DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TRUMA
Nr. 654
3. Adar I 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 25,1 - 27,19):
Sachspendenaktion zum Bau des Wüstenheiligtums (Bundeslade, Tisch der Schaubrote, Leuchter, Stiftszelt, umgebende Trennwand, Vorhänge, Altar), Maße und Anordnung der einzelnen Teile.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Haltestangen

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Das Wüstenheiligtum wird von Ort zu Ort getragen. Es wandert durch die Wüste, zusammen mit all seinen Gerätschaften. Zu diesem Zwecke wurden besondere Haltestangen für den Transport geschaffen. Allerdings wurden diese Haltestangen für die verschiedenen Geräte in der Tora unterschiedlich beschrieben. Für den Brottisch und den Räucheraltar sollten Haltestangen angefertigt werden, es steht aber nicht dabei, ob sie mit dem jeweiligen Gerät verbunden werden müssen. Bei der Lade mit den Gebotstafeln besteht allerdings ein wesentlich umfangreicheres Gebot: "Und bringe die Stangen in die Ringe auf den Seiten der Lade, die Lade zu tragen mit denselben. In den Ringen der Lade sollen die Stangen bleiben, sie sollen nicht heraus kommen" (Ex. 25,14-15). Ähnlich, wenn auch weniger dringlich formuliert, steht es beim Opferaltar, auch dort ist nicht nur von der Anfertigung der Stangen die Rede, sondern auch von deren Einführung in Halteringe.

Über die Bedeutung dieser Sache lässt sich der Neziw (Rabbiner Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin) aus: Der Brottisch und der Räucheraltar haben ihren festen Platz. Es besteht zwar die technische Möglichkeit, sie von Ort zu Ort zu transportieren, doch ihrem Wesen nach sollen sie an einem Ort bleiben. Demgegenüber wurden der Opferaltar und die Bundeslade von vornherein als mobile Geräte ausgelegt, und die Haltestangen bleiben an ihnen auch im Ruhezustand befestigt.

Bekanntlich symbolisieren die Tempelgeräte unterschiedliche Kräfte im Volke Israel: Die Bundeslade - die Tora, der Tisch - das Königtum, der goldene (Räucher-)Altar - das Priestertum, und der kupferne (Opfer-)Altar - den Dienst (zur Zeit des Tempels den Opferdienst, nach der Tempelzerstörung den G~ttesdienst durch Gebete). Nach der obigen Definition haben das Königtum und die Priesterschaft nur einen festen Ort, und zwar das Land Israel. Die Einrichtung des Königtums wurde uns nur für das Land Israel anbefohlen. So heißt es auch ausdrücklich in der Tora: "Wenn du in das Land kommst, das der Ewige dein G~tt dir gibt, und du nimmst es ein und wohnest darin, und du sprichst: Ich will über mich einen König setzen... So setze einen König über dich..." (Dt. 17,14-15). Nur im Lande Israel hat die Einrichtung der Königsherrschaft halachische Bedeutung, nämlich für die Erfüllung des Gebotes der Eroberung und der Durchsetzung der Staatshoheit. Auch das Priestertum hat keine besondere Bedeutung außerhalb des Landes Israel. Dort sind uns die Absonderung der Priester- und Zehntabgaben geboten, und dort steigen die Priester (Kohanim) auf zum Dienst im großen und heiligen Hause, auf dem der Name G~ttes genannt ist. Diese beiden Kräfte, König- und Priestertum, können wir nicht ins Exil mitnehmen. Dort müssen wir uns mit einem winzigen Überbleibsel begnügen. Die Leitung einer jüdischen Gemeinde als "Andenken an das Königtum", und der Priestersegen (nur an besonderen Feiertagen) als "Andenken an das Priestertum". Die Haltestangen des Räucheraltars und des Brottisches existieren zwar, ruhen aber in irgend einer Ecke, wie Sachen, die derzeit nicht gebraucht werden.

