DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 44,18
- 47,27):
Dienstag, 10. Tewet - Fasttag!
Die Brüder Josefs, Stämme Jakovs, machen in den Wochenabschnitten Mikez-Wajigasch einen wundersamen Prozess der Umkehr durch. Sehr schnell erkannten die Brüder die Größe ihres Irrtums und bedauerten ihn, und vor diesem Hintergrund ist die Absetzung von Jehuda zu verstehen: "..um zu lehren, dass ihn seine Brüder von seiner Würde absetzten, als sie das Leid ihres Vaters sahen" (Raschikommentar zu Gen. 38,1). Dieses Leid veranlasste sie dazu, sich die nächsten 22 Jahre des Weingenusses zu enthalten, so wie wir es immer in den neun Tagen vor Tischa be'Aw halten - so lehrt uns der Raschikommentar zu Gen. 43,34: "und berauschten sich mit ihm - seit dem Tage, da sie ihn verkauft hatten, hatten sie keinen Wein getrunken, und auch er hatte keinen Wein getrunken; an jenem Tage aber tranken sie". Bei Josef kann man es verstehen, doch warum tranken die Brüder keinen Wein? Weil sie in Leid und Trauer über ihre Taten verharrten. Die talmudischen Weisen schilderten auch die Freude, mit der sie nach Ägypten herab zogen, um Nahrung zu besorgen. Endlich erhielten sie die Gelegenheit, auf die sie schon so lange gewartet hatten, wie es zum Vers "Da zogen hinab zehn Brüder Josefs, Getreidevorrat zu kaufen aus Ägypten" (Gen. 42,3) heißt. Der Midrasch fragt: "Es hätte doch eher heißen sollen: 'die Söhne Jakovs', warum 'die Brüder Josefs'? Weil sie sich zu Anfang nicht wie Brüder verhielten... und am Ende bereuten sie es, jeden Tag sagten sie: wann werden wir ihn suchen, wir werden ihn unserem Vater bringen, und als er ihnen sagte: Zieht hinab nach Ägypten, nahmen sie sich alle vor, ihn brüderlich zu behandeln" (Jalkut Schimoni, Mikez). Auch hier betont der Midrasch, wie sie von tiefer Reue erfasst waren und jeden Tag auf diesen Moment warteten, auf die Möglichkeit, Josef nach hause zu bringen. Ihre Anständigkeit offenbarte sich besonders in dem Moment, als Josef sie der Spionage beschuldigte. Alles, was ihnen zustieß, sahen sie als Strafe für ihr Verhalten Josef gegenüber an: "Fürwahr, wir büßen um unseren Bruder, dessen Seelenangst wir sahen... darum kommt über uns diese Not" (Gen. 42,21). Der Neziw erklärte diesen und den folgenden Vers, in dem Re'uwen sagt: "Habe ich euch nicht gesagt: Versündigt euch nicht an dem Jungen" - als Josef von ihnen verlangte, einen der Brüder in Ägypten zu lassen, nahm jeder der Brüder die Schuld auf sich und wollte in Ägypten bleiben, "und so sprachen die gerechten Büder... ein jeder beklagte, an der Sache schuld zu sein". Eigentlich ist es doch verwunderlich, dass Josef seine Brüder so an der Nase herum führte und sich nicht sofort zu erkennen gab. Der "Or HaChajim"-Kommentar führte alle Taten Josefs auf seine Furcht um sein Leben zurück. Josef kannte seine Brüder und deren Kräfte und hatte nicht vergessen, dass sie ihn töten wollten; darum sandte er bis dato keine Mitteilung an seinen Vater über seine Ernennung zum Vizekönig, weil die Brüder vielleicht ihre Schande nicht eingestehen wollen und ihn zu töten kämen. Der "Or HaChajim" fügt hinzu: "Er hütete sich, seine Brüder nicht vor Jakov und Jizchak und allen Nachkommen Jakovs zu beschämen und ertrug, dass sein Vater in Leid verblieb, statt sie zu beschämen, nach dem Grundsatz: Man lasse sich