DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT RE'E
Nr. 682
29. Aw 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 11,26-16,17):
Segen und Fluch - abhängig von freier Entscheidung; Vorschriften bezügl. des Opferdienstes, falsche Propheten, koschere Tiere, Erlassjahr, Pessach-, Sukkotopfer
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Der verschwundene Segen

Rav Eran Tamir
Rabbiner an MACHON MEIR

Es ist eine bekannte und allseits verbreitete Erscheinung, dass sich ein Mensch, der Rat, Segen usw. braucht, an einen der verschiedenen Eizesgeber oder Mekubbelim (mehr oder weniger echte Spezialisten auf dem Gebiete der Kabbala) wendet, die ihm das Blaue vom Himmel versprechen, wenn er nur sorgfältig ihren Weisungen folgt - Erfolg und materiellen Segen, Gesundheit, wirtschaftliche Fülle, sorgenfreien Lebensunterhalt, Eheglück und erfolgreiche Kindererziehung, und auf der spirituellen Seite: das Paradies, Eintritt in die kommende Welt und dergleichen mehr.

Auch die Tora, lehavdil, verspricht materiellen Lohn schon für diese Welt in mehreren Wochenabschnitten, z.B. Bechukkotai "Wenn ihr nach meinen Gesetzen wandelt..." (Lev. 26,3), Ekew "Und es wird geschehen, zum Lohne, dass ihr gehorchet..." (Dt. 7,12), Ki-Tawo "Und es soll geschehen, wenn du in das Land kommst..." (Dt. 26,1), "Nur wenn du gehorchest der Stimme des Ewigen, deines G~ttes..." (div.) - doch in unserem Wochenabschnitt, der sich vor allem mit dem Segen und, g~ttbehüte, mit dem Fluch beschäftigt, mit dem das Volk Israel bedacht wird, gibt die Tora keine detaillierte Aufstellung darüber, was im Segen (oder dem Gegenteil) inbegriffen ist: "Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor: Den Segen, wenn ihr höret auf die Gebote des Ewigen euren G~ttes, die ich euch heute gebiete; Und den Fluch, wenn ihr nicht höret auf die Gebote des Ewigen eures G~ttes..." (Dt. 11,26-28). Warum?

Auf den ersten Blick scheint die Hauptsache zu fehlen, denn wir wissen doch gar nicht, über welchen Segen oder Fluch die Tora spricht? Vielmehr lernen wir von dieser Stelle, dass wirklicher Segen nicht an guten Resultaten gemessen wird, sei es in materieller, sei es in spiritueller Hinsicht, so wie es bei der "Belohnung" für unsere guten Taten der Fall ist - der Segen besteht vielmehr in der guten Tat an sich, "Den Segen, wenn ihr höret auf die Gebote des Ewigen euren G~ttes". Und wie ist dieser Segen beschaffen? Eine Verknüpfung des Menschen mit G~tt ohne die Bedingung, dass der Mensch davon profitieren kann, und was den Fluch angeht - die negative Tat an sich, die eine Entfernung und Abtrennung des Menschen vom Herrn der Welt verursacht, ohne Zusammenhang mit "Kosten", die der Mensch für seine Taten zahlen müsste; "Und den Fluch, wenn ihr nicht höret auf die Gebote des Ewigen eures G~ttes". Je mehr der Mensch gesegnet ist, desto inniger seine Verbindung zu G~tt, und ganz automatisch sucht und findet er bei jeder Sache, die auf der Welt geschieht, das Wort G~ttes, wie es zu uns und durch uns erscheint, was wiederum zu einer Steigerung seines Interesses führt, zu einer Stärkung seiner Zugehörigkeit und seiner Freude daran, wie Rabbiner Moscheh Charlap schrieb: "Wenn sich jemand intensiv mit einer Sache beschäftigt und man wissen möchte, wie sehr ihm diese Sache wirklich am Herzen liegt, sollte man beachten, wie er sich sonst für jede Sache interessiert, ein Ereignis und eine Neuigkeit auf der Welt, und ihn dann an- und ihm zuhören bezüglich der Einzelheiten seiner gegenwärtigen Beschäftigung" (Mej Merom V, S.234). Das ist "der Segen, wenn ihr höret auf die Gebote des Ewigen euren G~ttes", der Segen an sich besteht darin, bei jeder Sache zu hören, was dazu geboten ist, zusammen mit der Freude über eine Neuigkeit, als ob sie ihm heute gegeben wurde, "die ich euch heute gebiete". Wenn einem aber g~ttbehüte diese Fähigkeit des Hinhörens abgeht, dann ist das an sich schon ein Fluch, "Und den Fluch, wenn ihr nicht höret...". 

