DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIKRA
Nr. 711
3. Nissan 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 1,1 - 5,26):
Der Opferdienst: welche Tiere oder Nahrung, wer, wo, wie und wofür; die zentrale Bedeutung der Kohanim (Priester) und des Wüstenheiligtums (Vorläufer des Tempels in Jerusalem).
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Opfer - für wen?

Rav Se'ev Karov 
Leiter der Jeschiwa in Karnej Schomron

"Und er rief dem Moscheh zu... Rede zu den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn jemand (wörtl. ein Mensch; adam) von euch dem Ewigen ein Opfer dar bringen will..." (Lev. 1,1-2).

Diese ersten beiden Verse, die die Lehre von den Opfern einleiten, werfen einige Fragen auf, die der Klärung bedürfen. 1.Da das Gebot der Opferung vor allem den Kohanim (Priestern) obliegt, hätten wir erwartet, dass diese zuerst angesprochen werden, und nicht "die Kinder Israel". 2.Warum heißt es hier "ein Mensch" (adam) und nicht "Mann" (isch) wie an anderen Stellen? 3.Was ist mit "von euch" beabsichtigt, es hätte doch heißen sollen: wenn jemand ein Opfer dar bringt? 

Der Raschikommentar erklärt die Verwendung des Wortes adam wie folgt: "Warum steht adam? Wie der erste Mensch nicht vom Raub dar brachte... so sollt auch ihr nicht vom Raub dar bringen".

Warum aber wird das Gebot der Opfer ausgerechnet mit einer Warnung vor dem Darbringen von Geraubten eingeleitet? Ist das nicht selbstverständlich? Und überhaupt - was könnte einen Menschen dazu verleiten, Geraubtes zu opfern?

Einer der Irrtümer bezüglich der Opfer im Einzelnen, und bezüglich des Dienstes an G~tt im Allgemeinen, besteht in dem Gedanken, wir würden damit etwas für den Schöpfer tun; als ob alle Gebote - und besonders die Opfer - Bedürfnisse des Schöpfers wären, der die Verehrung benötigt oder das Opfer, das wir ihm bringen. So kann ein Mensch auf den Gedanken kommen, dafür vom Geraubten zu nehmen. Er sucht ja nur einen Weg, den Schöpfer zufrieden zu stellen. Wenn der Mensch nicht spürt, dass die Tat, die er aus führt, für ihn selbst nötig ist, wird er dabei schnell zur Nachlässigkeit verleitet oder sogar zur Ausführung auf eine verächtliche Weise, wie eben z.B. ein geraubtes Tier zu opfern.

Darum sagt die Tora: "Wenn jemand von euch ein Opfer dar bringen will". Damit ist nicht gemeint, dass der Mensch seinen Körper opfert. Vielmehr hat die Hervorhebung "von euch" zwei Bedeutungen. Erstens das Bedürfnis des Menschen, etwas von sich zu opfern. Das wahre Opfer ist die innerliche Opferung des eigenen Selbst dem Schöpfer. Die Tiere, die der Mensch bringt, sind eine Art Ersatz und Symbol des Selbst des Menschen, der sich unterwerfen und unter die Schwingen der göttlichen Präsenz begeben will. Zweitens: Jemand, der von euch ein Opfer dar bringen will - aus einem inneren Bedürfnis heraus. Das Opfer ist ein inneres Bedürfnis des Menschen. Es ist dem Menschen ein inneres Bedürfnis, sich selbst zu opfern, sich seinem Schöpfer zu nähern. Das ist kein Bedürfnis des Schöpfers. G~tt mangelt es an nichts, und der Mensch hat seinem Schöpfer nichts zu bieten. So endet auch der dritte Vers: "..bringe er es, dass es ihm gnädig aufgenommen werde vor dem Ewigen". 

Die Klärung dieser Sache muss also vor dem ganzen Volke Israel erfolgen. "Rede zu den Kindern Israel", damit sie nicht irrtümlich glauben, das Opfer befriedige ein göttliches Bedürfnis. Jedes Opfer, das mit so einem Hintergedanken dar gebracht wird, ist ungültig, so wie ein Opfer vom Geraubten. Das Opfer ist ganz und gar ein Bedürfnis des Menschen. "Wenn jemand von euch ein Opfer dar bringen will".

