DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR-BECHUKKOTAI
Nr. 766
24. Ijar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-27,34):

Gesetze des Siebentjahres, des Joweljahres (alle 50); Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Zinsverbot; Sklaven- und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen; Wohlstand und Frieden bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten Personen und Sachwerten.

Haftara: Jirmijahu 16, 19-21, 17, 1-14


Mittwoch, 28. Ijar: Jom Jeruschalajim


Am Schabbes-Tisch...

Die Bedingungen für den Erhalt der Tora

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Im Kommentar "Schem MeSchmu'el" heißt es: "Ab Lag Ba'omer, nachdem bereits zwei Drittel der Omerzeit vorüber sind, glitzert bereits das Licht des Wochenfestes (Schawuot)". Demnach müssen wir unsere Vorbereitungen für diesen großen und heiligen Tag verstärken, dem Tag der Toraverleihung. Im Talmud heißt es: "Dreierlei tat Moscheh aus eigenem Ermessen, und der Heilige, gepriesen sei er, stimmte ihm bei. Er fügte aus eigenem Ermessen einen Tag hinzu, er zog sich von seiner Frau zurück, und er zerbrach die Bundestafeln" (Schabbat 87a).

Unser Lehrmeister, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk lehrte in seinen Vorträgen zum Wochenfest, dass diese Eigenschaft der Übereinstimmung mit den göttlichen Absichten in jedem einzelnen Juden existiert. "Ich dachte: Götter seid ihr, und des Höchsten Söhne ihr Alle" (Psalm 82,6). Unsere Weisheit befürwortet die Weisheit G~ttes. In der innersten Essenz unserer Schöpfung sind wir eins mit der Weisheit des Schöpfers. "Ihr aber, die ihr an dem Ewigen, eurem G~tte hanget, seid alle heute am Leben" (Dt. 4,4). Und der Talmud nennt jeden, der sich mit dem Torastudium beschäftigt, "Moscheh". Jeder Toragelehrte führt die Offenbarung der Tora für alle erkennbar fort, er hat etwas von der Seele unseres Lehrmeisters Moscheh (Gespräche zu den Feiertagen II, S.322, Rabbiner Z.J.Kuk). Darum bezeichnen anscheinend die drei Dinge, die Moscheh aus eigenem Ermessen tat und G~tt ihm zustimmte, die Voraussetzungen für den Eintritt in die Welt der Tora, und eine allgemeine Empfehlung für ihre Annahme.

Zog sich von seiner Frau zurück

Moscheh zog sich von seiner Frau zurück - als Zeichen der eigenen Heiligung; spirituelle Reinheit, das Hüten der Augen und die Sittlichkeit sind wichtige Grundlagen, die sich jeder Mensch zueigen machen sollte, um Tora in Heiligkeit zu lernen, "denn die Art und Weise des Lebens, die die Juden in der Welt bekannt machen, muss sich nach den Wurzeln der Tora richten, nämlich dass die Reinheit und die Sittlichkeit das Hauptziel der Familie seien, und daran orientieren sich die übrigen jüdischen Eigenschaften und Lehren" (Rabbiner A.J.Kuk, Ejn Aja Schabbat I, S.61).

Zerbrach die Gebotstafeln

- als Ausdruck der Krisen, die den Menschen oder die Allgemeinheit auf dem Weg zum Ziel heimsuchen, obwohl vonseiten der "höheren Weisheit", vonseiten G~ttes kein Bedarf an Zerstörung und Krisen besteht. G~tt aber weiß, dass die Welt ihre Grenzen hat, und in so einer Welt müssen Krisen auftreten, deren Sinn darin besteht, die wahre Besserung herbeizuführen. "Das ist die Weisheit Moschehs, die mit der Weisheit des Höchsten übereinstimmt, die ihr Ziel findet im Zerbrechen zum Zwecke der Berichtigung, denn nach der Größe der Qualität des Zerbrechens wird die große, doppelte und dreifache Qualität der Verbesserung erkenntlich" (Ejn Aja, Schabbat II) - das muss jeder Mensch wissen, der sich zum Wege der Tora und der Gebote bekennt, und nur aufgrund dieses Wissens und mit dem seelischen Einverständnis dazu wird er sich zu den Empfängern der Tora zählen können und in jeder Lage an ihr festhalten.