Mögen wir wissen, wirklich Gesegnete zu sein, ohne auf "Resultate" zu schielen - und mit G~ttes Hilfe mögen wir auch das Verdienst erwerben, in den Genuss materieller und spiritueller Fülle zu kommen, für die Allgemeinheit wie für den Einzelnen. 
 
 
 
Kinder, Kinder...

Die Ehrung der Eltern (II)

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

 
[Fortsetzung von voriger Woche] Bis hierher wurde die Schwierigkeit der Elternehrung als ein Problem mit dem Leben an sich auf diesem Erdenrund erläutert, doch liegt hierin vielleicht überhaupt das Geheimnis der Ehrung. Je mehr sich der Mensch daran gewöhnt, der Quelle seines Lebens mit Respekt zu begegnen, verstärkt sich sein Eindruck, das Leben habe besonderen Wert und Bedeutung und sei gar keine so einfache Sache. Er schafft durch ein gesundes Verhältnis zu seinen Eltern einen positiven Ausblick auf alles Sein, was ihm die Kraft zu geben vermag, seine Einstellung zum Leben radikal zu ändern. Wenn sich Eltern mit einer Wirklichkeit abfinden, in der ihr Kind ihnen keinen Respekt entgegen bringt, weil ihnen ihre Ehre nicht wichtig ist, dann versperren sie mit ihrer Bescheidenheit dem Kind die Hoffnung auf eine freudige Einstellung zu seinem Leben. 

In diesem Sinne lehrt uns der Malbim-Kommentar zu den zehn Geboten: "Bei den letzteren Geboten [im 5.B.M.] fügte er damit es dir wohlergehe hinzu, denn es gibt Menschen, die glauben, das Böse auf der Welt überwiege das Gute, und deshalb ist ihnen das Leben zuwider und sind es überdrüssig, und fluchen ihren Vätern, die sie in diese Wirklichkeit hinein brachten, die ihnen zum Nachteil ist. Darum sagte er damit es dir wohlergehe, denn durch die Ehrung von Vater und Mutter und die Idee, dass das Leben gut ist, wird es ihnen wirklich besser gehen". 

Der Malbim-Kommentar stellt das Versprechen der Tora bezüglich des "Wohlergehens" als großen Segen dar, der durch das Verdienst der Elternehrung schon in dieser Welt erscheint; die Welt wird in den Augen des Menschen besser, das Leben wird in seinen Augen besser, er lebt sein Leben in Freude. Die Ehrung der Eltern schafft also das richtige Verhältnis des Ehrenden zu seinem eigenen Leben. Das Beispiel des Malbim ist zwar extrem - jemand, dem das Leben zuwider ist - doch treffen seine Worte auf jeden Menschen auf der Erde zu, der ein Verhältnis von Respekt zu denen entwickelt, die ihn in die Welt brachten, indem er nämlich die Welt positiv und in Glauben betrachtet. Nach Ansicht des Malbim wird das vollständige Erfüllen des Gebotes der Elternehrung von einer Änderung der Denkweise über das Leben begleitet, in das uns unsere Eltern setzten: "Dadurch, dass er seinen Vater und seine Mutter ehrt und denkt, das Leben sei gut, wird es ihm entsprechend wirklich besser gehen". Es kann jemand seine Eltern hoch in Ehren halten, nach allen Regeln der Kunst, doch wenn die Ehrung nicht von einer Umwälzung seiner Gedankenwelt begleitet wird, in Bezug auf das Leben, das ihm vergönnt war, öffnet sich nicht vor ihm das Fenster zu einer neuen Weltanschauung, vielmehr erscheint ihm die Welt kein bisschen besser.

