DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BERESCHIT
Nr. 738
29. Tischri 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 1,1-6,8):
Schöpfung, Adam und Chawa, Schlange, Vertreibung aus dem Garten Eden, Kain und Hewel, die Generationen bis Noach, Planung der Sintflut.
Haftara: Schmu'el I, 20, 18 - 42 "Machar Chodesch"
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Hilfe gegenüber

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Helferin oder Gegnerin?

Nach dem Ende der Schöpfung und der Erschaffung des Menschen sprach G~tt: "Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, ihm gegenüber" (Gen. 2,18). Erklärte Rabbiner Naftali Z.J. Berlin (der Neziw) aus Woloschin in "Ha'emek Dawar" G~ttes Absicht dabei: "Es ist nicht gut dass er ein Weibchen habe wie die anderen Geschöpfe, das ihm nicht auf allen Lebenswegen zur Seite steht und sich nur zur Zeit der Paarung bei ihm einfindet. Diese Lebensweise ist nicht gut für den Menschen, vielmehr werde ich ihm eine entsprechende Gehilfin machen, weil die Natur des Menschen keine einseitige ist, sondern in ihm alle Eigenschaften und alle Geschöpfe zusammen gefasst sind, jedes mit seiner eigenen Natur, und darum muss ihm eine Gehilfin gemacht werden, nämlich die Frau, die jeder dieser Eigenschaften entspricht, die beim Mann vorkommen kann, also ihm entsprechend, so wie er gemäß seiner jeweiligen Eigenschaft Hilfe braucht".

Demnach trug G~tt gute Sorge für den Menschen, weil er wusste, dass jener nicht alleine ohne diese Hilfe leben konnte, anders als die übrigen Geschöpfe, und sorgte für die Schaffung der Frau, damit sie dem Mann in allen Lebenslagen helfe, und weil es bei den Menschen viele verschiedene Typen gibt, schuf G~tt die Frau entsprechend passend zu all diesen verschiedenen Eigenschaften, ihm eine Gehilfin auf allen seinen Wegen zu sein.

In "Herchew Dawar" erwähnt der Neziw den bekannten von Raschi zitierten Midrasch (Jewamot 63a) zum Vers: "Ist es ihm beschieden - eine Hilfe, ist es ihm nicht beschieden, so ist sie gegen ihn, ihn zu schlagen" und fragte verwundert, es könne doch nicht angehen, dass die Frau dazu geschaffen wurde, denn Mann zu quälen, und auch aus den Worten G~ttes geht doch nicht hervor, entweder Hilfe oder Gegnerin?! Darum lehrt der Neziw, die Frau könne dem Manne auch als Gegenpol eine Gehilfin sein und nennt als Beispiel jemanden, der leicht aufbraust und in Zorn gerät. Wenn seine Frau ihn noch dabei unterstützt, dann tut ihm das in dem Moment zwar wohl, er fühlt ihre Unterstützung und ihre Solidarität, aber hinterher, wenn sich sein Zorn gelegt hat, tut es ihm leid, dass sie noch Benzin auf die Flammen goss. Diese Hilfe entpuppt sich also als ein Nachteil, ein Schaden - gegen ihn. Wenn aber die Frau diesen Mann bei seinem Zorne zu beruhigen versucht - auch wenn ihm das in diesem Moment als Gegnerschaft vorkommt - "wäre das die wirkliche, unübertreffbare Hilfe gewesen". Ebenso, laut Neziw, bei allen Eigenschaften: Wenn jemand immerzu ausgelassen ist, braucht er eine Frau, die das in die richtigen Bahnen lenken kann, "und darum bedeutet eine Hilfe ihm gegenüber: durch ihre Entgegnung ist sie seine Gehilfin. Und dem fügten die talmudischen Weisen [im genannten Midrasch] hinzu, wenn er es verdient, dann verbleibt ihm die Hauptsache, nämlich die Gehilfin, indem sie ihm am Anfang entgegen steht, und wenn er es nicht verdient, dann richtet sich die Hauptsache gegen ihn, indem sie ihm am Anfang jeder schlechten Laune sofort zur Seite steht, und ein schlimmeres gegenüber kann man sich gar nicht vorstellen".

