DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHA'ALOTECHA
Nr. 769
16. Sivan 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 8,1-12,16):

Dienstweihung der Leviten; 1. Pessach in der Wüste und Ersatztermin für Verhinderte; Reise und Lagern nach der Wolken-/Feuersäule; die silbernen Alarmtrompeten; Zugordnung des Lagers; Trennung von Jitro; Klage über einseitige Diät; Wachtelschwemme und Strafung; Einsetzung von 70 Weisen zur Unterstützung Moschehs; 2 neue Propheten im Lager; üble Nachrede von Miriam und Aharon über Moscheh, Aussatzstrafung Miriams.

Haftara: Secharja 2, 14-17, 3, 1-10, 4, 1-7


Am Schabbes-Tisch...
 

Und der Mann Moscheh war sehr demütig?!
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Mit größter Verwunderung nehmen wir zur Kenntnis, wie Rav Josef auf die Worte der Mischna (Sota 49b) reagierte: "Mit dem Tode Rabbis hörten Demut und Sündenscheu auf", nämlich so: "Trage nicht [den Passus] von der Demut vor, denn ich bin da" - sage nicht, es gibt keine Demütigen mehr seit dem Tode Rabbi Jehuda des Fürsten, denn ich bin ja ein Demütiger und bin am Leben. Das soll Rav Josef von sich gesagt haben?! Und so was nennt sich "Demut"? Unsere Verwunderung wird noch größer, wenn wir in unserem Wochenabschnitt lesen, wie unser Lehrer Moscheh von sich redet: "Und der Mann Moscheh war sehr demütig, mehr als irgendein Mensch auf dem Erdboden" (Num. 12,3), ohne die geringsten Hemmungen seinerseits, so etwas zu behaupten, im Vergleich zu seiner anfangs ablehnenden Haltung, der göttliche Beauftragte für die Erlösung des Volkes Israel aus Ägypten zu sein, als er sagte: "Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe? Und dass ich die Kinder Israel aus Ägypten führen soll?" (Ex. 3,11).

Was ist also genau "Demut"?

Bekanntlich gibt es bei jeder menschlichen Eigenschaft drei Zustände, nämlich den goldenen Mittelweg und zwei Extreme - die Übertreibung und die Untertreibung. Nach unserer Auffassung bedeutet die Demut den goldenen Mittelweg; die Übertreibung wäre der Hochmut, die Untertreibung die Selbstverleugnung.

Die Eigenschaft des Hochmutes definierte Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto folgendermaßen: "Der Hochmut beruht im Allgemeinen darauf, dass der Mensch seine Wertschätzung aus sich selbst bezieht ..." (Messilat Jescharim 11.Kap.). Daraus können wir schließen, dass sich der selbstverleugnende Mensch überhaupt keinen Wert zumisst. Demnach misst sich der Demütige einen Wert zu, hält ihn aber nicht sich selbst zugute. Der Hochmütige hält sich für den Anbeginn aller Dinge, da er keine andere Quelle für seine Begabungen und Fähigkeiten gelten lässt, nur sich selber. Darum spricht er: "Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir all dies Vermögen geschafft" (Dt. 8,17). Alles, was in ihm verborgen ist, schreibt er sich selbst zu. Durch so einen Menschen kann G~tt nicht offenbar werden, da er für ihn keinen Platz gelassen hat, indem in ihm alles von ihm selbst vereinnahmt ist. Darum sagten die talmudischen Weisen, dass G~tt nicht mit einem Hochmütigen in derselben Umzäunung weilen kann, und dass so ein Mensch einem Götzendiener gleiche (da er sich selbst vergöttert).

