DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BALAK *
Nr. 724
12. Tammus 5769

*(außerhalb Israels: Chukkat-Balak) 

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 22,2-25,9):
Balak, König von Moaw, fürchtet Invasion der Kinder Israels und lässt Bil'am, den nichtjüdischen Propheten, kommen, um durch dessen Flüche das Schicksal abzuwenden; auf der Reise misshandelt Bil'am seine Eselin und sie beschwert sich; auf G~ttes Befehl segnet Bil'am die Israeliten, statt zu verfluchen, zu Balaks Missfallen; das Volk macht sich an die Moabiterinnen ran, göttliche Strafung durch Seuche; Pinchas, Enkel Aharons, beendet das Treiben durch Aufspießen des Anführers und seiner midjanitischen Gefährtin.
Haftara: Micha 5,6-14, 6,1-8

Donnerstag, 17. Tammus - Fasttag
Beginn der "Drei Wochen"



 
Am Schabbes-Tisch...

Ein Stern aus Jakov

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Bil'am segnete nicht nur jene Generation des Volkes Israel, sondern alle Generationen bis hin zur allerletzten. "Ich sehe ihn, doch nicht jetzt, ich schaue ihn, doch nicht nahe" (Num. 24,17). Und was sah da Bil'am? "Es tritt hervor ein Stern aus Jakov und ersteht ein Stab aus Israel und durchbohrt die Seiten Moaws und zerschmettert alle Söhne Schets" (ebda.). Wer ist dieser "Stern", der aus Jakov hervor tritt?

Allgemein bekannt ist die Antwort Rabbi Akivas, der diesen Vers auf Bar Kochba auslegte und zu dessen Anhänger wurde. Die ganze Geschichte um den Bar-Kochba-Aufstand ist schon sehr geheimnisvoll, und noch viel mysteriöser die Erklärung für dessen Unterstützung durch Rabbi Akiva und die meisten Weisen seiner Zeit. Doch Tora ist es, und lernen wollen wir sie (siehe Brachot 62a) im Lichte des großen Sehers, unseres Lehrmeisters Rabbiner A.J. Kuk. In seinem Schreiben an die "Bnej Akiva" (Ma'amarej Hara'aja S.202-203) ließ er sich über die Weise aus, auf die wir - in unserer heutigen Zeit - aus dem Verhalten Rabbi Akivas lernen sollten: "Rabbi Akivas besondere Eigenschaft erwacht jetzt wieder in der Zeit des Sprossens der Errettung, uns ein ewiges Licht zu sein - Begeisterung und Opferbereitschaft zur Stärkung jeder Vision der Erlösung und Wiedererstehung Israels und seines Landes".

Das lernten wir von Rabbi Akiva: Jede Gelegenheit zu erkennen und die Initiative zu ergreifen, den Prozess der Erlösung voranzutreiben. Rabbi Akivas Weg verlangte nicht nach passivem Glauben, dem Sitzen mit verschränkten Armen in Erwartung der göttlichen Errettung, die von selbst käme. Er verlangte von sich selber aktive Beteiligung in seiner Eigenschaft als "Waffenträger" Bar Kochbas, auch wenn wir über die genaue Bewandtnis dieses "Waffenträgertums" nicht Bescheid wissen. 

Und wenn jemand etwa fragen sollte: Aber Rabbi Akiva erreichte sein Ziel nicht, der Bar-Kochba-Aufstand endete in einer Katastrophe! - dem antwortet Rabbiner Kuk: "Und genau deshalb, weil die Vision in ihrer Zeit scheiterte, Bar Kochba fiel und mit ihm Israel, was die nationale Unabhängigkeit anlangt - sind wir doch sicher, dass die Stunde der wahren Lehre, die er in seinem heiligen Munde führte, kommen wird".

