DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Ex. 1,1
- 6,1):
"Der große göttliche Glauben im Herzen Israels lässt sich nicht bewerten und durch kein Beispiel oder Gleichnis ausdrücken, und selbst die jüdische Freidenkerei ist voller Glauben und Heiligkeit, viel mehr als alle Glauben aller Nichtjuden zusammen genommen, und obwohl sie Worte der Leichtfertigkeit und Ketzerei ausdrückt, befindet sich im Innern der Seelen G~ttes Licht von G~ttesanhänglichkeit und einem Dürsten nach dem lebendigen G~tt" - so lehrte uns Rabbiner Awraham Jizchak Kuk in seinen Schriften (Mussar awicha S.100-101). Das war die erste Lektion, die unser Lehrer Moscheh auf dem Weg, Anführer des Volkes Israel zu werden, erhielt. "Sie werden mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören" (Ex. 4,1). Dazu bemerkt der Midrasch: "In jener Stunde sprach Moscheh ungehörig; der Heilige, gelobt sei er, sagt ihm: 'Sie werden auf deine Stimme hören', und er sagt: 'Sie werden mir nicht glauben'. Sogleich antwortete ihm der Heilige, gelobt sei er, auf der gleichen Linie und gab ihm Zeichen nach seinen Worten". Dadurch wird verständlich, warum Moscheh so unsympathische Wunderzeichen wie Schlange, Aussatz und Blut erhielt, die alle auf seine ungehörige Rede anspielen. Darum fragte ihn G~tt: "Was ist dies in deiner Hand?" (Ex. 4,2), d.h. "Was ist dies, dass du an deiner Hand geschlagen werden musst, weil du meine Kinder verleumdest?" (nach dem Midrasch Schemot raba). Der Raschikommentar bringt diesen Midrasch und schreibt: "mit diesem in deiner Hand verdienst du geschlagen zu werden, weil du Fromme verdächtigt hast". Wenn wir allerdings den Zustand der Kinder Israel in Ägypten betrachten, so kann man ihn nicht gerade glänzend nennen. Die talmudischen Weisen sprechen von 49 Stufen spiritueller Unreinheit, und Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") schrieb in seinem Brief über die Glaubensverfolgung, dass "die Israeliten in den Tagen Moschehs, vor dem Auszug aus Ägypten, den rechten Weg verließen und die Beschneidung nicht mehr ausführten und unter ihnen kein Beschnittener mehr war, außer den Angehörigen des Stammes Levi". So wie man sieht, wie ihnen zu Pessach geboten wurde: "aber kein Unbeschnittener darf davon essen" (Ex. 12,48), zusammen mit der Beschneidung, und Moscheh, Ahron und Jehoschua beschnitten sie alle. Weiter erwähnte Maimonides, dass sie es mit den Inzestverboten nicht so genau nahmen. Welche Unbescholtene verdächtigte Moscheh demnach grundlos, und warum handelte er sich göttliche Schelte ein, wie es Rabbiner Zwi Jehuda Kuk ausdrückte? Im obigen Midrasch heißt es weiter: Sie sind Glaubende Nachkommen von Glaubenden, wie es [von Awraham] heißt: "und er glaubte an G~tt" (Gen. 15,6). Erklärte Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, "dass der Glauben zum Wesen Israels gehört, als