DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Lev. 25,1-27,34):
Was hat man von "Gelübden" (Nedarim) zu halten? Handelt es sich um ein Gebot, um etwas Erlaubtes, oder um ein Verbot? Der Neziw (Rabbi Naftali Zwi Jehuda Berlin, Leiter der Woloschiner Jeschiwa) gab eine auf den ersten Blick höchst verwunderliche Erklärung zu unserem Wochenabschnitt: "Wenn jemand ein besonderes Gelübde ausspricht" (Lev. 27,2) - "Was bedeutet 'besonderes'? Weil es darin besonders ist, dass G~tt nicht daran interessiert ist". Wie ist das möglich? Wenn es ein Gebot (Mitzwa) ist, warum sollte G~tt nicht daran interessiert sein? Nach dem Kommentar von Rabbiner Schimschon ben Raphael Hirsch (zur Stelle) ist das Gelübde überflüssig, wie man es auch betrachtet. Wenn der Mensch zu der Sache, die er gelobt, verpflichtet ist - ein Gebot oder eine gute Tat - muss er sie auch ohne Gelübde ausführen, und wenn er die Sache eigentlich nicht zu tun braucht, d.h. sie gar nicht so wichtig oder nötig ist - wozu sollte er denn eine wertlose Sache in den Rang einer ernsthaften Verpflichtung erheben?! Darüberhinaus befindet sich der Gelobende häufig in einer Ausnahmesituation wie Schmerz, Erregung, spiritueller Erhebung usw., wodurch sein Gelübde keineswegs seinen wirklichen Standpunkt offenbart, was in der Folge zu Schäden aufgrund der von ihm in seinem Gelübde übernommenen Verpflichtungen führen kann. Das ist seiner wirklich nicht würdig. Weiter vergleicht Rabbiner Hirsch das Wort neder (Gelübde, s.o.) mit neter, springen, aber nicht nach oben (um auf eine höhere Rangstufe zu gelangen), sondern wie von Ort zu Ort, unter Auslassung des Zwischenraumes. Eine weitere Ähnlichkeit besteht mit natar, hüten, und weist auf ein Ziel (matara), das man im Herzen hütet und es von weitem betrachtet. Und so ergibt sich, wie das "Springen" auf jemanden anspielt, der mit seinem Körper auf ein fernes Ziel unter Überspringen des Zwischenraumes zusteuert, und "Hüten" auf jemanden, der gleichfalls, diesmal allerdings nur mit seinen Gedanken das Ziel anstrebt, dass sich der Gelobende auf einen Zeitpunkt begibt, der noch nicht eingetroffen ist, und er bestimmt genau, was dann zu tun sei, und genau deswegen, weil er die in nebulöser Ferne liegende Zukunft heranholt, wird der Gelobende ein Sünder genannt. Ist es doch schon schwer genug, den Moment der Gegenwart genau zu überblicken und abzuschätzen und unsere Pflicht in Treue zu erfüllen. Ein Gebot und eine gute Tat, die wir uns verpflichteten, im nächsten Moment zu erfüllen, müssen wir auch ausführen, wenn wir es nicht im Herzen und durch ein Gelübde abmachten. Andererseits dürfen wir kein Unrecht tun, auch wenn unser Gelübde darauf hinausläuft. Gelübde zum Guten wie im Bösen sind also überflüssig. - Zwar ist das Geloben eine gute Sache und sogar geboten, wenn man dadurch einer Gebotspflicht größeren Nachdruck verleihen kann, doch auch in diesem Fall sollte man versuchen, ohne ein ausdrückliches Gelübde auszukommen, wie es im Gesetzestext des Schulchan Aruch (J.D. §203) heißt: 1. Man sollte das Geloben von Gelübden nicht zur Gewohnheit machen, denn jeder, der ein Gelübde ausspricht - obwohl er es erfüllt - wird ein Bösewicht und Sünder genannt. ... 3. Wer ein Gelübde ausspricht gilt, als ob er einen Altar zur Zeit des Altarverbotes gebaut hätte, und wer es erfüllt, als ob er darauf ein Opfer darbrächte. 4. Man sollte gar nichts geloben, noch nicht einmal Armenspenden... 5. Zur Zeit eines Unglücks ist das Geloben erlaubt. 6. ...für jemanden, der befürchtet, (beim Lernen und dem Erfüllen der Gebote) nachlässig zu sein, ist das Gelübde ein Gebot, um sich mehr anzustrengen. 7. Wer Gelübde gelobte, um seinen Willen zu konzentrieren und seine Taten zu bessern, der ist tüchtig und lobenswert... und obwohl sie zum Dienst (an G~tt) gehören, lade der Mensch nicht übermäßig viele Verbotsgelübde auf sich und gewöhne sich dies nicht an, vielmehr halte er sich von Dingen fern, die man meiden sollte (und bessere das Besserungswürdige) ohne Gelübde. In einem Zeitalter des freizügigen
Redens, sowohl in Bezug auf Erlaubtes als auch in Bezug auf Gebotenes,
wollen wir uns bemühen, keine Gelübde zu äußern, denn
es ist "ein Gebot, an dem G~tt nicht interessiert ist" (s.o.), und mit
G~ttes Hilfe mögen wir immer höhere spirituelle Stufen erklimmen
bis zur baldigen vollkommenen Erlösung.
