DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 18,1-22,24):
Parallel zu seinem felsenfesten Standpunkt und seiner Liebe zum Lande Israel war es die Überzeugung und politische Ansicht unseres Lehrmeisters Rabbiner Zwi Jehuda Kuk in Bezug auf die Rechte der Nichtjuden, die im Lande Israel leben, dass die privaten Rechte eines arabischen Bürgers nicht missachtet und sein Privatbesitz und seine Mittel des Lebensunterhaltes nicht beschädigt werden dürfen. Es stimmt wohl, er betonte daneben immer wieder, dass wir den Fremden im Lande keine nationalen Rechte wie Staatshoheit oder Regierung schulden, denn das Land gehört nämlich G~tt in seiner Gänze ("denn mein ist die ganze Erde", Ex. 19,5), und er hat es dem Volke Israel anvertraut. Dieser Standpunkt wurde beim ersten Siedlungsversuch in Elon Moreh im Schomron ("Samaria") auf die Probe gestellt, an dem Rabbiner Kuk teil nahm, und sofort bei der Ankunft vor Ort lautete seine erste Frage: Wem gehört dieses Grundstück? Als ich ihn darauf hin zurück fragte, welchen Unterschied es denn mache, sagte er: Wenn dieses Stück Land einer Privatperson gehört, haben wir hier nichts zu suchen. Erst nach entsprechenden Nachforschungen und der eindeutigen Mitteilung, dass dieses Gebiet keiner Privatperson gehörte, sondern in der Hand des Staates war, zeigte er sich beruhigt und gab grünes Licht für die Besiedlung. Dieses Bestehen darauf, private Rechte der Fremden im Lande Israel nicht zu verletzen, obwohl das Land uns zusteht, lernen wir von unseren Stammvätern: So verhielt sich unser Vorvater Awraham, obwohl ihm gleich bei seiner Ankunft im Land von G~tt versprochen wurde: "Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben" (Gen. 12,7), und dieses Versprechen wurde nach seiner Rückkehr aus Ägypten wiederholt: "Denn das ganze Land, das du siehst, dir werde ich es geben und deinen Nachkommen auf ewig" (Gen. 13,15), mit einer persönlichen Aufforderung: "Auf, wandle durch das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite, denn dir werde ich es geben" (V.17). Und wiederum begegnen wir dem Versprechen bei dem Gebot der Beschneidung: "Und gebe dir und deinen Nachkommen nach dir das Land deiner Ansiedelungen, das ganze Land Kana'an, zum ewigen Eigentum" (17,8). Trotz all dieser Versprechungen nutzte Awraham sie nicht zum Schaden anderer, im Gegenteil: "Awrahams Vieh zog aus mit Maulkorb, und Lots Vieh zog nicht aus mit Maulkorb. Fragten sie die Hirten Awrahams: Raub ist erlaubt? Antworteten die Hirten Lots: So sagte der Heilige, gelobt sei er, zu Awraham: Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben, und Awraham ist unfruchtbar wie ein Maultier; morgen mag er sterben, und sein Vetter Lot beerbt ihn; wir essen also nicht von jenen, sondern unseres" (Midrasch raba, Ber. 41,5). Diesem Weg der Respektierung der Rechte anderer folgte Awraham auch nach dem Tode Saras. Auf der Suche nach einer geeigneten Grabstätte eignete er sich nicht einfach die Höhle Machpela an, nicht mit Gewalt, und akzeptierte sie noch nicht einmal als Geschenk, sondern bestand auf Zahlung des vollen Grundstückswertes (Gen. 23,9) - obwohl ihm vorher schon das ganze Land von G~tt versprochen worden war. Man könnte nun behaupten,
dass Awraham eben noch nicht tatsächlich über das Land Israel
herrschte und darum nicht die Macht hatte, sich die Höhle Machpela
mit Gewalt anzueignen, sondern nur durch Kauf. Wenn dem so wäre, warum
schickte er dann sein Vieh mit Maulkorb hinaus und verurteilte die Handlungsweise
der Hirten Lots als Raub, wo doch das ganze Land ihm gehörte? Genau
so verhielt sich auch König David, wie der Radak-Kommentar ausführt:
Die Tenne Arawnas auf dem Berge Moria war in den Tagen Davids in den Händen
der Jebusiter, die erobert worden waren und David Tribut zahlten (Schmu'el
II, 24.Kap.). David kam nicht einmal auf den Gedanken, Arawna von seinem
Feld und seiner Tenne zu vertreiben, sondern bat ihn: "Gib mir den Platz
der Tenne, dass ich aus demselben einen Altar baue dem Ewigen; gegen volles
Silber gib ihn mir" (Chronik I, 21,22), und auch geschenkt haben wollte
er ihn nicht: "Nein, sondern kaufen will ich gegen volles Silber" (V.24).
