DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJELECH
Nr. 687
5. Tischri 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 31,1-31,30):
Moschehs 120. Geburtstag, moralische Unterstützung für seinen Nachfolger, Jehoschua, Ausblick auf die Zukunft, Wohlstand wird zur Abwendung von G~tt und Strafe führen.

Donnerstag: Jom Kippur

Der Stand der Dinge...
Die große Umkehr
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Unsere Generation ist die Generation der Umkehr (Tschuwa). Es erfüllen sich an ihr die Worte der Tora: "Dass du zurück kehrest zu dem Ewigen, deinem G~tte, und seiner Stimme gehorchest... so wird der Ewige dein G~tt zurück führen deine Gefangenen und sich dein erbarmen, und dich wieder sammeln aus all den Völkern, dahin der Ewige dein G~tt dich zerstreut hat. ... und der Ewige dein G~tt wird dich bringen in das Land, das deine Väter besessen, und du wirst es besitzen, und es wird dir wohl tun und dich vermehren mehr als deine Väter. Und der Ewige dein G~tt wird beschneiden dein Herz und das Herz deiner Nachkommen, zu lieben den Ewigen deinen G~tt mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, auf dass du lebest" (Dt. 30,2-6). 

Die Rückkehr, von der in der Tora die Rede ist, ist die Rückkehr der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft Israels (Klal Israel) kehrt in das Land ihres Lebens zurück und ersteht zu neuem Leben. Nach den Worten von Rabbiner Jehuda Alkalai (lebte vor etwa 150 Jahren, Kabbalist, einer der ersten Rabbiner, die noch vor Gründung der zionistischen Bewegung für die Einwanderung nach Israel und die Besiedlung des Landes wirkte und sich für die Landwirtschaft und staatliche Organisation einsetzte): "Es gibt zwei Arten der Tschuwa, die individuelle und die gemeinschaftliche. Die individuelle Umkehr - dass ein jeder von seinem schlechten Wege abkehre, und gemeinschaftliche Umkehr, dass das ganze jüdische Volk in das Land des Erbes unserer Väter zurück kehre, und diese geboten uns alle Propheten, so wie Maimonides in seinem Gesetzeswerk anführte: Alle Propheten haben die Tschuwa anbefohlen. Israel kann nur durch Tschuwa erlöst werden (Gesetze von der Umkehr, 7,5)".

Auch Rabbiner A.J.Kuk unterschied zwischen kleiner Tschuwa des einzelnen Menschen und der Tschuwa der Allgemeinheit mit den Worten: "Das Wiedererstehen der [jüdischen] Nation bildet das Fundament für den Aufbau der großen Tschuwa, die höchste Tschuwa Israels, und die Tschuwa der ganzen Welt, die ihr nachfolgen wird" (Orot Hatschuwa, 17,1).

Nach dem Stand der Dinge kehren Millionen Juden nach dem Lande Israel zurück. Diese Rückkehr an sich bedeutet eine große Tschuwa. Die Worte des Propheten Hoschea bewahrheiten sich: "Kehre um, Israel, zum Ewigen, deinem G~tte..." (14,2), oder wie die talmudischen Weisen den Vers (Lev. 26,13) deuteten: "..und lehrte euch aufrecht (komemiut) gehen" [komemiut deutet auf mehrere Stufen hin] - zwei Stufen, die erste Stufe ist die Einsammlung der Zerstreuten und die Gründung des Staates Israel, und die zweite ist die spirituelle Stufe der Offenbarung der guten und strahlenden Seele des Volkes Israel im Lande, und vom Lande in die ganze Welt, wie G~tt unserem Vorvater Awraham versprach: "Und ich werde dich zu einem großen Volke machen, und dich segnen... und du sollst ein Segen sein... und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des Erdbodens" (Gen. 12,2-3).