[Anmerkung der Redaktion:
Bei einem "Gelübde" (Neder) handelt es sich nicht, wie man
vielleicht annehmen könnte, um eine biblische, heutzutage unübliche
und nur bei religiösen Anlässen gebräuchliche Formel, sondern
um eine unbedingte Übernahme einer Verpflichtung in unserem tagtäglichen
Umgang. Zum Beispiel: "Ich komme morgen zur Sitzung", oder "Ich kaufe dir
ein Fahrrad zum Geburtstag". Wenn man sein Wort dann nicht einhält,
hat man seinen Neder gebrochen und eine Sünde begangen. Es
ist daher üblich, jeweils vor der Übernahme einer derartigen
Verpflichtung "bli neder" zu sagen, d.h. "meine folgende Verpflichtung
hat nicht die Strenge eines Neders". Am Rande sei an die Aufhebung
von Nedarim durch das "Kol Nidre" in der Jomkippur-Nacht erinnert
wie auch an die entsprechende Formel, die in manchen Gemeinden nach dem
Morgengebet an Erew Rosch Haschana zum selben Zweck gesagt wird. Es würde
allerdings hier zu weit führen, deren Wirksamkeit und Geltungsbereich
näher zu erläutern. Manche unserer Leser werden sicher das Wort
"schnodern" kennen, von hebräisch sche-nadar, womit die Übernahme
der Verpflichtung gemeint ist, meist bei feierlichen Anlässen in der
Synagoge ausgesprochen, eine bestimmte Summe für einen guten Zweck
zu spenden. Auch diese Verpflichtung gilt absolut und muss pünktlich
eingehalten werden].
Die Reformbewegung, welche seit vielen Jahren Ehen zwischen Juden und Nichtjuden ermutigt, kann schwindelerregende Erfolge verzeichnen. 70 Pozent der Juden in der Welt gehen Mischehen ein. Die meisten Reformrabbiner verlangen keinen Übertritt (Gijur) von einer Nichtjüdin, die einen Juden heiraten will. Auch wenn sie übertreten sollte - ihr Gijur ist genau so viel wert wie der Gijur der Schauspielerin Marilyn Monroe, die für ihre Ehe mit einem Juden übertrat, ein Gijur, der keine Sekunde länger vorhielt wie die Ehe mit diesem Mann. Ihr Übertritt hatte keinen Wert, weil das Judentum jenes Menschen, der ihren Gijur durchführte, keinen Wert hatte. Ein großer Teil der Reformjuden, die eine Jüdin heiraten, tun dies nicht immer in Anerkennung der Bedeutung der Existenz eines jüdischen Volkes. Sie trafen zufällig eine Jüdin und heirateten sie. Sie verstehen nicht unbedingt, warum es denn so wichtig ist, die jüdische Identität zu bewahren. Warum soll man die Existenz des jüdischen Volkes bewahren? Warum soll man nicht eine Nichtjüdin heiraten? Die Reformbewegung in Israel ist eine treue Gesandte ihrer amerikanischen Mutterorganisation. Sie unterstützt mit den Spendengeldern der Mitglieder ihrer Gemeinden die Gemeinschaften der Araber und der Beduinen in Israel. Das ist ihre Art des Zionismus. Sie verstehen nicht, warum es so wichtig ist, den Bestand des Staates Israel zu sichern. Warum soll man den Staat Israel bewahren? Sie solidarisieren sich mit Leichtigkeit mit dem Wunsch der Araber, den Staat Israel abzuschaffen durch Umwandlung in einen "Staat aller seiner Bürger". Als Resultat müssen wir feststellen, dass wir beim Kampf um die Existenz des jüdischen Volkes auf uns alleine gestellt sind. Die Weltjudenheit ist nicht wirklich mit ganzem Herzen dabei. Auch die Juden der USA haben genug mit sich selber zu tun. Sie zählen schon nicht mehr 6 Millionen, wie es auf dem Papier