DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 752
8. Schwat 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):

Die letzten drei Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung der Erstgeborenen; Definition des "ersten Monates"; Vorbereitungen zum Auszug aus Ägypten: Opferblut an Türpfosten, Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israel backen Matze; Gesetze von Tefillin und Erstgeborenen der Haustiere zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
Haftara: Jirmijahu 46, 13 - 27



Am Schabbes-Tisch...

Erlösung aus Ägypten - und heute

Rav Michael Brum
Leiter der Jeschiwa in Schiloh

Zu dem Vers "Und also sollt ihr es essen... dass ihr es esset in Eile: Pessach ist es dem Ewigen" (Ex. 12,11) erklärten die talmudischen Weisen: In dieser Welt aßen die Israeliten das Pessachopfer in Ägypten in Eile, gemäß denn in Hast bist du aus Ägypten gezogen (D. 16,3), in der kommenden Zukunft aber wird es anders sein, nach den Worten des Propheten Jeschajahu nicht mit Hast werdet ihr fort ziehen, und nicht in Flucht davon gehen (52,12). Die Israeliten waren für den Auszug in der Nacht vorbereitet, und nachdem sie weg waren, standen die Ägypter im Morgengrauen auf und entschieden sich zu ihrer Verfolgung, wie es heißt: "Und die Ägypter jagten ihnen nach" (Ex. 14,9). Sagte G~tt zu den Israeliten: Wer hat euch das beschert? Die Hast, mit der ihr auszoget; von nun an: nicht mit Hast werdet ihr fort ziehen.

Aus diesem Midrasch geht hervor, dass die Hast schon am Platze war, denn für die Erlösung aus Ägypten war es höchste Zeit, bevor die Israeliten in den "49 Stufen der Unreinheit" unwiederbringlich versanken. Da gab es keine andere Wahl als schleunigst aus Ägypten zu fliehen, sowohl in physischer als auch in kultureller Hinsicht, und zwar auf eine drastische, extreme Weise ohne irgendwelche Vorstufen. Wenn wir aber unser Blickfeld erweitern, erkennen wir, wie das Volk Israel schon nach kurzer Zeit stolperte und eine schwere Sünde beging, die Sünde um das goldene Kalb - obwohl es schon 50 Tage nach dem Auszug die Tora erhielt. Zwar gibt es so schlimme Zustände, derer man sich nur durch Hast entziehen kann, wir müssen aber dabei wissen, dass die Geschichte damit noch nicht zu Ende ist, vielmehr sind noch viele weitere Stufen zu bewältigen. Sicher sind für die Entwöhnung von der ägyptischen Kultur, die sich im Verlauf von 210 Jahren tief in die Psyche der Juden eingrub, langwierige Prozeduren erforderlich, und wie sich während der Wüstenwanderung zeigte, erinnerten sich die Juden, was Ägypten betraf, "der Fische, die wir umsonst aßen" (Num. 11,5)...

Nach diesem Midrasch werden die historischen Prozesse der zukünftigen Erlösung einen fundamentaleren Charakter haben und wesentlich differenzierter ablaufen, nicht wie zum Vergleich das hastig über dem Feuer gegrillte Pessachopfer, sondern eher wie beim Kochen, das langsamer und gleichmäßiger jeden Punkt erreicht. Das jüdische Volk nahm in seinem langen Exil seit der Zerstörung des zweiten Tempels schwerste Einflüsse von den Kulturen der Völker auf, und darum laufen in unserer Erlösung die Dinge nicht so plötzlich über die Bühne, sondern stufenweise, "nicht mit Hast werdet ihr fort ziehen".

In einem anderen Midrasch lehren uns die Weisen, dass jeder einzelne der Buchstaben Mem, Nun, Zade, Pe und Chaf eine andere Erlösung symbolisiert. Pe - die Erlösung aus Ägypten, weil viele ihrer Schlüsselworte mit Pe beginnen: Pessach, Pharao, Perech (Sklavenarbeit), und unser Lehrer Moscheh, der das Volk im Alter von 80 Jahren heraus führte (Zahlenwert von Pe=80). Der letzten Erlösung in der kommenden Zukunft wurde der Buchstabe Zade (=90) zugeordnet. Das Besondere an der 9 (Quersumme von 90) ist, dass sie nie weniger wird: Bei jeder Zahl, die wir mit ihr malnehmen, ergibt das Resultat die Quersumme 9 (z.B. 5x9=45, 4+5=9). Das soll andeuten, dass es nach der letzten Erlösung keinen Niedergang mehr gibt.