Anders verhält es sich mit der Tora und dem Dienst. Die Tora hat allerdings ihren Stammplatz im Lande Israel. Darum heißt es über die babylonischen Toragelehrten, dass "sie keine Ortsangehörigen sind" (Schabbat 145b), und über das Exil (Galut): "Ist Israel aus seiner Stätte verbannt, so gibt es ja keine größere Aussetzung des Torastudiums als dies" (Chagiga 5b), wie es heißt: "ihr König und ihre Fürsten sind unter den Völkern - ohne Lehre" (Eicha 2,9). Doch mit allem Schmerz über die Galut lässt sich die Tora doch dorthin mitnehmen. Überall, wo die Juden hinkamen, gründeten sie Jeschiwot und lernten darin Tora. Auch den Dienst kann man in die Galut mitnehmen. Zwar erscheint dort diese Kraft nicht in Vollkommenheit, durch den Opferdienst, doch durch seinen Ersatz, das Gebet, das unser Volk an jeden Ort begleitet, an jedes "kleine Heiligtum" (=Synagoge). 

Nun lässt sich der Unterschied zwischen der Bundeslade und dem Opferaltar verstehen. Der Altar ist etwas weniger mobil. Er hat zwar Haltestangen, und diese müssen in die Ringe eingeführt werden, doch man darf sie auch wieder heraus nehmen. - Nur sein Ersatz begleitet uns auf unserem langen Wege. Doch die Tora verfügt über einen ortsungebundenen Aspekt. "In den Ringen der Lade sollen die Stangen bleiben, sie sollen nicht heraus kommen" (s.o.) - niemals. 

Auch in unserer Zeit der Galut und der Entwurzelung lässt sich der Geist der Tora nicht zum Schweigen bringen. Materielle Bauwerke lassen sich einreißen, doch das lebendige, geistige Bauwerk blüht, wächst und gedeiht auch ohne sie. Die Tora wandert mit uns an jeden Ort. Gleichzeitig möchten wir diesen Geist aber an seinem Stammplatz einpflanzen. Überall, wo wir Tora lernen, vergegenwärtigen wir uns die Worte des Midrasch: "Und das Gold desselbigen Landes ist gut - es gibt keine Tora wie die des Landes Israel" (Bereschit raba 16,4 nach Gen. 2,12).
 
 
 
 
Frage und Antwort

Zwangskrankheit

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich drehe durch. Immerzu kommen mir Zweifel, ob ich die Gebote genau erfülle, und dann wiederhole ich sie noch einmal und noch einmal. Vielleicht habe ich mir nicht richtig die Hände gewaschen (Netilat Jadajim), vielleicht habe ich mich nicht richtig beim Gebet konzentriert, vielleicht habe ich unbemerkt einen bindenden Schwur getan, vielleicht waren die Tefillin etwas verrutscht. Ich kann doch nicht alle fünf Minuten einen Rabbiner fragen. Die Zweifel richten mich zugrunde. Was kann ich tun?

Antwort: Das ist ein bekanntes Problem, genannt OCD (Obsessive Compulsive Disorder), auf deutsch Zwangskrankheit (Bei den Charedim heißt es einfach "Nerven"). Dieses Problem betrifft mehr oder weniger schwer etwa 2% der Bevölkerung, in Israel etwa 140.000 Leute. Häufig beginnt es bereits im Alter von 7 Jahren. 

Dieses Problem offenbart sich auf verschiedene Weisen, und zwar sowohl auf religiösem als auch auf nichtreligiösem Gebiete. Und es gibt verschiedene Arten: 
1. Waschen und Putzen: Stundenlang wäscht man sich, oder reinigt die Hände vor dem Brotgenuss, aus Angst vor Schmutz oder irgend einer anhaftenden Sache, z.B. nach dem Benutzen einer Türklinke, und verschwendet Unmengen Wasser, Seife und Handtücher.

2. Prüfen und Umkehren: Vielleicht habe ich nicht gut genug nachgesehen, vielleicht habe ich das Feuer unter dem Topf nicht abgedreht, oder den Gashahn, oder das Fenster nicht zugemacht, die Haustür nicht abgeschlossen, oder meine Hausaufgaben nicht ordentlich genug gemacht.

