DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 47,28
- 50,26):
Wenig und trübe waren die Lebensjahre Jakovs (Gen. 47,9), wie er selbst vor Pharao bezeugte. Nach langer Reise gelangte Jakov ans Ende seines Weges, und er wusste, dass seine Söhne noch eine große Zukunft erwartet, eine Zukunft von Licht und Finsternis, von Exil und Erlösung. Bevor er von seinen Söhnen Abschied nahm, fühlte Jakov darum das Bedürfnis und die Pflicht, sie auf ihre Zukunft vorzubereiten, und er rief seine Söhne, um ihnen sein Herz auszuschütten. Sein erster Gedanke war, sie über ihr Schicksal am Ende der Tage aufzuklären, sie in das Geheimnis der jüdischen Geschichte einzuweihen, ihnen ihre Zukunft vorauszusagen - doch als sie schließlich alle um ihn herum standen, änderte er überraschend seine Zielrichtung und begnügte sich mit einer persönlichen Bemerkung zu jedem seiner Söhne. Auch wenn Jakov ihnen bei dieser Gelegenheit nichts über "das Ende der Tage" verriet, übermittelte er ihnen doch nebenbei ein Geheimnis in den Worten "versammelt euch und ich will euch verkünden" (49,1). Was wollte Jakov mit dem Ausdruck "versammelt euch" mitteilen? Dazu sagte der Kommentar "Schne luchot habrit" (III, Parschat Wajechi): "versammelt euch und ich will euch verkünden - er benutzte den Ausdruck versammelt euch, denn es ist unmöglich, das Ende zu offenbaren, wenn grundloser Hass zwischen euch herrscht, vielmehr müsst ihr alle in einer Versammlung sein, in einem Bund". Jakov sprach diese Worte aus nicht allzu lange zurückliegender Erfahrung. Denn auch wenn man die Worte des Nachmanides-Kommentars annimmt, der schrieb: "es scheint mir nach der einfachen Wortbedeutung, dass Jakov all seine Tage nicht gesagt wurde, dass Josef von seinen Brüdern verkauft worden war", hieß es doch schon vor dem Verkauf: "und sie vermochten nicht, friedlich mit ihm zu reden" (Gen. 37,4), und dann: "sein Vater aber merkte sich die Sache" (Gen. 37,11). Bruderhass war keine Neuigkeit im Hause Awrahams, es begann bereits mit Jischmael, der mit Jizchak seine Späße trieb, und dem Midrasch zufolge wollte er ihn sogar töten. Über Eßaw sagte Riwka zu Jakov: "Eßaw, dein Bruder, will sich an dir kühlen, dich zu erschlagen" (Gen. 27,42). In diesen Fällen jedoch hatte der schmerzliche Streit keine so zerstörerische Wirkung, weil Jischmael keinen Anteil mit Jizchak hatte, und Eßaw keine Verbindung zu Jakov, doch bei Jakovs Söhnen, dessen Haus nur durch alle zusammen erstehen wird, kann man sich nicht mit Hass und Streit abfinden. Und so schrieb Rabbiner Jonathan Eybeschütz in seinem Buch "Ahawat Jonathan": "Das erste Exil (Ägypten) und das letzte Exil (Rom) nach der Zerstörung des zweiten Tempels erfolgten beide wegen grundlosen Hasses, darum mahnte sie Jakov ihr Vater: versammelt euch - verbündet euch, vereinigt euch, denn davon hängen die Ereignisse ab in der Zukunft am Ende der Tage". Nicht nur unser Vorvater
Jakov gebietet vor seinem Tode dem Volke Israel die Einigkeit, diese Botschaft
wird dem Volke Israel noch von einem anderen Anführer vor seinem Tode
verkündet. Beim Segen Moschehs über die Kinder Israels vor seinem
Tode verabfolgt auch er jedem einzelnen Stamm einen speziellen Segen, doch
schickt er dem voraus: "Da ward er in Jeschurun König, da sich versammelten
die Häupter des Volkes, vereint die Stämme Israels" (Dt. 33,5).
Was wollte Moscheh mit dieser Einleitung andeuten? Dazu heißt es
im Midrasch (Sifri): "Wenn Israel sich in der unteren Welt einig sind,
wird G~ttes großer Name in der oberen Welt gepriesen, wie es heißt:
Da ward er in Jeschurun König - wann? da sich versammelten
die Häupter des Volkes. Vereint die Stämme Israels
- wenn sie einen Bund bilden, aber nicht verschiedenen Gruppen". Die Worte
von Jakov und Moscheh waren nicht nur so dahergesagt, der Schandfleck von
Spaltung und Streit zwischen den Brüdern begleitet uns leider während
der ganzen jüdischen Geschichte. Diese Erscheinung hat viele Ursachen,
doch eine von den hervorstechendsten sind die persönlichen Ambitionen
der Vorsteher der Nation, die das ganze Volk nach sich ziehen. So erklärte
der Kommentar "Toldot Jakov Josef" die Nähe der Worte "da sich versammelten
die Häupter des Volkes" und "vereint die Stämme Israels": Erst
müssen sich die Häupter des Volkes einen, die Anführer,
und erst dann kann man auf die Einheit der Stämme Israels hoffen.
