DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MIKEZ
Nr. 698
30. Kislev 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1 - 44,17):
Pharaos Träume und Josefs Deutung: 7 fette und 7 Hungerjahre, Josef Vizekönig, Anlage von Vorratsspeichern, Neuordnung der ägyptischen Wirtschaft, Josefs Brüder kommen Getreide zu kaufen, erkennen ihn aber nicht.

Schabbat Chanukka + Rosch Chodesch
 

Chanukka ssame'ach!

>>Midrasch "Ma'asse Chanukka"<<



 
 
Am Schabbes-Tisch...
 

Träume sind Schäume?
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

In den gegenwärtigen Wochenabschnitten treffen wir häufig auf Träume. Jakov träumt, Josef träumt, sogar Pharao träumt. Was haben wir überhaupt von Träumen zu halten?

Auf den ersten Blick scheint es dazu bereits im Tanach [Tora, Nevi'im, Ketuvim - 5 Bücher Moscheh, Propheten, Schriften] widersprüchliche Verse zu geben, wie bereits der Talmud hinterfragt: "Raba wies auf einen Widerspruch hin: Es heißt: im Traume rede ich zu ihm (Num. 12,6), dagegen heißt es: die Träume reden Nichtigkeit?!" (Secharja 10,2; Brachot 55b). Vermittelt der Traum nun das Wort G~ttes, oder vielleicht nur Phantasien und Lügen? Die Auflösung im Talmud: "Das ist aber kein Widerspruch; das eine durch einen Engel, das andere durch einen Dämon" (ebda.). Wir lernen daraus von der Existenz zweier Arten Träume, oder genauer gesagt, von zwei Arten der Vorstellung, die dem Traum als Quelle dienen. Eine erhabene Vorstellung "durch einen Engel", und eine niedere Vorstellung "durch einen Dämon". Mit der erhabenen Vorstellung ist die Prophetie gemeint, die absolute göttliche Wahrheit, und wenn ein Mensch ein spirituelles Leben auf der Grundlage von göttlichen Werten führt, entwickelt er sich Stufe um Stufe bis hin zum Höhepunkt, der Prophetie - der Begegnung mit dem Worte G~ttes, das zu ihm aus der Höhe gelangt, die weit über dem Gipfel des menschlichen Verstandes liegt, der den Beschränkungen und den Grenzen der diesseitigen Welt unterliegt, wie Rabbiner A.J.Kuk bemerkte: "In der Schatzkammer des Vorstellungsvermögens ruhen alle Wahrheit und alle Größe, die Schritt für Schritt durch die verengenden und klärenden Kanäle des Verstandes erläutert werden... Unser rationaler Verstand ist nichts anderes als ein kleiner Schüler, der ein wenig das ganze reichhaltige und heilige Lebenslicht der Schatzkammer des Vorstellungsvermögens erklärt... gebet Ehre der Lebenskraft unseres höchsten Vorstellungsvermögens, das sich über alle Engen und trockenen Beschränkungen der Bedingungen der armen und trockenen Wirklichkeit erhebt..." (Orot Hakodesch I, S.223).

Traum (Chalom) kommt von Gesundung (Hachlama)... Wir sind zwar Nachkommen von Propheten, aber selbst keine Propheten. Darum sind unsere Träume ungeklärt und es ist uns verboten, unser tägliches Leben nach unseren Träumen auszurichten. Dazu müssen wir uns vielmehr unseres Verstandes und unserer Einsicht bedienen, oder wie es im Talmud heißt: "Der Traum ist ein Sechzigstel Prophetie". Er hat zwar etwas von Prophetie an sich, doch bleibt ein so geringer Anteil irrelevant [bei bestimmten Verboten gilt ein Anteil bis zu einem Sechzigstel als vernachlässigbar, d.h. erlaubt] und kann keinen entscheidenden Einfluss auf unsere praktische Lebensführung nehmen. Wie es an anderer Stelle im Talmud heißt, ging die Prophetie von den Propheten auf die Weisen über, und daher findet sich das Wort G~ttes bei der Weisheit der Tora und ihrem Studium. 

