DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20
- 30,10):
Das Gebot über die Anfertigung der priesterlichen Gewänder steht als untrennbarer Bestandteil des Wüstenheiligtums und seiner Geräte im Mittelpunkt unseres Wochenabschnittes. Daran können wir die große Bedeutung dieser Gewänder ablesen. So wie von uns gefordert wird, das Heiligtum und seine Geräte so schön und prachtvoll wie möglich anzufertigen, wie es der göttlichen Präsenz, die auf ihm ruht, würdig ist, müssen wir auch für die Würde und den Glanz der "Priesterkrone" sorgen, und sie mit würdigen Gewändern prachtvoll schmücken - "zur Ehre und zum Schmucke" (Ex. 28,2). "Ehre und Schmuck nach dem Schriftvers wie ein Bräutigam feierlich anlegt den Schmuck (Jeschajahu 61,10), denn jene Gewänder sind Königskleider, nach ihrem Bilde tragen die Könige zur Zeit der Tora" (Nachmanides-Kommentar). Eine solche Auffassung, die den Priestergewändern eine eigenständige Bedeutung zumisst und sie nicht nur als Hilfsmittel für den Priester (Kohen) bei der Ausführung seines Dienstes sieht, bedarf näherer Erläuterung. In der Halacha ist die Bedeutung dieser Kleidung so groß, dass sie einen Priester zum Hohepriester machen kann. Deshalb wird er statt "Hohepriester" auch "[der mit] vermehrter Kleidung" genannt. Haben wir hier also die Bewahrheitung des Sprichwortes "Kleider machen Leute" vor uns, welche den Menschen auf eine erhabene spirituelle Stufe katapultieren können, wo wir eigentlich das Gegenteil erwartet hätten? Entsprechend erzählten die talmudischen Weisen eine Geschichte vom priesterlichen Brustschild, von der Bedeutung der darauf befestigten Edelsteine, die jeder einen der Stämme Israels repräsentieren. Einmal ging einer der Steine verloren, und die Weisen ließen alles liegen, um einen neuen zu suchen. Schließlich wurden sie bei einem Nichtjuden in Aschkalon namens Dama ben Netina fündig, der den Stein aber nicht heraus rückte, da sein Vater auf der Schatztruhe schlief. Die Weisen glaubten, er wolle bloß mehr Geld und boten ihm eine phantastische Summe. Schließlich wachte der Vater auf, und Dama verkaufte ihnen den Stein für den ursprünglich gebotenen Preis. In dieser Geschichte erscheint gerade der Nichtjude, "der Gebote ausführt, obwohl er nicht dazu verpflichtet ist", als prinzipienfest angesichts finanzieller Verlockung, während die jüdischen Weisen eher nach äußerlichem Glanz und Pracht suchen... (Talmud jeruschalmi, Peah 1,1 u.a.). Darüberhinaus bewirkt die besondere Eigenschaft der Priestergewänder eine Entsühnung, auch wenn der Hohepriester sie gar nicht trägt, wie die Weisen den Schriftvers über den Stirnschild auslegten: "und es sei auf seiner Stirn beständig, dass ihnen Gnade werde vor dem Ewigen" (Ex. 28,38), dessen Wirkung aber nicht vom ununterbrochenen Tragen durch den Priester abhängt, von dem das auch gar nicht verlangt wird, vielmehr entsühnt allein schon seine Existenz in der Welt. Doch genau daran können wir ablesen, wie sehr sich der Kohen dieser durch die Gewänder verkörperten Erhabenheit anpassen muss, und nicht umgekehrt. Der Vorteil des Gewandes über den Menschen besteht in seiner genau festgelegten Gestaltung, die von keinen Umständen abhängt und sich nicht mit dem Geisteszustand ändert, vielmehr verlangt es von seinem Träger Änderung und Anpassung, die seinem Status und der Aufgabe würdig sind. Zum Beispiel ist dem Hohepriester zu trauern verboten, vielmehr muss er seine Gefühle dem "Kranze G~ttes" auf seinem Haupte anpassen. Demgegenüber darf ein trauernder Israelit am ersten Tag seiner Trauer keine Tefillin anlegen, weil sie "Pracht" genannt werden und er momentan diese spirituelle Stufe nicht erreichen kann. Ja, er muss sogar seine Kleider einreißen, und in bestimmten Fällen darf er sie nie wieder vernähen. Das symbolisiert den fortwährenden Schmerz, der auch dann anhält, wenn der Betreffende wieder in seine Alltagsroutine zurück kehrt. Es ergibt sich, dass die Trauerkleidung und die Prachtgewänder des Priesters den Menschen zu entgegengesetzten Polen führen, zwischen denen er sich im Laufe seines Lebens hin und her bewegt, und darum beten wir: "ihnen zu geben Schmuck statt der Asche" (Jeschajahu 61,3). Dieser Gedanke ist noch durch
die Worte des Neziw (Rabbi Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin) zu
ergänzen, der die Hauptaufgabe des Brustschildes in der Anmahnung
des Leides Israels sieht, wie jemand, der an die Errettung Israels und
die Rache an den Verfolgern vor dem Ehrensitz G~ttes erinnert. Auch hier
sticht der Vorzug des Gewandes vor dem Menschen hervor, denn dieses mahnt
ununterbrochen und fordert das Weinen G~ttes heraus "wegen des Stolzes,
der Israel abgenommen und den weltlichen Völkern gegeben worden ist"
(Chagiga 5b, nach Jirmijahu 13,17). Anders als dem Gewand kann es dem Menschen
durchaus passieren, dass er diese Mahnung vergisst und er sich mit der
Erniedrigung Israels abfindet - dann muss er wach gerüttelt werden:
"Erwache, erwache... zieh deine Prachtgewänder an, mein Volk..." (Lecha
dodi).
