DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHELACH LECHA
Nr. 672
18. Sivan 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 13,1-15,41):
12 Fürsten kundschaften das Land Kana'an aus; 10 bringen positiven, aber entmutigenden Bericht, 2 optimistisch und verweisen auf göttlichen Beistand; Volk hört auf Mehrheitsbericht, göttliche Strafe: 40 Jahre Wüste, bis Ungläubige ausgestorben sind; jetzt wollen sie doch, aber G~tt läßt sie nicht mehr; weitere Opfergesetze; Strafe für G~tteslästerung; der Holzsammler am Schabbat; Zizit.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Sünde der Weinrebe

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Viele Kommentare wurden zur Sünde der Kundschafter verfasst. Eine der Erklärungen, die sich mit der Wurzel dieser Sünde befassen, die zu dem großen Unheil führte, das wir über alle Generationen "mitschleppen", stammt von Rabbiner Jakov Moscheh Charlap (früherer Leiter der Merkas-Harav Jeschiwa in Jerusalem): Unsere Beziehung zur Welt teilt sich nach drei Aspekten auf: 1. Pflicht, 2. Erlaubtes, 3. Verbotenes. Zu manchen Dingen sind wir von der Tora her, oder moralisch oder prinzipiell verpflichtet, manche Dinge sind verboten, und manche Dinge sind erlaubt. Diese stehen zwischen Pflicht und Verbot. Es liegt in unseren Händen, sie in den Rang des Gebotes und der Pflicht zu erheben, oder sie, g~ttbehüte, auf den Rang des Verbotes herunter zu bringen. Dazu sagte der Talmud: "Heilige dich durch das dir Erlaubte" (Jewamot 20a), und nutze die Erlaubnisse der Tora nicht für Ausschweifungen. Das alles bezieht sich allerdings auf die Zeit nach dem Sündenfall im Garten Eden, doch vorher teilten sich die Dinge nur in Pflicht und Verbotenes. Die Pflicht kam in dem Gebot G~ttes an Adam zu Ausdruck: "Von jeglichem Baume des Gartens darfst du essen" (Gen. 2,16) - "und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bearbeiten und zu hüten" (V.15); "zu bearbeiten" - das sind die positiven Gebote (Pflichten). Dem folgt das göttliche Verbot "Aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, von dem sollst du nicht essen" (V.17) - "zu hüten" - das sind die Verbote. Die Erlaubnis war Bestandteil des Gebotes und der Pflicht, doch die Sünde machte das Erlaubte unabhängig vom Gebot, bis hin zur Möglichkeit, bis zum Verbot abzusinken. In Zukunft jedoch wird alle spirituelle Unreinheit aus der Welt verschwinden, die Verbote werden aufgehoben und null und nichtig, und das Erlaubte wird wieder in Gebot und Pflicht inbegriffen sein. 

Es gibt allerdings zwei Dinge, die von der Sünde nicht so sehr betroffen wurden: das Volk Israel und das Land Israel. Beim Volke Israel, das nach seiner Tora lebt, gibt es viele erlaubte Dinge, die sich in einem Gebot bzw. Pflicht einschließen lassen, ebenso beim Lande Israel - "sogar das werktägliche Leben daselbst, die Besiedlung, das Pflügen, das Säen usw., erhalten die Kraft eines Gebotes und der Pflicht, und darum sind auch die Art und Weise der Besiedlung, die natürlichen Mittel, die dazu führen wie Eroberung des Landes und der Aufbau normaler staatlich geordneter Lebensbedingungen nicht mehr nur einfach Hilfsmittel zur Erlangung des Landes, sondern Zweck an sich, da jeder Schritt und jede Eroberung, alles gehört zum Gebot und zur Pflicht, diese bauen in den himmlischen Sphären ihre Verdienste aus, und die Existenz aller Welten hängt davon ab". 

Nach diesem Prinzip erklärte Rabbiner Charlap die Sünde der Kundschafter. Unser Lehrer Moscheh bat sie, einige Dinge im Lande Kana'an auszuforschen, z.B. "..ob Bäume darin sind oder nicht, und fasset ein Herz und nehmt von den Früchten des Landes" (Num. 13,20). Hierbei ist der Baum das Mittel und die Frucht der Zweck. Da sagte Moscheh zu ihnen: In allen Ländern gibt es einen Unterschied zwischen Baum und Frucht, zwischen dem Mittel und dem Zweck, zwischen dem spirituellen Leben und dem werktäglich-nationalstaatlichen Leben - doch im Lande Israel liegen die Dinge wesentlich anders. Darum "fasset ein Herz", erhebt euch, geht den Dingen auf den Grund, "nehmt von den Früchten des Landes", d.h. entdeckt, dass im Lande Israel alles Frucht ist - alles ist Zweck, auch die Mittel, auch das natürliche, werktägliche Leben ist Teil des Zweckes selbst. Doch die Kundschafter sündigten bei ihrer Rückkehr aus dem Land. Sie brachten nicht nur Früchte, sondern "schnitten von dort ab eine Rebe mit einer Weintraube" (V.23), um zu zeigen, dass auch im Lande Israel ein Unterschied zwischen der Rebe und der Traube besteht, zwischen dem Zweig des Weinstocks, der Rebe, dem Mittel, und den Trauben, der Frucht - als wollten sie dem Volke Israel mitteilen, wisset, im Lande Israel gibt es viel weltliches Leben, Kriege, Probleme mit der Sicherheit, mit der Verteidigung, mit der Wirtschaft usw., die bei der Offenbarung des Heiligen und der spirituellen Seiten hinderlich sein können. So wie es Rabbiner Charlap ausdrückte: "Doch die Kundschafter nahmen mit Absicht die Traube mit der Rebe - um zu zeigen, dass das Land Israel wie alle anderen Länder ist, und der Geschmack der Bäume gleicht nicht dem Geschmack der Frucht".

