DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHARE MOT - KEDOSCHIM
Nr. 764
10. Ijar 5770

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-20,27):

Jom Kippur: Opferdienst und Feiertag; Fleischgenuss nur von Opfertieren; Verbot des Blutessens; Verwandte usw., die zu heiraten verboten ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die Gräuel der Kana'aniter zu vermeiden; Gebot und Versprechen, heilig zu sein; div. Ge- und Verbote und deren Strafen; Land von Milch und Honig.

Haftara: Amos 9, 7-15



Am Schabbes-Tisch...
 

Vorsicht - Streit!
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Der Monat Ijar birgt heutzutage keine kleinen Meinungsverschiedenheiten zwischen den sogenannten Nationalreligiösen in allen ihren Schattierungen einerseits, und den Charedim ("schwarz"-Orthodoxen) andererseits, und zwischen jenen und den Nichtreligiösen nach ihren Parteien, besonders zu Fragen, ob die Gegenwart als "Erlösung" bezeichnet werden kann, zur Haltung in Sachen Zionismus, zum Staate Israel, zur Regierung usw.

In diesem Zusammenhang wäre es vielleicht gut, an die Worte des heiligen Or Hachajim zum Gebot "Du sollst deinen Bruder nicht in deinem Herzen hassen" (Lev. 19,17) in unserem Wochenabschnitt zu erinnern. Er machte darauf aufmerksam, dass die Worte "deinen Bruder" im Vers scheinbar fehlplatziert sind, denn es hätte doch besser heißen sollen: "du sollst nicht hassen in deinem Herzen" - das ist doch die Hauptsache, und das Wesen des Verbotes zu hassen, und erst danach sollte das Objekt dieser Worte erwähnt werden, nämlich "deinen Bruder". Oder wie er es ausdrückte: "Es hätte heißen müssen Du sollst nicht hassen in deinem Herzen deinen Bruder, dass er erst den Ort des Hasses lehrt, mit dem er begann (d.h. in deinem Herzen) und hinterher erwähne er, wen (nicht) zu hassen".

Damit will der heilige Or Hachajim sagen, dass sich die Worte deinen Bruder nicht mit der Frage des Objektes befassen, d.h. wen nicht zu hassen, sondern mit der Definition des verbotenen Hasses an sich, "damit kein Mensch sage, es gebe keinen Hass außer dem absoluten Hass - jemandem Böses zu wünschen und sein Ende herbeizusehnen (ein Hass, der zur Tat führt), doch eine Abkehr im Herzen sei kein Hass, und dem kam die Schrift zuvor, indem sie dem Verbot des Hassens deinen Bruder voranschickte, um damit zu sagen, dass die Beschreibung des Hasses, den die Tora verbietet, in jenem Gefühl besteht, das im Wort Bruder zum Ausdruck kommt, d.h. jegliche Entfernung von diesem herzlichen Brudergefühl bedeutet einen Abstieg von der brüderlichen Beziehung, wodurch man bereits das Verbot des Hassens übertritt".

Sachliche Meinungsverschiedenheiten sind also erlaubt, aber auf keinen Fall irgendein Gefühl des Hasses. Folgendermaßen beschrieb dies Rabbiner A.J. Kuk: "Man muss selbst im Eifer des Gefechtes immer wissen - das Gefühl der Brüderlichkeit lebt..." (Ma'amarej Hara'aja, S.452).

Möge es uns in großen Tagen wie den unseren vergönnt sein, die brüderliche Liebe in unserer Mitte zu mehren - trotz der manchmal nicht so einfachen Meinungsverschiedenheiten.



Am Schabbes-Tisch...

Verbannung und Rückkehr

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Nachdem uns die Tora im Wochenabschnitt Acharej Mot die Gesetze der verbotenen Ehebeziehungen gab, ermahnte sie uns folgendermaßen: "Verunreinigt euch nicht durch all dieses ... Denn all diese Gräuel taten die Bewohner dieses Landes, die vor euch, und das Land ward unrein. Auf dass nicht das Land euch ausspeie, wenn ihr es verunreinigt, so wie es ausgespien hat das Volk, das vor euch" (Lev. 18,24/27-28). Die talmudischen Weisen lehrten: "Wegen der Sünde der Hurerei ... kommt Verbannung über die Welt; die einen werden verbannt, und andere kommen und lassen sich an ihrer Stelle nieder" (Schabbat 33a). Den Grund dafür beschrieb Nachmanides zu Vers 25, nämlich "wegen des Vorzugs und der Heiligkeit des Landes". Weil G~tt in seiner Mitte weilt, duldet das Land solche Sünden nicht. Was nicht auf das Ausland zutrifft, "obwohl doch die ganze Welt G~tt gehört, ist die Reinheit dort nicht vollkommen wegen der Dienstengel, die dort herrschen". D.h., die übrigen Länder befinden sich unter der Herrschaft von "Fürsten", Engeln, und darum erreicht die Reinheit dort keine Vollkommenheit; das Land Israel hingegen, "ein Land ... auf dem beständig die Augen des Ewigen deines G~ttes sind" (Dt. 11,12) - hier offenbart sich die Heiligkeit in Vollkommenheit. Das Land kann solche Unreinheit nicht ertragen und speit die Verunreiniger aus.

