DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Lev. 9,1-11,47):
Parschat Para
Ein unsagbarer Unglücksfall ereilte Aharon HaKohen (der Priester, Moschehs Bruder). "An seinem Hochzeitstage (Hohelied 3,11) - das ist die Übergabe der Tora" (Raschi), und gleich nach dem Höhepunkt "des Tages seiner Herzensfreude - das ist die Einweihung des Wüstenheiligtums" (ebda.) starben zwei seiner Söhne, Nadav und Awihu. Da staunte Aharon, und alle wundern sich, wofür ihn dieses Unglück befiel. Er wird sich wohl gefragt haben, worin er gesündigt hatte? Worin hatten seine Söhne gesündigt, auf dass sie sich diese himmlische Strafung zuzogen? Gegen alle Erwartungen wurde keine Antwort auf diese Frage erteilt. Nur ein knapper und vager Satz war aus dem Munde Moschehs zu hören: "Das ist, was der Ewige geredet und gesprochen: An den mir Nahen will ich geheiligt werden und vor dem ganzen Volke will ich verherrlicht werden" (Lev. 10,3). Aharon hörte diese Worte und verharrte in Stille: "..und Aharon schwieg" (ebda.). Und wir, die wie diese Dinge aus einer Entfernung von mehreren Jahrtausenden lernen, möchten deren Bedeutung ergründen. Man kann doch nicht behaupten wollen, G~tt verlange "Menschenopfer", um durch ihr Blut sein Heiligtum zu weihen. Diese Einstellung aus der Welt des Götzendienstes ist der Tora Israels wesensfremd und steht nicht zur Debatte. Um die Bedeutung der Begriffe "geheiligt werden" (äkadesch) und "verherrlicht werden" (äkawed) richtig zu verstehen, müssen wir sie an anderer Stelle im Tanach aufsuchen. Rabbiner Samson Raphael Hirsch verweist uns an die Prophezeiung Jecheskels (28,22) zum Niedergang Zidons: "Siehe, ich will an dich, Zidon, und ich werde verherrlicht in deiner Mitte; und sie sollen erfahren, dass ich der Ewige bin, wenn ich an ihr Strafgerichte übe und an ihr geheiligt werde". G~tt wird in den Augen der Menschen geheiligt, indem er einem Teil von ihnen eine Härte angedeihen lässt. Manchmal erfolgt es durch eine Prophezeiung des Unglücks, und manchmal durch eine Prophezeiung der Erlösung. Und so heißt es in jenem Kapitel: "Wenn ich das Haus Israel aus den Völkern sammle, unter die sie zerstreut worden sind, so werde ich an ihnen geheiligt werden vor den Augen der Völker..." (V.25), und so heißt es auch an weiteren Stellen im Buche Jecheskel. "Das ist, was der Ewige geredet" (s.o.) sagte Moscheh zu Aharon. Er spielte dabei nicht unbedingt auf eine prophetische Mitteilung an, die er von G~tt in der Vergangenheit erhalten hatte (auch wenn das nach einigen Kommentatoren in den Worten "und es soll geheiligt werden durch meine Herrlichkeit", Ex.29,43, angedeutet ist - allerdings eine sehr versteckte Andeutung), sondern eher auf eine Mitteilung G~ttes, die wir unter Beobachtung der gegenwärtigen Geschehnisse erhalten sollen (Nachmanides). Drei wichtige Botschaften verband G~tt mit den Ereignissen um die Söhne Aharons (Neziw): 1. "die Strenge des Heiligtums und der Geheiligten". 2. "damit den Kohanim aller Generationen zu drohen, bei den Heiligtümern G~ttes ganz besondere Vorsicht walten zu lassen". 