DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT LECH LECHA
Nr. 691
10. Marcheschwan 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 12,1-17,27):
Awra(ha)ms Umzug nach Kana'an, göttliches Versprechen, seinen Nachkommen das Land zu geben, ägyptisches Intermezzo, Trennung von Lot, dessen Rettung aus der Gefangenschaft nach den Kriegen mit 4-5 Königen, "Bund der Opferteile", Geburt Jischma'els durch die ägyptische Magd Hagar, Awram>Awraham, Sarai>Sara, Versprechen der Fruchtbarkeit, Gebot der Beschneidung
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...
 

Das Land "Kana'an"?!
 
 
 

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Das häufige Betonen der Tora des Landes, zu dem unser Vorvater Awraham hin wandert und schließlich auch dort ankommt, als des Landes von Kana'an ruft große Verwunderung hervor. Wird denn nicht das Fundament unserer Argumentation in Bezug auf das Land Israel erschüttert, dies sei unser ureigenes Land, und nur unseres, durch die mehrfache Bestätigung der Tora: "und sie zogen mit ihnen aus Ur-Kasdim, um zu gehen in das Land Kana'an" (Gen. 11,31), "und zogen weg um zu gehen in das Land Kana'an und kamen in das Land Kana'an" (12,5), und gibt es deutlicheres als dies: "Und Awram durchzog das Land bis an den Ort Schchem, bis an den Terebinthen-Hain Moreh, und der Kana'aniter war damals im Lande" (12,6)?! Wird damit nicht den Behauptungen der Teppich unter den Füßen weg gezogen, die aus unseren Reihen so oft über unser Exklusivrecht am Land gegenüber unseren Feinden zu hören sind, wie 'wir waren hier vor euch', 'Räuber seid ihr, gebt uns das Gestohlene wieder' usw. - wo doch die Tora an dieser Stelle wieder und wieder bezeugt, dass das kana'anitische Volk vor uns hier war?
Wie lassen sich diese Dinge also miteinander in Einklang bringen?

Dazu erklärte Rabbiner A.J.Kuk, dass jede natürliche menschliche Verbindung mit einem bestimmten Ort, zwischen Volk und Land, durch drei Dinge entsteht. 1. eine große Anzahl von Menschen, 2. gemeinsames Leben an diesem Ort während eines langen Zeitraumes, 3. gemeinschaftliches Erleben guter oder schlechter Ereignisse, was eine seelische und praktische Verbindung zwischen dem Volk und dem Land erzeugt. So schrieb er in seinem Gebetbuch-Kommentar Olat Ra'aja (I, S.203-204): "Die natürliche Verbindung [zwischen Volk und Land] entwickelt sich nur im Verlauf einer langen Zeitperiode, durch eine Unzahl von Ereignissen, durch eine große und gewaltige Menschenmenge, die sich zusammen findet und nieder lässt in irgend einem Land zum ständigen Wohnsitz, und dann beginnt eine historische Zuneigung, die aus Gewöhnung entspringt und in den Herzen der folgenden Generationen pulsiert, und es entsteht eine spirituelle Verbindung zwischen dem Volk und dem Land".

All dies ist richtig in Bezug auf die natürliche menschliche, seelische und praktische Verbindung bei allen Völkern und ihren Ländern. Die Beziehung zwischen dem Volk Israel und dem Lande Israel unterscheidet sich davon jedoch auf ganz extreme Weise. Im Gegenteil, umgekehrt! Unsere Verbindung zum Lande Israel entstammt nicht unserer historischen Existenz an diesem Orte, und genau deswegen waren wir hier nicht vor allen anderen, denn in Wirklichkeit war Kana'an hier vor uns - vielmehr ist unsere Verbindung eine wesentliche, eine spirituelle und göttliche, für die die Welt geschaffen wurde und deren Erlösung von der Verwirklichung dieser Verbindung abhängt, eine Verbindung, die nicht auf allen möglichen mehr oder weniger vorhandenen Faktoren beruht. So schrieb Rabbiner Kuk: "Die heilige Verbindung Israels mit seinem heiligen Land gleicht nicht der natürlichen Verbindung, mit der sich jedes Volk und Sprache mit seinem Land verbindet... göttliche Verbindung vom Ursprung des Heiligtums... diese heilige Einprägung begann hervor zu treten da ihr wart ein zähliges Häuflein, wenig (Chonik I, 16,19), und in kurzer Zeit und sofort zusammen mit ihrer Erscheinung beim Lande, und noch vor ihrem Eintritt, durch die göttliche, höchste Erleuchtung, und indem sie in ihm nicht in fester Bewohnung siedeln, sondern wie Fremde, wobei kein Ding natürlichen Ursprungs dieser Verbindung hilfreich ist, die als göttliche Schöpfung erschien, durch das Wort G~ttes und seinen heiligen Bund, durch das Gesetz ewigen Schwures, denn er sprach und es ward (Psalm 33,9)".