Diese Antwort überrascht. Nicht nur, dass der Fehlschlag nicht etwa auf irgendeinem Irrtum beruhte - vielmehr trifft das Gegenteil zu. Die Methode Rabbi Akivas war richtig, und seine Worte werden nicht unerfüllt bleiben. Der Fehlschlag des ersten Versuches legt ein Zeugnis ab über den zu erwartenden Erfolg des zweiten Versuches, den Versuch der "Bnej Akiva" unserer Generation: "Diese Stunde ist nicht mehr weit, und nicht zweimal entsteht die Not (Nachum 1,9), und nicht umsonst kämpfte Israel einen Krieg um seine Existenz und seinen Sieg bis in die letzte Generation einschließlich".

Einen hochinteressanten Präzedenzfall für die Feststellung Rabbiner Kuks, "nicht zweimal entsteht die Not", können wir im Targum Jonatan [erläuternde Übersetzung ins Aramäische] zur "Sünde der Trotzigen" finden [die nach der Sünde der Kundschafter nun doch, gegen G~ttes Willen, das Land Kana'an erobern wollten und beim Versuch geschlagen wurden; Num. 14.Kap.]. Nachdem jene die Anhöhe erstürmten, trotz der Warnung von Moscheh, "es wird doch nicht gelingen!" (V.41), fügt der Targum ein Wort hinzu: "es wird euch doch nicht gelingen". Der Kommentar "Perusch Jonatan" erklärt dazu wie folgt: "Fügte das Wort euch hinzu um damit richtig zu stellen, dass man nicht generell vermute, das Unternehmen könne nicht gelingen, vielmehr könne es gelingen! Nur euch wird es nicht gelingen". Ähnliches schrieb Rabbi Zadok Hakohen aus Lublin in seinem Buch Zidkat Hazadik (§46) über die Trotzigen: "Und sie hatten keinen Erfolg damit, weil sie es 'unreif aßen'". D.h., die Idee an sich war gut, nur war die Zeit noch nicht reif. Weiter erklärte Rabbi Zadok, wann würden die "Trotzigen" Erfolg haben? "Wie die talmudischen Weisen sagten, 'auf den Spuren des messianischen Zeitalters werde die Frechheit wachsen', denn dann ist die Zeit dafür... und darum sagte ihnen Moscheh: 'Es wird doch nicht gelingen' - wie einen guten Ratschlag, dass es eben nicht gelingen wird. Beachte: 'Es' - überall erklärten die Weisen 'Es - und nichts anderes', aber es gibt dafür eine andere Zeit, wenn es ja gelingen kann, und das ist unsere Zeit, nämlich die Spuren des messianischen Zeitalters".

Entsprechend schrieb Rabbiner Kuk in seinem Werk Orot (Orot Hatechija §26): "Das ganze Volk glaubt daran, dass es nach der Erlösung, deren Anfänge vor uns ablaufen, kein Exil mehr geben wird, und dieser sein tiefer Glauben bedeutet an sich schon das Geheimnis seiner Existenz; das Geheimnis G~ttes offenbart sich im Verlaufe der Geschichte, und die Überlieferung aus frühen Zeiten bezeugt das Licht seiner Seele [des Volkes], die sich selbst und alle Beziehungen ihrer Ereignisse bis hin zur letzten Generation kennt, die Generation, die nach der nahen Errettung ausschaut". 

Und wenn wir eine Verfinsterung der Himmelsleuchten sehen, und der Stern der Erlösung, der schon über den Himmel zog, von Wolken verdeckt wird - lassen wir den Mut nicht sinken! Gerade die Ereignisse, die Verzweiflung auslösen, erwecken Hoffnung. Schon die talmudischen Weisen sahen diesen Fall voraus, indem sie sagten: "Der Sohn Davids kommt nicht eher,... bis sie an der Erlösung verzweifelt haben werden" (Sanhedrin 97a). 

Was bedeuten alle diese Dinge? "Denn die Erlösung selber hat es so an sich, dass man durch sie zur Verzweiflung gelangt, und genau diese ist es, die die Erlösung erwirkt und den Sohn Davids bringt... und durch die Kraft der Verzweiflung erscheint der große Glauben glänzend in Heiligkeit. '..blicke vom Gipfel Amanah' (Hohelied 4,8) - die verschiedenen Zerstreuungen werden zukünftig nicht anders eingesammelt als durch den Lohn des Glaubens [Emuna, wie Amanah]" (Lenetiwot Israel I,S.102). 

