DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Ex. 35,1 - 40,38):
Schabbat HaChodesch
Auf der Bundeslade - ein Deckel, und darauf: "zwei Cherubim aus Gold" (Ex. 25,18); nach der Erklärung der talmudischen Weisen hatten sie die Gestalt eines Jünglings und eines jungen Mädchens, "und ihre Gesichter eines dem anderen zugewandt" (V.20) mit einem Ausdruck der Liebe. Wie im Hohelied der Geliebte und die Traute die Liebe zwischen G~tt und der Gemeinschaft Israels (Knesset Israel) symbolisieren, so verhält es sich mit den Cherubim (Neziw). Eine deutliche Bestätigung dafür können wir dem Talmudtraktat Joma (S.54a) entnehmen: "Wenn die Israeliten zur Wallfahrt zogen, rollte man vor ihnen den Vorhang auf und zeigte ihnen die einander umschmiegenden Cherubim, indem man zu ihnen sprach: Schauet, eure Beliebtheit bei G~tt gleicht der Liebe von Mann und Frau". Wollen wir versuchen, die Besonderheit dieser Verbindung der beiden Cherubim zu erforschen, um davon auf die Verbindung zwischen G~tt und der Gemeinschaft Israels zu schließen. "Zwei Cherubim" (Ex. 25,18)
- zwei Cherubim, die sich in allem gleichen, ein Hinweis auf die Gleichheit
von Mann und Frau.
Damit ist die Verbindung zwischen G~tt und der Gemeinschaft Israels zu vergleichen. Natürlich ein hinkender Vergleich, doch besteht eine bestimmte Kompatibilität. G~tt, der seinem Volk Israel die Tora gibt, passt sie der Gemeinschaft Israels an, damit sie sie empfangen kann. Man kann demnach die beiden Cherubim als Repräsentanten der beiden Teile der Tora ansehen: der schriftlichen Tora, die vom Himmel herab kommt, und die mündliche Tora, die vom Volk im Lande erwächst. Beide vermitteln zwischen den göttlichen, himmlischen Idealen und der irdischen Wirklichkeit. Das Lernen und Befolgen der Tora bedeutet den Verbindungspunkt zwischen der Gemeinschaft Israels und G~tt, und in ihr kommt die Liebe der beiden Cherubim zum Ausdruck (ke-rubim, wie rubim) - Rabja (Knabe) und Riva (Mädchen), die nicht als zwei verschiedene Wesen anzusehen sind, sondern als ein einheitliches Wesen. "Denn des Ewigen Teil ist sein Volk, Jakov das Los seines Besitzes" (Dt.32,9) Ein Modell der Bundeslade
mit den Cherubim können Sie bei www.templeinstitute.org
finden.
Frage: Muss ein Postbote, der den ganzen Tag zu Fuß unterwegs ist, den Esther-Fastentag halten, obwohl die Gefahr der Austrocknung besteht? Wie verhält es sich mit anderen Fasttagen? Antwort: Er muss an Ta'anit Esther fasten. Obwohl es kein so strenger Fasttag ist wie die anderen Fasttage und die Halacha eine Erleichterung für jemanden bestimmt, der Augenschmerzen hat, soll ein Gesunder sich nicht von der Allgemeinheit trennen (Rama O.C. 686,2). Der Magen Awraham fügt hinzu, dass ein Reisender fasten muss, auch wenn es schwer fällt. Ein Postbote ähnelt dem Reisenden. Er muss daher alle Fastentage einhalten. Wenn er sich natürlich in Gefahr der Austrocknung fühlt, muss er sofort viel Wasser trinken. Wenn er allerdings von vornherein wusste, dass er den Tag nur durch Trinken über stehen kann, ist es so, als hätte er von vornherein beschlossen, nicht zu fasten. Er darf sich nicht in so eine Situation bringen und muss die Sache vorher arrangieren, zum Beispiel durch Schichtwechsel, oder einen Urlaubstag nehmen, oder die Post langsam aus tragen. Frage: Mein Mann war gestorben und wir befanden uns auf dem Friedhof. Wir hatten nur neun Männer und mein Sohn sagte nicht Kadisch. Ich sagte ihm, es sind doch viele Leute hier auf dem Friedhof, die müssen doch nicht alle zusammen stehen, und so haben wir ein Minjan! Was sagen Sie dazu? Antwort: Sie haben beide recht. Er hat recht, denn es sind zehn Männer nötig. Wenn der zehnte Mann nicht weiß, was Sie tun und sich nicht beteiligt, zählt er nicht zum Minjan. Und Sie haben recht, wenn nämlich der zehnte Mann auch nicht direkt bei Ihnen steht, aber doch Ihre