steht. Nach der Halacha gelten die Hälfte nicht als Juden. Auch jene, die halachisch als "Juden" gelten, fühlen keine wirkliche Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Volk. Warum sollten also die "Konvertiten", die sich ihnen anschlossen, eine verbindliche Verpflichtung bezüglich der Aufgabe des jüdischen Volkes in dieser Welt fühlen? Der jüdische Berater von Präsident Obama gab in letzter Zeit einige Erklärungen ab, die schwere Befürchtungen und Verwirrung in israelischen Regierungskreisen hervorriefen. Es stellte sich heraus, dass er sich mehr als Amerikaner als als Jude fühlt, dass er sich eher den Vereinigten Staaten als Israel verpflichtet fühlt. Es ist anzunehmen dass dieser Berater jener Reformbewegung angehört, die jede Erwähnung des Landes Israel aus ihren Gebetbüchern entfernte, eine Bewegung, die die Gründung des Staates Israel für einen einzigen großen Fehler hielt und darum ihre Mitglieder nicht zur Einwanderung nach Israel aufforderte. Es ist kein Zufall, dass Jonathan Pollard bei den Juden Amerikas keine Unterstützung findet. Er ist ein Außenseiter. Er war dem Staat Israel treuer als den Interessen der USA. Ein komischer Kauz. Er machte sich so seltsam in der politischen Landschaft Amerikas aus, dass er von den Juden der USA wie ein Aussätziger angesehen wurde. Das ist die schmerzliche Realität. Es gibt keine Zukunft für die Juden in Amerika, Frankreich und anderswo. Wer auch immer von ihnen wirklich am Aufbau des jüdischen Volkes teilnehmen will, muss Alija machen. Und zwar schnell. [aus BeRosch Jehudi
Nr. 129; der Autor ist der Oberrabbiner von Zfat (Safed) und Sohn des früheren
israelischen Oberrabbiners Mordechai Elijahu].
"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" - bestimmt nicht! Eine große Gnade erwies G~tt seiner Welt, indem er "dem Menschen eine Gehilfin machte, wie sie ihm zustehe" (Gen. 2,18). Jetzt ist er schon nicht mehr alleine. Alles gut und schön... wirklich? Teurer Ehemann, teure Ehefrau - habt ihr ehrlich einmal daran gedacht ob jener Mensch, mit dem ihr den Bund fürs Leben schlosst, nun nicht mehr allein ist? Vielleicht hat er immer noch keinen Freund, vielleicht fehlt ihm immer noch jemand, auf den er sich stützen kann? Vielleicht hat er immer noch niemanden, dem er ein Geheimnis anvertrauen kann, vielleicht hat er niemanden, der ihm zuhört, wenn ihn was stört? Bekanntlich ist das Zuhören manchmal mehr wert als eine Hilfe. Warum vergeudet ihr das Geschenk G~ttes, der den Menschen als Paar schuf und lebt als zwei Einzelgänger unter einem Dach? Das ist wirklich traurig. Da sucht sich jeder einen
Sinn außerhalb des Hauses. Natürlich sind wir nicht dagegen.
Die Frau ist nicht nur Ehepartner und Mutter. Sie ist auch ein Mensch.
Der Hauptstützpunkt des Menschen ist zwar das Haus, doch braucht er
auch etwas außerhalb. Doch wenn er im Hause alleine ist, ohne eine
echte Freundschaft, dann ist das furchtbar. Manchmal sagt ein Kind zum
andern: Möchtest du mein Freund sein? Eine gute Idee - vielleicht
beschließt ihr, Freunde zu sein. Es es nicht zu spät und es
bringt die Gefühle in Schwung.
Weitere Kommentare
von
Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
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