DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 708
11. Adar 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):
Die Priester - Aharon und seine Söhne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.

Schabbat Sachor
Montag: Fasten Esther
Dienstag (+Mittwoch): Purim


Am Schabbes-Tisch...

Die Krone des Priestertums

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Drei goldene Kränze gab es bei den Geräten des Wüstenheiligtums (Mischkan): Am Räucheraltar - der das Priestertum symbolisiert, die "Krone des Priestertums"; an der Bundeslade - als Symbol der Tora, "Krone der Tora", und am Tisch der Schaubrote - die "Krone des Königtums". Die letzten beiden Kronen wurden im Wochenabschnitt "Truma" behandelt, und für unseren Wochenabschnitt verbleibt die Priesterkrone.

Die Besonderheit des Räucheraltars besteht in seiner Verbindung mit der Seele. Am Geruch erfreut sich die Seele, und darum sprechen wir einen besonderen Segen über duftende Gewürze oder Kräuter am Schabbatausgang, wenn sich die zusätzliche Seele von uns entfernt, die uns am Schabbat begleitet. Das Priestertum hingegen steht in besonderer Verbindung zur Heiligkeit des Körpers. Der Kohen (Priester) wird nicht durch seine Seelenkräfte geheiligt, nicht durch seine Begabungen und auch nicht durch seine spirituellen oder praktischen Vorzüge. Der Kohen wird durch eine einfache biologische Tatsache geheiligt, weil sein Vater ein Kohen ist. Zwar ist auch die Königswürde erblich, doch diese Vererbung erfolgt nicht zwangsläufig. Nicht jeder Königssohn wird König, und nicht jeder König war ein Königssohn. Selbst bei der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, eine im Grunde biologische Angelegenheit, verhält es sich nicht so, denn jemand, der nichtjüdischen Eltern entstammt, kann übertreten. Die Heiligkeit des Priestertums hingegen ist hundertprozentig biologisch. "Und du lass' Aharon deinen Bruder und seine Söhne mit ihm aus den Kindern Israel zu dir treten, ihn mir als Priester zu weihen" (Ex. 28,1). Niemals wird jemand anderes Kohen als der Sohn eines Kohen. Auch die Gesetze der Heilighaltung des Kohen beziehen sich vor allem auf seinen Körper: das Verbot der Verunreinigung durch Kontakt mit einer Leiche, das Verbot, eine Geschiedene oder eine andere Frau zu heiraten, deren Vorleben sie für die Ehe mit einem Kohen disqualifiziert, das Gebot vom Essen der Priesterhebe (Truma) und des Opferdienstes in körperlicher Reinheit usw.

In der Persönlichkeit des Kohen begegnen sich zwei Extreme: die Heiligkeit des Körpers und die Heiligkeit der Seele. Ohne Heiligkeit des Körpers gibt es keine Heiligkeit der Seele. Es gibt keine Trennung dieser so gegensätzlichen Welten. Sie sind miteinander verbunden. Das Räucherwerk (Ketoret) bedeutet Verbindung (Kitra auf aramäisch), nicht nur Rauch (Kutra auf aramäisch, Kitor auf hebräisch). Der Geruch ist eine physisch-physikalisch-biologische Erscheinung, doch der Genuss davon ein geistiger. Der Geruch (Re'ach) ist mit dem Geist (Ru'ach) verbunden. Über das Räucherwerk heißt es: "und zerreibe davon fein" (Ex. 30,36), und für Jom Kippur "am feinsten" - feine Materialität, fast nicht mehr fühlbar, so nah wie möglich an der Spiritualität.

Hier begegnen wir dem innersten Kern jüdischer Tora-Weltanschauung. Die Heiligkeit besteht nicht getrennt vom Körper. Es kommt gar nicht in Frage, den Körper in seiner Unreinheit und Schwäche zu belassen, um sich so in spirituelle Höhen der Heiligkeit zu erheben. Die Heiligkeit kann sich nur dann mit dem Menschen verbinden, wenn auch sein Körper dazu geeignet und bereit ist, die hohen Ansprüche zu erfüllen, die die Heiligkeit an ihn stellt. Diese fundamentale Stufe lässt sich nicht überspringen. Eine Heiligkeit, die nicht auch den Körper erheben kann, ist nicht der Rede wert. Darum verurteilt die Tora mit aller Strenge den Fremden, der in das Gebiet des Heiligtums ohne die nötige körperliche Vorbereitung eindringt. "Und der Gemeine, welcher nahe kommt, werde getötet" (Num. 18,7 u.a.) heißt es von allen, die sich ins Heiligtum drängeln. Besonders wird dies bei der Darbringung des Räucherwerks deutlich, bei der 250 von Korachs Anhängern verbrannten. 