Im Folgenden eine geheime Mitteilung der Geheimpolizei (Schin Bet, Schabak). Es fehlen zwar einige Einzelheiten, der Text wurde zusammen gefasst und redigiert, doch die allgemeine Richtung dürfte klar zum Vorschein kommen: "Betreff: Wir erhielten Weisung von oben, die nächste Evakuierung vorzubereiten. Es steht noch kein Datum fest und es liegt noch keine endgültige Entscheidung vor, doch besteht eine dieslautende Option. Die Räumung des Gasastreifens kam unserer Armee sowohl emotionell als auch finanziell teuer zu stehen. Darum sieht der zur Debatte stehende Plan nicht die Evakuierung, sondern das Verbleiben der Siedler vor Ort unter palästinensischer Verwaltung vor, ohne israelische Oberhoheit und ohne Deckung durch die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Zahal). Nach den heute vorliegenden Informationen werden die verschiedenen Untergruppen der Hamas mörderische Anschläge verüben, was die Siedler zur Flucht auf israelisches Staatsgebiet veranlassen wird. Unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen des Plans ist die Unterstützung durch die öffentliche Meinung. Zu diesem Zwecke ist es nötig, die Siedler als absonderliche und gewalttätige Menschen zu präsentieren, die Streit suchen und die öffentliche Ordnung stören, die mit eigenen Händen ihren Untergang herbei führen. Sie wollen es so haben, und darum sei jegliches Mitleid mit ihnen fehl am Platze. Derzeit wurden wir um die Beurteilung der Möglichkeit gebeten, Provokateure bei den Siedlern einzuschleusen, deren Aufgabe in der Anstachelung der Siedler-Jugend zu wörtlicher und tätlicher Gewalt besteht. Die aktuelle Lage: Die Siedler in Jehuda und Schomron genießen momentan keine Unterstützung bzw. Sympathien in der breiten Bevölkerung. Zur Zeit des Rückzuges aus dem Gasastreifen erhob sich kein Proteststurm zu ihren Gunsten. Das Leben verlief in seinen üblichen Bahnen. Die Einschaltquoten des Fernsehens am Tage der Evakuierung waren niedrig. Dieser Bevölkerungsteil wird weiterhin als fragwürdig und radikal angesehen. Dazu trug vor allem die Räumung von Amona bei, ebenso die Aufstellung illegaler Außenposten durch Hitzköpfe, deren ganzes Lebensziel darin zu bestehen scheint, dem Staate Schwierigkeiten zu machen. Die Radikalen sind zwar unbedeutend und erreichen noch nicht einmal 1%, machen sich jedoch lautstark bemerkbar, und jede aggressive Äußerung erzielt breite Beachtung in den Medien. Zwar gibt es dort nach dem heutigen Stand der Dinge keine physische Gewalttätigkeit, aber unaufhörliche verbale Gewalt: "Nur über unsere Leichen!", "Wenn sie uns evakuieren kommen, wird es einen Krieg geben, gegen den Amona wie ein Kinderspiel aussieht", "Für das Land Israel muss man sterben und töten", "Wir werden gegen die Verräterarmee kämpfen", und ähnliche Äußerungen. Es ist allerdings anzunehmen, dass einige der Jugendlichen von verbaler zu physischer Gewalt übergehen werden, was sich in Aktivitäten gegen die Sicherheitskräfte oder auch gegen die eigene gemäßigte Führung äußern wird. Was diese gemäßigte Führung angeht, so ist es still um sie, sie erzielt keine Beachtung in den Massenmedien, außerdem fürchtet sie, eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Radikalen würde dem Kampf um das Land Israel nur abträglich sein. Beurteilung: Zu diesem Zeitpunkt sind Provokationen unnötig. Die radikalen Randgruppen dienen unseren Bestrebungen. Unsere überall im Einsatz befindlichen Agenten