Unser Lehrmeister, Rabbiner A.J.Kuk, gab in der Einleitung zu seinem Buch Schabbat Ha'aretz eine tiefsinnige Betrachtung über den Sinn des Exils. Es handelt sich dabei nicht nur um einen Vorgang im Sinne von "wegen unserer Sünden wurden wir aus unserem Lande verbannt", vielmehr läuft hier ein Heilungsprozess der Krankheit ab, die das Exil verursachte. So beschrieb er den Zustand der Verdorbenheit: "Wegen der Schwäche der Seele der Nation erfüllt die Besonderheit des Landes seine Aufgabe nicht ... Da das Land unrein war und ich heimsuchte die Schuld an ihm, da spie das Land aus seine Bewohner (Lev. 18,25) ... Zwei Fundamente, die Nation und das Land, die sich gegenseitig im gesunden Zustand Anmut spenden, beginnen sich gegenseitig zu beeinflussen in ihrem Fall ins Böse und Erschütternde, bis es notwendig wurde, die gnädig-grausame Heilung zu bewirken, die furchtbare Operation, die Entfernung der Nation vom Lande". Rabbiner Kuk nennt diesen Prozess "gnädig-grausame Heilung", denn trotz ihrer Härte würden wir anders keine wirkliche Heilung erreichen. Im Weiteren erklärt er, wie sich diese Krankheit heilen lässt.

"Mitten im Leid der Nation, als aus ihrer Mitte die Macht nationalen Lebens wich und ihr Wesen Schaden nahm, begann das spirituelle Licht wiederum langsam aus ihrem Inneren die Stufen aufzusteigen, die es herabgesunken war ... Israel in der Verbannung ließ ab von seiner Sorge um weltliche Dinge ... wandte seinen Blick und sein Herz nur nach oben zum Himmel". Mein Lehrmeister, Rabbiner Usi Kelchheim sel. erklärte diese Ausführungen in seinem Kommentar zum Buch Schabbat Ha'aretz wie folgt: "Um Israel zu bestrafen, wäre es möglich gewesen, ein Volk von weit her heranzuführen, das es erobert und beherrscht und ihnen die ihnen für ihre Sünden zustehenden Leiden zufügt. Da aber das nationale Leben korrupt war und böse und sich fremde Prinzipien zueigen gemacht hatte ... wurde eine radikale Behandlung nötig, und zwar durch die operative Entfernung der Nation vom Land". Die Trennung des Volkes vom Land war die einzige Lösung zur Heilung der Nation. Weiter erklärte Rabbiner Kuk, wie das funktionierte: "Die Trennung vom Lande entfernte das Volk von den materiellen Angelegenheiten souveräner Herrschaft und Regierung, das Volk Israel begann sich in seiner spirituellen Welt einzuigeln, und während der ganzen Periode des Ruhens ... wandte sich die ganze Nation während der langen Zeit der Verbannung nur den erhabenen und esoterischen Dingen zu" (Orot Israel 6,4). So erfolgte die Heilung der Nation genau in entgegengesetzter Weise, wie die Krankheit gekommen war. Erklärte Rabbiner Kelchheim die weitere Entwicklung: "Von allen nationalen Errungenschaften verblieb in der Verbannung nur die Tora, und so war das Volk gezwungen, sich auf spirituelle Errungenschaften zu konzentrieren, auf die Tora und die Gebote, die ihnen ans Herz wuchsen und für die sie ihr Leben opferten". Dieser Prozess, schrieb Rabbiner Kuk, besserte nicht nur die individuellen Juden, "sondern auch den Geist der Nation im Allgemeinen und erhob mit ihm auch die Spiritualität des Landes, die in den schlechten Zeiten so erniedrigt wurde ... und dadurch begannen die Wege nach Zion wieder ihren Zweck einzufordern, und das Volk, das sie verlassen hatte, begann über den Wunsch der Rückkehr nach seinen Städten und seinem Land nachzudenken, dort das volle Leben zu finden, ein Leben, das alle Mängel im Hinblick auf das Materielle wie auch das Spirituelle behebt".