Und so verheißt uns der Prophet der Erlösung: "Zion wird durch
Recht erlöst, und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit" (Jeschajahu
1,27), dass in der kommenden Zukunft, wenn das Land Israel aus der Hand
seiner Halter ausgelöst wird, diese Auslösung auf der Basis von
Recht, Fairness und Gerechtigkeit erfolgen muss, und die Massen der Neueinwanderer,
im Vers die "Bekehrten" genannt, werden nur dann erfolgreich integriert
werden, wenn wir die gegenseitige Hilfe, die Barmherzigkeit und den freiwilligen
Einsatz stärken.
Eine jüdische Eigenschaft Welche fundamental-jüdische Eigenschaft kennzeichnete unsere Vorväter? Was ermöglichte Awraham, Jizchak und Jakov, den Glauben an den Herrn der Welt in einer in Vielgötterei versunkenen Umwelt aufzubauen? Welche Eigenschaft ermöglichte einem Menschen wie Awraham, Familie und Heimat hinter sich zu lassen und ins Unbekannte hinaus zu ziehen? Welche Eigenschaft zeichnete sie - und uns - aus, alle Kinder des Volkes Israel? Die Hartnäckigkeit! Unsere Vorväter sahen sich mit einer Welt konfrontiert, die radikal anders dachte als sie, eine Welt, die ihrem Glauben spottete und ihn verachtete, und sie zerbrachen nicht daran. Sie standen unverrückbar wie ein Fels, der sich nicht vor der Überschwemmung mit üblen Gewässern fürchtet, und darum wurden sie die Etanim, die Mächtigen genannt (siehe Rosch Haschana 11a). "Die Vorväter wurden die Mächtigen genannt, ich hörte eine Deutung: die Hartnäckigen! Das soll heißen: Sie hatten ein nachdrückliches, wie Feuer brennendes Begehren, das nicht eher nachließ und ruhte, bis es erfüllt wurde. Bei unserem Vorvater Awraham - die Eigenschaft der Liebe, bis dass er das Ziel erreichte, die Liebe zu G~tt, die jede andere Liebe von sich weist. Bis zur Zeugung Jizchaks - dessen brennendes Begehren nach G~ttesfurcht in seinem Hass des Bösen zum Ausdruck kam, und alle fremdartigen Begehren und weltliches Verlangen waren jenseits von ihm. Bis zur Zeugung Jakovs - dessen brennendes Begehren beides umfasste, die Liebe zu G~tt und den Hass des Bösen" (Rabbi Zadok Hakohen aus Lublin, Zidkat Hazadik 248). Unsere Vorväter lebten in der klaren Erkenntnis, dass die Welt, die in unseren Augen aus vielen verstreuten und getrennten Einzelheiten besteht, eine Welt voller Widersprüche und von verschiedenen Kräften beeinflusst, von Göttern - nichts anderes ist als die Schöpfung des Herrn der Welt. Sie wussten, dass der Schöpfer seine Welt auch in Zeiten der Not und des Mangels von hinter den Kulissen lenkt. Sie waren vollkommen unempfänglich für Einflüsse der zu ihrer Zeit wehenden geistigen Winde - sie waren mächtig! Hartnäckig! Wie Rabbi Zadok Hakohen aus Lublin es beschrieb, brannte in ihnen ein Feuer, dass ihren Seelen keine Ruhe gönnte, bis dass sie ihr Begehren im Dienst an G~tt erfüllt hatten. Sie, und wir auf ihren Spuren, waren bzw. sind gefordert, am jüdischen Glauben mit Hartnäckigkeit fest zu halten, trotz aller Exile und Leiden, Kriege und Kämpfe und das Banner des Glaubens in dieser Welt zu erheben, die ihren Ursprung im Schöpfer hat, und deren Ende die vollständige Erlösung und ewiger Friede sein wird. Das jüdische Volk, das sich manchmal als hartnäckiges Volk offenbart, ist gefordert, diese Hartnäckigkeit zur Erleuchtung der Welt mit dem Licht des Glaubens zu erheben. Das wäre uns nicht