DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1
- 40,23):
Unser Wochenabschnitt endet mit: "Doch der Obermundschenk gedachte nicht des Josef, und vergaß ihn" (Gen. 40,23). Nach der Erklärung der talmudischen Weisen brachte Josefs Bitte, nachdem er den Traum des Mundschenks gedeutet hatte, dass dieser sich an Josef erinnere und ihn vor Pharao in Erinnerung bringe, ihm zwei weitere Jahre im ägyptischen Gefängnis ein. Dieses Ende scheint dem ganzen Wochenabschnitt gegen den Sinn zu gehen. Während des gesamten Verlaufes der Geschichte erleben wir Josefs Bemühungen auf verschiedenen Gebieten, beginnend mit dem Versuch der Besserung des Verhaltens seiner Brüder, nach seinem Verständnis, durch Überbringung ihrer Nachrede an seinen Vater, und weiter bei der Geschichte von seinen Träumen, und bei seiner Suche nach ihnen in der Gegend von Schchem, trotz der damit verbundenen Gefahr, bis hin zu seinen Bemühungen im Hause seines Herrn in Ägypten, bis dass er über dessen ganzen Besitz eingesetzt wurde. Und ausgerechnet bezüglich der letzten Bemühungen von Josef, nämlich aus dem Gefängnis heraus zu kommen, indem er den Obermundschenk um seine Erinnerung vor Pharao bat, sagten die talmudischen Weisen: "Heil dem Manne, der den Ewigen genommen zu seinem Verlass, und sich nicht gewandt zu den Prahlern... (Psalm 40,5) - das ist Josef... Weil er zum Obermundschenk sagte, [dass dieser sich an Josef] erinnere und [ihn vor Pharao] in Erinnerung bringe, wurden ihm zwei Jahre [Gefängnis] hinzu gefügt" (Midrasch Bereschit raba 89,3). Warum?! Worin unterscheidet sich diese Bemühung von seinen anderen Bemühungen, bis dass er dafür mit zwei weiteren Jahren im ägyptischen Gefängnis bestraft wurde? Dazu finden wir eine Erklärung im Buche "Emuna uBitachon" des Chason Isch (Rabbiner Awraham Jeschajahu Karelitz, einer der bedeutendsten Rabbiner seiner Zeit, starb kurz nach der Staatsgründung Israels): "Josef wusste, dass seine Rettung nicht von seinen Bemühungen abhing, sondern in den Händen G~ttes lag, doch weil der Mensch zur Aktivität verpflichtet ist und nicht auf Wunder vertrauen darf, meinte Josef, diese Gelegenheit ergreifen zu müssen und den Obermundschenk zu bitten; doch da ein gutes Erinnerungsvermögen nicht zu den starken Seiten der Ägypter zählte, wäre so eine Tat nur eines Verzweifelten würdig, denn ein Verzweifelter greift nach jedem Strohhalm, auch nach Dingen fern jedes Nutzen, aber wer auf G~tt vertraut, darf solche Dinge nicht tun, und sie gehören nicht zu den gebotenen Aktivitäten, vielmehr bedeuten sie eine Vernebelung des Glanzes von Glauben und G~ttvertrauen, und da es kein Gebot ist, ist es verboten". (82-86). Es ergibt sich aus diesen Worten, dass eine auf Verstand und Nutzen gestützte Bemühung nicht nur empfehlenswert, sondern eine Pflicht ist, doch eine Bemühung, deren Nutzen unklar und die nur aus Verzweiflung ins Blaue hinein unternommen wird, ist absolut verboten. Rabenu Bechaje brachte als Grund dafür die Erlösung aus Ägypten, die fast vollständig auf Wundern beruhte - und dennoch mussten die Kinder Israel bewaffnet aus Ägypten ziehen (siehe Raschi zu Ex. 13,18). "Nach der einfachen Wortbedeutung zogen die Israeliten aus Ägypten wie die Pioniere der Armee, die in den Krieg ziehen, und obwohl die Israeliten nicht wie die anderen Völker waren, die sich gegen die Feinde bewaffnen müssen, war es der Wille der Tora, dass der Mensch auf dem Wege der Natur handle, alles, was in seiner Hand ist zu tun, und das Übrige überlasse er dem Himmel, und so sprach der König Schlomo: Das Ross wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber beim Ewigen ist der Sieg (Sprüche 21,31), d.h. die Menschen sind verpflichtet, ihre Seelen zu schützen und Pferde und Kriegsgerät bereit zu stellen, und der Ewige wird erretten, denn die Rettung erfolgt nur durch den Hochgelobten allein". In unserer turbulenten Zeit,
in der schwere politische Entscheidungen getroffen werden, wissen wir,
nicht zu verzweifeln und in keine Verzweiflungstaten zu verfallen, sondern