In diesem Lichte verstehen wir die besondere Aufgabe der priesterlichen Gewänder, den Körper einzuhüllen und Ehre und Sittlichkeit des Kohen zu wahren, um damit einen weiteren Schritt in Richtung seiner Heiligung für seine Aufgabe zu tun, die ihn mit der Krone des Priestertums schmückt.
 
 
 
Purim

Das bestgehütete Geheimnis

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Wie hielt sie bloß stand?

Bei der Esther-Rolle (Megillat Esther) dreht sich alles um ein Geheimnis. Das Geheimnis von Esther: "Esther hatte nicht ausgesagt ihre Herkunft und ihr Volk, so wie es Mordechai ihr geboten" (Esther 2,20). Mordechai weiß genau, dass Achaschwerosch unbedingt ihre Volkszugehörigkeit heraus finden will. Der König, der besonders darauf achtet, an jedes Land und an jedes Volk in dessen Sprache zu schreiben, weiß, dass der Weg zu Esthers Herz über die Kenntnis ihrer Herkunft führt. Der Talmud schildert Achaschweroschs Versuche, Esther mit Ehrungen und Genüssen dazu zu bringen, ihr Geheimnis zu lüften (Megilla 13a). Er setzt ihr die Königskrone auf den Kopf, aber sie sagt es ihm nicht, er lädt das Volk zu einem Gelage ihr zu Ehren, und sie gibt nicht nach, er senkt die Steuern und verkündet, sie hätte darum gebeten, doch sie hütet ihr Geheimnis. Er schickt Geschenke an die Minister in ihrem Namen, doch umsonst; Esther "sagt nicht aus".

Nach dem Raschikommentar wird Esther nicht zum König gerufen, weil sie ihre Herkunft nicht preis gibt, und mit ihrem Ausspruch beim ersten Mahl "und morgen werde ich tun nach dem Worte des Königs" meint sie genau das, was der König vor allem anderen will, nämlich ihr Geheimnis zu offenbaren - "und morgen werde ich tun nach dem Worte des Königs - was du alle Tage von mir wolltest, dir zu offenbaren, mein Volk und meine Herkunft" (Raschi zu Esther 5,8).

Wie gelingt es Esther, das Geheimnis trotz allem Druck zu hüten, der auf sie ausgeübt wird? Warum gelingt es dem König nicht, hinter dieses Geheimnis zu kommen?

Der Beginn der Antwort liegt in Esthers Eigenschaften verborgen. Im Gegensatz zum Charakter von Achaschwerosch ist Esther, wie ihr Name andeutet (Esther - eschet seter), eine Frau des Verborgenen. Er, der extrovertierte König, erhält seine ganze Kraft von der Offenheit, er organisiert ein Fest "indem er sehen ließ den Reichtum und die Fülle seines Königreiches, und die Pracht und den Glanz seiner Größe" (1,4). Er ist sogar dazu fähig, die Königin Waschti vor aller Augen zu entblößen, "um den Völkern und Fürsten ihre Schönheit zu zeigen" (1,11), alles nach außen hin, den Beifall der Massen heischend. Esther hingegen hüllt sich züchtig in Schweigen, sie weiß, dass alles, was jemals nach außen dringt, kleiner ist als das innen Verborgene, und darum braucht sie keine Offenheit, um ihren eigenen Wert zu erkennen. In ihrem reichen Innenleben kann sie gewaltige Geheimnisse beherbergen. Achaschwerosch versucht, ihr Herz zu erlangen, doch alle Wege zu ihrem Herz sind versperrt, denn Esther bittet um nichts, sie hat keinen Anteil an der hedonistischen Kultur der Perser, und darum bleibt ihr Geheimnis verschlossen.

Wieso sagten sie ihm nichts?