Um wirklich diese Stufe zu erreichen, muss jede Situation gründlich geklärt werden, um dann darauf aufzubauen. Kein Punkt darf übersprungen werden, damit wir wirklich für die kommende Erlösung zum Guten reif sind.

Im Midrasch heißt es weiter: "In der Vergangenheit zogen ich und mein Gerichtshof vor ihnen, wie es heißt: und der Ewige zog vor ihnen her des Tages (Ex. 13,21), in der kommenden Zukunft aber ich alleine, wie es heißt: denn vor euch her gehet der Ewige (Jeschajahu s.o.)". Das bedeutet: Bei der letzten Erlösung wird das Volk eine so hohe spirituelle Stufe erreicht haben, die eine unmittelbare Führung durch G~tt ermöglicht. Ähnliches wird in den Pirke de Rabbi Eli'eser gelehrt, wonach es in der Weltgeschichte zehn Königreiche gibt, das neunte vom Maschiach ("Messias") geleitet wird und danach, das zehnte Reich, G~tt allein gehört.

In den letzten Jahren beobachten wir ein unglaubliches Erwachen der Rückkehr zu unseren Ursprüngen. Die Umfragen reden von über einer Million Rückkehrer zu religiösem Judentum in der ganzen jüdischen Welt. Zweifellos ist dieses wunderbare Ergebnis eine Folge der grundsätzlichen Klärungen, die das jüdische Volk durchlebt, und durch diesen tiefen Reifeprozess gelangt es zu seiner großen Wahrheit, nämlich der Tora.

Während des letzten Krieges wurden uns Wunder und Errettungen zuteil - einmal wegen der großen Einigkeit, die im Volk zum Thema Gasastreifen herrschte, und einmal wegen der großen Opferbereitschaft der Soldaten. Das ganze jüdische Volk beteiligte sich am Kampf, teils durch besondere Gebete, teils durch Torastudium oder durch Mildtätigkeit. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr hören wir die Einzelheiten der großen Wunder, die G~tt an uns in diesem Krieg vollführte. Ebenso hören wir von einem großen Erwachen der Soldaten wegen der Wunder, die sie erlebten. So bedeutet auch dieser Krieg eine wichtige Stufe des Volkes Israel bei der Klärung seines Glaubens auf dem Wege zur vollkommenen Erlösung, bald und in unseren Tagen.

Der Stand der Dinge... 
 

Ausgetretene Pfade
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Die Windungen und Wendungen Pharaos in der Frage des Fortschickens der Kinder Israel aus Ägypten, wie wir sie während der zehn Plagen in den Wochenabschnitten Wa'era-Bo erleben, stehen in direkter Fortsetzung zu "lasst uns [das Volk Israel] überlisten" (Ex. 1,10) zu Beginn der Versklavung. Am Anfang eniedrigte Pharao die Israeliten mit einer Arbeit, die nicht nur den Körper quält, sondern auch und vor allem die Seele - Arbeit "mit Härte", die "Lastarbeiten Ägyptens" - danach erleichterte er ihnen die Arbeit, knechtete sie aber weiterhin, und am Ende hob er die Sklaverei auf, war aber noch nicht bereit, sie fort zu schicken, so wie es der Neziw (Rabbiner Zwi Jehuda Berlin aus Woloschin) beschrieb: "Bei der Plage der wilden Brut begann Pharao zu überlegen, wie G~tt als Schutzpatron Israels ihre Schändung einklagt und befreite sie von der schweren Lastarbeit. Trotzdem benutzte er sie weiterhin zur Arbeit, und bei der Plage der Seuche entschied er sich für eine weitere Erleichterung, nur dass er sie noch nicht entließ" (zu Ex. 9,17). So auch in unserem Wochenabschnitt - vor der Heuschreckenplage will Pharao nur die Männer ziehen lassen, nicht aber die Frauen und die Kinder, hinterher, bei der Plage der Finsternis, ist er bereit, alle zu befreien, aber unter der Bedingung, dass Klein- und Rindvieh in Ägypten verbleiben, und erst nach der Tötung der Erstgeborenen gibt er endgültig nach, wie es heißt: "Und er rief Moscheh und Aharon in der Nacht und sprach: Machet euch auf, ziehet fort aus meinem Volke, ihr und die Kinder Israel, und gehet, dienet dem Ewigen, wie ihr geredet. Eure Schafe und eure Rinder nehmet, wie ihr geredet und gehet, und segnet mich auch" (Ex. 12,31-32).