3. Glätten und Geraderücken: Alles muss gerade und symmetrisch aussehen, oder parallel zum Esstisch.

4. Gereizt und geängstigt: Vielleicht werde ich jemanden überfahren, vielleicht habe ich schon jemanden überfahren, vielleicht bin ich auf ein Kleinkind getreten, vielleicht habe ich mich nicht richtig verhalten bei einer Sache, die bereits vergangen ist.

5. Religiöse Zwanghaftigkeit: Ich habe mich nicht richtig beim Gebet und den Segenssprüchen konzentriert, habe das Schma-Gebet nicht richtig ausgesprochen, habe ein Wort bei der Havdala verpasst, bei Netilat Jadajim ist das Wasser nicht in alle Hautfalten gelangt, beim Essen wurden vielleicht milchig und fleischig vermischt, ich habe mich durch Rede und Gedanken zu allen möglichen Dingen verpflichtet, etwas hat sich zwischen die Tefillin und den Körper geschoben, die Tefillin saßen nicht an der richtigen Stelle, nach dem WC-Besuch habe ich mich nicht genug gesäubert, ich habe verbotene Gedanken von Götzendienst und ähnliches gedacht, die Frau hat irgend etwas Störendes vor dem Mikvebesuch nicht von ihrer Haut entfernt. 

Dieser störende zwanghafte Verhaltens-Komplex befällt Leute, die sich auf anderen Gebieten ganz normal und ordentlich benehmen. Er wird auch nicht als "Geisteskrankheit" definiert, sondern nur als eine Art "psychologischer Schluckauf". Auf jeden Fall ist er sehr nervig und störend, ob er nun in religiösem oder anderem Gewand erscheint.

Zum Beispiel weiß ein Mensch 100%ig sicher mit seinem Verstand, dass seine Hände sauber sind, dennoch wäscht er sie unzählige Male. Er weiß genau, dass er alle Lichter im Haus ausgemacht hat und dass man nicht nochmal nachzusehen braucht, und trotzdem geht er nochmal zurück, um ganz sicher zu sein.

Das ist ein Trieb, den man nur schwer in den Griff bekommt. Sonst nämlich lebt man in ständiger Furcht und führt darum viele zeremonielle Handlungen aus oder gewöhnt sich bestimmte Verhaltensnormen an. Bestimmte hartnäckig wiederkehrende Gedanken aus der Vergangenheit, die man nicht loswird, obwohl man sie schon unendlich durchdacht hat, usw., wobei das zwanghafte Verhalten zum Loswerden der Ängste dient, und trotzdem wird das Problem nicht endgültig gelöst. 

In leichten Fällen gelingt es dem Menschen selber, sich zu befreien, indem er eine seelische Vertrautheit mit diesem unangenehmen Zustand schafft. In den meisten Fällen jedoch ist professionelle Hilfe nötig, d.h. durch einen Psychologen, der eine besondere Verhaltensmethode anwendet. 

Wie in jedem Beruf gibt es auch bei den Psychologen Spezialisten für bestimmte Gebiete, darum muss man sich einen Fachmann für die Behandlung obsessiver Verhaltensweisen suchen. In schweren Fällen wird sich der Psychologe parallel an einen Psychiater wenden, der Medikamente zur Erleichterung der Lage verordnen kann.

Bei religiöser Zwanghaftigkeit sollte man mit jedem Zweifel zum Rabbiner gehen und sich nicht genieren, und im Laufe der Zeit werden die Zweifel immer weniger werden. Auch in schwereren Fällen, wenn ein Psychologe hinzu gezogen wird, sollte man gerade einen religiösen Psychologen suchen, der genau weiß, worum es geht, aber auch den Rabbiner für halachische Entscheidungen konsultieren. Diese Entscheidungen müssen eindeutig und endgültig sein, ohne Für und Wider und Begründungen, die die Lage nur noch verschlimmern könnten. Darum muss man folgenden Spruch der talmudischen Weisen erfüllen: "Mache dir einen Lehrer und entferne dich vom Zweifelhaften" (Mischna "Sprüche der Väter" 1,16). "Mache dir einen Lehrer", in vollem Vertrauen, ohne Fragen und Debatten. 

Dennoch möchte ich hier einige generelle Dinge erwähnen, die vielleicht von Nutzen sein können.

