DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJISCHLACH
Nr. 696
16. Kislev 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 32,4 - 36,43):
Jakovs Heimkehr nach Kana'an, Kampf mit dem Engel, Geschenke an Eßaw, Jakov trifft Eßaw, Landkauf bei Sch'chem, Entführung Dinas durch Herrscher von Sch'chem, Scheinvertrag, Tötung der Verantwortlichen durch Levi und Schimon, Jakov>Israel, Beschränkung des Awraham und Jizchak gegebenen Versprechens des Landes Israel auf Jakov und seine Nachkommen, Tod Rachels bei der Geburt Benjamins.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Verlasst euch nicht auf Wunder

Rav Joram Elijahu
Rabbiner an MACHON MEIR

Viele Kommentatoren wunderten sich über unseren Vorvater Jakov ob seiner Befürchtungen wegen Eßaw: "Da fürchtete sich Jakov sehr und ihm ward angst" (Gen. 32,8), und er betete zu G~tt: "Rette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Eßaws" (V.12). Insgesamt bereitete er Geschenke vor, betete und rüstete sich zum Kampf. Aber G~tt hatte ihm doch schon bei seiner Flucht nach Charan versprochen: "Und siehe, ich bin mit dir, und werde dich behüten, wo du auch immer gehest... denn ich werde dich nicht verlassen, bis dass ich getan, was ich geredet habe zu dir" (Gen. 28,15) - warum also fürchtete sich Jakov und traf all diese Vorbereitungen in Erwartung der Begegnung mit Eßaw?

Der Autor des Werkes Akedat Jizchak, Rabbiner Jizchak Arame, ließ sich ausführlich über den rechten Weg beim Dienst an G~tt aus: "Nach diesem Brauch hielten es die ersten Väter und die heiligen Propheten in all ihren Handlungen, obwohl sie der direkten Vorsehung G~ttes unterstanden und sich seiner sicher waren. Denn sie sahen, dass ein Ablassen von dem, was in ihrer Hand, ihrem Verstand und ihrem Vermögen zu ihrer Hilfe war, ihnen als eine große Sünde angerechnet worden wäre". Unsere Vorfahren wussten, dass man Hilfe von G~tt nur dann erhofft, wenn man bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die Verstand und Wissen bieten. Dazu brachte er als Beweis von König David: "Er war König, und G~ttes Liebling, und abgesichert durch einen g~ttestreuen Propheten - und trotz alledem ließ er sich nicht davon abbringen, sich mit aller Kraft aus der Hand seiner Feinde und aus der Hand von Scha'ul zu befreien und verließ sich nicht auf die Versprechungen, denn er wusste, dass die Rettung durch G~tt und dessen Versprechen nur an dem verwirklicht werden, der seine Möglichkeiten durch seine menschlichen Handlungen ausschöpft... und wenn er es dabei mangeln lässt, befällt ihn der Makel der Faulheit und seine Befähigung zum Erhalt der göttlichen Hilfe wird geschwächt". Entsprechend erklärte er, warum David bei seiner Ankunft bei Achisch König von Gat seine Erscheinung änderte und auf seinen Bart sabberte (um den Eindruck eines Geistesgestörten zu erwecken; Sam.I, 21,14). Auf den ersten Blick schien das etwas übertrieben seitens David, doch weil er wusste, dass darin eine Rettungsmöglichkeit bestand, würde es als verurteilungswürdig gelten, wenn er es nicht versuchte, "und damit die Abweisung seiner Rettung durch die göttliche Vorsehung verursachte". D.h., die Hilfe G~ttes wird nicht eintreffen, wenn man sich nicht selber ausreichend bemüht, und der Verfasser des Werkes "Akedat Jizchak" schickte dies alles nur voraus, um die Anstrengungen Jakovs zu seiner Rettung vor Eßaw zu erklären, denn nur so war er sicher vor etwaigen Anschuldigungen, und so konnten die göttlichen Versprechen an ihm erfüllt werden.

Auf diese Weise lehrte auch der MaBiT (Rabbiner Moscheh ben Josef diTrani) in seinem Buch "Bet Elokim". Das Wesen des Gebetes definierte er als "die Bitte des Menschen von G~tt von etwas Nötigem, das für ihn unerreichbar ist". Zu jedem Wort bringt er dort wunderbare Erklärungen, und zu "das für ihn unerreichbar ist" schrieb er: "sie wiesen an, dass der Mensch nicht zu G~tt bete, sogar für etwas Lebensnotwendiges - wenn er aus eigenen Kräften und auf legale Weise die Sache selber erlangen kann, und das ist das Gebet König Davids: Schaff' uns Beistand gegen den Feind, nichtig ja ist Menschenhilfe (Psalm 60,13+108,13), will sagen, wenn wir uns nicht selber auf natürliche Weise retten können und unsere Rettung vergebens war, dann: Schaff' uns Beistand gegen den Feind, denn wenn wir uns selber auf natürlichem Wege retten können, erbitten wir nicht von G~tt, uns durch Wunder vor dem Feind zu retten".