Dazu lässt sich anmerken: Wenn dereinst wirklich "ein Stern hervortritt" - woher entspringt er? Aus "Jakov" - aus einer Situation der Erniedrigung, der Unterdrückung und der Verzweiflung "Jakovs", der die Ferse seines Bruders festhält und von dieser Ferse niedergetreten wird. Und nun - 3500 Jahre nach dem Ausspruch Bil'ams "Ich sehe ihn, doch nicht jetzt, ich schaue ihn, doch nicht nahe" - mögen wir alle Bnej (Kinder) Rabbi Akivas werden und an der Verwirklichung der Vision Rabbi Akivas teilnehmen: "Es tritt hervor ein Stern aus Jakov... und Israel tut Mächtiges" (Num. 24,17-18).
 
 
 
 
HaRav Aviner

Heiraten ist schwer (I)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Heiraten ist eine Mitzwa und eine Freude - aber auch schwer. In unserem Lande gibt es 600.000 Ledige, übrigens etwas mehr Männer als Frauen. Das Auffinden eines Ehepartners ist "so schwer wie die Spaltung des Schilfmeeres" (Sota 2a), doch lässt sich dieses Meer spalten, man muss allerdings hinein springen und darf keine Angst haben.

Es gibt zwar Hindernisse auf dem Wege, doch lassen sie sich alle überwinden. Es gibt auch unlösbare Probleme, doch auch diese lassen sich überwinden. Sagte Napoleon: Das Wort "unmöglich" gibt es nicht in meinem Lexikon. Er irrte sich, wir aber sagen, dass eine Ehe immer möglich ist und sich alle Hindernisse überwinden lassen. Fangen wir mit den schwersten an:

1. Behinderte; objektive, unlösbare Probleme - und dennoch lautet die Lösung, einen Partner/in mit dem gleichen Problem zu heiraten. Es mag dabei technische Schwierigkeiten geben, die das Leben erschweren, doch seelisch werden sie es leichter haben, denn jemand mit dem gleichen Problem bringt mehr Verständnis dafür auf, hört zu und hilft. [Alle folgenden Telefon-Nummern in Israel:]
a) "Lama lo" - für Leute mit seelischen Problemen 026446908, lamaloisrael@walla.co.il
b) "Machon Puah" genetische oder Fruchtbarkeitsprobleme, david@puah.org.il
c) physisch Behinderte, anvaris@sde.org.il
d) "Ssi hakescher" Einsamkeit und gesellschaftliche Probleme, 035490243, e-kesher@bezeqint.net
e) "Love davka", physisch Behinderte, www.lovedavka.co.il
f) "Pina li", Körperbehinderte, www.pinali.co.il
g) Bekanntschaften für Körperbehinderte, www.geocities.com/nechim_date
h) HIV-positiv, www.plove.co.il
möge G~tt helfen.

2. Geizkragen. Geh nicht zu Heiratsvermittlern, die im voraus enorme Summen verlangen. Dennoch sollte man bei Erfolg eine hohe Summe zahlen, 1000 Euro jede Seite, ungefähr 10% der Hochzeitskosten. Auf jeden Fall muss man die Bearbeitungsgebühr bezahlen, etwa 20 Euro pro Monat, denn der Ehevermittler/in (Schadchan/Schadchanit) hat hohe Ausgaben für Telefonate und setzt viel Zeit dafür ein. Warum verlangst du, dass sich die Leute gratis für dich bemühen? Bist du ein Parasit?

3. Gute Schadchanim. Bevor du dich an einen Ehevermittler wendest, ob Profi oder freiwillig, prüfe, ob er was taugt. a) ob er nur passende Vorschläge anbietet und keine Vorschläge macht, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. b) der die beiden Kandidaten den ganzen Weg begleitet, der sich ihre Probleme anhört, der Brücken zu schlagen versucht, denn häufig lehnen Kandidaten gleich nach der ersten Begegnung ab und urteilen nach ungerechtfertigten Kriterien, wobei mithilfe von klärenden Gesprächen die Dinge die richtigen Proportionen erhalten können.