Im Unterschied dazu gibt es allerdings auch eine niedere Vorstellungskraft, die auf den primitiven und tierischen Vorstellungen des Menschen beruht, Vorstellungen, deren praktische Verwirklichung ihm nicht "gelingt", die ihm aber in seinen Träumen erscheinen und dort in der ganzen Tiefe ihrer Niedrigkeit und Unreinheit ausbrechen, wie Rabbiner Kuk schrieb: "Die Grobheit des gesellschaftlichen Lebens, das tief in seinen materiellen Aspekten steckt, drängt das Licht des Traumes aus der Welt, den Glanz seiner Weite, seine höchste Erhebung über die traurige Wirklichkeit, bis sich die Welt von den Giftbissen der Wirklichkeit vor Schmerzen windet, in Ermangelung des Glanzes des Traumes...". Ohne diesen Glanz ist das natürlich ein sinnloser Traum, was seinen Inhalt angeht, und seine einzige ernsthafte Bedeutung besteht darin, dass der so einen Traum träumende Mensch vor sich selbst Rechenschaft ablegen muss... Wir sind das Volk Israel, das Volk der Träume, wir wissen uns über den logischen Verstand und die praktische Wirklichkeit zu erheben, obwohl uns die Pflicht obliegt, mit aller Kraft in diesen zu wirken, trotz unserer Beschränkungen. Doch unsere Träume, unsere Bestrebungen und Unternehmungen sind wahrhaftig und werden sich eine nach der anderen am Ende des langen und komplizierten historischen Prozesses verwirklichen, kein Jota der prophetischen Visionen über unser Volk, unser Land und unsere Tora wird verloren gehen. Wie relevant sind doch die Worte Rabbiner Kuks über unser Zeitalter: "Die großen Träume bilden das Fundament der Welt. Es gibt verschiede Stufen. Es träumen die Propheten, im Traume rede ich zu ihm (Num. 12,6). Es träumen die Dichter im Wachzustand, es träumen die großen Denker von der Weltverbesserung. Es träumen wir alle wenn der Ewige zurück führt die Weggeführten Zions (Psalm 126,1)". Und mit G~ttes Hilfe werden wir durch unsere Arbeit und unsere Anstrengungen die vollständige Erfüllung unseres Gebetes erleben: "Und unsere Augen mögen schauen wenn du nach Zion zurück kehrst in Erbarmen" (Schmone-Esre Gebet), und damit wird die Welt ihre Gesundung in der Verwirklichung ihrer wahrhaftigen göttlichen Träume erlangen.
 
 
 
HaRav Aviner

Zwei Väter erklären Chanukka - aus weltlicher und aus streng-orthodoxer Sicht

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

1. Gespräch:
-Aba, wie haben wir die Griechen besiegt?
-Mit G~ttes Hilfe natürlich.
-Wem hat G~tt denn geholfen?
-Bekanntlich den Chaschmonäern.
-Wer war denn das?
-Deine heiligen Priester ("Al Hanissim"), große Gerechte.
-Nicht Soldaten?!
-Doch...äh, ja, Soldaten.
-Die haben mit richtigen Waffen gekämpft?
-J-ja... mit Waffen...
-Dann waren die also gar nicht religiös, oder von den pro-staatlich Religiösen?
-Woher denn? Natürlich waren sie Streng-Orthodoxe (Charedim)!!
-Charedim gingen zur Armee?!
-Damals ja...
-Aber wofür denn?
-Natürlich um das Volk Israel zu retten.
-Warum gehen wir dann heute nicht zur Armee?
-Nicht nötig. Die Tora, die wir so intensiv studieren, beschützt uns.
-Also brauchen wir gar keine Armee!
-Richtig. Die Tora beschützt uns.
-Und damals beschützte uns die Tora nicht?
-Natürlich beschützte sie uns! Durch das Verdienst der Tora siegten sie.
-Wozu brauchten sie denn dann Waffen?
-Weil... äh, durch das Verdienst der Tora... siegten sie mit Waffen.
-Warum gehen wir also nicht zur Armee und siegen durch das Verdienst der Tora?
-Nicht nötig. Die Nichtreligiösen und die Nationalreligiösen gehen und siegen durch das Verdienst unseres Torastudiums. 
-Warum blieben die Chaschmonäer dann nicht in ihren Jeschiwot und ließen durch das Verdienst ihrer Tora die damaligen Nicht- und Nationalreligiösen siegen?
-Damals gab es solche noch nicht. Alle waren Charedim.
-Die Chaschmonäer waren keine Nationalreligiösen?
-Um G~ttes Willen! Das ist eine neue Erfindung: Tora plus jüdisch-religiöser Nationalismus.
-Was bedeutet "jüdisch-religiöser Nationalismus"?
-Staat und Armee, solche Sachen.
-Und die Chaschmonäer kämpften nicht in der Armee und gründeten keinen Staat?
-Doch... Vielleicht wollten sie es gar nicht wirklich... aber sie hatten keine andere Wahl.
-Und jetzt haben wir die Wahl, ohne Armee auszukommen? Haben wir keine Feinde?
-Ich sagte dir bereits, wir müssen Tora lernen. Und dann tut G~tt uns ein Wunder und vernichtet alle unsere Feinde!
-Warum hat G~tt dann nicht alle unsere Feinde zur Zeit von Chanukka vernichtet? Vielleicht, weil sie nicht Tora lernten?
-Um G~ttes Willen. Tatsache ist, "dass das frevelhafte griechische Reich gegen dein Volk Israel aufstand, sie deine Lehre vergessen und die Satzungen deines Willens übertreten zu machen" ("Al Hanissim").
-Aber die Chaschmonäer kämpften, dann waren sie also doch Nationalreligiöse?
-G~tt behüte. Sie waren Charedim... ganz und gar Charedim...