Dadurch wird klar, warum die Tora betonte: "und der Kana'aniter war damal im Lande" usw. (s.o.), nämlich uns zu lehren, dass unser Recht auf dieses Land nicht auf altem historischen Anrecht beruht, sondern auf seiner Schöpfung an sich, auf der göttlichen Anpassung von Volk Israel und Land Israel mit Anbeginn der Schöpfung, denn selbst wenn diese Anpassung praktisch nicht zum Ausdruck kommt, so ändert das überhaupt nichts an der inhärenten Verbindung zwischen uns und unserem Land, und ausschließlich unserem. Darum bedienen wir uns nicht historischer Argumente und auch nicht archäologischer Funde zum Beweise, dass dies unser Land ist, sondern nur des Vertrauens und des vollkommenen Glaubens, dass es so der Herr der Welt seit Anbeginn der Schöpfung bestimmt hat, denn darin besteht das Wesen der Schöpfung. Und wenn wir das wirklich verinnerlichen, dann werden wir mit G~ttes Hilfe wissen, gegenüber allen unseren Feinden zu bestehen und sie mit unseren Argumenten und unserem Kampfe besiegen.
 
 
 
HaRav Engelmann

Die Welt nach der Sintflut

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Die Einigkeit nach der Sintflut

Die Sintflut überschwemmte die Erde und löschte alles Leben vom Erdboden aus. Jene Auffassung, wonach der Mensch für sich selbst lebt und dazu - wenn zum Erreichen seiner Ziele nötig - den Nächsten zerstören kann, brach zusammen und führte zum Ende der Welt. Zwei gewaltige Änderungen erfolgten mit der Sintflut, eine durch himmlische Einwirkung, und die andere durch den Menschen. Die erste kam in der Verkürzung der Lebensjahre des Menschen zum Ausdruck. Vorher wurden die Menschen fast bis zu tausend Jahre alt, nachher weit weniger, so dass die Schwangerschaft von Sara im Alter von 90 Jahren als Wunder galt. Die zweite Änderung kam in der radikal anderen Gesellschaftsordnung zum Ausdruck, wobei nicht mehr der Einzelne im Mittelpunkt stand, der zur Befriedigung seiner Bedürfnisse rücksichtslos alles nahm, was ihm in die Finger kam, sondern eine Welt entstand, in der Einigkeit herrschte, eine Idee, die alle beseelte: "Und es war auf der ganzen Erde eine Sprache und einerlei Worte" (Gen. 11,1). Überraschend gab es plötzlich den Begriff des Miteinander; statt "und die Erde war voll Gewalttat" (Gen. 6,11) begegnen wir "und sie sprachen einer zum andern: Wohlan!" (11,3).

Die Beschreibung dieser Generation, könnte man meinen, passe fast auf die des messianischen Zeitalters: die Welt verschmilzt zu einer Einheit, man spricht eine gemeinsame Sprache und "einerlei Worte". Die Menschheit vereint sich unter einem gemeinsamen Ideal und übt sich in freudiger Zusammenarbeit, bis dass es dem geneigten Leser jener Verse schwer fällt zu verstehen, warum der Herr der Welt dieses Fest der Einigkeit "verdirbt" mit der Begründung: "Siehe, ein Volk ist es und eine Sprache haben alle, und dies ist nur der Anfang ihres Tuns; fortan wird ihnen nichts fehlschlagen, was sie auch ersinnen mögen" (11,6).

Auch wird in der Tora nicht ausdrücklich erwähnt, worin eigentlich die Sünde des Turmbaus bestand. Die Midraschim beschreiben eine Absicht, in den Himmel zu steigen und gegen G~tt zu kämpfen. Einige der Kommentatoren schreiben, die Sünde bestand in der Konzentration an einem Orte, anstatt die ganze Welt zu bevölkern, doch die Schrift offenbarte nicht das Geheimnis der Sünde, anscheinend aus gutem Grunde.
Worin besteht also das Problem dieser Generation der Aufspaltung, die auf so positive Weise in der Tora beschrieben wird?

