DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10
- 32,3):
Die Unfruchtbarkeit ist keine neue Erscheinung, sie besteht seit unserer Erschaffung und trat besonders bei dreien von unseren vier Stammmüttern hervor, wie es in den letzten Wochenabschnitten heißt: Sara - "Aber Sarai war unfruchtbar, sie hatte kein Kind" (Gen. 11,30); Rivka - "denn sie war unfruchtbar" (Gen. 25,21); Rachel - "aber Rachel war unfruchtbar" (Gen. 29,31). Wenn wir uns einmal die Reaktionen dieser Kinderlosen auf ihren Zustand näher betrachten, fällt eine scharfe Reaktion besonders auf. Als sich bei Rivka "die Kinder in ihrem Leibe stießen" (Gen. 25,22), nachdem sie bedacht worden war, versteht sie diese Tatsache so, dass sie ihre Schwangerschaft nicht fortführen kann, wie es der Malbim-Kommentar erklärt: "Sie dachte, sie selbst wäre der Grund für das Stoßen der Kinder, da es wohl in ihrem Bauch an Platz fehle, die beiden zu fassen", und wie es der "Or Hachajim" noch deutlicher hervorhob: "Sie stießen sich, wie gestoßen, sie waren höchst beengt und würden in ihren [Rivkas] Eingeweiden nicht bestehen, und das deutet darauf, dass diese Schwangerschaft keinen Bestand haben würde", bis sie sagte: "Wozu bin ich dies?" (Gen. 25,22), d.h., wenn das der Fall ist, dass ich nicht gebären kann, was für einen Sinn hat dann mein Leben, warum bin "ich" überhaupt auf der Welt? So reagierte bekanntlich auch Rachel auf ihre Unfruchtbarkeit, als sie nämlich zu Jakov sagte: "Schaffe mir Kinder; wo nicht, so sterbe ich" (Gen. 30,1). Wäre sie wirklich "gestorben"? Hat das Leben der Frau denn keine Bedeutung und einen Wert an sich? So wie es der "Ba'al Ha'akeda" erklärt: "Durch die beiden Namen Ischa (Frau) und Chava ("Eva") wird angezeigt, dass die Frau zwei Bestimmungen hat: Die eine, auf die der Name Ischa hinweist, 'denn diese wurde vom Mann (Isch) genommen' (Gen. 2,23), genau wie er kann sie verstehen und schlussfolgern in Dingen des Verstandes und der Frömmigkeit (natürlich wie es ihrer Persönlichkeit und den zu ihrer Seele passenden Schwerpunkten entspricht). Die andere Bestimmung betrifft die Fortpflanzung, für die sie instrumental ist und wie die Geburt und das Aufziehen der Kinder zu ihrer Natur gehören, worauf der Name Chava 'Mutter alles Lebenden' (Gen. 3,20) hinweist". Wenn dem so ist, waren also die Reaktionen unserer Stammmütter Rivka und Rachel übertrieben? Denn wenn sie ihre Eigenschaft als Chava schon nicht verwirklichen konnten, so blieb ihnen aber auf jeden Fall Ischa, Frau - warum also "Schaffe mir Kinder; wo nicht, so sterbe ich"? Und überhaupt, warum heißt eine Frau in so einem Zustand "Unfruchtbare"? Vielmehr lernen wir daraus ein wichtiges Prinzip: Sicher soll die Frau ihre Persönlichkeit und ihre Begabungen in vollem Umfange verwirklichen und somit zur Verbesserung der Welt beitragen, doch ihr zentrales Thema, ihre Besonderheit, liegt nicht darin, sondern ausgerechnet in ihrer "Mutter"-Eigenschaft, in der vollen Bedeutung dieses Wortes als "Mutter alles Lebenden". Nicht nur physisches Leben - Schwangerschaft, Geburt, Säugen, Kinderpflege und Hausarbeit, vielmehr hat sie auch das Wesen der Mutterschaft in allen ihren Aspekten der folgenden Generation zu übermitteln: die Gefühle, die seelischen Zustände, die Werte und die Spiritualität. Das weiß eine Mutter nur aus ihrer Sanftheit, ihrer Feinfühligkeit, ihrer Gefühlswelt und der Natürlichkeit ihres Lebens heraus, oder wie es Rabbiner Awraham Jizchak Kuk ausdrückte: "G~tt gab ihr ein Mehrfaches an Einsicht, ein feines Gefühl... das