament hat, das wirklich den Namen "Wert" verdient. Wer sein Selbstwertgefühl aus der Tatsache schöpft, im "Ebenbild G~ttes" geschaffen zu sein, dessen Wert ist fast unendlich groß (im Sinne von "und lässest ihn um ein Geringes G~tt nach stehen", Psalm 8,6). So ein Mensch stützt seine Selbstbewertung nicht auf seine Leistungen, nicht auf seine Begabungen und nicht auf seine Lebensumstände. Darum hat er es auch gar nicht nötig, seine Taten oder seine Begabungen über ihre Maße "aufzublasen", um seinen Eigenwert zu fühlen. Und ganz bestimmt sucht er nicht das Gefühl der Überlegenheit über seinen Nächsten, um seine eigene Bedeutung zu spüren. Der Wert seines Lebens ist ihm garantiert allein als Träger einer göttlichen Seele, als Kreatur G~ttes.

Der hochmütige Mensch schöpft demgegenüber sein Selbstwertgefühl aus sich selber, aus dem von ihm Erreichten, aus seinen Begabungen und dergleichen mehr. Doch wie lässt sich ein Selbstwertgefühl aus den mäßigen Leistungen eines kleinen, vergänglichen Menschen schöpfen? Was sind schon achtzig Lebensjahre im Vergleich zur Ewigkeit? Was ist schon der Mensch im Vergleich zum ganzen Universum? Rein gar nichts! Jeder Versuch, das Selbstwertgefühl auf etwas Menschliches zu stellen, entbehrt jeder Logik und Bedeutung. Schlimmstenfalls bedeutet der menschliche Stolz eine Lüge, und in wenig besserem Falle einen Selbstbetrug oder Irrtum.

Das alles gilt auf der menschlichen Ebene. Doch G~tt selbst hat auf etwas stolz zu sein. Sein Wert stammt wirklich von ihm selber, das Unendliche zu sein, gelobt sei er. Er ist der absolute Wert, das Wertvolle an sich, von dem alles andere seinen Wert bezieht. Dieser Stolz ist ein wahrer Stolz, der nichts mit der Fälschung, dem menschlichen Stolz, gemeinsam hat. Darum "Singen will ich dem Ewigen, denn mit Stolz hat er sich erhoben", denn ihm steht der Stolz zu.

Von diesem göttlichen Stolz: "Der Ewige ist König! Stolz hat er angelegt, angelegt der Ewige, Macht umgürtet" (Psalm 93,1) kann auch der Mensch Wertgefühl schöpfen, sogar den Stolz des Heiligen - den Stolz, ein Kind G~ttes zu sein - und dieser Stolz ist der Höhepunkt der Demut. So schrieb Rabbiner A.J.Kuk: "Die Wurzel des Stolzes befindet sich in großer Heiligkeit, das ist der heilige Stolz. Wir sind stolz auf G~tt, den höchsten Richter, das Schwert unseres Stolzes. Wir sind stolz zusammen mit allen Welten, mit allen Geschöpfen, denn wir alle sind Geschöpfe des lebendigen G~ttes... Wir sind stolz auf G~ttes Stolz. G~ttes Stolz ist der Ursprung der Demut, der Ursprung des Friedens, ein verzehrendes Feuer, das den ganzen Schmutz der Grobheit und der Trennung verbrennt, jede unreine Idee, jede Schwäche und Verstumpfung... mein Sieg und mein Gesang ist G~tt, er war meine Rettung" (Ex. 15,2; Acht Sammlungen, VI,158).


TuBiSchwat 

Der Wert des Pflanzens

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR


Bereits im ersten Wochenabschnitt der Tora lehrt uns G~tt den Wert des Pflanzens, indem er selber sich damit beschäftigt, wie es heißt: "Und es pflanzte der Ewige, G~tt, einen Garten in Eden" (Gen. 2,8). Die talmudischen Weisen lernten daraus, dass die Beschäftigung mit dem Pflanzen ein Anhängen an den Eigenschaften G~ttes bedeutet. So heißt es im Midrasch zum Vers: "Dem Ewigen eurem G~tte folget... und ihm hanget an" (Dt. 13,5) - "Sagte Rabbi Jehuda ben Rabbi Simon: Ist es denn Fleisch und Blut möglich, zum Himmel auf zu steigen und der göttlichen Präsenz an zu hangen?!... vielmehr beschäftigt sich G~tt seit der Schaffung der Welt mit nichts anderem als zuerst mit dem Pflanzen... wie geschrieben steht: 'Und es pflanzte der Ewige, G~tt, einen Garten in Eden'; auch ihr, wenn ihr ins Land eintretet, beschäftigt euch mit nichts anderem zuerst als mit dem Pflanzen; das ist es, was geschrieben steht: 'Und wenn ihr in das Land kommt und irgendeinen Baum essbarer Frucht pflanzet...'"  (Lev. 19,23; Wajikra raba 25,3).

Einer von jenen, der dies mit jeder Sehne seines Körpers lebte, war Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels), wie sein Sohn, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk erzählte: "Beim feierlichen Pflanzen in der Siedlung Magdi'el wurde Rabbiner Kuk mit dem Einpflanzen des ersten Setzlings beehrt, das er tiefbewegt und in großer Ehrfurcht anging. Die Tränen flossen ihm übers Gesicht, das einer Feuerfackel glich, und die Hacke nahm er nicht, sondern grub mit bloßen Händen, und als man ihn wegen seiner großen Erregung befragte, die man sonst nur bei ihm sah, wenn er beim Schma-Gebet die Himmelsherrschaft auf sich nahm, antwortete er: Das ist doch ein Anhangen an den Eigenschaften G~ttes, sich mit der Bepflanzung des Landes zu beschäftigen, wie die Weisen im Midrasch sagten (s.o.)".