Fügte aus eigenem Ermessen einen Tag hinzu

Damit drückte er das Vermögen des Menschen aus, der Tora hinzuzufügen und neue Erklärungen zu finden - durch sorgfältiges Torastudium und nach dem Erklimmen höherer Weisheitsstufen - so kann man "seinen" Buchstaben in der Tora finden, wie im Namen "Israel" die Abkürzung für "Es gibt sechzig Zehntausende Buchstaben in der Tora" angedeutet ist [der Zahl der Juden beim Auszug aus Ägypten]. Und das ist genau die Anzahl der jüdischen Seelen - also hat jeder automatisch "seinen" Buchstaben in der Tora, der seinen individuellen Charakter ausdrückt, den er leuchten lassen und zur Geltung bringen soll.

Bei den talmudischen Weisen finden wir drei Größen der Nation, die mit unserem Lehrer Moscheh verglichen werden: Über den Propheten Schmu'el heißt es: "Moscheh und Schmu'el gelten gleich" (Schemot raba 16,6). Über Esra heißt es: "Esra war würdig, dass die Tora durch ihn gegeben werde, wäre ihm Moscheh nicht zuvorgekommen" (Sanhedrin 21b). Und als Moscheh in die Höhen aufstieg und dort [in prophetischer Vision] Rabbi Akiva und dessen Lehrhaus sah, fragte er G~tt: "Du hast einen solchen Mann und verleihst die Tora durch mich!?" (Menachot 29b). Man könnte sogar behaupten, auch jene drei Größen repräsentierten die vorgenannten Grundsätze: Rabbi Akiva, der im Verlaufe von 24 Jahren von seiner Frau getrennt lebte, und gerade er wusste hinterher, ihren großen Wert zu schätzen, indem er zu seinen Schülern sagte: "Meines und Eures ist Ihres" (Ketubot 63a). Bei Schmu'el finden wir die Krise, der nach seiner Einsetzung von Scha'ul als König nun David zum König machen musste und somit seine früheren Werke annulliert wurden (siehe Ta'anit 5b). Und Esra fügte der Tora zehn wichtige Verordnungen hinzu, die zu Grundpfeilern bei der Erfüllung der Gebote im jüdischen Volk wurden (Baba kama 80b).

Wollen wir daraus lernen, wie wir uns am besten die Tora aneignen, nämlich durch Heiligung und Reinigung aller unserer Lebenswege. Wollen wir versuchen zu verstehen, dass auch wenn irgendeine Krise auftaucht, ihr Ziel doch in Erhebung und Besserung besteht, und dadurch werden wir zu den Leuchten und den Erweiterern der Tora gehören und sie uns wirklich zueigen machen.




Jom Jeruschalajim 
 

Von Zion geht die Tora aus?!
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Unsere heilige Stadt hat viele Namen, zwei davon von zentraler Bedeutung - Zion und Jeruschalajim [Jerusalem]. Nach Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels; Ma'amerej Hara'aja S.333-339) verleiht der Name "Zion" den materiellen, nationalen Aspekten Ausdruck, der staatlichen Souveränität - eben, wie wir heute sagen, dem Zionismus. Diese Stadt symbolisiert unser Wesen und unsere Erlösung. Folgendes schrieb er dort: "Von Anbeginn unserer Geschichte ragte der Name 'Zion' als Ausdruck unserer Königsherrschaft, unserer weltlichen Kraft heraus ... der Pioniergeist des Aufbaus der Nation und ihrer Wiedererstehung in ihrem Lande erkämpft sich seinen Weg im Leben ... eine gewaltige Kraft und viel Gutes sind auch in unserer weltlichen Wiedererstehung enthalten, die den Namen 'Zion' auf ihre Fahnen schreibt".