Diese Windungen Pharaos werden in der Tora als "gebahnte Straße" (Messila, siehe Raschi) bezeichnet, genauer gesagt: "Trittst du doch mein Volk nieder (mistollel), dass du sie nicht entlässest" (Ex. 9,17), und nach dem Kommentar des Neziw: "Du suchst verschiedene Wege (Messilot) mit ihnen zu verfahren, ohne sie fort zu schicken".

Die letzte Erlösung wird der ersten gleichen, wie damals so auch heute; unsere Feinde suchen die ganze Zeit, besonders in den letzten Jahren, nach neuen Wegen - Straßen - Road Maps, sowohl in politischer als auch in militärischer Hinsicht, unsere göttliche historische Aufgabe zu diskreditieren. Doch genau wie damals Pharao die Israeliten nicht nur fort schickte, sondern noch bat: "und segnet mich auch", können wir auch heute all jenen Feinden und 'Freunden', die über uns Pläne schmieden, mit Mut entgegen stehen und ihren 'Wegen', mit denen sie uns drohen und die sie parat halten, und heute wie damals werden wir mit G~ttes Hilfe bestehen und Erfolg haben, zum Segen Seines großen Namens. 

Kinder, Kinder...
 
Belohnung und Strafe

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Darf man einem Kind Süßigkeiten verweigern, wenn alle anderen welche bekommen, weil es nicht im Haus helfen will?

Antwort: Im Allgemeinen sollte man keine Strafen bei der Kindererziehung anwenden, weil wir wollen, dass es von sich aus hilft und nicht unter Druck. Wir wollen nicht nur, dass es die Pflicht zur Hilfe im Hause versteht, sondern auch, dass sie als verdienstlich und angenehm empfunden wird. Dieses Ziel lässt sich nicht mit Gewalt erreichen. In seltenen Fällen muss man Gewalt anwenden, wenn das Kind etwas Gefährliches tut und wir es bestrafen müssen, aber sonst ist das nicht der rechte Weg. Wenn wir das Kind zum Helfen zwingen, wird es krampfhaft nach Möglichkeiten suchen, sich davor zu drücken, und/oder eine Bitterkeit beim Helfen empfinden, wenn es größer wird. Darum sollten Sie mit ihm sprechen - nicht, wenn Sie es zu helfen bitten, sondern bei passender Gelegenheit - und sagen: Es gibt viele Arbeiten im Haus zu erledigen, und wir arbeiten hart für alle. Jeder in der Familie muss eine Arbeit verrichten. Machen Sie eine Liste, und jeder sucht sich eine Arbeit aus. Wer fertig ist, bekommt eine Belohnung. Anderenfalls wird das Helfen als Strafe angesehen. Mehr als seinen tätigen Beitrag in diesem Falle wollen wir seinen Charakter beeinflussen, und das geht nicht mit Gewalt. Rabbiner Jissachar Schlomo Teichthal erzählte in seinem Buch "Em habanim smecha" (S.82): "Ich hörte eine wunderbare Idee im Namen von Rabbiner Simcha Bunim aus Pschiss'che, zum Vers Zieh mich dir nach (Hohelied 1,4). Er erklärte, es gebe bekanntlich mehrere Wege, ein Tier durch 'Ansichziehen' (meschicha) zu erwerben. 1. Der Käufer ruft das Tier, und es folgt ihm; 2. Er schlägt das Tier mit einem Stock, und es läuft vor ihm her. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei der ersten Möglichkeit der Käufer vorneweg geht und das Tier hinterher, bei der zweiten, wenn er das Tier schlägt, läuft das Tier voran und der Eigentümer hinterher. Welche Meschicha würde das Tier bevorzugen? Sicher die erste, durch Rufen, weil sie schmerzlos ist. Die Schläge aber schmerzen, und das Tier leidet darunter". Wir sollten also ein Kind besser durch liebevolles Rufen zum Helfen ermuntern.

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