Naturgesetz ihrer Seele. Er befindet sich in ihnen, auch wenn er nach außen hin nicht in Erscheinung tritt. So wie es in der Tora heißt: Ihr aber, die ihr an dem Ewigen, eurem G~tte hanget (Dt. 4,4), dieser Glauben ist Israel eingepflanzt auf der Basis unseres Vorvaters Awraham, der an G~tt glaubte, und er offenbart sich in und sie glaubten an den Ewigen und Moscheh seinen Diener (Ex. 14,31)" (Gespräche HaRav Zwi Jehuda zu Schemot, S.60). In der Einleitung zu diesem Buch beschreibt Rabbiner Aviner ausführlich die Methodik von Rabbiner Zwi Jehuda Kuk bei seinen Schriften und Vorträgen und erklärt, dass dies einer der Punkte war, die Rabbiner Kuk besonders betonte, als er uns über die Eigenschaften des Volkes Israels lehrte. Das Volk Israel zeichnet sich durch fünf fundamentale Eigenschaften aus, darunter 1) Die Israeliten sind Barmherzige; jeder, der sich über die Geschöpfe erbarmt, gehört sicherlich zu den Nachkommen unseres Vorvaters Awraham. 2) Die Israeliten sind demütig; das Wissen darum, dass alles, was wir haben, nicht von uns stammt, sondern vom Herrn der Welt, und wir haben nichts, darauf stolz zu sein. 3) Die Israeliten sind Glaubende; dazu bringt Rabbiner Aviner den genannten Midrasch, in dem G~tt zu Moscheh sagt: "Die Israeliten sind Glaubende Nachkommen von Glaubenden", und erklärt: Der Ausdruck "Glaubende Nachkommen von Glaubenden" bedeutet, dass auch der Glauben vererbt wird und zur Natur der Israeliten gehört, und lehrt, dass der Glauben nicht mit dem persönlichen Einsatz beginnt, vielmehr sind wir ein Volk von Glaubenden". Ein besonderer Menschenschlag voller Glauben und Anhänglichkeit an G~tt, und wenn irgend ein Jude nicht glaubt, so ist das sein individuelles Problem, er ist am Glauben verhindert, er will nicht oder er kann nicht, doch gehört er zu dieser besonderen Menschenart. Und so antwortete Rabbiner Zwi Jehuda Kuk einem Soldaten, der ihn fragte: "Kann ich Jude sein, ohne an die Tora zu glauben?" Rabbiner Kuk: "Du sagst ohne zu glauben - das ist ein Irrtum. Das ist ein Irrtum bei deinem Selbstverständnis, du kennst dich nicht gut genug. Denn so wie wir die Aufgabe des jüdischen Volkes erklärt haben, beginnen unsere nationale Psychologie und unsere Seele nicht bei dir persönlich, vielmehr bist du ein bedeutender und besonderer Teil innerhalb der israelitischen Allgemeinheit. Und wir sind ein Volk von Glaubenden" ("Gespräche" zu Bereschit, S.34-36). Auch wir müssen uns
diese Lehre zu Herzen nehmen, in diesem Zeitalter der sich erneuernden
Erlösung, dass nämlich trotz allem Anschein das Volk Israel wirklich
ein Volk von Glaubenden ist, nur dass man ihm beibringen muss, diese große
Wahrheit zu offenbaren, die in ihren Seele verborgen liegt, und damit werde
wir uns weiter entwickeln auf dem Wege der Erlösung, zusammen mit
dem ganzen Hause Israels, bis hin zur vollkommenen Erlösung.
