DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20
- 30,10):
Schabbat Sachor
Drei goldene Kränze gab es bei den Geräten des Wüstenheiligtums (Mischkan): Am Räucheraltar - der das Priestertum symbolisiert, die "Krone des Priestertums"; an der Bundeslade - als Symbol der Tora, "Krone der Tora", und am Tisch der Schaubrote - die "Krone des Königtums". Die letzten beiden Kronen wurden im Wochenabschnitt "Truma" behandelt, und für unseren Wochenabschnitt verbleibt die Priesterkrone. Die Besonderheit des Räucheraltars besteht in seiner Verbindung mit der Seele. Am Geruch erfreut sich die Seele, und darum sprechen wir einen besonderen Segen über duftende Gewürze oder Kräuter am Schabbatausgang, wenn sich die zusätzliche Seele von uns entfernt, die uns am Schabbat begleitet. Das Priestertum hingegen steht in besonderer Verbindung zur Heiligkeit des Körpers. Der Kohen (Priester) wird nicht durch seine Seelenkräfte geheiligt, nicht durch seine Begabungen und auch nicht durch seine spirituellen oder praktischen Vorzüge. Der Kohen wird durch eine einfache biologische Tatsache geheiligt, weil sein Vater ein Kohen ist. Zwar ist auch die Königswürde erblich, doch diese Vererbung erfolgt nicht zwangsläufig. Nicht jeder Königssohn wird König, und nicht jeder König war ein Königssohn. Selbst bei der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, eine im Grunde biologische Angelegenheit, verhält es sich nicht so, denn jemand, der nichtjüdischen Eltern entstammt, kann übertreten. Die Heiligkeit des Priestertums hingegen ist hundertprozentig biologisch. "Und du lass' Aharon deinen Bruder und seine Söhne mit ihm aus den Kindern Israel zu dir treten, ihn mir als Priester zu weihen" (Ex. 28,1). Niemals wird jemand anderes Kohen als der Sohn eines Kohen. Auch die Gesetze der Heilighaltung des Kohen beziehen sich vor allem auf seinen Körper: das Verbot der Verunreinigung durch Kontakt mit einer Leiche, das Verbot, eine Geschiedene oder eine andere Frau zu heiraten, deren Vorleben sie für die Ehe mit einem Kohen disqualifiziert, das Gebot vom Essen der Priesterhebe (Truma) und des Opferdienstes in körperlicher Reinheit usw. In der Persönlichkeit des Kohen begegnen sich zwei Extreme: die Heiligkeit des Körpers und die Heiligkeit der Seele. Ohne Heiligkeit des Körpers gibt es keine Heiligkeit der Seele. Es gibt keine Trennung dieser so gegensätzlichen Welten. Sie sind miteinander verbunden. Das Räucherwerk (Ketoret) bedeutet Verbindung (Kitra auf aramäisch), nicht nur Rauch (Kutra auf aramäisch, Kitor auf hebräisch). Der Geruch ist eine physisch-physikalisch-biologische Erscheinung, doch der Genuss davon ein geistiger. Der Geruch (Re'ach) ist mit dem Geist (Ru'ach) verbunden. Über das Räucherwerk heißt es: "und zerreibe davon fein" (Ex. 30,36), und für Jom Kippur "am feinsten" - feine Materialität, fast nicht mehr fühlbar, so nah wie möglich an der Spiritualität. Hier begegnen wir dem innersten Kern jüdischer Tora-Weltanschauung. Die Heiligkeit besteht nicht getrennt vom Körper. Es kommt gar nicht in Frage, den Körper in seiner Unreinheit und Schwäche zu belassen, um sich so in spirituelle Höhen der Heiligkeit zu erheben. Die Heiligkeit kann sich nur dann mit dem Menschen verbinden, wenn auch sein Körper dazu geeignet und bereit ist, die hohen Ansprüche zu erfüllen, die die Heiligkeit an ihn stellt. Diese fundamentale Stufe lässt sich nicht überspringen. Eine Heiligkeit, die nicht auch den Körper erheben kann, ist nicht der Rede wert. Darum verurteilt die Tora mit aller Strenge den Fremden, der in das Gebiet des Heiligtums ohne die nötige körperliche Vorbereitung eindringt. "Und der Gemeine, welcher nahe kommt, werde getötet" (Num. 18,7 u.a.) heißt es von allen, die sich ins Heiligtum drängeln. Besonders wird dies bei der Darbringung des Räucherwerks deutlich, bei der 250 von Korachs Anhängern verbrannten. In diesem Lichte verstehen
wir die besondere Aufgabe der priesterlichen Gewänder, den Körper
einzuhüllen und Ehre und Sittlichkeit des Kohen zu wahren, um damit
einen weiteren Schritt in Richtung seiner Heiligung für seine Aufgabe
zu tun, die ihn mit der Krone des Priestertums schmückt.
