DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EMOR
Nr. 716
15. Ijar 5769

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 21,1-24,23):
Besondere Vorschriften für die Nachkommen Aharons, die Priester: Verbot der Leichenunreinheit, Heiratsvorschriften, Dienstuntauglichkeit durch Gebrechen oder Unreinheit, Strafen; Vorschriften für Mitglieder der Priesterfamilie; Regelungen über die Tauglichkeit von Opfertieren; Schabbat und Festtage und ihre Gebote; Leuchter und Brottisch im Heiligtum/Tempel; Strafe des Gotteslästerers; div. Gesetze von Schädigungen.

Erew Schabbat: Pessach scheni
Dienstag: Lag Ba'omer



 
Am Schabbes-Tisch...

Im Feuerschein von Rabbi Schimon

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

In der Nacht von Lag Ba'omer (dem 33. Tag der Omerzeit) wollen wir uns vorstellen, während wir vor dem Lagerfeuer sitzen, wie wir mit Rabbi Schimon bar Jochai die Höhle betreten und versuchen, seine besondere Lehre zu verstehen, die ihn in diese Höhle brachte und wieder heraus, mithilfe des großen Sehers, unseres Lehrmeisters Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels) in seinem Werk Ejn Aja (Kommentar zu den Agadot im Talmud).

Im Talmudtraktat Schabbat (S.33b) wird von einem Streit der Weisen berichtet: "Da begann Rabbi Jehuda und sprach: Wie schön sind doch die Werke dieser Nation [der Römer]! Sie haben Straßen angelegt, Brücken gebaut und Bäder errichtet. Rabbi Josse schwieg. Darauf ergriff Rabbi Schimon bar Jochai das Wort und sprach: Alles, was sie errichtet haben, geschah nur in ihrem eigenen Interesse. Sie haben Straßen angelegt, um da Huren zu setzen, Bäder errichtet zu ihrem Behagen, Brücken gebaut, um Zoll zu erheben".

Eine schwierige Zeitperiode. Das jüdische Volk behandelt noch seine furchtbaren Wunden infolge des Scheiterns der Bar-Kochba-Revolte und erwartet eine Antwort auf die Frage: Wie soll es weitergehen?, und wie soll man sich der verbrecherischen Römerherrschaft gegenüber verhalten? Rabbi Jehuda erwähnt die Vorzüge einer römischen Herrschaft. Das Hegen eines Zornes auf Rom bringe keinen Nutzen, im Gegenteil, man sollte versuchen, die Lebensqualität unter ihrer Regierung mithilfe ihrer wirtschaftlichen und technologischen Macht zu verbessern und sich so gut es geht durchwursteln bis bessere Zeiten anbrechen. Rabbi Schimon bar Jochai ist dagegen: So eine Einstellung hat auf lange Sicht eine zerstörerische Wirkung. Wir müssen wissen: Von Bösewichten kommt Böses, und auch die scheinbar guten Dinge entspringen im Grunde dem Egoismus und der Verdorbenheit, sie triefen von Schmutz und Abscheu. Alles Römische muss durchweg abgelehnt werden, wir wollen "weder ihren Honig noch ihren Stachel". Das ist der einzige Weg der Auseinandersetzung mit ihrer Macht und ihrem kulturellen und spirituellen Einfluss.

Die göttliche Oberlenkung führte dahin, dass Rabbi Jehuda von den Römern "überall zum Haupt der Redner" gemacht wurde. Aus praktischer Sicht "war sein Weg der richtige - sich mit dem praktischen Leben und der Wirklichkeit zu arrangieren und den besonders ausgewählten und guten Teil zu übernehmen". Gegenüber Rabbi Jehuda jedoch, der die Gegenwart in den Mittelpunkt stellte, stand Rabbi Schimon, der die Aspekte der Ewigkeit betrachtete, die Rom und alles Römische absolut verneinen. 

Rabbi Schimons Weg eignete sich nur für die Wenigen, die das Lehrhaus ihr Zuhause nannten. So brachte ihm die göttliche Oberlenkung eine lange Periode, in der er sich im Lehrhaus verborgen halten musste, wo er seine Lehre vor willigen Schülern dozierte, die seine Worte dann an die breite Öffentlichkeit trugen. 

Es herrschte jedoch eine zu krasse Diskrepanz zwischen der realen Welt und seinem idealistischen Bewusstsein. Der römische Geheimdienst bedrohte das Leben Rabbi Schimons und es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in einer Höhle zu verstecken, weit entfernt und vollkommen abgekapselt von natürlicher menschlicher Gesellschaft. Die Isolation, die Abtrennung von jedweder menschlicher Zivilisation, die wundersame, himmlische Versorgung mit Lebensmitteln passen genau zu der derzeitigen Lage Rabbi Schimons in der vollkommenen Verkörperung seiner idealistischen Bestrebungen.