Auch Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") erregte sich über jene Menschen, die in ihrer geistigen Verwirrtheit behaupten, ein hungriger Mensch, der Brot isst, um seinen Hunger zu stillen, sei wie ein Verzweifelter, der nicht an die göttliche Hilfe glaubt (die seinen Hunger so einfach verschwinden lasse). "Sie sollen sich gesagt sein lassen: Dummköpfe, genau wie wir G~tt beim Essen danken, dass er mich Sättigendes finden ließ und den Hunger von mir nahm, so dass ich lebe und bestehe, genau so werde ich ihm danken, dass er mir ein Heilmittel bereit gestellt hat und meine Krankheit heilt, wenn ich von ihr genesen bin" (Mischnakommentar Pessachim 4.Kap.).

In diesem Zusammenhang wollen wir an die Vorsicht im Straßenverkehr erinnern, der in letzter Zeit leider zahlreiche Opfer forderte. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht von Verkehrsunfällen mit Toten und Verletzten hören, und deswegen wollen wir hier die Worte des "Sefer Hachinuch" zum Gebot des Geländers bringen: "So wie G~tt die Aufsicht führt über alle Einzelheiten des Menschen und alle ihre Taten kennt, und alles, was ihnen geschehen wird, Gutes oder Schlechtes, durch seine Vorbestimmung und auf seinen Befehl - trotzdem muss sich der Mensch vor dem hüten, was ihm in der Welt zustoßen kann, denn G~tt schuf seine Welt und baute sie auf die Grundpfeiler der Natur; er befahl dem Feuer zu brennen und dem Wasser die Flammen zu löschen, und ebenso ist es ein Naturgesetz, dass wenn ein großer Stein dem Menschen auf den Kopf fällt, sein Gehirn zerstört wird, oder wenn ein Mensch von einem hohen Dach auf die Erde fällt, dass er daran stirbt, und er, der Gesegnete, schuf die Körper der Menschen und hauchte ihnen eine wissende Seele ein, befähigt, den Körper vor jedem Schaden zu schützen. Und darum hat uns die Tora geboten, unsere Behausungen und unsere Orte vor Tod durch unsere Nachlässigkeit zu schützen, und wir werden unsere Seelen nicht im Vertrauen auf Wunder gefährden, und wie unsere Weisen sagten, dass man einem, der auf Wunder vertraut, keine Wunder geschehen lässt".

Wollen wir von den Vorvätern lernen, von Jakov, von David, von allen Weltgrößen, die alles unternahmen, um Schaden zu verhüten. Wollen wir von ihnen lernen, uns auf allen unseren Wegen zu hüten, und möge sich als Lohn für unsere Bemühungen an uns erfüllen: "Denn seine Engel entbietet er für dich, dich zu behüten auf all deinen Wegen" (Psalm 91,11) und mögen wir kein Unglück und kein Wehgeschrei mehr kennen, von heute bis in alle Ewigkeit.
 
 
 
 
HaRav Aviner

Die stille treue Hüterin

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Man nennt mich Channa, aber ihr kennt mich nicht und werdet mich höchstwahrscheinlich auch niemals kennen lernen, und ich habe auch kein besonderes Interesse daran. Ich breche mein Schweigen nur um euch etwas sehr Wichtiges zu sagen: Ich bin eine Frau und besonders stolz darauf, eine Frau zu sein.

Ich habe den Eindruck, dass ihr Männer gerne Eindruck macht, doch häufig steckt gar nichts dahinter. Man kann sich ganz einfach nicht auf euch verlassen, ihr seid wechselhaft, ihr seid nicht konsequent.

Einmal las ich die Geschichte von der Sünde um das goldene Kalb - die Frauen sündigten nicht dabei. Ihr Männer aber, euer Verhalten spottete einfach jeder Beschreibung! Sich vor einem Kalb nieder zu werfen?! Nicht ganz normal!

Auch bei der Sünde der Kundschafter waren die Frauen nicht beteiligt, ihr Männer aber verachtetet das Land Israel. Wofür sind wir denn eigentlich aus Ägypten gezogen? Um in der Wüste zu bleiben? Ich verstehe euch wirklich nicht. Angsthasen!

Ich behaupte natürlich nicht, dass ihr alle so seid. Auch bei euch finden sich gute und sogar große Menschen. Zum Beispiel Jehoschua und Kalev - sie retten vielleicht eure Ehre. Sicher gibt es große Rabbiner, die ich sehr verehre. Es gibt aber Männer - ich verstehe einfach nicht ihr Benehmen - möge G~tt mir meine Worte verzeihen, aber das ist wirklich eine Schändung des göttlichen Namens.