Das soll eine deutliche Warnung sein für all diejenigen, die als Ehepartner eine Frau suchen, die ihnen charaktermäßig so weit wie möglich gleicht. Dazu lehrt uns der Neziw, dass unterschiedliche Charakterzüge nicht nur bei der Schaffung der Ehegemeinschaft nicht stören, sie schaffen obendrein die nötige Vervollkommnung, denn gerade so ist die Frau die Gehilfin des Mannes.

Undankbarkeit

Diese Frau, die als Gehilfin des Mannes geschaffen wurde, brachte G~tt zum Manne, der daraufhin verkündete: "Dieses Mal ist es Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleische. Diese werde genannt Männin, denn vom Manne ist diese genommen worden" (Gen. 2,23). Bei der Frau findet er wahre Gelassenheit, fühlt die Macht und die Annehmlichkeit der Verbindung und des Gemeinsamseins, wie es im Talmud heißt: "erst bei Chawa war er befriedigt" (ebda.). 

Doch dann verstricken sie sich in die Geschichte mit der Schlange. Als der Mann gefragt wurde, warum er sündigte und vom Baume aß, antwortete er sogleich: "Das Weib, das du mir gegeben, die gab mir von dem Baume und ich aß" (3,12). Erklärte Raschi zur Stelle: "Damit verleugnete er die ihm erwiesene Wohltat". Diese Interpretation stammt aus dem Traktat Awoda sara (5a/b). Der Kommentar "Tora temima" erklärt diese Talmudstelle mit Hilfe der Tossafisten zur Stelle, wonach "die Undankbaren in Wirklichkeit die Güte erkennen, sie möchten es nur nicht zugeben, denn sicher kann man nicht behaupten, Adam hätte diese Wohltat nicht erkannt, heißt es doch ausdrücklich 'erst bei Chawa war er befriedigt', ebenso sagte er selber 'Gebein von meinen Gebeinen'". Und wie der Prophet Elijahu zu Rabbi Jossi sprach: die Frau erleuchtet dem Mann die Augen und bringt ihn auf die Füße (Jewamot 63a). Damit ist deutlich bewiesen, dass die Frau dem Manne hilft und er das auch sehr gut weiß, nur dass er es nicht zugeben will.

Im Eheleben gilt diese Sache in beiden Richtungen. Auch die Frau weiß, wieviel Segen und Gutes sie von ihrem Mann hat, doch ist sie nicht immer bereit, dies einzugestehen. (Vielleicht wird in der Tora nur deshalb der Mann erwähnt, weil er sich als Erster so verhielt). Darum kommt die Tora schon in ihrem ersten Wochenabschnitt, gleich mit unserer Rückkehr in den Alltag nach dem Ende der Feiertagssaison, und weist uns einen Weg zu gutem und glücklichem Leben.

Mögen die Ehepartner das Gute erkennen und anerkennen, das sie voneinander erhalten, und dabei auch sicher stellen, dies ausdrücklich zu formulieren, wenigstens einmal am Tag, und sei ihnen dadurch das vollkommene Eheglück beschieden "wie du dereinst deine Geschöpfe im Garten Eden erfreut hast (vor dem Fall der Undankbarkeit)" (Ketubot 8a; einer der sieben Segenssprüche bei der Hochzeit).
 