Und siehe, die Zeit ist reif die Höhle zu verlassen. Die Diskrepanz zwischen den großartigen Bestrebungen Rabbi Schimons und der bestehenden Wirklichkeit ist so enorm bis dass jeder Ort, auf den er seinen Blick richtet, in Flammen aufgeht, und eine himmlische Hallstimme erschallt: "Seid ihr herausgekommen, um meine Welt zu zerstören?!" Die Welt in all ihrer Vertracktheit und unerträglicher Mischung aus Gut und Böse ist nicht die Welt des Satans, sondern "meine Welt" - die Welt G~ttes. Vollkommene Ablehnung von allem, das nicht den erhabensten Bestrebungen entspricht, mögen sie auch noch so lebenswichtig sein, um sich nicht mit der Schlechtigkeit abfinden zu müssen und nicht von ihr beherrscht zu werden... so ein Weg passt allerdings nicht zu dem Glauben, dass der Schöpfer und Lenker der Welt für alles verantwortlich ist, was in ihr geschieht. Der Weg zur Besserung der Welt führt nicht über den Aufbau auf den Ruinen der gegenwärtigen Welt, vielmehr "muss man in die Tiefe der Niederungen des Lebens hinabsteigen, es nach seiner Art erhalten und es langsam aber sicher veredeln, bis es auf die Ebene empor steigt, die ihm die Weisheit des Schöpfers zugewiesen hat". Dazu kehrt Rabbi Schimon für ein weiteres Jahr in die Höhle zurück, um nämlich einen noch höheren Blickpunkt zu erlangen, von dem aus sich erkennen lässt, wie man das Gute aus dem Bösen sprießen lassen kann, Glück aus Leiden, Süße aus Bitterkeit und Licht aus Finsternis.

Sein zweiter Auszug aus der Höhle erfolgt am Vorabend des Schabbat zur Zeit des Sonnenuntergangs. Da trifft Rabbi Schimon einen greisen Juden, der schnell daher läuft mit zwei duftenden Myrtenzweigen in der Hand. In dieser Stunde und an diesem Ort begegnen sich das Heilige und das Weltliche, das Ewigliche und das Augenblickliche, das Materielle und das Spirituelle, und da sieht man, wie die Heiligkeit des Schabbat auf das Wochentägliche ausstrahlt, das der Vorbereitung auf die Heiligkeit dient, und wie das Ewigliche auf die Gegenwart strahlt. Der Schabbat gibt jenem Greis die Kraft, ihm entgegen zu laufen. Die zwei Myrtenzweige in seiner Hand: Einer für "Hüte" - hüte das Heilige vor jedem verderblichen Kontakt mit dem Weltlichen und dem Bösen, einer für "Erinnere" - wirke innerhalb der gegenwärtigen Realität mit dem Bösen und der Unreinheit, die in ihr vorkommen, um zu jenem Schabbattag zu gelangen, "der nur noch Schabbat und Ruhe zum ewigen Leben" darstellt. Beide Seiten sind nötig: Einerseits die kompromisslose, idealistische Bestrebung, andererseits die Möglichkeit schrittweiser Aktivitäten zu ihrer Verwirklichung innerhalb einer komplizierten Realität unter Einsatz aller sich bietenden Mittel und in Erkenntnis aller Lichtblicke, die in den Tiefen der Finsternis verstreut sind.

Das ist ein wenig von dem Licht von Rabbi Schimon bar Jochai, das zu uns aus den Feuern zu Lag Ba'omer hervorscheint.
 
 
 
Kinder, Kinder...

Das richtige Erziehungsalter (II)

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Letzte Woche erwähnten wir die wichtigen Erklärungen von Rabbiner Scha'ul Israeli zur Bestimmung des Erziehungsalters zu den Geboten. Der Beginn dieser Erziehung hängt nicht vom Verstehen der Gebote (Mitzwot) ab, sondern von der tatsächlichen Fähigkeit zu ihrer Ausführung. Wenn demnach das Kind fähig ist, den Lulaw regelrecht zu schütteln, erzieht es sein Vater dazu; ebenso bei den anderen Geboten. Wir glauben an den inhärenten Einfluss der Mitzwot auf die Seele des Kindes, selbst im Alter von 3-5 Jahren. Das ist die erste Stufe der Erziehung des Kindes zu den Mitzwot. Wenn es dann ungefähr zehn Jahre alt wird und schon gewissen Verstand zeigt, erreicht es die zweite Stufe der Gebotserziehung: Die talmudischen Weisen verlangen nun nicht nur vom Vater die Erziehung zu den Mitzwot, sondern wenden sich auch an das Kind und fordern von ihm die Erfüllung der Gebote. 

Wann ist ein Kind demnach zum Schma-Lesen verpflichtet? Zu der Mischna (Brachot 20a), wonach Minderjährige vom Schma-Lesen und dem Gebot der Tefillin frei sind, erklärte Raschi, dass dazu selbst ein Kind gehöre, das bereits zur Erziehung zu den Geboten verpflichtet ist, "weil es nicht immer anzutreffen ist, wenn die Zeit zum Schma-Lesen gekommen ist" ("Weil seine Zeit nicht so lang ist und es nicht ständig bei seinem Vater ist, damit dieser es daran gewöhnen könne", RaSchbA). Erklärt der Tur (§70), dass der Sohn morgens nicht bei seinem Vater anzutreffen ist, weil er schläft, ebenso am Abend, und darum verpflichteten die Weisen den Vater nicht zur Erziehung zum Schma-Lesen. Daraus entnehmen wir, dass der Vater normalerweise seinen Sohn dadurch zu den Mitzwot erzieht, indem er diese gemeinsam mit ihm ausführt. Wenn der Sohn aber normalerweise nicht beim Vater ist, wenn dieser das Gebot ausübt, dann braucht er ihn nicht dazu zu erziehen. Darum wurde die Pflicht der Erziehung zum Schma-Lesen auf das Alter von 12-13 Jahren hinausgeschoben. 