Doch auch zu den Weltgrößen, die ich sehr schätze, muss ich anmerken, dass ihre Frauen sie übertrafen. Awraham z.B. wollte Jischmael im Hause behalten, und nur unsere Stammmutter Sara verstand, dass er da nichts zu suchen hatte. Am Anfang wollte unser Vorvater Awraham die Angelegenheit noch diskutieren, doch G~tt sagte zu ihm: "In allem, was Sara dir sagt, hör auf ihre Stimme!" (Gen. 21,12). G~ttseidank rettete Sara die Lage. Stellt euch nur einmal vor, in unserem Volk wären die Kinder Israels und die Kinder Jischmaels zusammen vermischt, was für eine Figur würden wir da machen?! Einmal hörte ich, dass der Vers "Sie sieht sich um nach Wolle und Leinen" (Sprüche 31,13) auf Sara gemünzt ist: Jizchak und Jischmael sind wie Wolle und Leinen, Scha'atness [verbotene Mischung dieser beiden Materialien], das passt nicht zusammen!

Dann wollte unser Vorvater Jizchak seinen Segen Eßaw geben, und wiederum war es Riwka, unsere Stammmutter, die die Lage rettete und den Segen auf Jakov lenkte. 

Unser Vorvater Jakov selbst wollte unsere Stammmutter Rachel heiraten, doch unsere Stammmutter Lea entschied für ihn, dass er sie heiraten müsse und schuf vollendete Tatsachen. Was für ein Mut! Alle Achtung! Später heiratete Jakov bekanntlich auch Rachel. 

Wollen wir uns nun wieder näheren Dingen zuwenden. Unser Nachbar lernt schon seit vielen Jahren Tora, bald wird er ein Rabbiner sein. Wisst ihr, wem er das zu verdanken hat? Seiner Frau, die viele Jahre lang schwer arbeitete, damit er in Ruhe lernen konnte, und sie ermutigte und ermunterte ihn noch die ganze Zeit. Im Religionsunterricht lernte ich einmal die Erklärung des MaHaRaL zum Vers "Also sprich zum Hause Jakov und verkünde den Kindern Israel" (Ex. 19,3). Nach dem Raschikommentar sind mit dem "Hause Jakov" die Frauen gemeint, und mit "Kinder Israel" die Männer. Wie ihr seht: die Frauen zuerst! Der MaHaRaL erwähnt die Worte der talmudischen Weisen, dass die Kinder in der Schule durch das Verdienst ihrer Mütter Tora lernen, und die Ehemänner lernen Tora in der Jeschiwa durch das Verdienst ihrer Frauen (Brachot 17a). Wir Frauen lernen zwar nicht Tora, wir respektieren aber die Tora, haben eine Sehnsucht nach Tora, eine innere, natürliche Verbindung zur Tora, und durch dieses Verdienst haben wir ein Haus voller Tora - so erklärte der MaHaRaL.

Wir haben noch einen Nachbarn, ein Berufsoffizier in den vorderen Einheiten, der nur selten nach Hause kommt, und außerdem ist sein Job gefährlich. Wer sorgt dafür, dass er dort sein kann? Seine Frau, die ihn bei alledem unterstützt. Was für ein Heldenmut! Ich habe großen Respekt vor ihr.

Und mein Cousin, Johnnie, der kürzlich aus Amerika einwanderte - nur weil seine Frau ihn andauernd dazu ermunterte.

Sicher halten wir Frauen uns sittlich zurück, machen keinen Radau, schieben uns nicht in den Vordergrund und drängeln uns nicht nach dem Mikrofon, doch erreichen wir viel hinter den Kulissen.

Ich habe gelesen, dass man früher mal sechs Jahre ununterbrochen in der Jeschiwa lernte, manche sogar zwölf Jahre. Wie kann es angehen, dass sie ihre Frauen für so lange Zeit verließen? Einmal hörte ich, dass ein großer Rabbiner, ein Schüler von Raschi, es im Gegenteil erklärte, nämlich waren ihre Frauen froh darüber und hatten es ursprünglich zu einer Bedingung der Ehe gemacht, dass der Mann lange Zeit lerne und ein großer Toragelehrter werde (Tossafot Ketubot 62a).

Rabbi Akiva ging zwölf Jahre Tora lernen, weil seine Frau es so wollte, und dann nochmal zwölf Jahre auf Drängen seiner Frau. Am Ende sagte er zu seinen Schülern: "Meines und eures ist ihres" (Ketubot 63a).

Ich hätte nicht gewollt, wenn mein Mann zwanzig Jahre hintereinander Tora lernen ginge, er ist aber auch so ein rechtschaffener Mensch.

Häufig sagt er mir: "Mein Channele, alles was ich habe, verdanke ich dir. Du bist meine innere Kraft, du bist meine stille und treue Hüterin, du bist meine Seele".
 
 

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