Dieses Erwachen der Nation in ihrer Allgemeinheit ist nach Rabbiner Kelchheim "der Ausdruck des 'offengelegten Endes' [des Exils, von dem in den Schriften die Rede ist], der uns vor falschen Vorstellungen bewahrt und die materielle Basis für die Offenbarung des zweiten Aspektes der Erlösung, die Wiedererstehung des Heiligen mit der Anwesenheit der göttlichen Präsenz in Israel". Diese von Rabbiner Kuk beschriebene Entwicklung spielt sich vor unseren Augen ab mit der Rückkehr G~ttes nach Zion. Und nach der Festigung der materiellen Grundlagen kommt die Reihe an "die 'Erneuerung unserer Tage wie ehedem' im einfachen Sinne der Worte, von Dingen, die es in der Vergangenheit gab, Regierung und Souveränität, Tempel, Sanhedrin, Priester (Kohanim) und Leviten (Levi'im) bei ihrem Dienst, bis hin zum Höhepunkt der Erlösung mit der Erneuerung der Prophetie, der höchsten spirituellen Verbindung zwischen dem Geiste Israels und ihrem G~tt, wie in den Tagen der Vorzeit und den frühen Jahren. Die Vision der Erlösung Israels verwirklicht sich in seiner doppelten Wiedererstehung, der materiellen und der spirituellen, der Wiederbelebung des Weltlichen und der Wiederbelebung des Heiligen, und der Vorbereitung des tätigen Lebens im Hinblick auf die Verwirklichung der Vision der Propheten und dem Troste Israels in der Zukunft".

Die Worte Rabbiner Kuks und seiner Schüler beleuchten uns das Thema der Erlösung, die vor unseren Augen abläuft, und wir hoffen auf G~tt zur Vollendung dieser Entwicklung, bald und in unseren Tagen.


Frage und Antwort
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ein guter Freund von mir lässt sich nur zivil trauen, und wenn ich nicht komme, ist er gekränkt. Sollte ich hingehen, und wenn nicht, wie erkläre ich es ihm?
Antwort:
Man sollte nicht an etwas teilnehmen, das gegen die Tora ist. Sie sollten ihm erklären, dass er kein Monopol auf das Gekränktsein hat, und so wie er gekränkt ist, sind Sie es. Ich werfe keine Steine auf Leute, die den Schabbat entweihen, aber es kränkt mich. Wenn sie mich aber zu einer Veranstaltung einladen, wo der Schabbat entweiht wird, gehe ich nicht, auch wenn sie gekränkt sind. Ich werfe keine Steine auf Leute, die trefe essen, aber wenn sie mich zu einem nicht-koscheren Dinner einladen, gehe ich nicht hin, auch wenn sie gekränkt sind. Möge sich G~tt erbarmen.

Frage: Ich möchte einen äthiopischen Juden heiraten, aber meine Eltern sind dagegen. Sie sagen, sie werden sich nicht an den Hochzeitskosten beteiligen und auch nicht hinkommen. Muss ich meinen Eltern gehorchen wegen des Gebotes der Ehrung der Eltern?
Antwort:
Nein. Das ist Ihre Entscheidung. Es gibt keine Pflicht der Ehrung der Eltern, wenn sie zu einer Sünde wie grundlosen Hass auffordern.

Frage: Wie reinigt man Erdbeeren [sodass man keine verbotenen Insekten mitisst]?
Antwort: Die Blätter mit ein bisschen Fruchtfleisch abschneiden, dann zwei Minuten in seifigem Wasser liegen lassen, dann mit starkem Wasserstrahl abspülen (gem. Weisung des israelischen Oberrabbinats).

Frage: Darf man mit Milch gekochtes Fleisch einem Tier zu fressen geben?
Antwort: Nein. Es ist verboten, irgendeinen Nutzen aus dieser Mischung zu ziehen.

Frage: Kann man seinen durch die Vorsehung bestimmten Ehepartner verpassen?
Antwort: Ja, wenn man einem guten Menschen begegnet und ihn aus unangebrachten Gründen abweist.



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