Rabenu Tam brachte zum Einwand gegen diese Erklärung von Raschi jene Talmudstelle, wonach ein Kind, das die Tefillin vorsichtig zu behandeln weiß, von seinem Vater zu diesem Gebot erzogen wird, und doch erst recht zum Schma-Lesen, so wie die Weisen lehrten, dass ein Kleinkind, sobald es sprechen kann, vom Vater den Vers "die Tora gebot uns Moscheh" (Dt. 33,4) und den ersten Vers des Schma-Gebetes beigebracht bekommt. 

Diesen Einwand lösten die Kommentatoren ("Pnej Jehoschua", "Nachalat David"), indem der Vater dem Kind zwar den ersten Vers des "Schma Jisrael" beibringt, aber nicht zur Erfüllung dieses Gebotes, sondern allgemein es Tora zu lehren und es an die Aufsichnahme des himmlischen Joches zu gewöhnen. Auf dieser Stufe der Erziehung braucht noch nicht auf die korrekte Zeit zum Schma-Lesen geachtet zu werden, vielmehr lehrt man das Kind, diesen Vers zu jeder Tageszeit zu sagen.

Eine andere Antwort gaben die Schüler von Rabenu Jona. Ein Kind ist nicht zum Schma-Lesen verpflichtet, und was die Weisen von einem Kind bemerkten, sobald es zu sprechen fähig ist, sein Vater habe ihm das "Schma Jisrael" beizubringen - das ist "nicht als bindende Verpflichtung gedacht, sondern als Gewöhnung an die Gebote". Es gibt also verschiedene Stufen der Erziehung zum Schma-Lesen: 1. Stufe - zum Angewöhnen. 2. Stufe (mit 13 Jahren) - als Pflicht. Worin besteht der Unterschied? Bei der ersten Stufe ist die erzieherische Einstellung keine fordernde, man verpflichtet das Kind zu nichts, sondern bemüht sich um seine Eingewöhnung. Erst beim Erreichen des Bar/Bat-Mitzwa-Alters fordert man von ihm das Schma-Lesen.

Rabenu Tam widerspricht Raschi: Nur ein Kind, das noch nicht das Erziehungsalter erreicht hat, ist vom Schma-Lesen befreit, ein Kind aber, das dieses Alter bereits erreicht hat, ist pflichtig. RaSchbA (Rabbi Schlomo bar Awraham ben Aderet) macht dazu eine interessante Bemerkung: Die Mischna betont, dass ein Kind vor dem Erziehungsalter vom Schma-Lesen befreit sei, weil es Gebote gibt, zu denen man Kinder schon vorher erzieht, wie das Verweilen in der Sukka, wie wir bereits lernten, dass "ein Kind, das seiner Mutter nicht mehr bedarf" zur Sukka verpflichtet ist. Es gibt also Mitzwot, bei denen die Pflicht zu ihrer Erziehung bereits beginnt, bevor das Kind das Erziehungsalter erreicht hat, und man erzieht dazu sogar die Allerkleinsten; bei anderen Geboten beginnt die Pflicht erst mit dem Erziehungsalter. Warum gibt es solche und solche Gebote? Manche erklärten, wenn das Gebot hauptsächlich durch eine Handlung ausgeführt wird, beginnt die Erziehung dazu früher, noch bevor das Kind das Erziehungsalter erreicht. Wenn das Gebot aber hauptsächlich im Spirituellen, technisch auszuführen besteht, wie das Schma-Lesen, beginnt die Erziehung dazu erst später: mit dem Erreichen des Erziehungsalters, einem gewissen Grad des Verstehens.

In der Halacha (Schulchan Aruch O.C. §70,2) werden beide Ansichten aufgeführt: "Minderjährige sind [vom Schma-Lesen] befreit, nach Rabenu Tam, wenn sie noch nicht das Erziehungsalter erreicht haben; und nach Raschi sogar darüber, weil sie am Abend zur Zeit des Schma-Lesens nicht beim Vater anzutreffen sind und morgens schlafen. Man sollte aber nach Rabenu Tam verfahren". Dazu heißt es in der "Mischna Brura": "Das bedeutet, obwohl das Gesetz nach Raschi einleuchtet, und so schrieb auch der Gaon Rabbi Elijahu von Wilna, ist es trotzdem recht, wie Rabenu Tam zu verfahren", und darum das Kind vom Alter von 7 Jahren an zum gebotsmäßigen Lesen des Schma-Gebetes zu erziehen. 
 
 

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