3. "damit das ganze Volk wisse, dass das Heiligtum der Palast des Königs ist, und sich die göttliche Präsenz in ihrer Mitte aufhalte, denn darum berührte sie die Strenge des Gesetzes im Zorn". Durch dieses Unglück, das G~tt über die ihm Nahestehenden bringt, vermittelt er dem ganzen Volk lebenswichtige Nachrichten. Sicher würden wir ganz natürlich nach den Gründen für dieses Unglück suchen. Doch diese beruhen auf der verborgenen göttlichen Weltlenkung. Es ist aber erlaubt, Fragen zu stellen, und auch Vermutungen anzustellen; doch eine Relevanz haben diese nicht, und einen echten Nutzen bringen sie auch nicht. Wir müssen nach dem Zweck dieses Unglücks suchen, und das wird für jeden von uns sowohl relevant als auch nützlich sein. Vom ganzen Volk wurde nun verlangt, die Söhne Aharons zu betrauern: "..das ganze Haus Israel soll beweinen den Brand derer, welche der Ewige verbrannt hat" (Lev. 10,6). Als Aharon verstand, dass der Tod seiner Söhne eine bestimmte Bedeutung hatte, akzeptierte er schweigend das Urteil, auch wenn er den Grund nicht kannte. "und Aharon schwieg". Daraus lernen wir etwas Wichtiges in Beziehung auf die Suche nach der Bedeutung der göttlichen Lenkung in der Welt. Jede einzelne Lenkung hat einen Grund, der sie rechtfertigt. Wir müssen allerdings nach deren Ziel Ausschau halten. Der Grund ist nicht wichtig für uns. Er gehört der Vergangenheit an, die fort und vorüber ist. Das Ziel ist demgegenüber von großer Bedeutung für uns. Wenn auch der Grund eine Bedeutung haben mag, so ist diese für uns nur von Nutzen, wenn wir die wirkliche Bedeutung erlangen, und das steht nicht in unserer Macht. Wenn wir uns aber mit dem Ziel befassen, hat jede positive Antwort eine handfeste Bedeutung. So wie der Tod der Söhne Aharons mehrere Mitteilungen umfasste, gerichtet an verschiedene Gruppen im Volke, kann ebenso jedes Geschehnis im Leben auf verschiedene Weisen gedeutet werden und verschiedene Botschaften an verschiedene Leute übermitteln. Genau das ist unsere Aufgabe. Darin besteht die Verantwortung eines jeden Einzelnen, in dessen Umgebung ein schmerzlicher und erschütternder Vorfall geschieht, im Sinne von "und der Lebende nehme sich das zu Herzen" (Kohelet 7,2). "Es besteht nicht der geringste Sachzwang bezüglich der umfassenden und der individuellen Lenkung, außer, das Alles in der Absicht zum Guten geschieht. Und weil sich offenbart, dass es kein Ende gibt im Vermögen des Höchsten... und weil keinerlei Sachzwang besteht, versteht sich, dass es keinen Fall in der Welt gibt, der nicht auf das Gute abzielt... Die wenigen dazu Befähigten haben die Pflicht, jede Sache mehr in ihren Einzelheiten zu untersuchen, gute Ergebnisse aus allem zu ziehen, was in ihre Hände gelangt. Und auf diesem Wege bringen sie die Absicht der höchsten Lenkung zur Geltung, in dem Maße, dessen sie würdig sind" (Rabbiner A.J.Kuk, Ejn Aja Brachot, 9.Kap.,§2-3). "Alle Fälle allesamt, die zueinander treffen, sind auf ein Ziel ausgerichtet, und weil sie auch der freien menschlichen Entscheidung anhaften, dass [der Mensch] sie zu ihrem guten Ziele entfalte - wenn nun der Mensch sich dem verschließt und das Ziel nicht verwirklicht, beraubt er das Gesetz dieses Zufalls des Guten, das durch seine Hand hätte produziert werden sollen" (ebda., 1.Kap., §167). "Und keine den Menschen betreffenden
Sache... sei verlassen und dem Zufall überlassen... der innere Kern
ist immer gut, und bei allen sich einfindenden Umständen, selbst den
zufälligsten, ist alles durchwirkt vom Gewebe des Geheimnisses der
höchsten Lenkung, damit das zum Guten und zur Gnade Verborgene in
die Tat umgesetzt werde... denn so schuf der Schöpfer des Menschen
dessen Seele in seiner Weisheit, dass nämlich bei der Benutzung seiner
natürlichen Neigungen zum Guten der Mensch das Geheimnis der höchsten
Vorsehung und ihre Absicht trifft" (ebda., 9.Kap., §53).