Der entgegengesetzte Extremfall ist der Selbstverleugner, der sich für eine Null, ein Garnichts hält. Er hält sich für vollkommen unbedeutend. Er fühlt sich als ein so niederes Wesen, dass er nicht fähig ist, auf seinen eigenen Beinen zu stehen und die Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Er verleugnet seine Begabungen und Fähigkeiten, die ihm vom Herrn der Welt verliehen wurden, indem er passiv und tatenlos verharrt. Er glaubt nicht an sich selbst und redet sich täglich aufs Neue ein, er sei eine Null. Das ist eine eingebildete Demut, eine falsche Demut, die in der Weltanschauung der Tora keinen Platz hat. Manche geraten zu dieser Einstellung durch die irrtümliche Annahme, G~tt wolle es so - absolute Selbstverleugnung bis hin zur Lähmung selbstständigen Denkens und Taten, dem Gegenteil von dem, was die talmudischen Weisen forderten: "Größer ist, der von seiner Arbeit genießt, als der G~ttesfürchtige" (Brachot 8a) und wie dies Rabbiner A.J.Kuk erläuterte: "Das erhabene Gefühl dessen, der die Früchte seiner Hände Werk genießt, ist das vollkommenste und beste von allen moralischen Gefühlen des Menschen. Denn das gute Gefühl ist der menschlichen Natur aufgeprägt; und weil er in seinen Handlungen frei ist und er sich aufgrund seines Fleißes in allen seinen Angelegenheiten vervollkommnen kann, steht es ihm nicht gut an, mit verschränkten Armen dazusitzen und zu wünschen, dass Andere alles für ihn erledigen. Und auch bezüglich der göttlichen Vorsehung sollte er in seiner Seele festlegen, sich nicht allein auf sie zu verlassen, außer bei Dingen, die außerhalb seiner Macht stehen, sondern selbst dafür zu sorgen, denn alles, was in seiner Macht steht, dort befindet sich die Vollkommenheit für das Erscheinen der göttlichen Vorsehung, die ihm die Kraft gibt, wacker auszuführen, damit ihm sein Verdienst zukomme" (Ejn Aja, Brachot I, S.41).

Der wirklich Demütige nun ist sich aller seiner potenziellen Begabungen und Fähigkeiten bewusst, doch weiß er gleichzeitig, dass er alle seine Kräfte vom Herrn der Welt als Geschenk erhielt. Er trägt die Verantwortung dafür, sie durch seinen Willen und seine freie Entscheidung zur Entfaltung zu bringen. Einerseits weiß er, "groß ist der, der seiner Hände Werk genießt" (s.o.) und dass er viel vollbringen kann, andererseits jedoch behält er immer die Tatsache im Sinn, dass G~tt ihm die Kraft dazu gibt, damit ihm sein Gutes zuteilwerde.

So ein Mensch füllt sich mit Genugtuung und Freude über seine Mühen und das Erreichte, denn das gereicht dem "Ebenbild G~ttes" in ihm zur Ehre, das ihm in der gesamten Schöpfung eine Sonderstellung verschafft - seine Entscheidungsfreiheit, doch bildet er sich nichts darauf ein, denn der ganze Sinn besteht ja darin, das Unreife in ihm zu entdecken und es auf eine höhere Entwicklungsstufe zu bringen, die Reife, um damit seine Aufgabe zu erfüllen und dem Volk Israel und der ganzen Welt zu nutzen.

So lässt sich die große Demut Rabbiner Kuks erklären, die auf der gleichen Linie liegt wie die unser Lehrer Moscheh und Rav Josef, keine Demut, die seine Aufgabe in seinen Generationen einschränkt und verkleinert, sondern die Mut und Macht mehrt und Eigeninitiative und Übernahme der Verantwortung für die ganze Generation umfasst, wie er über sich schrieb: "... muss der Wahrheit die Ehre geben, dass mein Verstand g~ttseidank den geraden Pfaden folgt und sich weder in meinem Herzen noch auf meinen Lippen Betrügereien befinden und dass ich g~ttseidank in meinem ganzen Innern voll bin von israelitischer Nächstenliebe, G~tt sei Dank dafür, dass er mir diese Seele machte, nicht von meiner eigenen Weisheit und nicht aus meiner eigenen Gerechtigkeit, sondern aus seinem großen Erbarmen und seiner Gnade, die kein Ende und kein Ziel kennen ... und es besteht kein Zweifel daran dass wenn die Geistesgrößen dieser Generation, mögen sie leben, meine Hände stärkten, mit mir zusammenarbeiteten und es nach meiner Art hielten, so weit wie möglich, jeder nach seinem Rang, würde der Name des Himmels geheiligt werden und sich der Frieden mehren, und Segen würde sich ergießen auf das Volk Israel und das Land Israel, und sehr, sehr Viele würden in vollkommener Umkehr [zu ihrem Judentum] zurückkehren, und es würde sich das Sprießen der Errettung des Hauses Israel baldigst in passender Weise offenbaren, und es ist überhaupt nicht zu beschreiben und vorstellbar, wie viel Gutes und Heiligkeit und Besserung der Welt daraus erwachsen würden. Ich bin voller Hoffnung mit G~ttes Hilfe, dass es so sein wird, und letztendlich werden jene zu mir zurückkehren, die G~ttes Namen kennen und fürchten und die Reinheit meines Herzens erkennen werden und die Wahrhaftigkeit meiner Ansichten, und wir alle werden einen Verbund bilden, G~ttes Willen zu tun und das Licht G~ttes und seine Ehre über seinem Volk und dem Land seines Begehrens und der weiten Welt zu mehren" (Briefe, Nr.555).