 
Von Adam bis Noach
 

Zehn Generationen
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Der Gedanke, dass unser Wochenabschnitt ein Viertel der Menschheitsgeschichte umfasst, ist einfach atemberaubend. Heißt es doch: "Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen" (Sanhedrin 97a), und unser Wochenabschnitt endet mit der Generation von Noach, der etwa 1600 Jahre nach der Schöpfung lebte. Nicht weniger überraschen die talmudischen Weisen, die dieses Viertel der Menschheitsgeschichte in einem einzigen Satz zusammen fassen: "Zehn Geschlechter von Adam bis Noach" (Mischna "Sprüche der Väter" 5,2) - und damit hat es sich! Wie kann das angehen? Was ist denn mit allen Geschehnissen in den 1600 Jahren von Adam bis Noach?! Warum ist Noach der nächste Bezugspunkt nach der Schaffung der Welt? Die Frage wird nur noch verschärft durch die göttliche Feststellung am Ende der Parscha: "Und der Ewige sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen, hinweg tilgen von der Fläche des Erdbodens; von Menschen bis Vieh, bis Gewürm und bis Gevögel des Himmels, denn mich gereut es, dass ich sie gemacht" (Gen. 6,7), eine so sehr extreme und harsche Feststellung; doch gleich danach erscheint das Licht am Ende des Tunnels der Menschheit, der Abschlussvers: "Aber Noach fand Gnade in den Augen des Ewigen" (6,8). Was ist denn so Besonderes an diesem Noach, in dem sich die zehn vergangenen Geschlechter konzentrieren, dass nach der Zerstörung der Welt durch die Sintflut der Neubeginn gerade von ihm ausgeht?

Sehen wir uns nur ein wenig die Entwicklung der Menschheit in unserer Parscha an, und sofort fällt auf, wie schlimm die Lage wirklich war. Der erste Mensch ward geschaffen - Masal tov!, und gleich sündigt er, isst vom Baum des Wissens und wird aus dem Garten Eden hinaus geworfen. Die nächste Generation, die Söhne des ersten Menschen, sind zunächst zwei - Kain und Hewel ("Abel"), was uns zum ersten Mord in der Menschheitsgeschichte bringt. Kain wird bestarft mit: "unstet und flüchtig seiest du auf Erden" (4,12), doch setzt er sich hochmütig über den göttlichen Befehl hinweg, und statt von Ort zu Ort zu ziehen lässt er sich nieder "und wohnt im Lande Nod" (4,16), und nicht nur das - "und er baute eine Stadt" (4,17), das Musterbeispiel für Ortsbeständigkeit und Verwurzelung. Folgen wir nun der Kainschen Linie bis zur achten Generation zu den drei Söhnen von Lemech. Hier scheint endlich eine Wende einzutreten, denn Jawal, Juwal und Tuwal-Kain befassen sich mit dem Aufbau der Welt, mit ihrer Erschließung und Entwicklung, wie es heißt: "Jawal war der Vater der Zeltwohner und Herdenbesitzer", ein Landwirt und Baumeister (nach den talmudischen Weisen). Sein Bruder Juwal fördert die Künste, "Juwal, der Vater aller Zither- und Flötenspieler", und Tuwal-Kain entwickelt fortschrittliche Industrie und moderne Technik, "ein Schmied alles Zeuges von Erz und Eisen" (4,20-22). Doch der Raschikommentar, gestützt auf die talmudischen Weisen, kühlt sogleich die Begeisterung: Juwal und Jawal beschäftigten sich mit dem Bau von Götzentempeln und dem Gesang für den Götzendienst, und Tuwal-Kain errichtete einen Betrieb zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen - "er verbesserte das Handwerk von Kain", und so geht es mit der Welt immer weiter bergab. Auch bei den Nachkommen von Schet (dem dritten Sohn von Adam, nach dem Mord an Hewel) sieht die Sache nicht rosiger aus. Sein Sohn Enosch in der dritten Generation begann mit Götzendienst: "Damals wurde begonnen zu benennen mit dem Namen des Ewigen" (4,26). Überspringen wir einige Generationen bis hin zur siebten - Chanoch. "...und er war nicht mehr, denn G~tt hatte ihn genommen" (5,24), und nach der Erklärung des "Chatam Sofer" wurde er zu einem Engel im Himmel und verließ die Welt der Menschen, der er bisher angehört hatte, so dass diese von göttlichem Geist verlassen und im Hinblick auf Moral und Prinzipien zerstört war. Die Erben Kains unterwarfen sich also dem Materialismus und den damit verbundenen Trieben, während die Erben Schets dieser Welt entflohen zugunsten erwarteter spiritueller Erhebungen.