Was uns betrifft in dieser ganzen Angelegenheit, heutzutage, so müssen wir verstehen, dass im Lande Israel die Sorge um das weltliche Leben nicht nur ein Mittel, sondern einen Zweck für sich darstellt. Eine Kassam-Rakete auf Sderot ist nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern eine Entweihung des göttlichen Namens (Chilul haschem) und eine Entweihung der Würde Israels. Unterschiede zwischen arm und reich, hohe Arbeitslosigkeit und Teile der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze leben sind nicht nur private Probleme, sondern eine furchtbare Entweihung des göttlichen Namens. Probleme im Bereich des Familienlebens beschränken sich nicht nur auf den Kreis der Familie, sondern erzeugen einen Leerraum bei der Offenbarung G~ttes im Lande. Darum muss der Ausgangspunkt für alle Auseinandersetzungen innerhalb Israels und die nach außen gerichteten ein spiritueller, göttlicher Ausgangspunkt sein, und nicht nur diese oder jene praktische Lösung. Mit G~ttes Hilfe wird jeder Einzelne von uns nach besten Kräften zur Behebung der Sünde der Kundschafter beitragen. Wir werden nicht zwischen "Reben" und "Früchten" unterscheiden, sondern werden noch den wahren Wein des Landes Israels trinken, aus den Weintrauben der Kundschafter unserer vollkommenen spirituellen, nationalen und praktischen Erlösung.
 
 
 
Frage und Antwort

Siegen - nicht mit Gewalt

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie sollte man gegen all die verbrecherischen Pläne ankämpfen, Jehuda und Schomron und selbst Jerusalem dem Feind zu überlassen? Vielleicht mit Gewalt?

Antwort: Die Geschichte entwickelt sich durch zwei verschiedene Einflüsse: von außen und von innen. Zu den Einflüssen von außen zählen: Politik, Militär, Wirtschaft, Macht, Vereinigungen. Einflüsse von innen: Glauben, Ideale, Bestrebungen.

Zwischen den Geschichtsphilosophen besteht ein großer Meinungsstreit darüber, welcher Einfluss stärker ist. Beide zeigen Wirkung, doch welcher entscheidet? Weshalb z.B. besiegten die Russen Napoleon? Weil ihre Armee stärker war, oder weil ihre Motivation stärker war? Manche mögen behaupten: Manchmal sind die äußeren Einflüsse stärker, manchmal die inneren. Sicher verläuft die Geschichte nicht nach mathematischen Regeln, aber dennoch - wo liegt der Schwerpunkt?

Manche behaupten also, die äußeren Einflüsse entscheiden. Die Geschichte ist keine Lehrstube, auch nicht beim Volk Israel, und die Politik wird von der stärksten Machtgruppe entschieden, durch Geld, durch die Anzahl der Anhänger, durch die Massenmedien, durch die Herrschaft über die Justiz. 

Andere behaupten, entscheidend sei, was die Leute glauben, wovon sie überzeugt sind und wonach sie streben.

Sicher muss man an beiden Fronten kämpfen. Trotzdem muss man sich über die Hauptsache im Klaren sein, wenn sich die Fronten einmal gegeneinander richten. 

Hier ein Beispiel aus dem Privatbereich: Wenn ein Kind nicht zum Beten kommen will, dann gibt man ihm eine Ohrfeige, und es wird sicher seine Schritte Richtung Synagoge lenken. Wahrscheinlich wird es später aber nicht mehr beten. Wenn Judentum eine Glaubenssache ist, dann war die Ohrfeige ein Fehler, und wenn Judentum eine religiöse Verhaltensweise ist, dann war die Ohrfeige angebracht. Jeder weiß doch, dass Judentum im Grunde eine Glaubensangelegenheit ist. Ein kleines Kind kann man mit Ohrfeigen dirigieren, denn es hat ja keine andere Wahl, doch wenn es größer wird, wird es sich auflehnen.

In früheren Generationen funktionierte diese Methode, und so steht es auch in der Tora: Wer den Schabbat entweiht, soll getötet werden. Doch heutzutage geht das nicht. Im Gegenteil: Nach der Tötung eines Schabbatentweihers würden alle übrigen Schabbatentweiher sofort mit großer Opferbereitschaft über den Henker herfallen. 

