DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Lev. 12,1-15,33):
Mittwoch: Jom Ha'Azma'ut
"Und der Aussätzige, der diesen Ausschlag an sich hat, dessen Kleider seien zerrissen und sein Kopf sei entblößt und bis an das Kinn soll er sich verhüllen, und: unrein! unrein! soll er rufen. Die ganze Zeit, wo der Aussatz an ihm unrein ist, ist er unrein; abgeschieden soll er wohnen, außerhalb des Lagers sei seine Wohnung" (Lev. 13,45-46). Abgeschiedenheit Was geht da draußen vor, außerhalb des Lagers? Es geht mir gar nicht einmal um die praktische Lebensführung des von menschlicher Gesellschaft abgesonderten Aussätzigen, sondern um den seelischen Prozess, den er er seit seiner harten Isolation durchmacht. Man kann wohl davon ausgehen, dass die dem Aussätzigen für den Aufenthalt außerhalb des Lagers verordnete Zeitperiode nicht nur als Bestrafung anzusehen ist, sondern vor allem zu seiner Heilung, und es dürfte interessant sein, was sich wohl die Tora bei dieser Verschickung nach draußen gedacht hatte. Der Überlieferung nach ist der Aussatz das Resultat des Verlautbarens übler Nachrede. Jemand der regelmäßig üble Nachrede ausbringt, sieht, wenn er sich in Gesellschaft anderer befindet, immer nur das Schlechte. Er gönnt anderen ihren Erfolg nicht und er macht sie obendrein noch schlecht. Vielleicht treibt ihn der Neid, vielleicht ein verdeckter Konkurrenzdruck. Wie dem auch sei hat er sich in eine seelische Lage manövriert, in der er seinen Selbstwert durch das Herunterspielen anderer bestimmt. Er hat bereits das Bedürfnis aufgegeben, der Welt seinen Stempel durch eigene Anstrengung und Weiterentwicklung aufzudrücken, vielmehr bemüht er sich, die Spuren seiner Nächsten zu verwischen, als ob deren Auslöschung seinen eigenen Bestand sichere. Das Feuer des Neides brennt im Innern des Verleumders, es hat meist nichts mit seinen Nächsten zu tun, den Objekten seines Neides, sondern mit seinen eigenen Gefühlen sich selbst gegenüber. Nicht selten verfällt ein Mensch dem sinnlosen Kampf gegen seine Mitmenschen aus Verzweiflung, weil er seinen eigenen Wert nicht kennt und auch nicht fähig ist diesen offen zu legen. Er beruhigt sein Gewissen mit einem Gefühl, als ob nur die anderen an seinem Versagen schuldig seien, und so macht er sich selbst, in seinen eigenen Augen jedenfalls, zum Opfer. Aus diesem inneren Gefühl des fehlenden Selbstwertes versucht er seine verlorene Ehre durch das Erniedrigen anderer wieder herzustellen, und damit verliert er endgültig jede Chance, sein Leben neu aufzubauen. Der Aussatz an seinem Hause, an seiner Kleidung und an seinem Körper verkündet wie tausend Zeugen, dass alles verloren ist durch seine Entscheidung, seine Kräfte nach außen zu wenden, seine Giftpfeile in die Herzen anderer zu schießen. Die Sprache, die den Ohren der Mitmenschen zu Gehör bringt, was das missgünstige Auge erblickt, drückt aus, dass dieser Mensch auch "im Lager" eigentlich alleine ist. Selbst in der Umgebung von vielen Menschen besteht keine echte Verbindung zwischen ihm und den anderen, es fällt ihm schwer, sich als Teil der Gesellschaft zu sehen, er ist kein Teil des Ganzen, er erlebt sein Leben als abgetrenntes Glied von allem, was um ihn herum vorgeht, und er kämpft auch noch mit aller Macht dagegen an... Das Gefühl der Verbundenheit aller Israeliten untereinander geht ihm so vollkommen ab! Sehnsucht "Unsere Lehrer sagen, warum unterscheidet er sich von anderen Unreinen, dass er allein wohnen muss? Weil er durch böse Rede Mann und Frau, Mensch und Nebenmensch entzweit hat, soll auch er von den anderen getrennt werden" (Raschikommentar zu Lev. 13,46). Dort, draußen vor dem Lager, bekommt der Aussätzige ein wahres Bild von seinem bisherigen Leben. Der Mensch, der immer alleine war wegen seines Neides und seines Hassens erfährt die Abgeschiedenheit. Als er noch den anderen zu nahe war, konkurrierte er mit ihnen und führte Böses gegen sie im Schilde. Jetzt, von weitem, lässt sich ein anderer Ausblick erwerben, ein genauerer. Zu seiner Überraschung bemerkt er, dass ihm die Gesellschaft fehlt, seine Sehnsucht nach menschlicher Nähe ermöglicht ihm zu sehen, dass es in seiner Umgebung gute Menschen gab, deren Wert anzuerkennen er sich in seiner Verbitterung geweigert hatte. Sicher waren sie nicht perfekt, doch jetzt würde er alles Geld der Welt darum geben, wenn er nur ein wenig in die Gesellschaft dieser mit Mängeln behafteten Menschen zurückkehren könnte... Das Erlebnis der Abgeschiedenheit entfacht in ihm die Sehnsucht der Verbindung, zu Vertrauen, zu Liebe, er entdeckt, wie abgekapselt er für sich allein dahingelebt hatte; denn "wenn ich nur für mich bin, was bin ich?" (Mischna "Sprüche der Väter" 1,14)... Der Schmerz der Abgeschiedenheit vertieft in ihm das Bedürfnis der Rückkehr, ein vollwertiges Mitglied der Nation zu sein. Die Distanz vom Treiben der Massen und vom gesellschaftlichen Kleinkrieg ermöglicht ihm einen anderen Blick auf das Geschehen, die Dinge in Ruhe zu analysieren, und er entdeckt wieviel eitle Leere im Rennen nach Stolz und Ehre steckt. Ereignisse, die im Lager zu überwältigender Größe aufgeblasen wurden, schrumpfen aus der Entfernung gesehen auf ihre wirklichen Maße. Ein weiterer Prozess, den