werden alles tun, was in unserer Macht steht, mit G~ttvertrauen und Glauben,
und "der Mächtige Israels wird nicht lügen und sich nicht bedenken,
denn nicht ein Mensch ist er, sich zu bedenken" (Schmu'el I, 15,29). Und
wie sehr sind die Worte Rabbiner A.J.Kuks in unseren Tagen vonnöten:
Selbst das furchtbarste spirituelle Verderben kann nicht den Auftrag unserer
Seele vollkommen zerstören, wie wir aus dem Midrasch der talmudischen
Weisen lernten: Warum werden sie 'andere Götter' (elohim acherim)
genannt? Weil sie das Gute verzögern (meacherim), in die Welt
zu kommen. - Gerade verzögern können sie das Gute, in der Welt
zu erscheinen, jene, die Zerstörung und Verderben in Israel anrichten,
aber nicht das Gute vernichten. Aber wie furchtbar ist die Hinauszögerung
des Guten! Wieviele Seelen in Generationen versinken in der Verzögerung
des allgemeinen Guten, das wir zu fördern uns unter Selbstaufopferung
anstrengen müssen. Doch weil wir nicht wie Verzweifelte kämpfen,
sondern wie Helden, die sich ihres Zieles sicher sind, muss unser Kampf
immer mit voller Vorsicht in Ehrlichkeit und mit Verstand geführt
werden. Darum gilt unser praktisches Wirken in diesen Tagen auf kurze Sicht
dem täglichen Leben, und auf lange Sicht - der Erziehung. Und wissen
wir dabei, dass die Rettung G~ttes ist, in jenen Tagen und in dieser Zeit.
Viele Juden pflegen jeden
Tag nach dem Morgengebet die Verse der sechs Erinnerungen zu sagen (Sefer
Charedim 4.Kap.; sie sind in vielen Gebetbüchern abgedruckt).
Eine davon lautet: "Gedenke was der Ewige dein G~tt an Miriam getan auf
dem Wege bei eurem Auszuge aus Ägypten" (Dt. 24,9), die nämlich
bestraft wurde, weil sie Aharon üble Nachrede über unseren Lehrer
Moscheh erzählt hatte (siehe Raschikommentar). Doch lässt sich
dazu fragen: Sie sprach doch die Wahrheit! Moscheh hatte sich doch wirklich
von seiner Frau getrennt!
Aber Miriam erzählte
das doch nicht in aller Öffentlichkeit, sondern nur einem einzigen
Menschen?
Aber Miriam erzählte
sie doch Aharon, einem heiligen Menschen, der seine Zunge zu hüten
wusste?
Aber Aharon gehörte
doch zur Familie?
Aber Miriam liebte Moscheh
wie ihre eigene Seele, durch ihr Verdienst kam er zur Welt, weil sie ihre
Eltern überredete, wieder zu heiraten, und er blieb durch ihren Einsatz
am Fluss am Leben?
Aber wie hätte Miriam
denn wissen können, dass der Herr der Welt Moscheh befohlen hatte,
nicht zu seiner Frau zurück zu kehren? Waren doch sowohl Miriam als
auch Aharon Propheten, und G~tt befahl ihnen: "Kehret heim nach euren Zelten"
(Dt. 5,26), und wie konnte sie wissen, dass G~tt zu Moscheh sprach: "Und
du bleibe hier bei mir" (V.27)?
Aber Miriam war doch eine
heilige Person voller Verdienste, und warum wurde sie für eine kleine
Sünde bestraft?
Unser Lehrer Moscheh war
aber doch ein sehr sanftmütiger Mensch, und er nahm sich das nicht
zu Herzen, wie es heißt: "Und der Mann Moscheh war sehr sanftmütig,
mehr als irgend ein Mensch auf dem Erdboden" (Num. 12,3)?
Antwort: Sicher nicht. Vielmehr muss man zuerst mit dem Betroffenen selber sprechen; nicht über ihn, sondern mit ihm. Hätte Miriam Moscheh direkt gefragt, hätte er ihr sofort alles erklärt, und die ganze Geschichte wäre uns erspart geblieben. Es gibt zwar Menschen, mit denen man einfach nicht reden kann, und solche, die nicht zuhören. Nicht so unser Lehrer Moscheh: er war sanftmütig, und auch nicht umringt von Beamten und Bediensteten, vielmehr war er für jedermann persönlich erreichbar, erst recht für seine Schwester. In der Zwischenzeit behelfen Sie sich mit der Kurzfassung: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu" (Schabbat 31a). Was du nicht willst, das man über dich redet, das rede nicht über andere. - Zwar löst das nicht alle Probleme, aber doch eine ganze Menge. Möge sich damit an uns
erfüllen: "Wahre deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, dass
sie nicht Trug reden. Weiche vom Bösen und tue Gutes, suche den Frieden
und jage ihm nach" (Psalm 34,14-15).
Weitere Kommentare
von
Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
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