Raschi fragt, wieso Achaschwerosch ihr Volk und ihre Herkunft nicht heraus bekam, gab es doch genug jüdische Klatschtanten, die das mit Freuden dem König erzählt hätten? Dazu erklärt er, dass es wirklich welche gab, die zum König kamen und es ihm erzählten, doch glaubte er ihnen nicht - denn die anderen Völker behaupteten das gleiche! Der Talmud beschreibt Esther als "mittelmäßig wie eine Myrthe" (Megilla 13a), ihre Schönheit war ein Querschnitt der Frauen aller Völker der Welt, "sie erschien jedem, als wäre sie von seiner Nationalität" (ebda.). Jede Nation glaubte, Esther gehöre ihr an. Darum fand sie Gefallen in den Augen aller, die sie sahen, jeder sah in ihr sich selber. In dieser Durchschnittlichkeit kommt Esthers Judentum zum Ausdruck, das Herz der Nationen und mit allen Völkern der Welt verbunden zu sein, und die Schönheit aller zu enthalten. Aus diesem Grunde kannte Mordechai HaJehudi, Mitglied des Sanhedrins, 70 Sprachen, umfasste mit seiner Weisheit Sprache und Wesen von siebzig Völkern, so wie Esthers Schönheit die Schönheit aller umfasste.

Diese Durchschnittlichkeit, diese Harmonie, diese vollkommene Verflechtung aller Völker verwirrt Achaschwerosch, es gelingt ihm nicht, ihren Ursprung zu offenbaren. Gesandtschaften aller Nationen stellen sich ein und sagen, Esther sei eine von ihnen, bis es ihm dämmert, dass niemand die Wahrheit kennt. Als die jüdischen Weitererzähler kommen, glaubt er ihnen schon nicht mehr. Er kennt nicht das jüdische Geheimnis, das überall vorkommende Gute zu enthalten. Raschi: "Ihre Worte bewirkten nichts, da auch die anderen Völker so sprachen, und so konnte er die Sache nicht aufklären".

Und sie, die uns beistand...

Rabbiner Schlomo Alkabez erwähnte in seinem Buch "Manot Halevi" die Erklärungen Raschis. Dessen Grundannahme, wonach es einige Anschwärzer im jüdischen Volk gab, die vor dem König plauderten, fällt ihm schwer zu akzeptieren. Dafür gewinnen wir aus seinen Worten das Geheimnis der Errettung in jenen Tagen und den Schlüssel zur Erlösung für unsere Zeit:
"Und ich sage, so war es damals, und jener war der Grund für die Rettung, nämlich das Verdienst, dass es bei ihnen keine Denunzianten gab" (Manot Halevi 2,19). Raschi fragte, wieso die Denunzianten Achaschwerosch das Geheimnis nicht verraten konnten, und Rabbi Schlomo Alkabez sagt, genau das ist das große Zeichen und Wunder der Megilla, das große Verdienst, das die Errettung brachte - es gab bei den Juden jener Zeit niemanden, der üble Nachrede erzählte. Die Worte Hamans über das "zerstreute und versprengte Volk" (3,8) bedeuten bereits eine Verleumdung, es gab keinen einzigen, der Esthers Schweigen brach, keiner wollte sie für einen egoistischen Gewinn verkaufen, oder einfach so aus Bosheit. Wollen wir diese Sache nicht gering schätzen, wo es doch in den schwersten Stunden so aussah, als würde sie einen Pakt mit dem Teufel schließen, in dem sie Feste für die beiden Oberbösewichte veranstaltete, Achaschwerosch und Haman, und trotzdem ließ niemand einen Pieps hören, "und wie sie Esther sahen, wie sie einen Tag nach dem anderen bat, 'komme der König und Haman' (5,4), was so aussah, als ob sie nur sich selbst retten wollte, legten sie dennoch alle die Hand auf den Mund und verrieten nicht ihr Geheimnis" (ebda.).

Zur Zeit der Furcht um die Existenz, wo jeder Jude seinen eigenen Weg und seine eigene Lösung findet, hielten sich alle wie ein Mann an einen Weg, auch die, die nicht zustimmten, und es gab keine Messer im Rücken - da "wandte es sich" (9,1) wirklich.
 

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