nur dann in eine erhabene Wirklichkeit umgesetzt wird, wenn sie auf ihre Weise vorgeht, die Fundamente der Ethik zu erweitern und mit Bedeutung zu versehen, und sie nach guten, natürlichen Gefühlen zu erläutern, die bei der Vorstellung von der Leitung eines schönen Haushalts aufgenommen werden"... Wenn sie sich auf die Vertiefung und die Erweiterung von Weisheit über das für ihre Eigenschaft und ihre Aufgabe Nötige hinaus konzentriert und sich ihrer Karriere widmet, "wird daraus ein enormes Verderben für ihr moralisches und materielles Leben hervorgehen... und es entsteht im Laufe der Zeit eine schwache und weichliche Generation, die vor lauter Schwäche überhaupt nicht zum Empfang der Grundlagen von Weisheit, Gerechtigkeit und dem lichten Wissen von G~tt bereit ist, für die eine gesunde Seele und ein gesunder Körper nötig sind" (Ejn Aja Brachot, 2.Kap.). Aus diesem Grunde heißt eine Frau, die nicht "Mutter alles Lebenden" sein kann, "unfruchtbar", denn die Hauptsache fehlt ihr. Und wie der Malbim weiter erklärte: "denn die Frau wurde zum Zwecke der Fortpflanzung geschaffen... in diesem Falle wäre ihre Erschaffung unnütz und wozu bin ich dies in der Welt". Kein Zweifel, dass in einer
Zeit wie der unsrigen nicht selten zwangsläufige Umstände, wirtschaftlicher
oder anderer Natur, oder ein "Ideal", oder das Betreiben einer Karriere
usw. dazu führen, dass keine Mutter im Hause ist, im einfachen wie
im übertragenen Sinne, und die Kinder als "Schlüsselkinder" und
"Mikrowellenkinder" aufwachsen. Die tiefere Bedeutung der Dinge mit allen
ihren Konsequenzen und Schäden, wie wir sie leider ansehen müssen,
verlangt nach einer Stärkung der Hauptsache - die natürliche
und spirituelle israelitische Mütterlichkeit, die wir heute so sehr
brauchen. Gleichzeitig müssen wir die Unfruchtbaren stützen und
ermutigen, sei es durch Gebete, sei es durch praktische Behandlungen. Auf
diese Weise möge G~tt uns erhören, so wie er unsere Stammmütter
erhörte, und uns die vollkommene Erlösung zuteil werden lassen.
Die Arbeit an den Charaktereigenschaften lässt sich historisch in zwei Perioden einteilen: Vor dem Erscheinen des Buches "Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim), und hinterher. Dieses Buch konzentriert in sich alle vorangegangenen Bücher zu diesem Thema, und es bildet das Fundament für alle später erschienenen Werke. Jenes kabbalistische Genie, Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto, der über heilige Inspiration verfügte, war u.a. Bote G~ttes zur Besserung der Charaktereigenschaften des jüdischen Volkes. Entsprechend hielt Rabbiner Elijahu (der "Gaon") von Wilna das Buch "Messilat Jescharim" in hohen Ehren: "Von vertrauenswürdigen Menschen ist überliefert, als das Buch "Messilat Jescharim" herauskam und der Autor schon nicht mehr am Leben war, las der Gaon das Buch und bemerkte dazu, dass 'großes Licht in die Welt kam', und er lernte es auswendig 101 Mal durch, und außerdem zahlte er eine gehörige Summe für das Buch. Die meisten Bücher, so pflegte er zu sagen, seien größer als ihr Autor, doch diesem Buche sieht man deutlich an, dass die Größe des Autors die des Buches um ein Vielfaches übertrifft" (Tossafot Ma'asse Raw). "Die Weisen der vorigen Generation erzählten ihren Kindern: Wie das Buch vor den Gaon von Wilna kam, sagte er mit großer Begeisterung: Wäre Rabbi Moscheh Chajim Luzatto noch am Leben, würde ich mich auf der Stelle zu Fuß zu ihm auf den Weg machen, um von ihm Ethik und gute Eigenschaften zu lernen" (ebda.). In jenem wunderbaren Buche, klein