Allerdings sind wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Erfüllung der Visionen vom Ende der Tage gelangt. Wir beten immer noch unter Tränen wie die Kohanim (Priester) zur Zeit des Propheten Jo'el: "Schone, o Ewiger, dein Volk, und gib nicht dein Erbe der Schmach preis, dass Völker sie beherrschen. Warum soll man unter den Nationen sprechen: Wo ist ihr G~tt?" (2,17). Wir aber glauben fest tagtäglich, und besonders in den zehn Tagen der Tschuwa von Rosch Haschana bis Jom Kippur, dass wir nicht mehr lange auf den Tag warten müssen, an dem sich die Prophetenworte vollständig bewahrheiten: "Und ich werde euch nehmen aus den Völkern, und euch sammeln aus all den Ländern, und euch nach eurem Lande bringen. Und auf euch sprengen reines Wasser, und ihr werdet rein sein von allen euren Unreinheiten... Und ich gebe euch ein neues Herz, und einen neuen Geist geb' ich in eure Brust... Und meinen Geist gebe ich in eure Brust... Und ihr sollt wohnen in dem Lande, das ich euren Vätern gegeben, und ihr sollt mir ein Volk sein, und ich werde euch ein G~tt sein" (Jecheskel 36,24-28).

"Rabbi Akiva sprach: Heil euch, Israel! Wer ist es, vor dem ihr euch reinigt, wer ist es, der euch reinigt? Es ist euer Vater im Himmel, wie es heißt: und ich werde reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet" (Mischna Joma 8,9).

Mit den besten Segenswünschen zum neuen Jahr, gmar chatima towa,
und in Erwartung der vollkommenen Errettung,

Rav Dov Begon
 
 
 
HaRav Engelmann

Mit den Sündern

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

"Mit Zustimmung des Allgegenwärtigen, und mit Zustimmung der Gemeinde, mit Erlaubnis des himmlischen Gerichtshofes und mit Erlaubnis des irdischen Gerichtshofes, erklären wir für erlaubt, mit den Sündern zu beten" (Einleitung des Kol-Nidre-Gebetes).

Nicht nur, dass wir erlauben, mit den Sündern zu beten, wir sind vielmehr verpflichtet, mit ihnen zu beten. Ist doch unser Gebet nicht vollständig, wenn nicht alle Juden daran teilnehmen, und dazu gehören nunmal auch die Bösewichte: "Rabbi Chana bar Bisna sagte im Namen Rabbi Schimons des Frommen: Ein Fasten, an dem nicht auch Abtrünnige Israels beteiligt sind, ist kein Fasten, denn das Galban hat ja einen üblen Geruch, dennoch hat die Schrift es unter den Gewürzen für das [Tempel-]Räucherwerk mitgezählt" (Kritut 6b).

Wäre es die Bedeutung von Jom Kippur, eine Elitetruppe von Gerechten heran zu züchten, die sich vor G~tt erweicht, dann wäre die Anwesenheit von Bösewichten sicher eine Plage, würde sie doch den "spirituellen Durchschnitt" in der Synagoge radikal herab senken... Jom Kippur ist jedoch nicht nur für die Gerechten bestimmt, sondern dient der Erneuerung des Bundes zwischen den Israeliten und ihrem himmlischen Vater, allen Israeliten, den Gerechten, den Mittelmäßigen und den Bösewichten.

Wirkliche Gerechte sind keine Einzelgänger, sie sorgen sich nicht nur um ihre eigene bußfertige Umkehr (Tschuwa). Sicher schmerzen sie und schaden ihnen die Sünden der Bösewichte, doch sind sie nicht bereit, sie zu verstoßen: "Die einzelnen Auserwählten, die das Licht G~ttes erhoffen, leiden an der Sünde der gesamten Allgemeinheit. Ihre Liebe zur Gemeinschaft ist unerforschbar lebensstark. Das Gute an sich in ihrer Seele sehnt sich gerade nach dem gemeinschaftlichen Guten, und die Gemeinschaft, zu der sie sich hingezogen fühlen, vermag sie bei Berührung zu verunreinigen durch die ihr anhaftenden Sünden. Die wahrhaften Gerechten erleiden jedoch willig... alle materiellen und spirituellen Qualen, nur dass sie bloß ihr Ziel erreichen... dass alle sich am Guten G~ttes erfreuen" (Rabbiner A.J.Kuk, Orot HaTschuwa 12,3).