Auch bei der Aufstellung des Leuchters im Stiftszelt warnten die Weisen vor dem Gedanken, das Licht wäre nötig, um G~tt zu leuchten. "So sprachen die Israeliten vor dem Heiligen, gelobt sei er: Herr der Welt, uns sagst du, dir zu leuchten?! Du bist doch das Licht der Welt! ... Da sprach zu ihnen der Heilige, gelobt sei er: Nicht dass ich eure Hilfe brauchte, sondern damit ihr mir leuchtet, so wie ich euch leuchte. Womit ist dies zu vergleichen? Mit einem Sehenden und einem Blinden, die auf dem Wege gingen. Sagte der Sehende zum Blinden: Wenn wir in das Haus kommen, gehe hinaus und zünde mir das Licht an. Sagte ihm der Blinde: Du bittest mich zu leuchten?! ... Sagte ihm der Sehende: Damit du dich nicht in meiner Schuld fühlst, dafür dass ich dich auf dem Weg begleitete - darum sagte ich dir 'leuchte mir'" (Jalkut Schimoni, Schemot Kap.27,378; Gleichnis von G~tt und dem Volk Israel).

Alles was mit dem Dienst an G~tt zu tun hat - wenn es mit dem Gedanken erfolgt, dass wie dem Schöpfer einen "Gefallen" tun, wird die Ausführung am Ende in Verächtlichkeit und Raub geschehen. So glauben zum Beispiel viele unserer Regierungsmitglieder, dass wir mit unserem Festhalten am Lande Israel dem Schöpfer einen Gefallen tun, oder sehen darin irgend einen Beitrag zur Geschichte des jüdischen Volkes, wobei sie überhaupt nicht unser inneres Bedürfnis nach dem Leben im Lande des Lebens verstehen, das uns der Schöpfer gab. Darum fühlen sie das Festhalten am Lande zwangsläufig als eine Belastung und sind bereit, es für andere zu "rauben". So wie G~tt zu Awraham sagte: "Gehe - für dich.." (Gen. 12,1) - "denn der Mensch ist sich selbst näher als alle drei Grade der Verwandtschaft, darum heißt es gehe für dich, so wie dem Menschen gesagt wurde, geh den Erdboden bearbeiten, von dem du genommen wurdest... damit ist der Moriah-Berg gemeint. Denn der Mensch wurde vom Ort seiner Sühne geschaffen, vom Berge Moriah, denn von dort wurde sein Staub genommen... also sind [von] dort seine Knochen und dort die latente Macht seiner Seele" (Torakommentar "Kli jakar" zu Parschat Lech-lecha). 
 
 
Frage und Antwort

Expedition zur Seele

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich bin nichtreligiös geboren. Als ich genug Verstand hatte, erkannte ich, dass jene Welt leer war, ohne Werte und ohne Ideale; alles war relativ, fließend und ohne Verbindung zu G~tt.

Da begab ich mich in "streng-orthodoxe" (charedische) Gesellschaft, und dort fand ich, wonach meine Seele verlangte, ein enormes Erlebnis der Nähe G~ttes, ein gewaltiges Gefühl der Selbstverwirklichung.

Im Laufe der Zeit bekam ich jedoch langsam das Gefühl, dass ich mir selbst verloren gehe, dass ich mich dazu zwinge, meine innere Stimme zu ersticken.

Daher mein Dilemma. Zurück kehren in die säkulare Gesellschaft? Sie ist zwar freizügig, doch leer und materialistisch und stillt nicht den Durst nach G~tt. In der religiös-charedischen Gesellschaft verbleiben? Sie vermittelt zwar ein Erlebnis der G~ttesnähe, doch ich belüge mich dabei selbst. Nach schweren Überlegungen entschied ich mich für einen ganz neuen Weg, so wie es ihn nicht in unserer und überhaupt auf der Welt gibt: Ersteinmal wahrhaftig mit mir selbst sein und sich nicht vor der eigenen Seele verleugnen, d.h. vom religiös-charedischem Judentum das nehmen, was zu meiner Sehnsucht nach G~ttesnähe passt, unter gleichzeitiger Befreiung von allen möglichen Verboten, die mir auf der Seele brennen, besonders jene, die die Beziehung von Mann und Frau betreffen. Dazu wählte ich mir einige fernöstliche Dinge wie Meditation, die mir etwas bedeuten.

