DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ZAW
Nr. 712
10. Nissan 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 6,1 - 8,36):
Ausführungsvorschriften für das Ganzopfer, Mehlopfer, Sühnopfer, Schuldopfer, freiwillige Opfer; Amtseinsetzung Aharons und seiner Söhne als Priester (Kohanim) und Heiligung der Dienstgeräte, dazugehörige Opfer.

Schabbat Hagadol


Kinder, Kinder...

Kinder und Pessach

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

1. "Es wird gelehrt: Man erzählt von Rabbi Akiva, dass er lebtags nie gesagt habe, es sei Zeit, das Lehrhaus zu verlassen, ausgenommen an den Vorabenden des Pessachfestes und des Versöhnungstages; am Vorabend des Pessachfestes wegen der Kinder, damit sie nicht einschlafen" (Pessachim 109a). An Erev Pessach beendeten die Schüler ihre Studien im Lehrhaus vorzeitig und kehrten früher als gewöhnlich nach Hause zurück. Warum? "Wegen der Kinder, damit sie nicht einschlafen". Erklärte RaSchbaM: "Damit die Kleinkinder am Tage schliefen und nicht in der Nacht bei der Hagada". D.h. der Vater kehrte am frühen Nachmittag nach Hause zurück, um seine kleinen Kinder schlafen zu legen. Von hier lernen wir, kleine Kinder tagsüber schlafen zu lassen, damit sie in der Sedernacht wach bleiben. Und etwas überraschend lehrt "Schnej Luchot Habrit": "Die Frau, die ihren Sohn säugt, tue dies vor dem Seder, damit er einschläft und später beim Seder wach ist, denn das Gebot gilt auch für die Allerkleinsten, die solange wie möglich wach sein sollten, denn im Schilfmeer waren sie es, die zeigten: der [G~tt] ist meine Macht, und ihn will ich rühmen (Ex. 15,2), wie die talmudischen Weisen erklärten".

2. In einer weiteren Erklärung schrieb RaSchbaM, dass der Vater früher nach Hause zurückkehrt, um den Seder sofort bei Einbruch der Nacht zu beginnen und ihn nicht hinauszuzögern, damit die Kinder nicht einschlafen. Es gehört also zu den Grundsätzen der Halacha, den Seder unverzüglich zu beginnen. Und so lautet das Gesetz im Schulchan Aruch (O.C. §472,1): "Es sei der Tisch schon am Vortage gedeckt, damit sofort bei Einbruch der Dunkelheit gegessen werden kann... weil es ein Gebot ist, sich zu beeilen und zu essen wegen der Kleinkinder, damit sie nicht einschlafen". 

3. Die Worte des Schulchan Aruch, "weil es ein Gebot ist, sich zu beeilen und zu essen wegen der Kleinkinder, damit sie nicht einschlafen" bedürfen weiterer Erläuterung. Wenn man schnell zur Mahlzeit gelangen will, muss man doch das Aufsagen der Hagada abkürzen! Als wäre das Essen die Hauptsache, und nicht das Verlesen der Hagada! Der Kommentar "Mischna Brura" gibt dazu drei Antworten. Erstens: Der Schulchan Aruch meint das zügige Beginnen des Seders und der Hagada. Wenn die Kinder den Eindruck gewinnen, man beeile sich mit dem Prozeduralen, um schnell zum Essen zu kommen, werden sie sich anstrengen, solange standzuhalten (um von den besonderen Speisen des Festmahls zu kosten!). Wenn der Seder aber mit großer Verspätung anfängt und sich im Schneckentempo voranbewegt, werden sie die Hoffnung aufgeben, bis zur Mahlzeit wach zu bleiben und noch nichteinmal bis "Ma nischtana" durchhalten. Zweite Erklärung: Man gibt den Kleinkindern schon vor dem Seder zu essen, damit sie nicht hungrig sind und standhalten. Man sollte sie allerdings nicht vollstopfen, denn dann werden sie nur noch schneller müde. Dritte Erklärung: Die Halacha im Schulchan Aruch ist wörtlich zu nehmen und man soll sich beeilen, zum Essen der Matza zu gelangen, damit die Kinder beim Verzehr von Matza mit Maror (Bitterkraut) fragen, warum man Matza und Maror isst. Obwohl die Fragen des "Ma nischtana" an den Beginn der Hagada gesetzt wurden, ist ihnen keine besondere Wichtigkeit beizumessen, denn die eigentliche Frage und Verwunderung entsteht beim Kind, wenn es die Sachen vor Augen hat". Die Fragen des "Ma nischtana" sind gekünstelt, denn das Kind fragt zu etwas, noch bevor es geschieht und zu sehen war. Wenn wir aber beim Matzeessen anlangen sind die Fragen echt, und darum sollte man die Hagada zügig verlesen, damit die Kinder den Sedertisch nicht schon vor "Mozi-Matza" verlassen. Auf die Frage allerdings, warum wir Matza essen, wenn das Kind fragt, "wenn es die Sachen vor Augen hat" werden wir ein andermal eingehen.