Wie hielt sie bloß stand? Bei der Esther-Rolle (Megillat Esther) dreht sich alles um ein Geheimnis. Das Geheimnis von Esther: "Esther hatte nicht ausgesagt ihre Herkunft und ihr Volk, so wie es Mordechai ihr geboten" (Esther 2,20). Mordechai weiß genau, dass Achaschwerosch unbedingt ihre Volkszugehörigkeit heraus finden will. Der König, der besonders darauf achtet, an jedes Land und an jedes Volk in dessen Sprache zu schreiben, weiß, dass der Weg zu Esthers Herz über die Kenntnis ihrer Herkunft führt. Der Talmud schildert Achaschweroschs Versuche, Esther mit Ehrungen und Genüssen dazu zu bringen, ihr Geheimnis zu lüften (Megilla 13a). Er setzt ihr die Königskrone auf den Kopf, aber sie sagt es ihm nicht, er lädt das Volk zu einem Gelage ihr zu Ehren, und sie gibt nicht nach, er senkt die Steuern und verkündet, sie hätte darum gebeten, doch sie hütet ihr Geheimnis. Er schickt Geschenke an die Minister in ihrem Namen, doch umsonst; Esther "sagt nicht aus". Nach dem Raschikommentar wird Esther nicht zum König gerufen, weil sie ihre Herkunft nicht preis gibt, und mit ihrem Ausspruch beim ersten Mahl "und morgen werde ich tun nach dem Worte des Königs" meint sie genau das, was der König vor allem anderen will, nämlich ihr Geheimnis zu offenbaren - "und morgen werde ich tun nach dem Worte des Königs - was du alle Tage von mir wolltest, dir zu offenbaren, mein Volk und meine Herkunft" (Raschi zu Esther 5,8). Wie gelingt es Esther, das Geheimnis trotz allem Druck zu hüten, der auf sie ausgeübt wird? Warum gelingt es dem König nicht, hinter dieses Geheimnis zu kommen? Der Beginn der Antwort liegt in Esthers Eigenschaften verborgen. Im Gegensatz zum Charakter von Achaschwerosch ist Esther, wie ihr Name andeutet (Esther - eschet seter), eine Frau des Verborgenen. Er, der extrovertierte König, erhält seine ganze Kraft von der Offenheit, er organisiert ein Fest "indem er sehen ließ den Reichtum und die Fülle seines Königreiches, und die Pracht und den Glanz seiner Größe" (1,4). Er ist sogar dazu fähig, die Königin Waschti vor aller Augen zu entblößen, "um den Völkern und Fürsten ihre Schönheit zu zeigen" (1,11), alles nach außen hin, den Beifall der Massen heischend. Esther hingegen hüllt sich züchtig in Schweigen, sie weiß, dass alles, was jemals nach außen dringt, kleiner ist als das innen Verborgene, und darum braucht sie keine Offenheit, um ihren eigenen Wert zu erkennen. In ihrem reichen Innenleben kann sie gewaltige Geheimnisse beherbergen. Achaschwerosch versucht, ihr Herz zu erlangen, doch alle Wege zu ihrem Herz sind versperrt, denn Esther bittet um nichts, sie hat keinen Anteil an der hedonistischen Kultur der Perser, und darum bleibt ihr Geheimnis verschlossen. Wieso sagten sie ihm nichts? Raschi fragt, wieso Achaschwerosch ihr Volk und ihre Herkunft nicht heraus bekam, gab es doch genug jüdische Klatschtanten, die das mit Freuden dem König erzählt hätten? Dazu erklärt er, dass es wirklich welche gab, die zum König kamen und es ihm erzählten, doch glaubte er ihnen nicht - denn die anderen Völker behaupteten das gleiche! Der Talmud beschreibt Esther als "mittelmäßig wie eine Myrthe" (Megilla 13a), ihre Schönheit war ein Querschnitt der Frauen aller Völker der Welt, "sie erschien jedem, als wäre sie von seiner Nationalität" (ebda.). Jede Nation glaubte, Esther gehöre ihr an. Darum fand sie Gefallen in den Augen aller, die sie sahen, jeder sah in ihr sich selber. In dieser Durchschnittlichkeit kommt Esthers Judentum zum Ausdruck, das Herz der Nationen und mit allen Völkern der Welt verbunden zu sein, und die Schönheit aller zu enthalten. Aus diesem Grunde kannte Mordechai HaJehudi, Mitglied des Sanhedrins, 70 Sprachen, umfasste mit seiner Weisheit Sprache und Wesen von siebzig Völkern, so wie Esthers Schönheit die Schönheit aller umfasste. Diese Durchschnittlichkeit, diese Harmonie, diese vollkommene Verflechtung aller Völker verwirrt Achaschwerosch, es gelingt ihm nicht, ihren Ursprung zu offenbaren. Gesandtschaften aller Nationen stellen sich ein und sagen, Esther sei eine von ihnen, bis es ihm dämmert, dass niemand die Wahrheit kennt. Als die jüdischen Weitererzähler kommen, glaubt er ihnen schon nicht mehr. Er kennt nicht das jüdische Geheimnis, das überall vorkommende Gute zu enthalten. Raschi: "Ihre Worte bewirkten nichts, da auch die anderen Völker so sprachen, und so konnte er die Sache nicht aufklären". Und sie, die uns beistand... Rabbiner Schlomo Alkabez
erwähnte in seinem Buch "Manot Halevi" die Erklärungen
Raschis. Dessen Grundannahme, wonach es einige Anschwärzer im jüdischen
Volk gab, die vor dem König plauderten, fällt ihm schwer zu akzeptieren.
Dafür gewinnen wir aus seinen Worten das Geheimnis der Errettung in
jenen Tagen und den Schlüssel zur Erlösung für unsere Zeit:
Zur Zeit der Furcht um die
Existenz, wo jeder Jude seinen eigenen Weg und seine eigene Lösung
findet, hielten sich alle wie ein Mann an einen Weg, auch die, die nicht
zustimmten, und es gab keine Messer im Rücken - da "wandte es sich"
(9,1) wirklich.
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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