Gebet: Sicher muss man das Schma-Gebet mit der Absicht der Gebotserfüllung lesen, doch das sollte kein Problem sein bei der praktischen Ausführung, denn alles, was man im Verlaufe der normalen Gebetsordnung sagt, wird als mit der korrekten Absicht ausgeführt angesehen, auch wenn man sie nicht ausdrücklich im Sinn hatte (Schulchan Aruch O.C. 60,4, Mischna Brura 7-10). Ebenso die konzentrierte Absicht beim ersten Vers des Schma-Gebetes, womit die Aufsichnahme der himmlischen Königsherrschaft mit innerer Zustimmung gemeint ist (63, M.B. 13), und die ist immer gegeben. 

So verhält es sich auch mit der richtigen Aussprache und der konzentrierten Absicht während des ganzen Schma-Gebetes, auch dabei soll man nicht übertreiben, da die Halacha lautet: "Las er es im Halbschlaf, erfüllte er [seine Pflicht]", und man braucht ihn nicht aufzuwecken, außer für den ersten Vers (63,3), und sicher achtet ein schläfriger Mensch auf alle diese Dinge nicht gerade in hervorragender Weise.

Von den frühen Dezisoren entschied der RaSchbA bereits, dass sogar jemand, der seine konzentrierte Absicht überhaupt nicht hinbekommt und auch manchmal irrtümlich Worte vertauscht, Lohn erhält für die generelle Absicht, zu G~tt zu beten, denn die meisten Juden [im Exil] verstehen sowieso nicht, bis auf wenige Ausnahmen (Responsen I,427).

Natürlich ist dem nicht zu entnehmen, das Gebet auf die leichte Schulter nehmen zu können, vielmehr sollte man seine ganze Kraft ins Gebet legen - aber wie bei jeder Korrektur von Charaktereigenschaften sollte man sich auch hier zunächst aufs andere Extrem verlegen. Einem Menschen, der sehr oberflächlich betet, sagen wir: Streng dich an! Und wer sich durch zwanghaften Trieb zu übermäßiger Anstrengung bei der rechten Gebetsabsicht veranlasst sieht, dem sagen wir: Sachte, sachte! Du siehst doch, dass himmelsfürchtige Menschen und Toragelehrte nicht stundenlang beten, und es besteht keine Veranlassung, dass du dich frommer als sie verhältst. Auch die Vorbeter beten in einem normalen Tempo, und keiner bremst sie. Darum lautet mein Rat: Bete normal, wie die anderen, d.h. wie ernsthafte himmelsfürchtige Menschen. Halte nicht dauernd an, wiederhole keine Worte wegen vermeintlich fehlender Absicht, sondern ignoriere das. Verhalte dich wie ein Offizier in der Schlacht, der mit seinen Soldaten durch feindliches Feuer läuft, und auch wenn ein Soldat g~ttbehüte fällt, hält er die Truppe nicht an, sondern stürmt weiter. Nimm dir an ihm ein Beispiel: immer vorwärts, niemals anhalten. Du solltest doch wissen, dass man nach der Halacha in unserer Zeit keine Worte wegen fehlender Konzentration wiederholt, sondern weiterbetet (S.A., O.C. 101).

Tefillin: Natürlich müssen die Tefillin schel-rosch (auf dem Kopf) an der richtigen Stelle sitzen, doch sind genaue Messungen mithilfe eines Spiegels dazu nicht nötig, wie Rabbiner Chajim aus Zanz entschied. Diese Stelle hat nämlich Platz für zwei Tefillin, sowohl der Länge als auch der Breite nach (Responsen Divrej Chajim 2,6). Was die eingebildeten Objekte angeht, die sich zwischen Kopf und Tefillin geschoben haben könnten (Chaziza), so dürfen all diese gefahrlos ignoriert werden, denn sie gelten als nicht existent.