4. Die vier Weinbecher. Bei den talmudischen Weisen gibt es gegensätzliche Ansichten zur Pflicht kleiner Kinder bezüglich der vier Becher Wein. "Alle sind zu diesen vier Bechern verpflichtet, Männer, Frauen und Kinder. Rabbi Jehuda sprach: Welchen Genuss haben Kinder vom Weine?! Vielmehr verteile man an sie am Vorabend des Pessachfestes Rostähren und Nüsse, damit sie nicht einschlafen" (Pessachim 108b). Nach der ersten Ansicht sind Kinder zu den vier Bechern verpflichtet. Nach Rabbi Jehuda sind sie davon befreit. Warum? Erklärte Rabenu Nissim, dass hier keine Erziehung zu den Geboten vorliegt, und "weil sie davon keinen Genuss haben und sich nicht daran freuen, ist es für sie nicht die Weise der Freiheit". Der Gegensatz in den Ansichten setzte sich bei den halachischen Autoritäten fort: Maimonides entschied wie Rabbi Jehuda, der Mordechai wie die erste Ansicht. Später entschied der Tur (Vorläufer des Schulchan Aruch), "es sei gut, auch vor jedes Kind einen Becher Wein zu stellen", und in diesem Sinne entschied auch der Schulchan Aruch: "Kindern, die das Erziehungsalter erreichten soll jedem sein Becher vorgesetzt werden". Dazu erklärte der Pri Chadasch, obwohl der Wein Kindern keine Freude bereitet und sie "keinen Nutzen davon haben", erziehen wir sie zu dem Gebot der vier Becher wie wir sie zu allen anderen Geboten erziehen. Ferner gilt zu bemerken, dass wir heute über ausgezeichneten koscheren Traubensaft verfügen, mit dem auch Kleinkinder das Gebot erfüllen und davon einen Genuss in der Weise der freien Menschen haben können. 

Was bedeutet "Erziehungsalter" bezüglich der vier Becher Wein? Manche sagen, etwa 5-6 Jahre. Nach dem Schulchan Aruch Harav ist ein Kind dann zu den vier Bechern verpflichtet, wenn es die Bedeutung jenes Teiles der Hagada versteht, zu dem der jeweilige Becher getrunken wird. Wenn es die Heiligkeit des Feiertages versteht, erzieht man es zum ersten Becher. Wenn es versteht, was man ihm über den Auszug aus Ägypten erzählt - zum zweiten Becher. Das Tischgebet - dritter Becher, Hallel - vierter Becher.

Die neueren halachischen Autoritäten ziehen auch Ansichten früherer Rabbiner hinzu, wonach selbst Kleinkinder, die noch nicht das Erziehungsalter erreicht haben, mit dem Gebot der vier Becher vertrautgemacht werden sollten. 

5. Wieviel Wein muss der Becher des Kindes enthalten? Ein Erwachsener muss jedes Mal ein Revi'it (86 cm3) trinken, oder wenigstens den größeren Teil dieser Menge. Eine andere Lehrmeinung verpflichtet zum Trinken des größeren Teiles, auch wenn der Becher mehrere Revi'it enthält (S.A. O.C. §472,9). Bei Kleinkindern kann man erleichtern und sie jedes Mal eine Mundvoll trinken lassen. 

6. Matza - schrieb Maimonides: "Ein Kind, das schon Brot isst, erzieht man zu den Geboten und gibt ihm ein Kesajit Matza zu essen" (Gesetze von Chametz und Matza 6,10). Ein Kind ist wie ein Erwachsener zum Essen eines "Kesajit bichdej achilat prass" (Menge/Zeit) verpflichtet, und man geht für Kinder nach der erleichternden Lehrmeinung, d.h. etwa ein Fünftel einer gewöhnlichen viereckigen Matza innerhalb von neun Minuten. Wenn das Kind diese Menge nicht essen kann oder nicht in dieser Zeitspanne, sage man ihm nicht, es solle den Segensspruch über Matza sagen, wenn es ihn aber von alleine aufsagt, braucht man das nicht zu verhindern (Rabbiner Schlomo Salman Auerbach). 
 
 
 
 
Frage und Antwort

Mystische Kräfte

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Kann es sein, dass auf einem Durchschnittsmenschen plötzlich heilige Inspiration ("Ruach Hakodesch") ruht, so dass er Verborgenes über andere Menschen weiß und Ratschläge auf den Gebieten der Wirtschaft, der Medizin, der Eheführung und dem Dienst an G~tt geben kann? 

Antwort: Nein. Ruach Hakodesch ist eine höchste spirituelle Stufe, auf die man nicht ohne weiteres gelangt, sondern nur durch größte Anstrengungen geistiger Fortentwicklung. 