der verbannte Aussätzige durchläuft, hat nichts mit seiner Umgebung
zu tun, sondern mit seinem seelischen Innenleben. Wie gesagt entspringt
die üble Nachrede meist Neid und Konkurrenzkampf, ein Ergebnis der
Haltung, sich selbst in ungünstigem Licht zu sehen. Da er seinen Wert
nicht durch Betrachtung seines inneren Wesens findet, wendet er sich zum
Kampf um seinen Platz in der Welt mit dem Schwerte seiner Zunge. Alleine,
außerhalb des Lagers, alleine mit dem Gedanken, nur für sich
zu sein - was bin ich? - wird er in Zukunft auch den Aspekt des "wenn ich
mir nichts bin, wer ist mir!" (ebda.) entdecken. Er befindet sich in totaler
Abhängigkeit von seiner eigenen Mühe, niemand kümmert sich
um ihn, niemand erfüllt seine Bedürfnisse, und der Druck der
Wirklichkeit zwingt ihn zur Tat, zur Arbeit und zur Anstrengung. Zum Überleben
muss er sich nun auf seine eigenen Kräfte verlassen, auf Kräfte,
deren Existenz er innerhalb des Lagers in Abrede stellte. Nun ist die Zeit
für ihr Erscheinen gekommen. Außerhalb des Lagers entdeckt er
sich aufs Neue, erkennt er an sich zur eigenen Überraschung völlig
neue Seiten, den Erfolg eigener Mühen, wobei er seinen Weg nicht mehr
mit den Misserfolgen anderer pflastern muss, und nachdem er an eigenem
Körper die Abgeschiedenheit hat spüren müssen, getränkt
von der Sehnsucht nach seinen Nächsten und der Erkenntnis von seinen
eigenen Fähigkeiten, im Leben Erfolg zu haben - da kann er ins Lager
zurückkehren, rein ist er!
Frage: Warum geben sich unsere Rabbiner nicht einmal einen Ruck und verfassen aktuelle Halachot über das Verhältnis Freund-Freundin? Das ist doch eine Realität, und es nützt doch nichts, sich davor zu verstecken. Ich will hier ja gar nicht mal eine Generalerlaubnis verlangen, aber im Hinblick auf die bestehende Wirklichkeit - wie lauten die Halachot, damit diese Verbindung rein und gesetzlich sei? Und ganz allgemein gehört eine gemischte Gesellschaft von Männern und Frauen zu unserem Alltag und es nützt nichts, das abzustreiten oder zu verbieten, vielmehr müssen dazu die Halachot genau definiert werden, damit alles rein nach dem jüdischen Gesetz abläuft. Antwort: Das ist wirklich eine gute Idee, und darum werde ich hier die entsprechenden Gesetze aus dem "Kitzur Schulchan Aruch" von Rabbiner Schlomo Ganzfried zitieren (§152,1-8), allerdings lassen sich diese Gesetze auch im Schulchan Aruch selber finden (Ewen HaEser §21), und in der "Mischne Tora" von Maimonides (Issurej Biah §21). 1. Distanz "Man muss sich von Frauen sehr, sehr fernhalten". 2. Freundschaftsbekundungen "Man darf nicht einer Frau mit den Händen oder mit den Füßen ein Zeichen geben oder mit den Augen zuwinken". 3. Frivolität "Man darf nicht mit ihr scherzen, leichtfertig ihr gegenüber zu sein". 4. Betrachten "Man darf nicht... ihre Schönheit betrachten. ... Wer auch nur den kleinen Finger einer Frau betrachtet und dabei beabsichtigt, einen sinnlichen Genuss davon zu haben, lädt große Schuld auf sich". 5. Wohlgeruch "Man darf nicht an Wohlgerüchen riechen, die für eine Frau bestimmt sind, und umso weniger, wenn sie dieselben in der Hand hält oder wenn sie an ihr hängen". 6. Bekleidung "Man darf nicht die farbigen Gewänder einer Frau, die man kennt, betrachten, auch wenn sie die Kleider nicht anhat". 7. Gehen "Kommt man auf der Straße in die Nähe einer Frau, darf man nicht hinter ihr hergehen, sondern eile, dass sie sich seitwärts oder hinter einem befinde". 8. Gesang "Man darf eine Frau nicht singen hören". 9. Grüßen "Man lasse einer Frau niemals Grüße bestellen; selbst durch ihren Mann darf man ihr nicht Worte der Begrüßung schicken. Wenn man darum seinem Bekannten einen Brief schreibt, darf man nicht schreiben, er möge seine Gattin grüßen; man darf aber den Mann oder einen anderen fragen, wie es ihr gehe; und ebenso darf man seinem Bekannten schreiben: teile mir mit, wie es deiner Frau geht". 10. Verhalten von Eheleuten in der Öffentlichkeit (gehört zwar nicht direkt zum Thema, sollte aber bei dieser Gelegenheit mit erwähnt werden): "Man erweist selbst seiner Frau keine Liebkosungen, dass sie ihm das Haar untersuche und dergleichen, in Gegenwart von anderen". Wenn wir alle diese Regeln
beachten, wird es uns gelingen, eine reine und gute Gesellschaft zu unterhalten,
und wir werden auf diese Weise sogar reine und glückliche jüdische
Ehen stiften.
Weitere Kommentare
von
Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
|