Chaziza / Mikve: Gleiches gilt für den Besuch der Mikve (Tauchbad der Frauen). Natürlich muss man sich regelrecht dazu vorbereiten, doch sollte dies nicht zu psychologischem Druck ausarten, weder vorher noch nachher. Wenn nämlich eine Chaziza auf weniger als der Hälfte der Körperoberfläche zu finden ist, und so ein Objekt wegen Unwichtigkeit normalerweise nicht entfernt wird, dann gilt das Untertauchen im Nachhinein nicht als ungültig. Außerdem arbeiten die meisten Frauen nicht in einer schmutzigen Umgebung, wie etwa in einem Kohlebergwerk, und sie waschen sich jeden Tag, darum sind sie immer sauber. Sauberkeit hält lange vor, wie man der Halacha entnehmen kann, wenn eine Frau am Ausgang des Schabbat untertauchen muss, der direkt nach Rosch Haschana fällt. Sie kann sich vor Rosch Haschana waschen, und diese Sauberkeit hält die drei Tage bis zur Mikve vor. Darum ist für diese Reinigung nicht mehr Zeit aufzuwenden als bei jeder himmelsfürchtigen Frau üblich. 

Händewaschen (Netilat Jadajim), ebenso wie das Abtrocknen danach - ganz normal, wie alle Toragelehrte.

Vorbereitungen zum Gebet: Wer zur Toilette muss, darf nicht beten, wer aber dort war, und trotzdem einen Drang spürt - dann hat das psychologische Gründe, die das Beten nicht beeinträchtigen (Nimuke O.C. des Rabbi von Munkatsch).

Reinigung nach WC-Benutzung: Nicht übertreiben. Sicher ist der Gebrauch von Wasser eine gute und richtige Sache, aber nicht Pflicht. 4-5 mal mit Papier reichen aus. Gab es doch zur Zeit der talmudischen Weisen kein Klopapier, vielmehr benutzte man damals Steine, Tonscherben oder Gräser (S.A., O.C. 312), und du bist sicher in einer zehnmal besseren Lage.

Erschwerungen (Chumrot): Überhaupt solltest du keine Erschwerungen auf dich nehmen. Sie wurden nicht für dich erfunden. Du machst dir das Leben sowieso schon schwer genug. Denke an die Worte des Nachmanides: "Es ist nicht gut, wenn der Mensch zu sehr erschwert und nach den Zweifeln sucht... denn diese Sache nimmt kein Ende... und er stecke seinen Kopf nicht in die großen Zweifelsfälle, die kein Ende und keinen Schluss haben" (Hilchot Nida).

Alles aufgehoben: Und wenn es dir nicht gelingt, den Zwängen zu entrinnen, weder mithilfe der obigen Ratschläge noch durch einen religiösen Psychologen, der sich mit Zwangskrankheiten auskennt, noch durch einen stets ansprechbaren Rabbiner, dann, in so einem extremen Fall, giltst du als "Gefesselter" und kannst vollkommen auf das Gebet verzichten. So lehrten z.B. Rabbiner Chajim Kaniewski und der "Steipler" im Namen des "Chason Isch": "Vollkommen entbunden sind sie vom Schma-Gebet und überhaupt vom Gebet, und sie brauchen das Schma nicht zu sagen und überhaupt nicht zu beten, bis sie zu den normalen sanften Wegen zurück finden und die Gebote wie jeder Mensch erfüllen können; das gilt auch für jene, die in Geist und Verstand vollkommen normal sind und einsichtig in allen ihren Angelegenheiten" (aus dem "Artikel zur reinen Himmelsfurcht", S.19). So sagte auch Rabbiner Elieser M. Schach: "Wisse, bei allem, was 'Nerven' angeht, ist alles erlaubt! Bis sie sich angewöhnt haben, die Gebote wie ein normaler Mensch zu erfüllen", ebenso Rabbiner Josef Schalom Eliaschiw (S.20). In diesem Zusammenhang wurde uns geboten: "..und beobachte zu tun, ganz so wie sie dich unterwiesen" (Dt. 17,10).

Mögen wir uns in unserem Dienst an G~tt stärken, ein jeder nach den Prüfungen, die vor ihm liegen.

(Der größte Teil der halachischen Information stammt aus dem genannten Artikel, die psychologische Information hauptsächlich von Dr. Awraham Ben-Jochanan).
 
 

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