DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL-PEKUDE
Nr. 710
25. Adar 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 40,38):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue Beschreibung des Stiftszeltes, der Bundeslade, des Tisches der Schaubrote, des Räucheraltars und des Wasserbehälters. Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.

Schabbat HaChodesch



 
 
Am Schabbes-Tisch...

Zwei goldene Engel

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Auf der Bundeslade - ein Deckel, und darauf: "zwei Cherubim aus Gold" (Ex. 25,18); nach der Erklärung der talmudischen Weisen hatten sie die Gestalt eines Jünglings und eines jungen Mädchens, "und ihre Gesichter eines dem anderen zugewandt" (V.20) mit einem Ausdruck der Liebe. Wie im Hohelied der Geliebte und die Traute die Liebe zwischen G~tt und der Gemeinschaft Israels (Knesset Israel) symbolisieren, so verhält es sich mit den Cherubim (Neziw). Eine deutliche Bestätigung dafür können wir dem Talmudtraktat Joma (S.54a) entnehmen: "Wenn die Israeliten zur Wallfahrt zogen, rollte man vor ihnen den Vorhang auf und zeigte ihnen die einander umschmiegenden Cherubim, indem man zu ihnen sprach: Schauet, eure Beliebtheit bei G~tt gleicht der Liebe von Mann und Frau".

Wollen wir versuchen, die Besonderheit dieser Verbindung der beiden Cherubim zu erforschen, um davon auf die Verbindung zwischen G~tt und der Gemeinschaft Israels zu schließen.

"Zwei Cherubim" (Ex. 25,18) - zwei Cherubim, die sich in allem gleichen, ein Hinweis auf die Gleichheit von Mann und Frau.
"..gediegen sollst du sie machen" - aus einem Stück, eine Einheit. Nicht zwei getrennt voneinander vor uns, sondern zwei Bestandteile eines Wesens - die Familie.
"Und mache einen Cherub an dem Ende hier, und einen Cherub an dem Ende dort" (V.19) - zwar weisen sie Gemeinsamkeiten auf, doch ihre Ausgangspunkte sind unterschiedlich und gegensätzlich, wobei jeder Einzelne von ihnen seine besondere Ansicht in die gemeinschaftliche Schöpfung einbringt. 
"aus dem Deckel machet die Cherubim" (ebda.) - die gemeinschaftliche Basis. Zwar steht jeder am entgegen gesetzten Ende des Deckels, doch ist es derselbe Deckel. Das gemeinschaftliche ideelle Fundament, auf dem das jüdische Haus steht, ist der Deckel der Bundeslade, in der sich die Gebotstafeln und eine Torarolle befinden.
"Und die Cherubim, die Flügel ausbreitend, sollen oben stehen" (V.20) - eine "schwere" Wirklichkeit. Die Beine sind durch viele Beschränkungen gebunden, die Flügel jedoch, die Bestrebungen, die Träume - kennen keine Grenzen. Sie wenden sich nach oben.
"..beschattend mit ihren Flügeln den Deckel" - die Träume sind nicht getrennt von der Realität, sondern schützen sie, damit sie sich nicht im grauen Alltag verlaufen. 
"..und ihre Gesichter, eines dem anderen zugewandt" - auch wenn man träumt und auch wenn man die Verantwortung auf sich nimmt, dem Alltag einen höheren Sinn zu geben, so geschieht doch nichts im Alleingang. Jeder blickt auf seinen Nächsten und berücksichtigt seine Existenz, seine Bedürfnisse, seine Ansichten und seine Gefühle.
"..gegen den Deckel zu seien die Gesichter der Cherubim gerichtet", außer dem Blick "eines dem anderen zugewandt" schauen die Cherubim nach unten, zur Tora, die uns zur Verwirklichung unserer Wertvorstellungen und unserer höchsten Bestrebungen in der komplizierten Realität des täglichen Lebens anleitet.