Darüberhinaus erlauben wir gerade an Jom Kippur mit den Sündern zu beten, weil wir an diesem Tage selbstsicher verkünden, dass alle Sünden nicht unserem wahren Wesen Ausdruck geben. Sie sind das Ergebnis der Verstrickung in den Netzen des Triebes, doch ändern sie nichts an der Tatsache, dass in unserem Innersten eine reine Seele haust, der es vor der Sünde graust. So verhält es sich im Hinblick auf die Sünden jener, die sich der Gefahr der Sünde bewusst sind und trotzdem manchmal straucheln, und auch im Hinblick auf all jene, die verkünden, sie bräuchten sich überhaupt nicht vor ihr in acht zu nehmen - auch sie sind rein und lauter hinter ihrer äußeren Erscheinung. Die Hoffnung, G~tt werde sich des Bundes erinnern und sich nicht an den Trieb wenden, wenn er über uns zu Gericht sitzt, bietet genau den Grund dazu, dass wir erlauben, verpflichtet und froh sind, mit den Sündern zu beten, weil wir ihnen das Vertrauen entgegen bringen, dass sich hinter dem ganzen Nebel eine große Wahrheit verbirgt. Mit anderen Worten: Wir erlauben das Beten zusammen mit einem der während des ganzen Jahres als Sünder gilt, weil wir an Jom Kippur entdecken, dass er in Wahrheit kein Sünder ist.

Ursprünglich wurde die Lesung der "Erlaubnis, mit den Sündern zu beten" in der Periode des Religionsverbotes und der Zwangskonvertierungen eingeführt, in der sich viele Juden aus Angst nach außen hin wie Nichtjuden verhielten und selbst fundamentale Toragebote nicht mehr einhielten, trotzdem aber mit ihrem Erscheinen zum Kol-Nidre-Gebet offenbarten, dass ihre Sünden nur eine äußerliche Angelegenheit waren: "Und diese Formel, die vor dem Kol-Nidre-Gebet gesprochen wird, 'mit Erlaubnis des himmlischen Gerichtshofes... erklären wir für erlaubt, mit den Sündern zu beten', wurde während der Judenverfolgungen eingeführt. Die nichtjüdischen Verbrecher zwangen die Juden mit den verschiedensten Quälereien und schwerer Folter zur Konvertierung, ihre Religion anzunehmen. Viele Juden konnten diesen schweren Folterungen nicht stand halten und nahmen die Religion der Fremden allerdings nur zum Anschein an, insgeheim aber wahrten sie den jüdischen Glauben, ein jeder in seinem Versteck, ohne dass sich einer dem Nächsten offenbarte. Wenn sich die Jom Kippur-Nacht näherte, nahmen sie das Todesrisiko auf sich und versammelten sich gemeinsam in Kellerverstecken, um die Heiligkeit des Feiertages in großer Volksmenge zu empfangen und von G~tt Gnade für sich dafür zu erbeten, dass sie das ganze Jahr als Sünder erschienen. Denn G~tt verachtet niemals das Gebet der Vielen, selbst wenn sie alle Sünder sind" (Sefer HaToda'a). 

Jahr für Jahr gelangen Juden zu den hohen Feiertagen in die Synagoge, die sich während des übrigen Jahres der Tora und den Geboten nicht verpflichtet fühlen. Man muss verstehen, dass sie nicht nur keine Last für die Gemeindemitglieder bedeuten, die ihnen bei der Benutzung des Gebetbuches helfen, sondern dass ihre Anwesenheit eine Notwendigkeit zur Erhörung der Gebete darstellt! Nicht weniger als das Verdienst, das jenen durch ihren Besuch der Synagoge zuteil wird, erlangen die regulären Mitglieder großen Segen wegen ihrer Anwesenheit.

Nicht selten fühlen jene Besucher eine gewisse Fremdartigkeit in der Synagoge, ihr Mangel an Wissen macht sie verlegen. Ihnen zu helfen ist nicht nur ein Zeichen von Höflichkeit, sondern auch eine Anerkennung der Bedeutung ihrer Teilnahme. Wir wissen mit Sicherheit, dass unsere Gebete bei ihrer Abwesenheit nicht erwünscht sind, darum sollten wir alles unternehmen, die Tore des Gebetes vor ihnen zu öffnen und sie an diesem heiligen Tage bei den Toren unseres Herzens einlassen.
 
 

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