fahren mit deren Bestärkung fort und veranlassen sie fortwährend zu gewalttätiger Ausdrucksweise. Die Einrichtung illegaler Außenposten braucht nicht unterbunden zu werden, da sie lediglich Gefühle befriedigen, ohne handfeste Resultate zu erbringen. Ferner dienen sie unseren Zielen, und die breite Öffentlichkeit reagiert darauf mit Verständnislosigkeit, Apathie und Spott". Ende des Berichtes. * * * Ich kann dieser Lagebeurteilung allerdings nicht zustimmen, die vorgibt, dem Volk sei alles gleichgültig. Es herrscht wohl eine gewisse Verwirrung, doch überall herrscht ein großes Verlangen zu hören, von der Tora zu hören, vom Volk und vom Land. Und alles gehört zusammen. Seit der Gründung des Staates Israel besteht eine allgemeine Unsicherheit über den Verlauf der Landesgrenzen, und die gleiche Unsicherheit besteht über die Grenzen des Volkes. Das Volk kennt nicht die Grenzen seines Landes, weil es sein eigenes Wesen und seine Identität nicht kennt, es kennt nicht sich selbst und nicht seine Natur. Wer Angst hat, neigt zu Gewalt, doch gibt es nichts, wovor man Angst haben sollte. Hör mit der Angst auf, mach deinen Mund auf und fange an zu reden. Tröste die Generation. Rabbiner A.J.Kuk schrieb in seinem Artikel "Trost Israels", dies sei das größte Gebot: Israel zu trösten und ihm zu erklären, was für eine große Generation dies ist. Rede mit jedem Menschen, begegne den Menschen, lerne Tora mit jedem Menschen. Das ist das Heilmittel. Rede mit allen, mit den Religiösen und den Nichtreligiösen, mit den Rechten und mit den Linken, mit den Kranken und mit den Gesunden, mit den Jungen und mit den Alten, mit den Neueinwanderern aus Äthiopien und denen aus Russland, mit Kriminellen und mit Ehrlichen, mit Soldaten und mit Polizisten. Rede mit allen! Rede mit dem Verwandten und mit dem Nachbarn, mit dem Anhalter und dem Fahrer, mit dem Arbeitskollegen und dem Freund in der Armee. Rede. Sei nicht zu bescheiden, sei nicht ängstlich, sei nicht faul. Es ist ganz leicht. Man braucht bloß ein bisschen Opferbereitschaft. Rede über alles, nicht nur über das Land Israel, lehre über alles, über die Tora und über die Nation, über Brot und Arbeitslosigkeit, über Jugend und Erziehung, über Kriminalität und Drogen. Rede mit den Leuten von Sderot und des Galils, des Golans und des Negevs, mit den Menschen in Tel-Aviv und Haifa. Rede und lehre. Sagte einmal ein nichtreligiöser Divisionskommandeur: "Ihr von den Nationalreligiösen dürft euch nicht einigeln und auf euren Anteil beschränken, sondern müsst wirklich national und wirklich zionistisch sein, und damit die Entwicklungen voran treiben, auf lange Sicht. Auch wenn ein Teil der Vorgänge euch punktuell nicht als anständig oder gerecht erscheint, müsst ihr die zentrale Rolle in der Strömung spielen, und nicht am Rande stehen... Bei euch gibt es Begeisterung und Zionismus... einen umfassenden Überblick über alles. Das ist ein bewundernswertes Kapital und Kleinod, wie ihr euch für die Allgemeinheit einsetzt, nicht nur zum Wohle der Allgemeinheit hier und jetzt, sondern als Teil einer großen Vision von der Nation und ihrer Zukunft... Ihr müsst Glauben, Begeisterung und Optimismus auf allen Gebieten ausstrahlen, und auf allen Gebieten die Tora zum Ausdruck bringen". In der Tat, unser Volk ist
bereit, unser Volk ist durstig, unser Volk wartet.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
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