Damit ist die Verbindung zwischen G~tt und der Gemeinschaft Israels zu vergleichen. Natürlich ein hinkender Vergleich, doch besteht eine bestimmte Kompatibilität. G~tt, der seinem Volk Israel die Tora gibt, passt sie der Gemeinschaft Israels an, damit sie sie empfangen kann. Man kann demnach die beiden Cherubim als Repräsentanten der beiden Teile der Tora ansehen: der schriftlichen Tora, die vom Himmel herab kommt, und die mündliche Tora, die vom Volk im Lande erwächst. Beide vermitteln zwischen den göttlichen, himmlischen Idealen und der irdischen Wirklichkeit.

Das Lernen und Befolgen der Tora bedeutet den Verbindungspunkt zwischen der Gemeinschaft Israels und G~tt, und in ihr kommt die Liebe der beiden Cherubim zum Ausdruck (ke-rubim, wie rubim) - Rabja (Knabe) und Riva (Mädchen), die nicht als zwei verschiedene Wesen anzusehen sind, sondern als ein einheitliches Wesen. "Denn des Ewigen Teil ist sein Volk, Jakov das Los seines Besitzes" (Dt.32,9)

Ein Modell der Bundeslade mit den Cherubim können Sie bei www.templeinstitute.org finden.
 
 
 
Frage und Antwort
 
 

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Muss ein Postbote, der den ganzen Tag zu Fuß unterwegs ist, den Esther-Fastentag halten, obwohl die Gefahr der Austrocknung besteht? Wie verhält es sich mit anderen Fasttagen?

Antwort: Er muss an Ta'anit Esther fasten. Obwohl es kein so strenger Fasttag ist wie die anderen Fasttage und die Halacha eine Erleichterung für jemanden bestimmt, der Augenschmerzen hat, soll ein Gesunder sich nicht von der Allgemeinheit trennen (Rama O.C. 686,2). Der Magen Awraham fügt hinzu, dass ein Reisender fasten muss, auch wenn es schwer fällt. Ein Postbote ähnelt dem Reisenden. Er muss daher alle Fastentage einhalten. Wenn er sich natürlich in Gefahr der Austrocknung fühlt, muss er sofort viel Wasser trinken. Wenn er allerdings von vornherein wusste, dass er den Tag nur durch Trinken über stehen kann, ist es so, als hätte er von vornherein beschlossen, nicht zu fasten. Er darf sich nicht in so eine Situation bringen und muss die Sache vorher arrangieren, zum Beispiel durch Schichtwechsel, oder einen Urlaubstag nehmen, oder die Post langsam aus tragen.

Frage: Mein Mann war gestorben und wir befanden uns auf dem Friedhof. Wir hatten nur neun Männer und mein Sohn sagte nicht Kadisch. Ich sagte ihm, es sind doch viele Leute hier auf dem Friedhof, die müssen doch nicht alle zusammen stehen, und so haben wir ein Minjan! Was sagen Sie dazu?

Antwort: Sie haben beide recht. Er hat recht, denn es sind zehn Männer nötig. Wenn der zehnte Mann nicht weiß, was Sie tun und sich nicht beteiligt, zählt er nicht zum Minjan. Und Sie haben recht, wenn nämlich der zehnte Mann auch nicht direkt bei Ihnen steht, aber doch Ihre Gebete hört und antwortet, wenn Sie ihm ein Zeichen geben, dann gehört er zum Minjan.

Frage: Ich bin ein Sänger und trage manchmal eine musikalische Hawdala vor mit Mikrofon und Orchester. Jemand sagte mir, ich dürfe kein Mikrofon zur Hawdala benutzen. Vor einigen Tagen war ich bei einer chassidischen Veranstaltung, wo der Rebbe zu den "Sieben Segenssprüchen" [nach einem Hochzeitsmahl] ein Mikrofon benutzte. Sollte ich dennoch kein Mikrofon benutzen?