Gebete hört und antwortet, wenn Sie ihm ein Zeichen geben, dann gehört er zum Minjan. Frage: Ich bin ein Sänger und trage manchmal eine musikalische Hawdala vor mit Mikrofon und Orchester. Jemand sagte mir, ich dürfe kein Mikrofon zur Hawdala benutzen. Vor einigen Tagen war ich bei einer chassidischen Veranstaltung, wo der Rebbe zu den "Sieben Segenssprüchen" [nach einem Hochzeitsmahl] ein Mikrofon benutzte. Sollte ich dennoch kein Mikrofon benutzen? Antwort: Nach der Mehrheit der halachischen Autoritäten kann jemand ein Gebot durch Hinhören per Mikrofon nicht erfüllen, da er den Schall der menschlichen Stimme vernehmen muss und nicht den Schall eines Instrumentes (Lautsprecher). Bekanntlich durchlaufen Schallwellen im Mikrofon usw. elektronische Umwandlungen. Der Hörer hört also nicht die menschliche Stimme und kann so das Gebot nicht erfüllen. Was die "Sieben Segenssprüche" angeht, besteht keine persönliche Verpflichtung, sie zu hören. Es reicht, wenn sie zehn Männer hören, was auch ohne das Mikrofon der Fall wäre, und darum ist es für die "Sieben Segenssprüche" erlaubt. Ein jeder aber muss die Hawdala hören. Der Unterschied besteht darin, ob eine persönliche Verpflichtung vorliegt. Es ist z.B. verboten, die Estherrolle per Mikrofon zu verlesen, weil jeder zu hören verpflichtet ist. Sie sollten darum für die Hawdala kein Mikrofon benutzen. Frage: Darf ein Jude einer Samenbank spenden? Antwort: Das Problem damit besteht darin, dass das Kind nicht weiss, wer sein Vater ist und eventuell einen nahen Verwandten heiratet. Die talmudischen Weisen behandelten naturgemäß nicht dieses Thema, doch etwas ähnliches. Ein Mann darf (nach Scheidung) keine andere Frau in einem anderen Land heiraten, aus Furcht, die Kinder aus diesen Ehen mögen einander heiraten. Darum darf ein Jude keiner Samenbank spenden. Wenn ein Ehepaar künstliche Befruchtung benötigt - was die Mehrheit der halachischen Autoritäten erlaubt - bietet sich als Lösung die Benutzung von Samen eines Nichtjuden, da in diesem Fall die Verwandtschaftsbeziehung des Kindes nur zur Mutter besteht. Frage: Für die Bat-Mizwa-Feier unserer Tochter möchte meine Frau eine Feier nur für Frauen und Mädchen, ich aber möchte eine Veranstaltung für die ganze Familie. Wie lautet Ihre Ansicht? Antwort: Es gibt keine allgemeinen Vorschriften für die Bat-Mizwa, genauso, wie es keine allgemeinen Vorschriften für die Bar-Mizwa gibt. Heutzutage wird der Bar-Mizwa-Junge zur Tora aufgerufen, doch früher war das nicht so. Nach dem Gebet in der Synagoge gab es einen Schnaps und etwas Kuchen, und damit hatte sich die Sache. Heute wird eine große Veranstaltung daraus gemacht. Wir haben nichts dagegen, müssen aber wissen, dass keine Pflicht dazu besteht. Darum ist es Ihrer persönlichen Entscheidung überlassen, ob sie nur Frauen oder auch Männer einladen wollen. Wenn Sie auch Männer einladen, sind natürlich die Regeln der Sittlichkeit ein zu halten. Auf jeden Fall ist das die Feier des Bat-Mizwa-Mädchens, und es sollte so sein, wie sie es will und nicht wie wir es wollen. Sie sollte daran ihre Freude haben, und auch etwas, das zu ihrem spirituellen Vorteil gereicht. Frage: Wie sollte ein Ba'al Tschuwa (neuerdings religiöser Mensch) mit dem Tragen eines Käppchens anfangen? Ich habe viele nichtreligiöse Freunde und befürchte, sie werden sich über mich lustig machen. Antwort: Es gibt vier
Möglichkeiten: 1. Die stufenweise Lösung - ab und zu ein Käppchen
aufsetzen, 15 Minuten am Tage, dann eine halbe Stunde, dann eine Stunde
usw. Duch langsames Beginnen werden Sie sich daran gewöhnen, und Ihre
Freunde auch.
OnTheAir76
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Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
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MACHON ORA - für Frauen
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