Und so ging es mit der Menschheit immer weiter bergab, bis wir zu Noach gelangen, von dem es heißt: "Und nannte seinen Namen Noach, um zu sagen: dieser wird uns trösten wegen unserer Arbeit und der Mühsal unserer Hände von dem Boden, den der Ewige verflucht hat" (5,29).

Wer ist dieser Noach, und warum erhielt er diesen Namen? Erklärt Raschi zur Stelle: "Dieser wird uns trösten - wird den Schmerz unserer Hände von uns weichen lassen; bevor Noach kam, hatten sie keine Geräte zum Pflügen, und er bereitete sie ihnen; und die Erde hatte Dornen und Disteln hervor gebracht, wenn sie Weizen säten, seit der Verwünschung des ersten Menschen; aber in den Tagen Noachs hörte es auf". Daraus folgt, dass Noach nach der Ruhe (menucha) benannt wurde, die er in die Welt brachte und nicht nach dem Trost (nechama), denn dann hätte er Menachem geheißen werden müssen (siehe Raschi dort). Worin bestand nun diese Ruhe, und worin liegt ihre Bedeutung? Zwei Wohltaten erwies Noach der Welt - 1.in spiritueller Hinsicht: durch seine Rechtschaffenheit und sein spirituelles Wirken heilte er den Fluch, mit dem der erste Mensch nach der Sünde und der Vertreibung aus dem Garten Eden belegt worden war, und die Erde brachte Weizen hervor, wenn Weizen gesät wurde, und nicht Unkraut und Dornen, 2.in materieller Hinsicht: er erfand den Pflug. Noach entwickelte die Welt in wissenschaftlicher und technologischer Weise und schuf der landwirtschaftlichen Arbeit Erleichterung, die sich tagtäglich bemerkbar machte.

Noach offenbarte demnach das Geheimnis der Schöpfung: die Verbindung von Himmel und Erde. Auf der einen Seite die Verantwortung, die Welt praktisch-materiell-natürlich voran zu bringen, und sie andererseits mit einer göttlichen Seele zu versehen, mit spirituellen, ewiglich-göttlichen Werten und Bedeutung zu füllen, in der Weise, wie es heißt: "Da bildete der Ewige, G~tt, den Menschen aus Staub von dem Erdboden und blies in seine Nase Hauch des Lebens", und davon "ward der Mensch zu einem Leben-Atmenden" (2,7) versehen mit höchster Verantwortung und der Aufgabe, die Welt ihrer Vervolkommnung zuzuführen. 
Kein Zweifel dass auch in unseren Tagen die menschliche Gesellschaft ihre Ziele und Bestrebungen zu klären versucht. Je weiter sich der menschliche Verstand entwickelt, übertrifft die moderne Technologie alle Vorstellungen, die Möglichkeiten werden immer vielfältiger, und der Mensch erhält immer größere Verantwortung und Bedeutung. Wohin wird er all dies richten und bringen? Zur Befriedigung seiner Begierden und Triebe gegen den Willen G~ttes und die Bestimmung der Schöpfung, so wie die zehn Generationen von Adam bis Noach - oder um ihnen göttlichen und absoluten Wert und eine Bedeutung von Ewigkeit, Wahrheit, Güte und Anständigkeit beizumessen, von höchsten Prinzipien und Moral? Wählen wir lieber den Weg Noachs und werden damit zu echten Beteiligten an der Schöpfung, zur Beförderung der Welt zu ihrem wahren Ziel, für das sie geschaffen wurde.
 

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