Antwort: Nach der Mehrheit der halachischen Autoritäten kann jemand ein Gebot durch Hinhören per Mikrofon nicht erfüllen, da er den Schall der menschlichen Stimme vernehmen muss und nicht den Schall eines Instrumentes (Lautsprecher). Bekanntlich durchlaufen Schallwellen im Mikrofon usw. elektronische Umwandlungen. Der Hörer hört also nicht die menschliche Stimme und kann so das Gebot nicht erfüllen. Was die "Sieben Segenssprüche" angeht, besteht keine persönliche Verpflichtung, sie zu hören. Es reicht, wenn sie zehn Männer hören, was auch ohne das Mikrofon der Fall wäre, und darum ist es für die "Sieben Segenssprüche" erlaubt. Ein jeder aber muss die Hawdala hören. Der Unterschied besteht darin, ob eine persönliche Verpflichtung vorliegt. Es ist z.B. verboten, die Estherrolle per Mikrofon zu verlesen, weil jeder zu hören verpflichtet ist. Sie sollten darum für die Hawdala kein Mikrofon benutzen.

Frage: Darf ein Jude einer Samenbank spenden?

Antwort: Das Problem damit besteht darin, dass das Kind nicht weiss, wer sein Vater ist und eventuell einen nahen Verwandten heiratet. Die talmudischen Weisen behandelten naturgemäß nicht dieses Thema, doch etwas ähnliches. Ein Mann darf (nach Scheidung) keine andere Frau in einem anderen Land heiraten, aus Furcht, die Kinder aus diesen Ehen mögen einander heiraten. Darum darf ein Jude keiner Samenbank spenden. Wenn ein Ehepaar künstliche Befruchtung benötigt - was die Mehrheit der halachischen Autoritäten erlaubt - bietet sich als Lösung die Benutzung von Samen eines Nichtjuden, da in diesem Fall die Verwandtschaftsbeziehung des Kindes nur zur Mutter besteht. 

Frage: Für die Bat-Mizwa-Feier unserer Tochter möchte meine Frau eine Feier nur für Frauen und Mädchen, ich aber möchte eine Veranstaltung für die ganze Familie. Wie lautet Ihre Ansicht?

Antwort: Es gibt keine allgemeinen Vorschriften für die Bat-Mizwa, genauso, wie es keine allgemeinen Vorschriften für die Bar-Mizwa gibt. Heutzutage wird der Bar-Mizwa-Junge zur Tora aufgerufen, doch früher war das nicht so. Nach dem Gebet in der Synagoge gab es einen Schnaps und etwas Kuchen, und damit hatte sich die Sache. Heute wird eine große Veranstaltung daraus gemacht. Wir haben nichts dagegen, müssen aber wissen, dass keine Pflicht dazu besteht. Darum ist es Ihrer persönlichen Entscheidung überlassen, ob sie nur Frauen oder auch Männer einladen wollen. Wenn Sie auch Männer einladen, sind natürlich die Regeln der Sittlichkeit ein zu halten. Auf jeden Fall ist das die Feier des Bat-Mizwa-Mädchens, und es sollte so sein, wie sie es will und nicht wie wir es wollen. Sie sollte daran ihre Freude haben, und auch etwas, das zu ihrem spirituellen Vorteil gereicht.

Frage: Wie sollte ein Ba'al Tschuwa (neuerdings religiöser Mensch) mit dem Tragen eines Käppchens anfangen? Ich habe viele nichtreligiöse Freunde und befürchte, sie werden sich über mich lustig machen.

Antwort: Es gibt vier Möglichkeiten: 1. Die stufenweise Lösung - ab und zu ein Käppchen aufsetzen, 15 Minuten am Tage, dann eine halbe Stunde, dann eine Stunde usw. Duch langsames Beginnen werden Sie sich daran gewöhnen, und Ihre Freunde auch.
2. Die Angriffs-Lösung: Tragen Sie das Käppchen ab sofort. Wenn jemand fragt, können Sie sagen: Ich habe meine Richtung geändert.
3. Die Verstecklösung: Tragen Sie kein Käppchen, sondern einen Hut.
4. Die erklärende Lösung: Das sind Ihre Freunde, erklären Sie es ihnen. "Meine Freunde, ich habe meine Richtung geändert. Ich bin religiös geworden und ich trage ein Käppchen, aber wir bleiben Freunde. Ich werfe unsere Wertvorstellungen nicht über Bord, denn es gibt viele Ideale, die wir teilen. Ich habe meinen eigenen Weg gefunden, und wenn ihr wollt, werde ich euch erzählen, wie es mir passierte". Welchen Weg Sie einschlagen ist Ihre persönliche Entscheidung.

OnTheAir76

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