lieber in einen Feuerofen werfen als seinen Nächsten öffentlich zu beschämen". Josef erzeugte um Benjamin eine Situation ähnlich der seinen von damals. Er erwies Benjamin alle Ehre, plazierte ihn neben sich, gab ihm Geschenke und manövrierte ihn auch in eine Lage, ins Gefängnis (wie in die Grube) geworfen zu werden - wie würden sich die Brüder nun verhalten, würden sie noch einmal fort gehen und einen Bruder seinem Schicksal überlassen, oder würden sie darauf bestehen, den Bruder nicht im Stich zu lassen und ihm zur Seite zu stehen? So schrieb Rabbiner Jizchak Abarbanell (Torakommentator und Berater div. europ. Königshäuser z.Zt. der Vertreibung aus Spanien): "Die ganze Prüfung, die Josef für seine Brüder veranstaltete, unter der Anschuldigung, sie seien Spione, weil immer noch ein Zweifel an seinem Herzen nagte, ob sie Benjamin Bruderliebe erweisen würden oder ob sie immer noch die Söhne Rachels, seiner Mutter, hassten, und darum arrangierte er die Prüfung um Benjamin und den Weinkelch herum, um zu sehen, ob sie sich für ihn einsetzten... und würden in Josefs Augen als vollkommene Reumütige angesehen werden, und er gebe sich zu erkennen". Die Brüder stellten in der Tat ihre reumütige und vollkommene Umkehr unter Beweis, und Jehuda verkündete im Namen seiner Brüder 1) ihre Erkenntnis, dass sie damit für ihre Sünde bestraft wurden, "G~tt hat die Schuld deiner Knechte gefunden" (Gen. 44,16); 2) "wir sind Sklaven meines Herrn, so wir, so der, in dessen Hand der Becher gefunden worden" (ebda.). Doch Josef wollte sehen, wie Jehuda, der seinen Verkauf nach Ägypten zu verantworten hatte, aufsteht und die persönliche Verantwortung für Benjamin übernimmt. Und wie Jehuda sich in unserem Wochenabschnitt erhob und sagte: "Und nun lass' doch deinen Knecht statt des Knaben bleiben, ein Sklave meinem Herrn, und der Knabe ziehe hinauf mit seinen Brüdern" (Gen. 44,33), verstand Josef, dass sich der Umkehrprozess der Brüder vollständig vollzogen hatte und er sich ihnen zu erkennen geben und ihnen seine große Liebe zu ihnen zeigen konnte. Auf allen Stufen der Begegnung mit seinen Brüdern erkennen wir Josefs Bruderliebe. Fünfmal weinte er angesichts des Leides seiner Brüder, und bei seiner Offenbarung, bei der sich die Stämme vereinten und Josef seine Brüder verängstigt sah, bis dass sie ihm nicht antworten konnten; da erklärte er ihnen den Ablauf der göttlichen Vorsehung bei seinem Verkauf: "denn zur Lebenserhaltung hat mich [G~tt] gesandt vor euch her" (45,5). Er fiel Benjamin um den Hals und weinte und küsste alle seine Brüder und weinte an ihnen, und erst dann heißt es: "und danach redeten seine Brüder mit ihm" (45,15); Raschi: "als sie ihn weinen sahen, und dass sein Herz aufrichtig mit ihnen war". Diese große, von keiner
Gegenleistung abhängige Liebe ist es, die zu uns zurück kehrt
und aufs Neue das Haus Israel zu einem Holz vereint, nach den Worten
des Propheten in unserer Haftara (Jecheskel, 37. Kap.), die alle guten
Bestimmungen des jüdischen Volkes beschreibt, wie es dort weiter heißt:
"Und ich schließe mit ihnen einen Bund des Friedens, ein ewiger Bund
sei es mit ihnen, und ich erhalte sie und vermehre sie, und setze mein
Heiligtum in ihre Mitte auf ewig. Und meine Wohnung wird bei ihnen sein,
und ich werde ihr G~tt sein, und sie werden mein Volk sein" (37,26-27).