Wir mögen sie nicht, wir haben sie nicht besonders gerne, doch anscheinend kommen wir ohne sie immer noch nicht aus. Es lohnt sich einmal vorzustellen, wie unser Leben in diesem Lande aussähe, wenn uns unsere Feinde nicht von Mal zu Mal zu einem Krieg zwingen würden. Manche sagen mit glänzenden Augen, ohne Kriege würden wir wie in der Schweiz leben, oder wie in Skandinavien, seelig und zufrieden, ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum. Wie gut und still wäre es ohne den Lärm der Kanonen. In Wirklichkeit... haben sie in gewissem Maße recht. Ohne Kriege und ohne Feinde würde jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum in aller Seelenruhe leben. Ein jeder würde morgens mit einem Lächeln erwachen, doch ist es fraglich ob ihn interessierte, was denn unter dem Weinstock und dem Feigenbaum seines Nachbarn vorgehe. Vielleicht produziert dessen Weinstock keine so schönen Trauben, vielleicht wurden dessen Feigen von Würmern gefressen und die Hitze der Sonne macht ihm zu schaffen? Die Schweiz und Skandinavien sind wunderbare Plätze, entfremdungsreichen Reichtum zu erzeugen. Wären wir selber Skandinavier, dann möge das noch angehen, nun sind wir aber Juden, die einer mit dem anderen verbunden sind und für die die Entfremdung ein tödlicher Schlag wäre, schlimmer als jeder Krieg. In Zeiten des Friedens und der Seelenruhe gerät bei uns das Böse in Vergessenheit und jeder kümmert sich um seine eigenen Angelegenheiten. In Zeiten des Krieges erwacht urplötzlich wieder die Kraft des Verbundenseins mit dem Nächsten, wir interessieren uns plötzlich für das Schicksal eines jeden Juden, der schon ganz in Vergessenheit geraten war. Plötzlich rücken die Bewohner der von unserem Wohnort fernen Grenzgebiete ganz nahe an unsere Herzen. Wir erleben wiederum das süße Gefühl eines einigen und verbundenen Volkes. Wir sind Brüder, und diese Sicherheit durchdringt sowohl die Soldaten in der Schlacht als auch die Bevölkerung des Hinterlandes - wir sind geeint. Wir wollen wirklich keine Kriege, aber ohne sie wären wir fähig, ein Lebensziel wie das der Schweizer zu akzeptieren; gute Schokolade, genaue Uhren, Pünktlichkeit und einige literarische Kreationen. Eine Befragung der Bewohner unseres Landes würde ergeben, dass viele schon heute dazu bereit wären. Fast alle, außer ein paar Gläubigen und... einigen Millionen Araber. Sie, die Araber, sind die Einzigen, die zu keinem Kompromiss über die Bestimmung des Volkes Israel bereit sind. Sie kennen schon seit Jahrenden die Vision vom "neuen Nahen Osten", sie haben schon lange gehört, dass wir für ein bisschen Ruhe Alles zu geben bereit sind, und trotzdem beharren sie auf ihrem Standpunkt, dass es bei ihrem Kampf nicht um Broterwerb und Industrieprojekte geht, vielmehr wird der Krieg um Jerusalem geführt, um den Geist, der von diesem Ort ausgeht. In ihrer Hartnäckigkeit, mit der sie gegen uns kämpfen, zwingen sie uns jedes Mal aufs Neue zur Frage: Worum und wozu das alles, um was geht es bei diesem Krieg? Ohne Kriege wären wir schon längst ein Volk wie alle anderen Völker, und wegen der Araber sind wir gezwungen, zurück zu blicken und wieder über uns zu lernen, zu fragen, wer wir eigentlich sind und was uns nach zweitausend Jahren Sehnsucht hierher gebracht hat. Schon seit Jahrzehnten wollen wir von diesem verfluchten Krieg fort laufen, zerstören Häuser, entwurzeln Siedlungen, kämpfen "auf Sparflamme", fördern eine "gemäßigte arabische Führung", strecken die Hand zum Frieden aus, die manchmal eher einem weißen Fetzen der Kapitulation ähnelt, und alles umsonst. Es gibt kein Entrinnen vor der Konfrontation mit unseren arabischen Feinden, es gibt keinen Ausweg vor dem Zwang zur Auseinandersetzung, mutig auf dem Geheimnis unserer Existenz zu bestehen. Viele Jahre bildeten die Kriege ein kontroverses Thema - die einen kämpften, die anderen demonstrierten, die einen ermutigten und die anderen entmutigten. Der heutige Kampf im Süden des Landes hingegen ist radikal anders, was ihn betrifft scheint allgemeine Einigkeit zu herrschen. Wir sehen das Licht am Ende des Tunnels. Wir mögen keine Kriege,
doch treiben sie uns zu neuen Höhen: "Im siebenten [Jahr] werden Kriege
sein, am Ausgange des siebenten wird der Sohn Davids kommen" (Sanhedrin
97a). Mögen die Tage kommen, an denen wir uns selber kennen werden
und uns wie Brüder einen, nicht unter der Bedrohung von Kriegen, sondern
unter dem Segen von Frieden und Ruhe.
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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