Die Einheitlichkeit nach der Sintflut

Der Neziw (Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin) aus Woloschin erklärte, mit Absicht erwähne die Tora nicht das Wesen jener Sünde, und unter welchem verkrummten Ideal die Menschheit sich vereinigte. Es wurde nicht in der Schrift festgehalten, weil es in Wirklichkeit gar nichts ausmacht. Die Tatsache an sich, dass alle dasselbe sagen und auf dieselbe Weise denken - das ist schon das Problem. Eine Gesellschaft, die auf einen Gedanken gebaut ist und keinen Raum für eine Ideenvielfalt lässt ist eine magere, oberflächliche und gefährliche Gesellschaft. Die an einem Orte konzentrierte Siedlung und der Bau eines Turmes, der dazu gedacht ist - so der Neziw - über alle zu wachen und dafür zu sorgen, dass nicht ein Einziger vom gemeinsamen Wege abschweift, weisen auf eine Gesellschaft hin, die sich um eine Gedankenbeherrschung herum aufgebaut hat. Alle müssen der offiziellen Linie folgen, niemand darf eigenständig denken und sich einen anderen Weg bahnen: "Weil aber doch die Gedanken der Menschen nicht gleich sind, befürchteten sie, dass Leute diese Ansicht verlassen und einer anderen folgen könnten, darum achteten sie darauf, dass niemand aus ihrem Ort heraus gehe" (zu 11,4).

Nach den talmudischen Weisen fand das Ereignis um unseren Vorvater Awraham, ihn in den Feuerofen zu werfen, während der Generation der Abspaltung statt (Midrasch), der Generation des Friedens, der einen Sprache, die einen Menschen wie Awraham nicht dulden kann, der wagt, anders zu denken. Der Feuerofen ist im Vers angedeutet: "brennen zu Brand" (Gen. 11,3). Mithilfe des Turms sollten die Abweichler überwacht werden, und der Feuerofen war zur Abschreckung und Bestrafung gedacht, wie der Neziw ausführte: "Wer von den einheitlichen Dingen unter ihnen abwich, wurde zum Verbrennen verurteilt, wie sie es an unserem Vorvater Awraham taten. So kam es, dass ihnen ihre Einheitlichkeit zum Fallstrick wurde, da sie entschieden, jeden zu töten, der nicht wie sie dachte" (ebda.).

Die Generation der Abspaltung war keine Generation der Einheit, sondern der Einheitlichkeit. Sie bietet kein Vorbild für das messianische Zeitalter, sondern für die dunklen Tage des Eisernen Vorhangs und der Gedankenpolizei. Wenn die Menschen nicht frei sind, ihre eigenständigen Gedanken zu denken und in der Öffentlichkeit Stille und Seelenruhe zu herrschen scheinen, dann ist das eine eingebildete Seelenruhe, dann ist das der Frieden einer einzelnen Sekte, die nur mit sich selbst in Frieden zu existieren bereit ist und keine Andersartigen dulden kann. Im messianischen Zeitalter hingegen "wohnt der Wolf mit dem Schafe" - der Wolf wird das Schaf nicht zwingen, zum Wolf zu werden und wird es auch nicht auffressen, wenn es weiter Schaf bleiben will, sondern beide werden ihre unterschiedlichen Lebenswege weiter gehen, aber einig im Willen um ein erhabenes Ideal. Der jüdische Traum von den Tagen, an denen die ganze Welt einen einzigen Bund bilden wird ist ein Traum von vielen und gewaltigen Arten, die sich aus freien Stücken um das große göttliche Ideal scharen, das für alle platz hat, ohne eine Identität zu verwischen und ohne gewaltsame Aufdrängung einer Diktatur des Wachturmes.

Die Sünde der Generation der Abspaltung war die Sünde der einen Sprache, die Sünde der Gleichschaltung der Gedanken und des Aufzwingens einer Ideologie. Eine Sünde des Mangels an Glauben an das große Ideal, das um sich unterschiedliche Menschen aus freiem Willen und vollem Bewusstsein einen kann. Das war die Sünde der Einheitslinie, die sich den Massen aufzwingt, einer Generation, bei der, wenn sie hätte ausführen können, was sie auch ersinnen mochte, unser Vorvater Awraham im Feuerofen verbrannt wäre.

Das war eine Sünde, der manchmal gerade idealistische Menschen verfallen, die im Namen eines in ihren Augen wahren Ideales erbarmungslos alle aus dem Weg räumen, die von der herrschenden Linie abweichen. Diese Sünde machte die Spaltung der Menschheit in unterschiedliche Sprachen und Schattierungen sowie ihre Zerstreuung über den ganzen Erdball notwendig.
 
 

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