DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Ex. 18,1
- 20,23):
2448 Jahre hatte die Welt auf diesen großen Moment der Übergabe der Tora gewartet, denn bis dahin war ihre Existenz fraglich. So erklären die talmudischen Weisen zum Vers "die Erde fürchtet und wird ruhig" (Psalm 76,9). Warum fürchtet sie, und warum wird sie ruhig? "Erklärte Rabbi Schimon ben Lakisch nach dem Vers Und es ward Abend und ward Morgen: der sechste Tag (Gen. 1,31): Warum wird das der betont? Dies lehrt, dass der Heilige, gepriesen sei er, mit dem Schöpfungswerke eine Vereinbarung traf und zu ihm sprach: Nehmen die Israeliten die Tora an, so sollt ihr bestehen, wenn aber nicht, so verwandele ich euch wieder in Öde und Leere" (Schabbat 88a). Bekanntlich nahmen die Israeliten die Tora an, retteten die Welt vor dem Rückfall in das vorzeitliche Durcheinander und gaben der Welt einen Inhalt, eine Zielrichtung und eine Bedeutung. Diese Erhaltung der Welt bringt dem Volk Israel zusätzlichen Lohn neben der Einhaltung der Gebote. So lehrte uns der Neziw, "dass die Israeliten neben dem Lohn für die Ausführung der Gebote noch Lohn für die Erhaltung der Welt bekommen. Von den Völkern der Welt hingegen hängt die Erhaltung der Welt nicht ab, weswegen diese für die Einhaltung der sieben noachidischen Gebote nur den Lohn für diese Einhaltung allein erhalten" (Ha'emek dawar zu Lev. 26,3). Diese Erhaltung der Welt durch Tora und Gebote ist nicht nur eine allgemeine Angelegenheit, insofern dass die Welt im allgemeinen besteht durch die Aufsichnahme und die Befolgung der Tora durch das Volk Israel, sondern jeder Einzelne persönlich erhält und erbaut die Welt durch seine Bemühungen beim Torastudium und bei der Einhaltung der Gebote. Und im Gegenteil, g~ttbehüte, zerstört er die Welt durch böse und gemeine Taten und hindert sie, an ihre Bestimmung zu gelangen. So lehrte Rabbiner Chajim aus Woloschin in seinem Werk "Nefesch Hachajim" (I,4.Kap.), dass "der Mensch wissen muss, dass alle Einzelheiten seiner Taten und Reden und Gedanken zu jeder Zeit und jeden Moment nicht verloren gehen, g~ttbehüte, und wie sich seine Taten mehren und anwachsen und erheben, und wie eine jede aufsteigt entsprechend ihrem göttlichen Ursprung um ihre Wirkung zu zeitigen in den höchsten Höhen in den höheren Welten", (von dort kommt dann der Einfluss herab in unsere Welt, die Welt zu erbauen gemäß jenen spirituellen Welten, die er oben schuf). Weiter heißt es in "Nefesch Hachajim", dass dies die Absicht der talmudischen Weisen in der Mischna "Wisse, was über dir ist" ("Sprüche der Väter" 2.Kap.,1) war, nämlich auch wenn du nicht mit eigenen Augen die großartigen Dinge siehst, die aus deinen Taten resultieren - wisse aber, dass alles, was in den höheren Welten geschieht, von dir und von deinen Taten stammt, je nachdem, wohin sie neigen; entsprechend gehen sie aus und kommen". So wird verständlich, schreibt Rabbiner Chajim aus Woloschin, was die Hallstimme bedeutet, die vor Titus erschallte, als er den Tempel zerstörte: "Gemahlenes Mehl hast du gemahlen", d.h., ein zerstörtes Haus hast du zerstört, "denn der Tempel in der diesseitigen Welt ist ausgerichtet nach dem Tempel in der höheren Welt, und durch unsere Sünden minderte und schwächte sich sozusagen die Kraft der Höhen. "Den Tempel G~ttes verunreinigten sie", sozusagen den Tempel der höheren Welt, und dadurch hatte Titus die Kraft, den Tempel unten zu zerstören, nachdem der obere Tempel wegen unserer Sünden bereits seines Inhaltes beraubt war. Und von hier fährt er fort, dass "jeder weise Mensch, der dies von Grund auf versteht - dessen Herz erzittern und erbeben wird, wenn er sich seine weniger guten Taten vor Augen führt und wie weit sie reichen zu zerstören und einzureißen, g~ttbehüte". Und so lehrt uns in größerer Ausführlichkeit Rabbiner A.J.Kuk: "Alles, was der Mensch nachlässt und zu träge zum Tun und Wirken in der Wirklichkeit ist, entspringt einem Mangel an Glauben an die Größe des Guten, das er wirklich aller Existenz antut durch seine Betätigung auf dem Gebiete der Tora, der Gebote, des Dienstes und der Verbesserung seiner Charaktereigenschaften, und dazu erleuchtete G~tt unsere Augen mit den Worten höchster Heiligkeit, die uns zu lehren kommen, dass es in unserer Hand liegt, unsere Seele durch Tora, Weisheit, Gebote, Dienst und gute Charaktereigenschaften mit Licht zu füllen, zu jeder Zeit und jeden Moment. Und jeden Moment, an dem wir unserer Seele Licht zufügen - wenn wir nur daran dachten, nicht nur uns alleine zu fühlen, sondern alles Seiende, mehren wir Vervollkommnung und Leben bei allem". Genauer gesagt: "Unseretwegen mehrt der Gerechte Tatkraft bei seinem Dienst, und der Bösewicht mildert seine Bosheit in irgend einer Weise, und Gedanken der Reue stellen sich bei ihm ein durch Abglanz der von einer einzigen Seele, die wirklich an die Allgemeinheit dachte, verursachten zusätzlichen Heiligkeit" (Igrot I, Nr.301). Und in einer Zeit wie dieser,
wo wir verwirrt einer harten Wirklichkeit der Richtungslosigkeit gegenüber
stehen und fragen, was wir zur Änderung der Lage beitragen können,
lernen wir hier, welche gewaltige Kraft wir in Händen halten, die
Welt ihrer Bestimmung und ihrer Aufgabe näher zu bringen. Wollen wir
uns verantwortungsbewusst dieser Kraft der Tora und der Gebotserfüllung
bedienen, die in unsere Hände gelegt wurde, und mögen wir dadurch
würdig sein, den vollständigen Aufbau von Land und Heiligtum
in baldiger Erlösung zu erleben.