HaRav Aviner
 
Bin ich was wert?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

In meinem ganzen Leben habe ich nie etwas besonders Bedeutendes gemacht. Aus mir wird nichts. Alle meine Freunde sind angesehen, intelligent, haben respektable Berufe - und ich? Fehlanzeige.

Das ist wirklich traurig. Nichts gelingt mir. Niemand respektiert mich und keiner sagt mir: Alle Achtung!

Aber ich beschwere mich nicht, weder über G~tt noch über die Menschen. Manchmal machen sie sich über mich lustig, spotten mir, doch ich schweige dazu. Auch wenn sie überhaupt nichts sagen, fühle ich, dass sie nichts von mir halten, und das tut weh. Häufig tue ich Leuten einen Gefallen, und hinterher zeigen sie mir die kalte Schulter oder beleidigen mich noch obendrein. Macht nichts. Ich sage nichts.

Es gibt aber einen Ort, wo ich ja wichtig bin. In der Synagoge! Da bin ich ein Bürger wie alle anderen und genau so viel wert wie alle anderen. Ich sitze still in meiner Ecke, ich bete, sage Tehillim (Psalmen) und lerne. Und der Herr der Welt hört mir zu und freut sich über mich. Hier sind alle gleich viel wert. Ich sage "amen", und der wichtige Direktor sagt "amen". Das ist dasselbe "amen". Der Herr der Welt ist so groß und wir so klein, dass kein Unterschied zwischen uns besteht.

Überhaupt am Schabbat und an den Feiertagen fühle ich wie alle gleich sind, denn keiner arbeitet, und es gibt keinen Direktor und keine Standesunterschiede. Alle tragen weiße Oberhemden. Auch meine sanfte Frau trägt Kleider wie eine Königin. Sie mag lieber sittsame und einfache Kleider, doch in meinen Augen ist sie eine Königin, sie ist die allerschönste Frau der Welt, und in Wirklichkeit ist sie auch während der Woche die schönste Frau der Welt; manchmal wundere ich mich wirklich, wie die anderen Leute so hässliche Frauen heiraten konnten. Aber das geht mich schließlich nichts an, und damit muss ich mich auch nicht beschäftigen.

Aber meine Frau ist nicht nur die schönste, sondern auch die sanfteste und klügste. Ich sehe auf der Welt so viele problematische Menschen, und auf der gleichen Welt gibt es eine so schöne Blüte wie meine Frau. Das ist der beste Beweis, dass ich doch was wert bin, denn sie hat sich gerade mich ausgesucht. Gerade sie schätzt mich ganz besonders. Anscheinend hat sie an mir etwas Wunderbares gefunden, worauf niemand anders achtete, und sogar ich selber hatte es nicht bemerkt. Doch ihre Sanftheit und Klugheit verliehen ihr den Durchblick.

Also was interessiert es mich dann, dass ich nach außen hin nichts gelte? Zu Hause gelte ich was, und meine Frau kennt mich schließlich besser als sonst wer, und sie behandelt mich wie einen König. Ich wundere mich selber, was sie an mir so findet.

Natürlich gelte ich auch etwas in den Augen des kleinen süßen Babys, das so sehr seiner Mutter ähnelt. Ich bin sein ein-und-alles. Wenn es sich an mich kuschelt, fühle ich mich wie die ganze Welt, für mich wurde die ganze Welt geschaffen.

Wenn also so viele Leute mich für jemanden halten, der nicht viel wert ist, dann tut mir das weh, und zwar für sie, dass sie nichts verstehen. Sie geben sich besonders klug, doch eine so einfache Sache verstehen sie nicht. Eine Sache, die meine Frau weiß und die der Herr der Welt weiß.



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