* * *

2.Gespräch:
-Aba, wie haben wir die Griechen besiegt?
-Mit der Armee natürlich.
-Wir hatten damals eine Armee?
-Nicht direkt... die Chaschmonäer haben das irgendwie organisiert...
-Und warum haben sie das nicht vorher organisiert? Was war passiert?
-Die Griechen ließen die Juden keine Gebote erfüllen, Schabbat und solche Sachen.
-Religiöse Sachen?
-Genau.
-Und dafür zogen sie in den Krieg?!
-Jaja, die Religiösen machen aus jeder Kleinigkeit eine große Geschichte mit Demonstrationen und Kriegen.
-Die Chaschmonäer, die gegen die Griechen kämpften, waren also Religiöse?
-Unmöglich. Du weißt doch, dass die Religiösen nicht zur Armee gehen.
-Aber vielleicht waren die Chaschmonäer Nationalreligiöse?
-Unmöglich. Das ist eine neue Erfindung, Religion in den Staat und überall rein zu mischen..
-Wen stört das?
-Natürlich stört das! Religion bringt die staatlichen Institutionen und die Armee, an sich gute und gesunde Dinge, durcheinander und schwächt sie. 
-Du hast aber doch gerade gesagt, der Aufstand brach aus, weil die Chaschmonäer Gebote erfüllen wollten?
-Na und?
-Wenn sie es mit der Religion hielten, wie konnten sie dann gewinnen?
-Woher soll ich das wissen?... Vielleicht hat ihnen G~tt geholfen...
-Gibt's denn sowas?
-Natürlich nicht. Ich wollte sagen, sie glaubten, G~tt helfe ihnen, und dann haben sie gesiegt...
-Aber gerade die Anhänger der griechischen Kultur kämpften doch überhaupt nicht!
-Logisch, sie waren doch für die Griechen.
-Die waren also nicht für einen jüdischen Staat. Dann hatten also ausgerechnet die Religiösen ein jüdisches Staatsbewusstsein!
-Na und?
-Warum sind wir dann also nicht auch religiös und stützen damit besser unsere staatlichen Institutionen?
-Heute ist das anders. Man muss für den jüdischen Staat und nichtreligiös sein, das ist am gesündesten.
-Aber soweit ich verstehe, waren die Chaschmonäer religiös und für den Staat?
-Woher denn?! Sie waren nicht religiös... Vielleicht Nichtreligiöse von einer anderen Sorte... auf jeden Fall Nichtreligiöse...

[Die Idee zu diesen Dialogen stammt aus einem anonymen Artikel, den mir ein Bekannter gab].
 

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