4. Mystiker. Diese prüfen das Zusammenpassen mithilfe von numerologischen Analysen der Namen oder Vergleichen der Geburtsdaten, alles ein großer Unsinn. Manche gehen zu falschen Kabbalisten, um vermeintliche astrologische Hindernisse beseitigen oder sich von einem bösen Zauber befreien zu lassen - alles Humbug. Manche geben Almosen zur "Auslösung" oder "Reinigung" ihrer Seele, es ist aber besser, ganz normal und direkt zu spenden und den Armen zu helfen. Auch der Besuch der Gräber der Frommen hat seinen Wert, doch sollte man die Kosten dafür lieber den Armen spenden und die Zeit für Nächstenhilfe verwenden. Segnungen und Gebete durch Rabbiner sind sicher sehr gut, doch die bei weitem besten spirituellen Lösungen sind und bleiben: Gebet, Umkehr und Armenspenden.

5. Äußerlichkeiten. Es gibt junge Männer, die ausgerechnet eine Schönheit heiraten wollen, z.B. schlank, aber nicht vollschlank, hell- und nicht dunkelhäutig, blond und nicht schwarzhaarig, blaue Augen, aber nicht braune, und dergleichen Schwachsinn mehr. "Trug ist die Anmut, und eitel die Schönheit; ein Weib, das den Ewigen fürchtet, das werde gerühmt" (Sprüche 31,30). Am Ende bleiben sie ledig, ohne Schlanke und ohne Dicke, ohne Helle und ohne Dunkle. Alle diese Äußerlichkeiten entbehren jeglicher Bedeutung, werden genährt von einem Materialismus ohne innerem Wesen, durch Betonung der Neben- statt der Hauptsache, vom Einfluss der Medien und nicht der Tora, die uns lehrt, das eine gute Seele die Hauptsache ist, ebenso Ehrlichkeit und Treue, Gutherzigkeit und Himmelsfurcht. Sicher muss die Auserwählte auch Gefallen in seinen Augen finden, doch nicht nach Maßstäben von Schönheit, die von der Mode diktiert werden.

6. Standesbeschränkungen. Manche wollen keine Geschiedene heiraten oder Witwen/Witwer. Schade. Ein Mensch sollte nicht nach seinem früheren Familienstand beurteilt werden, sondern nach seinem Charakter.

7. Romantik. Sie suchen die Liebe-auf-den-ersten-Blick und hinreißende Gefühle. Das ist ein Fehler. Sicher braucht man Zuneigung, die Hauptsache aber ist das Eheglück, und das kann man immer durch gemeinsame Anstrengung aufbauen. Immer! Auch die Gefühlswelt lässt sich gemeinsam aufbauen.

8. Prüfer (wer sich ewig bindet..). Andererseits gibt es Leute, die die Kandidatinnen einem Quiz, Examensprüfungen und geheimpolizeilichen Verhören unterziehen. So eine Fülle von Einzelheiten ist wenig hilfreich, denn es lässt sich niemals der perfekt passende Partner finden, vielmehr beurteile man den Menschen nach der Mehrheit seiner Züge.

9. Spirituelle Wählerischkeit. Ein Mädchen, das in einer bestimmten Ulpena lernt, wird niemals einen Jungen aus der XYZ-Jeschiwa heiraten. Sie bleibt lieber ihr Leben lang ledig als sich einem Menschen zu nähern, der einer anderen "Sekte" angehört und die 13 Glaubensartikel ablehnt und Schlimmeres...

10. Übertriebene Eigenliebe. Hier gelangen wir zur zentralen Schwierigkeit. Sicher ist es gut, dass der Mensch sich selbst liebt, "liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18), also auch dich selbst. Aber Individualismus, Egoismus und Egozentrik sind eine furchtbare Plage, die die Ehen zerstört und in unserem Land hunderttausende Ledige erzeugt. Zwar hat die Eigenliebe einen Wert, das ist aber nur die halbe Geschichte, man muss sich darüber erheben und den Ehepartner nicht als Mittel zur Befriedigung seiner eigenen egozentrischen Bedürfnisse ansehen.

[Fortsetzung nächste Woche]



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