an Quantität und riesengroß an Qualität, stehen einige Grundprinzipien für jede Besserung der Charaktereigenschaften. Das erste Prinzip: Es gibt keine Abkürzungen. Seine Natur ändert der Mensch nicht an einem Tag. Seine Taten kann er zwar von einem Moment zum anderen ändern, und das würde ihm großes Lob eintragen als "jemand, der seinen Trieb bezwingt", doch in Bezug auf die Änderung seiner Persönlichkeit ist er damit nicht viel weitergekommen. Wir müssen uns in Geduld fassen und uns in kleinen Schritten langsam aber sicher vorarbeiten. Dazu baute uns Rabbiner Luzatto, gestützt auf die Worte der talmudischen Weisen, eine Leiter mit zehn Stufen. Das zweite Prinzip: Man kann in die höchsten Höhen aufsteigen, und der Weg steht jedem einzelnen Juden offen. Jeder ist verpflichtet, ein Gerechter (Zadik) zu sein, d.h., seine Pflichten zu erfüllen. Was aber den Herrn der Welt besonders erfreut, ist ein Chassid zu sein (ein Frommer, nach Rabbiner S.R. Hirsch: ein in Liebe Hingegebener; aber nicht im Sinne von Anhänger des Chassidismus), jemand, der von einer großen inneren Sehnsucht getrieben wird, G~tt zu dienen. So einer kann noch viel höher gelangen, nämlich bis hin zur Stufe der Heiligkeit und göttlicher Inspiration. Wie geht das vor sich? Jede Stufe bietet die Grundlagen zur Erreichung der nächsthöheren Stufe. Das dritte Prinzip: Sieh dich vor, nicht wieder zu fallen. Wenn du mit G~ttes Hilfe eine bestimmte Stufe erreicht hast, vergiss nicht, dass du nur ein Mensch bist, der einer Schwäche verfallen kann. Das lernten wir vom ersten Menschen, der in einem materiellen und spirituellen Garten Eden wohnte und dennoch versagte. Darum bleibe immer wachsam und werde nicht nachlässig. Das vierte Prinzip: Unser
Handwerkszeug muss der Verstand sein. Nach unserem großen Lehrer
Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto bedeutet der Verstand das Hauptmittel zur
Besserung der Charaktereigenschaften. Natürlich hatte er nichts gegen
das Gefühl oder das Vorstellungsvermögen, die anderen Kräfte
der Seele, doch das Hauptinstrument ist der Verstand. Der Verstand erfüllt
zwei Aufgaben.
Rabbiner Luzatto erwähnt noch weitere Prinzipien, doch wollen wir uns mit einem bestimmten näher beschäftigen, das im Buch Messilat Jescharim in verschiedenen Ausdrücken auftaucht, wie z.B. betrachten, überwachen, ansehen usw. * Bei diesem Werk der Besserung der Charaktereigenschaften ist das Einbildungsvermögen der Hauptfeind des Verstandes. Der Verstand strengt sich an und müht sich ab, um zur Wahrheit zu gelangen, gegenüber der Einbildung, die überhaupt nicht an der Wahrheit interessiert ist. Der Verstand kann sich zwar irren, doch er prüft sich ständig selber und berichtigt seine Fehler, denn er möchte die Dinge kennen, wie sie wirklich sind. Nicht so die Vorstellungskraft, die die Dinge so schildert, wie man sie gerne sehen möchte. Darum lieben die Menschen
sehr die Einbildung, und so ist die Welt voller Irrglauben, Tricks und
Listigkeiten, und schädlichem Unfug. Der Verstand sagt mir: Deine
Ehe kränkelt, denn du behandelst deine Frau nicht gut. Die Einbildung
sagt mir: Nein, sie ist an allem schuld! Darum ist die Einbildung viel
angenehmer und beliebter. Auch sagt mir die Einbildung: Du bist gar nicht
arrogant oder streitsüchtig, kein Vielfraß oder Faulpelz. Wie
angenehm!
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
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MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
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