"Eine bedeutende Dame fragte Rabbi Jossi bar Chalafta: In wieviel Tagen schuf G~tt die Welt? Antwortete er: In sechs Tagen. Sagte sie: Was macht er seitdem? Sagte er: Der Heilige, gelobt sei er, sitzt und paart Paarungen, die Tochter des einen an jenen... Sagte sie: Das ist seine ganze Kunst?! Das kann ich auch - wieviele Diener habe ich, wieviele Mägde habe ich, in einer knappen Stunde habe ich sie alle miteinander verheiratet. Sagte er: Wenn es auch in Ihren Augen leicht scheint, schwer ist es vor dem Heiligen, gelobt sei er, wie das Auseinanderreißen des Schilfmeeres" (Bereschit raba 68,4). Nachdem die talmudischen Weisen die Schwierigkeit bei der Suche nach dem passenden Ehepartner mit dem "Auseinanderreißen des Schilfmeeres" verglichen, scheint es mir eine realistische Möglichkeit, aus dem Auseinanderreißen des Meeres einige nützliche Ratschläge für die Eheanbahnung zu fischen. Reißen und Spalten Manchmal stammt das Problem bei der Partnersuche vom Übergang des Junggesellenlebens zum Eheleben. Schwer nur trennt man sich von der warmen Atmosphäre des Elternhauses, wo die Verantwortung hauptsächlich auf den Schultern der Eltern ruht. Mit der Ehe geht das Gefühl deines endgültigen Risses von der Jugendzeit zusammen, eine Abtrennung vom geschützten Leben unter den elterlichen Fittichen. Plötzlich geht die Verantwortung auf unsere Schultern über, und viele tun sich schwer, mit dieser neuen Realität fertig zu werden. Schwer fällt die Ehe, die uns dem Elternhaus entreißt, den alten Gewohnheiten, der Kindheit, wie die Spaltung des Schilfmeeres. Wie ein Meer, das sich in zwei Teile teilt und seinen natürlichen Zustand verlässt, so fühlt sich manchmal ein Mensch, der sich mit der zu erwartenden Änderung konfrontiert sieht, er fühlt, dass er vor einer bedeutenden Veränderung steht. Das Auseinanderreißen des Schilfmeeres ist also schwer, das Wasser verliert seine Natur, es fließt nicht mehr wie früher, jedoch wird der aufmerksame Leser der Toraverse fest stellen, dass die Tora den genannten Vorgang gar nicht mit "Auseinanderreißen" bezeichnet, vielmehr besteht sie auf die Bezeichnung "Spaltung": "Und du erhebe deinen Stab, und strecke deine Hand aus gegen das Meer, und spalte es... Und Moscheh streckte seine Hand aus gegen das Meer... und die Wasser wurden gespalten" (Ex. 14,16+21). Auseinanderreißen und Spalten sind Begriffe mit anscheinend ähnlicher Bedeutung, beide beschreiben die Teilung einer Sache, ihren Bruch, und dennoch scheint es mir einen großen Unterschied zwischen ihnen zu geben. Das Auseinanderreißen beschreibt eine Zerstörung der Natur, das Wasser fließt nicht mehr wie vorher, die Kraft des Wunders zwingt es zum Ablassen von seinem normalen Verhalten. Spaltung beschreibt hingegen immer einen Bruch, aus dem etwas Neues hervor wächst. Das ist ein Zerbrechen vor dem Neuaufbau. Die Eierschale zerbricht in zwei Teile, und aus dem Spalt schlüpft das Küken hinein in ein neues Leben. Es stimmt wohl, dass es bei der Eheschließung ein Entreißen aus dem früheren, wohlbekannten Zustand gibt, doch ist dies in Wirklichkeit eher eine Abspaltung, "darum verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter" (Gen. 2,24), er muss aus dem Ei schlüpfen, eine neue Verantwortung auf sich nehmen, "und hängt an seinem Weibe, und sie werden zu Einem Fleische" (ebda.), und im Laufe der Zeit werden sie fest stellen, dass das Wasser in seinen Normalzustand zurück kehrte, mit gesteigerter Kraft im Vergleich zu früher. Die Partnersuche fällt schwer, wenn die Ehe als Abreißen verstanden wird, wenn aber als Spaltung, wird das Problem gemildert. Gebet Manchmal schlägt sich der Prozess der Bekanntschaften auf der Suche nach dem Ehepartner nachteilig auf die Konzenztration beim Gebet nieder. Es entsteht ein Gefühl, dass alle Worte