Auch in seinen Schriften erörterte Rabbiner Kuk eingehend die Bepflanzung und die Besiedlung des Landes. Besonders bekannt ist sein Spruch zum Monat Schwat: "Die Lust, Bäume zu pflanzen entstammt dem Wunsch, den kommenden Generationen Gutes zu tun, was besonders beim Pflanzen von Karobbäumen zum Ausdruck kommt". Diesen Spruch erklärte mein Lehrmeister Rabbiner Usi Kelchheim in seinem Buch Be'er Meged Jerechim, "die Freude des Schaffens beim Pflanzen von Obstbäumen stammt meist aus der Welt des Materiellen. Die Lust gehört zur Welt der Sinne... und wer etwas pflanzt, hat seinen eigenen Genuss im Sinn, von diesem Baum Früchte zu ernten, um damit seinen Appetit auf Obst zu stillen. Da aber diese Tätigkeit die Welt verbessert und sie aus ihrer Zerstörung errettet, steht sie im Grunde in Verbindung mit allem Sein, das zu Erhebung und Verbesserung strebt. Darum entstammt diese Lust im Prinzip auch dem Willen zur Wohltätigkeit an den kommenden Generationen. Besonders ist hierbei der Karobbaum zu erwähnen, der erst nach 70 Jahren zum ersten Mal Früchte trägt, in etwa der Lebensspanne eines Menschen. Dabei offenbart sich dieser Willen in seiner ganzen Reinheit, denn dieses Pflanzen geschieht nicht zum Zwecke persönlichen Genusses, sondern ausschließlich zum Wohle künftiger Generationen". Darum hat das Pflanzen eines Karobbaumes etwas Reines und Idealistisches an sich, indem man dabei nur das Wohl Anderer im Sinn hat und nicht den eigenen Genuss.

Dadurch können wir nun auch einen anderen Ausspruch der talmudischen Weisen verstehen, in dem es heißt: "Wenn du einen Setzling in der Hand hieltest, und man sagte dir: Hier kommt der Maschiach - komm und pflanze den Setzling ein, und danach geh' ihn begrüßen" (Awot de Rabbi Natan). Es wäre doch ganz natürlich, wenn der Mensch alles hinwerfen und losrennen würde, den Maschiach zu empfangen, doch wer wirklich den Wert des Pflanzens versteht und wie es der Besiedlung der Welt dient, ihrem Fortschritt und ihrer Entwicklung, dem wird klar, dass dies das hauptsächliche Bestreben des Maschiach ist, und darum pflanzt man zuerst den Baum und geht dann den Maschiach empfangen.

Aus all dem Vorgenannten lässt sich nunmehr ein Gesetz im Schulchan Aruch verstehen, das auf den ersten Blick seltsam erscheint: "Wenn der Fluss Olivenbäume eines Eigentümers fort schwemmte und sie im Feld seines Nächsten einpflanzte, und es kam der ursprüngliche Eigentümer der Bäume und sagte: Ich nehme mir meine Bäume wieder, lassen wir ihn nicht, wegen der Besiedlung des Landes Israel, vielmehr bleiben sie an ihrem neuen Orte" (Choschen Mischpat §168). Was soll das heißen, "wegen der Besiedlung des Landes Israel"? Erklärt der Kommentar "Me'irat Ejnaim": "Da berücksichtigten die Weisen die Gedanken beider Seiten und sagten, der Erste wird sicher neue Bäume in seinem Feld pflanzen, so wie er jene zu Anbeginn gepflanzt hatte, was man nicht vom Zweiten behaupten kann, der nicht vorher gepflanzt hatte, und wenn der Erste seine Bäume zurück holt, wird der Zweite keine neuen Bäume dafür pflanzen, so wie er zu Anfang keine gepflanzt hatte". Eigentlich eine befremdliche Entscheidung, die Bäume gehören doch dem Ersten und müssen ihm zurück gegeben werden! Vielmehr sehen wir an diesem Fall, wie sehr die Tora an der Besiedlung und der Entwicklung des Landes Israel interessiert ist, und weil hierbei die Möglichkeit vermehrten Pflanzens und Erblühen des Landes besteht, erklärt das Gesetz, die Bäume bleiben wo sie sind und der Erste pflanzt neue (es versteht sich, dass der Zweite für die Bäume bezahlen muss).

Wenn unsere Weisen schon so besorgt waren, dass kein Baum im Lande Israel entwurzelt wird, dann dürfen doch erst recht keine Häuser und Siedlungen entwurzelt werden. Wollen wir hoffen, dass sich unsere Führung mit Aufbau und Bepflanzung beschäftigen wird, die uns bald und in unseren Tagen die vollkommene Erlösung bringen mögen.

Im Traktat Rosch Haschana erklärt der Talmud, warum der 15. Schwat (TuBiSchwat) zum Neujahr der Bäume bestimmt wurde - weil bis zu diesem Datum bereits der meiste Regen des Jahres gefallen ist, und jetzt haben wir TuBiSchwat und es ist viel zu wenig Regen gefallen. Darum müssen wir mehr um Regen beten, und um mehr Regen beten, Eltern und Kinder, damit wenigstens bis zum Ende des Winters die Mehrheit des jährlichen Regens fällt.

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