Hört her, hört her! Etwas ganz Neues, eine gewaltige wissenschaftliche Errungenschaft: Ein weißer äthiopischer Jude! (Kein weißer äthiopischer Nichtjude, sondern ausgerechnet ein Jude). Das klingt wie ein Witz - "weißer Äthiopier", wie ein Widerspruch in sich selbst. Aber es ist wahr, und wenn wir mit dem Lachen fertig sind, werden wir diesem weißen äthiopischen Juden zugeben, dass viele seiner Probleme verschwanden. Zu unserer Schande gibt es Viele, die auf die Äthiopier herab schauen und manchmal sogar beleidigen: Neger! Schwarzer! usw. Dem weißen Äthiopier wurde das Problem von Grund auf gelöst. Denn außer der Hautfarbe gibt es ja nicht den geringsten Unterschied zwischen äthiopischen und anderen Juden. Diese haben ein Herz, und jene haben ein Herz. Diese haben ein Gehirn, und jene haben ein Gehirn. Diese halten vom Lande Israel und Jerusalem, und jene halten vom Lande Israel und Jerusalem. Diese halten vom Grab Rachels in Bet Lechem und die Gräber der Stammväter und -mütter in Chevron, und auch jene. Diese wie jene haben denselben G~tt und dieselbe göttliche Seele. Bekanntlich hat die Seele keine Farbe, weder weiß noch schwarz, auch nicht braun oder gelb. Nur die dünne schwarze Haut macht den Unterschied aus, doch bevor ich euch das Geheimnis des weißen Äthiopiers verrate, werde ich euch eine wahre Begebenheit erzählen, und wenn sie sich nicht genau so zutrug, doch wenigstens ungefähr. Eines Tages sagte mir einer der Schüler unserer Jeschiwa, dass er sich verlobt habe. - "Masal tov, ich freue mich". "Es gibt da nur ein kleines Problem - sie ist Äthiopierin, und ich bin ein Kohen". "Warum musstest du dich auf so eine komplizierte Geschichte einlassen?" [Manche Rabbiner verlangen von den äthiopischen Juden "sicherheitshalber" die Konvertierung (Gijur), und ein Kohen darf keine Konvertitin heiraten]. - "Ich hab' einfach nicht daran gedacht. Ich schätze sie sehr und liebe sie, und auf die Farbe habe ich nicht geachtet". - Natürlich hat mich sehr gefreut, dass er nicht daran dachte und nicht darauf achtete. "Gib mir drei Tage Zeit". Ich arbeitete mich durch die halachischen Autoritäten, debattierte mit Rabbinern, und schließlich konnte ich ihm mitteilen: "Das geht in Ordnung. Du musst dir nur eine Bestätigung von einem großen Rabbiner besorgen". Ich gab ihm eine Liste mit einigen Namen. Nach einer Weile kam er zurück und sagte: "Sie haben Angst". - "Na gut; gib mir noch drei Tage". Und wirklich, am dritten Tag konnte ich ihm verkünden: "Ich habe hier einen Zettel für dich, der mehr als eine Million Dollar wert ist". Eine Antwort an mich von Rabbiner Ovadia Josef (ehemaliger sefardischer Oberrabbiner Israels): "Ein Kohen und eine Äthiopierin dürfen heiraten, und der [aus dieser Ehe resultierende] Sohn ist ein vollgültiger Kohen. Hochachtungsvoll, und mit großer Liebe, Ovadia Josef". Zurück zu unserem Thema: Wo befindet sich der Äthiopier mit weißer Hautfarbe? Sehr einfach: Der bin ich selber. Und noch Millionen andere Juden. Sagten wir doch schon vorher, dass zwischen einem äthiopischen Juden und einem anderen kein Unterschied besteht außer der Hautfarbe. Wir sind also alle Äthiopier mit tausenden gemeinsamen Eigenschaften und einem Unterschied (weniger als einen Millimeter dünn), den man vernachlässigen kann. Das ist keine Erfindung von mir, sondern als Dr. Josef Halevi vor etwa 150 Jahren zum ersten Mal den Juden in Äthiopien begegnete, dachten sie noch, sie wären die einzigen Juden auf der Welt, und da teilten sie ihm mit, er sei ein Äthiopier wie sie. Sie sagten: "Ein Äthiopier mit weißer Haut! Du machst uns lachen!". Allerdings war das gar nicht witzig, sondern eine sehr ernste Angelegenheit. Also eine enorme wissenschaftliche Errungenschaft: Das ist nämlich die Größe der Wissenschaft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und unbedeutende, vernachlässigbare Details zu ignorieren. Wenn das schon in der weltlichen
Wissenschaft so ist, dann doch erst recht in der Wissenschaft vom Heiligen,
wie das "Buch der Wissenschaft" (Sittenlehren) des Maimonides. Sieh dort
nach und finde, dass man jeden Juden lieben muss und keinen Unterschied
macht zwischen Licht und Hautschattierung, sondern nur zwischen Licht und
Schatten.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
|