möglich, hätten wir nicht diese Mächtigkeit von unseren drei Stammvätern geerbt. Im Alleingang Das erste Gebot, das unser Vorvater Awraham erhielt, lehrt vom Aufbau des inneren Willens zum bedingungslosen Festhalten an einer gestellten Aufgabe, unabhängig davon, was die Gesellschaft davon hält: "Und der Ewige sprach zu Awram: Gehe aus deinem Lande und aus deinem Geburtsorte und aus dem Hause deines Vaters..." (Gen. 12,1). Bei diesem Gebot, "Gehe aus..", sah Rabbiner Samson Raphael Hirsch den Ursprung jüdischer Hartnäckigkeit durch alle Generationen: "Geh zu dir selbst, als Einzelgänger! D.h., geh zu dir selbst, auf deinem Wege. Geh auf dem Wege, der dich von deinem Lande und deiner Heimat und deinem Vaterhause abtrennt, von allen Verbindungen, die du bis hier her hattest... diese Erkenntnis wurde von Awram als Ausgangspunkt für seine Bestimmung und die seines Volkes gefordert... ..wie wir existieren konnten und wie wir existieren können, hätten wir nicht von unserem Vorvater Awraham den Mut, in der Minderheit zu sein, geerbt". Awrahams Glauben wuchs vor dem Hintergrund der Generation der Abspaltung, einer Generation, die jedem Einzelgänger misstraute, der seine eigenen Ideen pflegte und die sich sehr bemühte, alle in einer einzigen Denkweise zu vereinen. Diese Generation wollte, nach dem Kommentar des Neziw aus Woloschin, Awraham wegen seiner unabhängigen Denkweise in den Feuerofen werfen [siehe unsere "Betrachtungen" der vorigen Woche]. Gerade in dieser Generation erwuchs die positive Hartnäckigkeit, die sich keine Sorgen macht. Der erste und vorzüglichste der Hartnäckigen war unser Vorvater Awraham: "Und unser Vorvater Awraham alleine wurde in den Psalmen der Mächtige, Etan, genannt [Psalm 89,1; siehe Baba batra 15a], denn der Nachdruck des Begehrens liegt in der Liebe, wie man bei fremden Lieben sieht, und auch von der Seite des Guten bei der Liebe zu G~tt, und er ist es, der anfängt, denn darin liegt der Anfang des Begehrens" (Zidkat Hazadik 248). Awrahams Hartnäckigkeit
wurde nicht nur gegenüber der Mehrheit auf die Probe gestellt, sondern
auch durch zehn göttliche Versuchungen. Da gab es das Gebot, nach
dem Lande Kana'an einzuwandern, wo eine Hungersnot ausbricht, allerdings
keine weitläufige, sondern eine, die genau dazu bestimmt ist, Awrahams
Standfestigkeit auf die Probe zu stellen. "Hungersnot im Lande -
in jenem Lande allein, um ihn zu prüfen, ob er über die Worte
des Heiligen, gelobt sei er, nachgrübeln würde, der zu ihm gesprochen,
in das Land Kana'an zu gehen, und ihn jetzt veranlasste, es zu verlassen"
(Raschikommentar zu Gen. 12,10). Alles schien sich gegen Awraham zu verschwören:
Er hatte keinen Erbfolger, und als ihm schließlich Jizchak geboren
wurde, sollte er ihn opfern. Er erhielt noch nicht einmal einen Begräbnisplatz
für seine Frau, obwohl ihm das ganze Land versprochen wurde, und es
wurde ihm eine furchtbare Knechtschaft seiner Nachkommen prophezeit. Und
trotzdem - Awraham blieb standfest, und in seiner Standfestigkeit setzte
er das Zeichen für die Geburt des Volkes Israel, des standfesten Volkes,
des in seinem Glauben hartnäckigen Volkes, des Volkes der Ewigkeit!
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
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Lichterzünden/Schabbatausgang
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