So beschrieb Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto, der selber über Ruach Hakodesch verfügte, in seinem Buch Messilat Jescharim ("Der Weg der Frommen") den langen Weg zu dieser Stufe: Vorsicht, Flinkheit [bei den Geboten] und absolute moralische Reinheit - d.h. vollkommene Sündenfreiheit in den charakterlichen Eigenschaften und bei seinen Taten, Vermeiden selbst erlaubter Genüsse, spirituelle Reinheit, Frömmigkeit, Demut, Furcht der Sünde, alles in allem eine hundertprozentige Zugehörigkeit der Welt dieses Menschen zum Göttlichen - und am Ende die Stufe der Heiligkeit, d.h. eine solche Erhebung des Menschen, dass alles, was er tut heilig ist, so wie unser Vorvater Jakov, der selbst durch seinen Schlaf G~tt diente; nur so gelangt man zu Ruach Hakodesch.

Auch Rabbiner Chajim Vital, Schüler des einzigartigen Kabbalisten Rabbiner Jizchak Luria (lebte vor etwa 450 Jahren), verfügte über Ruach Hakodesch und beschrieb die gewaltigen spirituellen Vorbereitungen dazu in seinem Buch "Scha'arej Keduscha".

Sicher ist jeder gewöhnliche Sterbliche weit von diesen Dingen entfernt, ja sogar Toragelehrte und bedeutende Rabbiner, bis auf einzelne Wenige auf mehrere Generationen verteilt.

Wer glaubt, dass zur Erlangung von Ruach Hakodesch keine besondere Anstrengung nötig wäre, sollte sich die Worte Maimonides' zu Gemüte führen: "Allein dass einer der Einfältigen unter den Völkern der Erde ein Prophet werde, halten wir für so unmöglich, wie es unmöglich ist, dass ein Esel oder ein Frosch prophezeie" ("Führer der Unschlüssigen", II,32).

Und wie können wir erkennen, ob nun jemand wirklich über Ruach Hakodesch verfügt? Zuersteinmal muss er sich durch seine besonderen Verhaltensweisen und seine Weisheit vom Volk abheben, und dann müssen seine Worte den Einfluss aus himmlischen Höhen bezeugen, so wie bei Rabbiner Chajim Vital und Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto, und wie die Bücher "Kusari" und der "Sohar" über ihre Autoren bezeugen, ebenso der Autor des "Tanja", Rabbiner Schne'ur Salman von Liadi (Gründer des Chabad-Lubawitsch Chassidismus) und Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels). 

Doch auch wenn ein Mensch von Ruach Hakodesch beseelt ist bedeutet das noch lange nicht, dass er dadurch zum Wirtschafts-, Medizin- oder Eheberater taugt. Der genannte Rabbiner Schne'ur Salman von Liadi erregte sich in seinem Schreiben Igeret Hakodesch Nr.22 darüber, dass ihn seine Anhänger mit ihren materiellen Problemen belästigen und erklärte, dass sogar die talmudischen Weisen, die Tanna'im und die Amora'im, die in allen Geheimnissen der Tora bewandert waren, sich nicht mit solchen Dingen befassten - nur die Propheten. Er zitierte die talmudischen Weisen, wonach sieben Dinge vor dem Menschen verborgen sind; dazu gehört, wieviel er verdienen wird und wann die Herrschaft des davidischen Königshauses zurückkehrt (Pessachim 54b). Ebenso wie die Weisen nicht wissen, wann der Maschiach kommt, können sie auch keine Voraussagen über den Lebensunterhalt machen. Bezüglich des Ausspruches, dass man von einem Toragelehrten "Rat und Tatkraft genießt" ("Sprüche der Väter", 6,1) - das bezieht sich auf das Gebiet der Tora und den Dienst an G~tt. 

Wenn du also Fragen auf dem Gebiet der Medizin hast, wende dich an einen Arzt; auf dem Gebiet des Lebensunterhaltes - an einen Wirtschaftsberater; auf dem Gebiet des Ehelebens an einen Eheberater. Wenn du wissen willst, wen zu heiraten, zerbrich dir den Kopf und frag Leute, die dich kennen.

Vielleicht gibt es Leute, die erzählen, wie der Eine oder Andere zwecks Beratung zu Soundso gingen, der über mystische Kräfte verfügen soll, und jener sprach die Wahrheit über deren Zustand. Antwort: 1.Vielleicht ist die ganze Geschichte nicht wahr. 2.Vielleicht war das Zufall. 3.Vielleicht hat jener eine starke Intuition, wie Maimonides im "Führer der Unschlüssigen" diese Erscheinung als "Kraft des Abschätzens" beschreibt. 4.Vielleicht gibt es psychologische Begabungen, die die Wissenschaft bisher noch nicht zu beschreiben wusste. Auf keinen Fall aber ist dies Ruach Hakodesch, und man darf sich nicht darauf verlassen.

Auf jeden Fall, wenn du Fragen auf dem Gebiet der Halacha, dem Torastudium, der Besserung der Charaktereigenschaften und dem Dienst an G~tt hast - geh zu einem Toragelehrten, der seine Tage und Nächte mit der Vertiefung in das Wort G~ttes verbringt.

Mein Freund, lasse dich nicht verwirren und verwirre keine Anderen. Siehe, wo das Licht scheint, und wandle nicht auf dunklen Pfaden. "Denn eine Leuchte ist das Gebot, und die Tora ein Licht" (Sprüche 6,23).
 
 

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