Chanukka ist eine Geschichte voll von Chutzpa (Frechheit). Chutzpa ist ein Mangel an Bereitschaft des Menschen, seine Schwäche an zu erkennen, seinen Stellenwert zu akzeptieren und ein Widerstand seinerseits gegenüber Höhergestellten. Der Freche hält sich selbst für groß, und die Zielscheibe seiner Chutzpa sieht er mit Geringschätzung, auch wenn jener zehnmal größer ist als er. An Chanukka stehen sich zwei Arten Chutzpa gegenüber, die griechische Chutzpa und die israelitische Chutzpa, niedere Dreistigkeit gegen Dreistigkeit des Heiligen. Das griechische Reich gleicht einem Panther: "der Panther lauert gegen ihre Städte (Jirmijahu 5,6) - das ist Griechenland" (Midrasch Wajikra raba 13.Kap.). Der Panther ist das Symbol des Mutes, "mutig wie ein Panther" (Pessachim 112a). Zur Zeit der Makkabäer lieferten sich die Chutzpa, über die es heißt: "Der Freche ist auf dem weg zur Hölle" (Mischna "Sprüche der Väter", 5,18) und die Chutzpa von "sei mutig wie ein Panther, den Willen deines Vaters im Himmel zu vollbringen" (ebda.) eine Schlacht von Angesicht zu Angesicht. Die griechische Chutzpa vergrößert den Menschen über seine wirklichen Maße hinaus, sie verleiht seinem Verstand und seiner Intelligenz Exklusivrechte beim Verständnis der Welt und der Anleitung des Menschen. Mit ihrer Leugnung des Weltenschöpfers will sie den Menschen von den Fesseln des Glaubens an das, was über ihm ist, befreien und seine Kraft stärken. Durch die Leugnung des Herrn der Welt bzw. seine Umwandlung in einen Götzen will die griechische Weisheit den Menschen zum Großmeister der Lebenskraft auf Erden küren, zum Herrscher und Meister. Tatsächlich aber beseitigt die gegen G~tt gerichtete Chutzpa den Vorzug des Menschen. Wenn die Welt jeder Bedeutung entbehrt, wenn dem Menschen die göttliche Seele fehlt, wird jeder von uns zu einem winzigen und wertlosen Punkt, der sinnlos durch die Unendlichkeit schwirrt. Die Chutzpa, die die Existenz G~ttes beseitigen will, beseitigt so in Wirklichkeit den Wert des Menschen. Der Mensch wird klein und vernachlässigbar, und seine Taten auf diesem Erdenrund sind soviel wert wie die Haut der Zwiebel. "Bevorzugt ist der Mensch, dass er im Ebenbilde geschaffen ist" (ebda. 3,14), und mit der Umwandlung G~ttes selber zum Bilde, zu einem Götzen, verliert der Mensch die Bevorzugung. Dieser Chutzpa steht die israelitische Chutzpa gegenüber, die ebenfalls Mut wie ein Panther mobilisieren und sich größer als ihre Kraft sehen kann, und das alles, um den Willen des Vaters im Himmel zu vollbringen. Gegenüber der griechischen Chutzpa, die die Welt verunreinigen und sie zu einer kleinen Menschenwelt machen will, steht die Chutzpa des kleinen Ölkruges, der dem äußeren Anschein nach nicht mehr als einen Tag Licht spenden kann, doch er erdreistet sich und erdreistet sich, glaubt weit mehr als dem Anschein nach zu enthalten, und wie sich heraus stellt, gibt ihm seine Chutzpa recht, wenn es darauf ankommt. Gegenüber der griechischen Chutzpa, die befiehlt, eine Braut an ihrem Hochzeitstage zu schänden, steht die jüdische Chutzpa, die Chutzpa der Jehudit, die fähig ist, dem griechischen Despoten den Kopf ab zu schneiden. Der kleine Ölkrug, wie die geringe Anzahl der chaschmonäischen Krieger gegenüber der gewaltigen griechischen Kriegsmaschinerie symbolisieren die israelitische Chutzpa. Die Chaschmonäer sind jenen ein Vorbild, die sich erdreisten, groß zu denken, himmelfüllende Träume zu träumen und sich nicht an realistische, aber kraftlose Gedanken klammern. Gerade der große Glaube an G~tt offenbart, dass der Mensch wirklich groß ist, da G~tt ihn doch über die Welt eingesetzt und ihm eine endlose Seele eingepflanzt hat, die aus den höheren Sphären stammt. Gerade dieser Glaube öffnet einen Spalt für die vollkommene und süße Chutzpa, die Chutzpa des Glaubens. Chanukka ist die große Geschichte vom kleinen Krug, der sich als überhaupt nicht klein heraus stellt, der sich duch andauerndes Leuchten als große Fackel entpuppt. Das ist die Geschichte vom Licht an der Türe eines jeden jüdischen Hauses, das ist die Geschichte vom kleinen Mann, der durch die echte Verbindung zu seinem Schöpfer sehr groß wird. Das ist die Geschichte von der besten Chutzpa die es gibt, die Chutzpa jüdischen Heldenmutes. "An den Fußspuren des
Maschiach ("Messias") wird Chutzpa wachsen" (Sota 49b, Mischna), und vielleicht
ist hier von der Chutzpa die Rede, die wir von den Makkabäern lernten,
der Chutzpa, ganz groß zu glauben, ganz groß zu träumen,
die Welt mit den Augen des Glaubens zu betrachten, zu wissen, dass wir
größer sind, als was uns in den Sinn kommt - und so mutig wie
Panther zu sein, den Willen unseres Vaters im Himmel zu vollbringen.
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
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Lichterzünden/Schabbatausgang
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