Das Gebot der Elternehrung bietet ein Spiegelbild des Verhältnisses des Kindes zum Leben, und gleichzeitig birgt es eine enorme Kraft, dieses Verhältnis zum Guten zu neigen. Das ist ein großes Geschenk des Schöpfers, weniger als Lohn der Eltern für ihre Lasten und Anstrengungen gedacht, vielmehr gilt es dem Nachwuchs, ein Leben voller Segen zu genießen. 

Wer braucht eigentlich diese Ehre?

Die Ehre in einer ehrlosen Welt. - Wir leben in einer Welt, in der der Begriff der Ehre immer mehr an Bedeutung verliert. Im Erziehungswesen wird diese Entwicklung besonders deutlich. In vielen Schulen erheben sich die Schüler schon nicht mehr beim Eintritt des Lehrers, und vielerorts wird der Lehrer bei seinem Vornamen genannt. Die für die Beziehungen von Eltern zu ihren Kindern und von Lehrern zu ihren Schülern charakteristische Distanz wurde von einer schrankenlosen Kumpelhaftigkeit ersetzt, die nicht selten einen Hauch von Frechheit ausströmt. Im Gegensatz zu diesem Zeitgeist baut die Tora das Verhältnis von Eltern und Kindern nicht auf Nähe und Liebe, sondern ausgerechnet auf Respekt und Ehrfurcht: "Ehre deinen Vater und deine Mutter" (Ex. 20,12), "Jeder fürchte seine Mutter und seinen Vater" (Lev. 19,3).

Natürlich hat die Tora nichts gegen Elternliebe, doch möchte sie ein wichtigeres Fundament für die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern legen. Im Gegensatz zur generellen Meinung ist die Ehre kein Bedürfnis des Geehrten, sondern ein absolutes Bedürfnis des Ehrenden. Die Ehrung G~ttes ist kein Bedürfnis des Herrn der Welt, sondern unser Bedürfnis. Durch die Ehrung machen wir unser Leben zu einem Leben in Gegenwart G~ttes. Die Ehrung des Rabbiners richtet sich nicht an den Rabbiner, sondern dient dem Ehrerweisenden, der durch die Ehre einem Menschen begegnen möchte, der die Tora nicht als leblose Buchstaben ansieht, sondern als Lehre des Lebens. Entsprechend gebietet die Tora den Kindern die Ehrung der Eltern - nicht, weil sie sich der Eltern erbarmt und ihnen für ihre Mühen das "Recht" auf Ehre durch die Kinder zubestimmt; die Eltern brauchen nicht derlei "Vergütung", denn sie handeln aus einem tiefsitzenden, natürlichen Istinkt zum Wohle ihrer Kinder. Vielmehr sind es die Kinder selber, die diese Ehre benötigen, die in ihnen etwas aufbaut, was sie nicht auf anderem Wege erlangen können. 

Es ist wohl wahr, dass ein Vater auf seine Ehrung verzichten kann, und dieser Verzicht ist gültig, doch bedeutet das noch lange nicht, dass er wirklich auf seine Ehrung verzichten sollte. Würde es um seinen persönlichen Nutzen gehen, stünde ihm so ein Verzicht gut zu Gesicht, doch da hier vom Recht des Kindes die Rede ist, bedeutet so ein Verzicht einen gewaltigen Verlust für das Kind. Andererseits sollten die Eltern nicht nach der Ehrung durch ihre Kinder rennen, nur weil sie sich selbst für so furchtbar wichtig halten, doch sollten sie von den Kindern Respekt verlangen in dem Maße, wie es dem Wohl der Kinder dient und verschaffen ihren Kindern dadurch das Geschenk des Lebens, wie noch weiter ausgeführt werden wird.

[Fortsetzung folgt]

 


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