Demgegenüber drückt der Name "Jeruschalajim" den spirituell-göttlichen Aspekt der Stadt aus, die uns aufgeprägte Idee von Heiligkeit: "Durch 'Jeruschalajim' wird besonders das Ziel unserer Heiligkeit an sich als die höchste Bestrebung hervorgehoben ... am Orte des Tempels, dem zukünftigen Gebetshaus aller Völker, der Ort, an dem das große Sanhedrin tagen wird, von dem die Tora an ganz Israel ausging und ausgehen wird ...".

Darum ist Eines sehr verwunderlich: Wenn die materielle Seite mit dem Namen "Zion" bezeichnet wird und die spirituelle mit dem Namen "Jeruschalajim" - wieso versprach der Prophet dann: "Von Zion wird die Tora ausgehen" (Jeschajahu 2,3)? Hätte es nicht heißen müssen: "Von Jeruschalajim wird die Tora ausgehen"?

Vielmehr lernen wir daraus das Geheimnis des Ablaufs unserer Erlösung. Ausgerechnet die "zionistische" Variante, die natürliche, nationale, materielle, die nach außen hin so anders aussieht und manchmal dem "Jeruschalajim", dem "heiligen" Ablauf zu widersprechen, ja ihn sogar zu stören und zu behindern scheint - gerade davon erwächst und offenbart sich die Erlösung Israels, da diese Variante ein erstes Fundament schafft, durch das, und über ihm, hinterher die göttliche Idee erscheint und dann die Erlösung in ihrer Vollkommenheit, in Heiligkeit und in Weltlichkeit, im Materiellen und im Spirituellen.

Sogar die Nichtjuden kennen dieses Geheimnis - in ihrem geistigen Unterbewusstsein. Als wir noch in der Verbannung steckten, von Leiden geplagt und ohne unseren nationalen und praktischen Rahmen, "An den Strömen Babels - dort saßen wir und weinten, da wir Zions gedachten" (Psalm 137,1), versuchten sie auf verschiedene Weisen, uns die "heilige" Seite unserer Erlösung vergessen zu machen und konzentrierten sich nur auf die praktische, nationale und politische Seite, indem sie zu uns sagten: "Singet uns ein Lied von Zion" (V.3). Doch wir wussten, wir erinnerten uns noch, dass wir nicht nur "Zionisten" sind, sondern auch "Jeruschalemisten", und wir handeln auch danach, wir verstehen und bewirken die Erscheinung G~ttes, das Erscheinen der spirituellen Werte innerhalb des materiellen Aufbaus, und darum antworteten wir ihnen: "Wie sollen wir singen des Ewigen Lied auf fremder Erde?" (V.4), und fahren fort, nach innen gerichtet: "Sollt' ich dich vergessen, Jeruschalajim, so versage meine Rechte! (=meine Kraft, meine Macht, der praktische, "zionistische" Aspekt), ... wenn ich nicht erhebe Jeruschalajim auf den Gipfel meiner Freude" (V.5-6).

Es gibt Situationen und Perioden, in denen es scheint, als ob wir den Jeruschalajim-Aspekt Zions vergessen hätten, weil wir uns nur immerzu mit den materiellen Dingen beschäftigen - mit der Sicherheit, der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Lösung von Problemen, die gerade auf der Tagesordnung stehen, ohne auf unser wirkliches Wesen zu achten, das wir eigentlich in der materiellen Umgebung entwickeln sollten. Darum müssen wir wissen, dass die Tora von "Zion" ausgeht. Gerade aus der komplizierten praktischen und nationalen Entwicklung heraus "geht die Tora heraus", wird die höhere, spirituelle Stufe gebaut. Dafür tragen wir die Verantwortung, und wir verfügen auch über die Fähigkeit dazu. Mit G~ttes Hilfe wird uns die volle Verwirklichung des Verses vergönnt sein, nicht nur "Von Zion geht die Tora aus", sondern auch "und das Wort G~ttes von Jeruschalajim" - in unserer vollständigen und vollkommenen Erlösung.



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