Ähnlich schrieb der Kommentar "Or hachajim": "Das Königtum
Israels hat Bestand, wenn sich die Häupter Israels zusammen versammeln,
und nicht jeder für sich, und damit wäre der Grund gelegt für
die Einheit der Stämme Israels, und wenn Israel auf diesem Rang ist,
erheben sie sich auf die Höhe des Erfolges, und ihr Königtum
wird Beständigkeit zuteil werden". Am Ende schreibt er: "Geh hin und
lerne von dem Tag an, als sich die Herzen trennten und das Königtum
spaltete, was aus ihnen wurde. Und das ist der Grund für die Kälber
Jerow'ams und seiner Nachfolger. Denn der Hauptgrund für den Niedergang
liegt in der Spaltung, und das Gefäß für den Segen ist
der Frieden und die Einheit der Herzen". Daran hat sich seitdem nichts
geändert, auch heute in unserer Generation stehen wir vor der Erscheinung,
wo die Massen kein Verständnis für die Aufsplitterung in viele
Parteien haben, und sie würden den religiösen Zionismus lieber
in einem Lager vereint sehen. Doch die Häupter sind es, die auf künstliche
Weise die Spaltung des Lagers verursachen.
Im Midrasch heißt es: "Die Weisen sagten: Sieben Dinge sagte Schlomo über den Faulpelz, und was Moscheh sagte, war größer als alle zusammen. Wie das? 1) Man sagte dem Faulpelz: Dein Meister ist in der Stadt, geh und lern Tora von ihm, und er antwortet ihnen: Ich fürchte mich vor dem Löwen auf dem Wege... 2) Sie sagten ihm: Hier, dein Meister befindet sich in der Nachbarschaft, steh auf und geh zu ihm. Da sagte er ihnen: Ich fürchte, vielleicht ist der Löwe in der Straße... 3) Sagten sie zu ihm: Siehe, er wohnt in deinem Gebäude. Sagte er: Vielleicht ist der Löwe draußen... 4) Sagten sie ihm: In deiner Wohnung! Antwortete er: Wenn ich hingehe und die Türe verschlossen finde, kehre ich sowieso um... Sagten sie: Sie ist offen! 5) Am Ende, als er ihnen nichts mehr zu antworten wusste, sagte er: Ob die Tür offen oder verschlossen ist - vorher möchte ich noch ein wenig schlafen; wie es heißt: "Wie lange, Fauler, willst du liegen..." (Sprüche 6,9). 6) Am Morgen stand er von seinem Schlafe auf, man setzte ihm zu essen vor, da ist er zu faul, es in seinen Mund zu tun... 7) Und das siebte? "Wegen des Winters pflügt der Träge nicht; verlangt er nun in der Ernte, so ist nichts da" (20,4). Was ist Wegen des Winters pflügt der Träge nicht? Sagte Rabbi Schimon bar Jochai: Das ist derjenige, der in seiner Jugend keine Tora lernte und in seinem Greisenalter lernen möchte und nicht kann - verlangt er nun in der Ernte, so ist nichts da. Und was Moscheh sagte, war größer als alle zusammen, woher? "Sondern sehr nah ist dir die Sache, in deinem Munde und in deinem Herzen, es zu tun" (Dt. 30,14) - bringe die Sache aus deinem Mund heraus" (Midrasch Dewarim rabba, 8.Kap.). Was will uns der Midrasch anhand des gleichnishaften Dialoges mit dem Faulpelz lehren? Rabbiner Elimelech Bar-Scha'ul sel. erklärte, dieser Midrasch wolle uns über die "Psychologie des Faulpelzes" aufklären. Daraus kann man auch entnehmen, wie man sich mit der Faulheit auseinandersetzen sollte. Erklärte Rabbiner Bar-Scha'ul:
Wie sollte man sich also
mit der Faulheit auseinandersetzen? Darauf antwortet Rabbiner Bar-Scha'ul:
Rabbiner Bar-Scha'ul lehrt uns, dass wir in der Faulheit nur ein Symptom sehen sollten, und darum bringt das Anrennen dagegen überhaupt keinen Nutzen. Der richtige Weg führt über das Forschen nach den Wurzeln des Problems, und dort muss die Korrektur ansetzen. Der Kern des Problems liegt in einer abwegigen Lebensauffassung, und diese gilt es zu ändern. Das Lästern über die Faulheit des Jugendlichen, konstante Kritik und Verurteilung bringen nichts, sondern bedrücken nur seinen Geist bis er zusammenbricht und sich selbst aufgibt. Mörderische Kritik - bringt ihn um. Normalerweise weiß der Betreffende selber, seine Faulheit als Krankheit zu beurteilen, und er ist auch gar nicht stolz darauf. Doch wenn man ihn angreift, sieht er sich zur Verteidigung genötigt, und jeder Weg ist ihm recht, die Angriffe abzuschmettern, einschließlich sinnloser Behauptungen. Die Besserung erfolgt nicht durch Kritik, sondern durch eine positive und aufbauende Einstellung, durch Aufbau der seelischen Grundlagen, die ihm fehlen: Liebe zum Leben und Liebe zur Tora. Anstelle des Bekämpfens dieser Erscheinung empfiehlt Rabbiner Bar-Scha'ul ihre Umgehung und eine Konzentrierung auf spirituelle Erläuterung zum Sinn des Lebens, zu seinem Wert, seiner Bedeutung, seinem Inhalt und seinem Ziel. Das Gleiche gilt für das Verhältnis zur Tora und ihres Studiums. Die Schaffung einer positiven und ermutigenden Zielvorstellung für das Leben wird ihn von seiner Faulheit erlösen. Manchmal reicht das, den
Jugendlichen zu einem neuen Leben voll Unternehmungslust und Motivation
zu erwecken. Manchmal aber benötigt er eine Anleitung für die
Aneignung neuer Lebensgewohnheiten. Die Faulheit wurde bei ihm zu einer
zweiten Natur, und es wird ihm nicht gelingen, sich auf einen Schlag von
ihr zu befreien. In diesem Falle braucht er eine Anleitung zur stufenweisen
Änderung seiner Verhaltensweisen.
Kommentare von Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Neu! Wir freuen uns,
zusätzlich zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines
spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
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Lichterzünden/Schabbatausgang
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