So verhält es sich auch in politischen Angelegenheiten. Es kann vorkommen, dass eine politische Gruppierung siegt, weil sie stärker ist, doch ob sie auf lange Sicht stand halten kann, steht auf einem anderen Blatt.

Darum geht es im Streit zwischen dem historischen Materialismus, der die Meinung vertritt, praktische Einflüsse wie Wirtschaft und Sicherheit lenken die Geschichte, und dem historischen Idealismus, der die Meinung vertritt, Gedanken, Glauben, Ideen und Anschauungen lenken sie. 

Wir halten zum historischen Idealismus. Napoleons Armee war stärker, doch die Russen siegten, weil sie felsenfest daran glaubten, dass Russland ihr Land sei - und hatten Recht damit.

Die Siege in der Geschichte werden von Gedanken und Ideen davon getragen. Natürlich nicht sofort. Wie gesagt, die Geschichte ist nicht mathematisch berechenbar. Es geht mal aufwärts und mal abwärts.

Wer war kulturell höher entwickelt, Athen oder Sparta? Athen war ein Zentrum der Intellektuellen, und Sparta der Krieger. Aber Sparta siegte doch?! Ja, aber am Ende herrschte die Kultur Athens in ganz Griechenland. 

Wer waren die größeren Intellektuellen, die Griechen oder die Römer? Die Griechen. Aber die Römer siegten doch?! Ja, aber am Ende übernahmen sie die hellenistische Kultur. 

Und wie siegte der Kommunismus in Russland? Wegen der Revolution? Vielmehr richteten sie in jeder Stadt eine kleine Zelle ein, wo sie über Kommunismus redeten und verhandelten, und so wurden sie immer stärker, bis sie die Herrschaft übernahmen.

Und so, lehavdil, im Lande Israel; in unseren Tagen konzentrieren sich die Schwierigkeiten nicht auf einen problematischen Regierungschef, eine problematische Regierung oder sogar ein problematisches Parlament, denn all diese stützen sich ja auf das Volk. Wenn schon, dann liegen die Schwierigkeiten in den schlechten Ansichten, die in der Nation vorherrschen. So schrieb schon Rabbiner Awraham Jizchak Kuk: "Nicht nur die Menschen bedürfen der Besserung, sondern auch die Gedanken an sich, denn die Gedanken, die in der Welt herum schwirren, begründen den Stand der Menschen und ihren Weg im Leben, solange sich darum die Gedanken... in einem Zustand befinden, der jeder Wahrheit und Heiligem entgegen steht, folgt zwangsläufig, dass jene Leute, die sich mit ihnen auseinander setzen, in diesem Zustand ihre Taten ausführen" (Ma'amarej Hara'aja, S.85). 

Schlechte Ansichten bewirken schlechte Taten, und gute Ansichten bewirken gute Taten. Für Dinge, von deren Richtigkeit, Güte und Heiligkeit man aus tiefster Seele überzeugt ist, setzt man sich mit großer Opferbereitschaft ein. 

In diesem Falle verfügen wir über das höchste Heilmittel: die Mehrung von Tora und Glauben. Wir müssen uns bewusst sein, dass nicht die Gewalt zum Sieg führt. Es ist zwar manchmal verlockend, Gewalt anzuwenden, weil sie sofortige Resultate verspricht, doch der Schein trügt. Selbst ein Erfolg wird nur kurze Zeit vorhalten. Die Tatsachen, die man mit Gewalt schuf, lassen sich auch wieder durch Gewalt beseitigen. Auch darf man nicht außer acht lassen, dass der Gebrauch von Gewalt gefährlich ist. 

Der wahrhafte Prozess ist hingegen tiefsinnig, fundamental und lang. Wie lässt sich das große Wunder der Ewiglichkeit Israels und seines gewaltigen Einflusses auf die Welt erklären? Mit Gewalt?! Sicher nicht! Sondern mit Wahrhaftigkeit, Hartnäckigkeit, Glauben und Himmelsfurcht. 

Auch heute ist unser Kampf um das Land Israel grundsätzlich nicht politischer Natur, sondern eine Glaubensfrage. Darum sind wir optimistisch, denn Glauben ist reichlich vorhanden, nur muss er zum täglich Brot der ganzen Nation werden. Denk an den großen Kampf, den wir um das Katif-Gebiet führten, mit großer Weisheit und Opferbereitschaft. Auch eine große Öffentlichkeit war vertreten, alle Strömungen des religiösen Zionismus. Doch die Allgemeinheit Israels war nicht dabei, die Charedim waren nicht dabei, die Nichtreligiösen waren nicht dabei. 

Ohne das Volk Israel läuft nichts. Und im Volke Israel läuft nichts ohne eine Weitung der Horizonte. Darum müssen wir zum höchsten Heilmittel greifen: Verständnis mehren.
 

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