schon gesagt und der Tränenvorrat ohne Ergebnis aufgebraucht wurde. Manchmal schleicht sich das Gefühl ein, als ob "da oben" keiner zuhört, und trotzdem muss man wissen, dass es in unserer Macht steht, die Periode der Erwartungen in eine Periode der G~ttesnähe zu verwandeln, und nicht in eine Entfernung von ihm. In den Momenten vor der Teilung des Meeres wandte sich das Volk Israel an G~tt im Gebet. Zwar trieb der Herr der Welt Moscheh an, er solle mit dem Flehen aufhören und Richtung Meer losziehen, doch hatten jene Momente des Gebetes wohl doch eine entscheidende Bedeutung, was die Spaltung des Meeres anlangte, wie es bei den talmudischen Weisen heißt: "Als die Israeliten sahen, dass sie von drei Seiten umzingelt waren, das Meer versperrt und die Hasser verfolgen und die wilden Tiere der Wüste... erhoben sie ihre Augen zu ihrem Vater im Himmel und flehten zum Herrn der Welt. Und warum tat ihnen G~tt also? Weil er sich nach ihrem Gebet sehnte" (Schemot raba 21,5). Schwer ist die Partnerwahl wie das Auseinanderreißen des Schilfmeeres, und wenn diese Schwierigkeit auf den Wunsch nach G~ttesnähe gelenkt wird, lässt sich der Beginn der Spaltung des Meeres vernehmen. Nachschon Von Anbeginn unserer Jugendzeit wurden wir zum ernsthaften Denken bei der Entscheidungsfindung erzogen, zur Vermeidung von Ungeduld, zur Abwägung der Möglichkeiten mit klarem Kopf... Manchmal übertrieben wir es etwas mit dem Nachdenken, wie mir scheint. Um bloß richtig zu entscheiden, beratschlagen wir endlos, zweifeln und überlegen hin und her, ziehen alle nur denkbaren Möglichkeiten in Betracht, damit die Sache "wasserdicht" wird, und vor lauter Überlegung verurteilen wir uns zu langen Jahren quälender Abwägungen. Viele reden von den Gefahren früher Eheschließung, ich möchte dazu hier nicht Stellung nehmen, nur darauf aufmerksam machen, dass man zum Sprung ins Ungewisse manchmal den erwachsenen Verstand zurück stellen muss, den bedachten und den verantwortungsvollen. Das jugendliche Alter hat etwas Unschuldiges an sich, das den Glauben an eine gelungene Zukunft eröffnet, auch wenn man nicht alle genauen Überlegungen anstellt. Für eine mutige Entscheidung muss man ein wenig Kind sein, nicht zu sehr durch kalkuliert, und glauben. So einer war Nachschon. Im Gegensatz zum äußeren Eindruck, wonach das stürmische Meer keinen Durchgang erlaubte, sprang er trotz der pessimistischen Realität hinein, wagte er es, glaubte er. Das war ein wenig das Kind im Manne, doch durch das Verdienst dieses "Kindes" wurden viele Erwachsene gerettet. Er hatte besondere Augen, dieser Nachschon, gütige Augen, die nicht bereit waren, die Wirklichkeit nur nach dem optischen Eindruck zu beurteilen, der nur das Offenbare vermittelt. Als alle am Meer standen und nur den Tod und Wellen sahen, blickte er tiefer und sah die Spaltung des Meeres und Glauben. Nicht selten verzögert sich die Partnerwahl, weil der Mensch nur nach dem optischen Eindruck geht und nicht tiefer schaut, nach der Innerlichkeit, nach dem hinter dem Vorhang Verborgenen des möglichen Ehepartners. Was macht er seitdem? Er paart Paarungen Nach alledem scheint der
größte Trost darin zu bestehen, dass wir alle versuchen, es
dem Schöpfer nach zu tun - so wie er nicht ruht, seit er seine Welt
schuf, und Paarungen paart, so hat ein jeder von uns die Pflicht und das
Recht, ihm bei dieser Arbeit zu helfen. Wenn das erreicht ist, wird die
große Schwierigkeit der Partnersuche zum großen Trost des Liedes
am Meer.
Kommentare von
Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
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Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
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Wir freuen uns, zusätzlich
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