Das ist mein neuer Weg: Nicht die Wahrheit anderer, sondern wahrhaftig mit mir selbst sein, und damit habe ich die Expedition zu meiner Seele vollendet. 

Antwort: 1. Irrtum: Das ist kein neuer Weg. Das ist eine Mode, die vor 200-300 Jahren mit den diversen existenzialistischen Strömungen begann, wie z.B. mit dem Philosophen Schopenhauer, der das Banner des eigenen Willen erhob, oder Kirkegaard, der schrieb, ihn interessiere nicht die absolute philosophische Wahrheit, die vom Verstand geklärt wird, sondern seine eigene Wahrheit, die ihm etwas sagt. Es gibt hier also nichts Neues.

2. Irrtum: Die Nichtreligiösen sind nicht leer, vielmehr gibt es unter ihnen viele Idealisten voller Aufrichtigkeit und Wahrheit, Verantwortung und Mildtätigkeit, Hingabe zur Erziehung und zur Gesellschaft, zum Staat und zur Armee. Sicher fehlt ihnen ein Gefühl der G~ttesnähe, doch auch ohne Gefühl haben sie G~ttesnähe. Anhänglichkeit an G~tt erreicht man durch Anhänglichkeit an dessen Eigenschaften. Du suchst das Erlebnis, und bei ihnen gibt es etwas Höheres, wie unser Meister Rabbiner A.J.Kuk schrieb: "In der Aufrichtigkeit der Gedanken und in guten Charaktereigenschaften findet sich mehr Glauben und G~ttesanhänglichkeit als in einem geredeten und bildlich gefühlten Glauben" ("Acht Sammlungen", 1,234). Die Tora eröffnet weitere und hellere Tore des Lichtes als die Moral der Nichtreligiösen, doch ist das lange kein Grund, sie zu verachten.

3. Irrtum: Das ist nicht die innere Stimme deiner Seele, die dir den Rat gibt, Teile der Tora, des Glaubens und der Halacha aus zu löschen, denn die Seele ist rein. Vielmehr handelt es sich um die Stimme der Verseuchung und des Schmutzes, die auch im Inneren des Menschen haust. Wir brauchten nicht auf Freud zu warten um zu wissen, dass das Unterbewusstsein des Menschen vielschichtig ist und auch ein Bündel Triebe umfasst. Wir wussten schon immer, dass es neben der göttlichen auch eine tierische, ja raubtierische Seele gibt. Die Frage, ob der Mensch vom Tier abstammt, ist nicht so wichtig, sondern ob er schon von dort angekommen ist...

4. Irrtum: Du sprichst von G~ttesgefühl, Dürsten nach G~tt und Verbindung zu G~tt. Doch sprichst du nicht vom Dienst an G~tt. Du sprichst nicht von den Bestrebungen des Frommen gemäß dem Buche "Messilat Jescharim" ("Der Weg der Frommen" des RaMChaL, Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto), die Bemühungen beim Torastudium und das Zufriedenstellen seines Schöpfers (18.Kap.). Du erwähnst nicht einmal ein einziges Ideal im Hinblick auf das jüdische Volk, das Land Israel oder einfach den Mitmenschen. Nur eine einzige Sache interessiert dich: Du selbst und deine Erlebniswelt. Du sprichst von Annäherung an G~tt, meinst aber wirklich eine Annäherung an Erlebnisse. Der einfache Soldat, der am Gasakrieg teilnahm, weil er "nicht mehr mit verschränkten Händen dasitzen konnte, während andere leiden" - der ist wirklich nahe an G~tt. 

5. Irrtum: Es gibt keine direkte "Expedition" zur Seele. Jene ruht verdeckt von den Blicken. Sie befindet sich hinter Räumen von Räumen. Nur ein einziger Pfad führt zu ihr: Gute Taten. Gute Taten und gute Charaktereigenschaften, Torastudium und bewusstes Gebet (Messilat Jescharim 1.Kap., Orot HaTschuwa 6,6). Darum fahren wir fort auf unserem direkten Wege des Dienstes an G~tt, der nicht nur eine Pflicht darstellt, sondern auch höchste Freude.

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