DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PEKUDE
Nr. 658
1. Adar II 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 38,21-40,38):
Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

In Erwartung

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

Die Erwartungshaltung gegenüber dem Ablauf der Erlösung verlangt nach kontinuierlicher, täglicher Verbesserung, und jedes Mal, wenn irgendwelche Schwierigkeiten auftreten oder Prozesse ablaufen, die in gewisser Hinsicht einen Rückschritt bei der Erlösung bedeuten, werden sogleich Stimmen laut, die unsere Auffassung vom "Beginn der Erlösung" (Atchalta dege'ula) in Zweifel ziehen und nach erneuter Überlegung rufen, ob unsere Weltanschauung nicht auf einem Irrtum beruhe. Und wenn dann noch die israelische Regierung oder andere öffentliche Einrichtungen an der Sache beteiligt sind, steigern sich die Enttäuschung und die Reaktion bis hin zur "Wut" auf den Staat und einer Abwendung von ihm.

Diese Woche beendigen wir die Lesungen aus dem 2. Buch Moscheh (Exodus, Schemot), das "Buch des Exils und der Erlösung daraus", wie es Nachmanides definierte. Es schildert viele Krisen und verzweifelte Situationen auf dem Wege der Erlösung Israels: Schon in Ägypten beklagten die Aufseher der Israeliten: "Ihr habt faul gemacht unsern Geruch in den Augen Pharaos und in den Augen seiner Knechte, dass ihr ein Schwert gebet ihnen in die Hand, uns zu töten" (Ex. 5,21). Und Moscheh fügte hinzu: "Warum machst du es so arg mit diesem Volke? ...gerettet aber hast du dein Volk nicht" (V.22-23). Und kurz vor dem Auszug aus Ägypten findet während der Plage der Finsternis ein furchtbarer Holocaust statt, wie es im Raschikommentar (zu Ex. 13,18) heißt: "ein Fünftel zog aus, und vier Fünftel waren an den drei Tagen der Finsternis gestorben". Danach sprechen die Kinder Israel am Schilfmeer: "Was hast du uns da getan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?" (Ex. 14,11). Und die Beschwerden kehren immer wieder, während der ganzen Geschichte des jüdischen Volkes bis auf den heutigen Tag. Trotz aller Schwierigkeiten hat sich unser Volk niemals dem Druck der Realitäten gebeugt, sondern strebte immer voran in dem Glauben, "wenn er auch zögert, trotzdem hoffe ich täglich auf ihn [den Maschiach], dass er kommen wird" (13 Glaubensartikel).

Den Blick selbst in Zeiten der Krise vorwärts zu richten lernten wir aus dem Verhalten unseres Lehrers und Meisters, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, als die UNO die Teilung des Landes Israels beschloss und die Massen in Freudentänzen auf die Straßen zogen. Er erklärte, er könne nicht an der Freude der Massen teilnehmen, und als ob er selber in Stücke geschnitten worden wäre [und nicht nur das Land Israel], "saß er einsam und schwieg" (nach Eicha 3,28), das Volk jubelte und er weinte, und so ging es weiter bis zum nächsten Morgen; gemeinsam mit Rabbiner Charlap rappelte er sich auf und sagte: "Von G~tt ist dies geworden, es ist wunderbar in unseren eigenen Augen" (Hallel, Psalm 118,23), die Sache wurde besiegelt und die Tat ausgeführt, es gilt nun sich zu erheben und weiter zu machen und die Erlösung in allen ihren Entwicklungsstufen zu akzeptieren. - Auch nach der Staatsgründung gab es viele Taten und Entscheidungen der Regierung, die nicht im Einklang mit der Tora standen, und dazu pflegte Rabbiner Kuk zu sagen: "Der Staat von G~tt - und die Schweine von Ben Gurion"; man muss zu unterscheiden wissen zwischen dem Staat an sich und den fehlerhaften Entscheidungen der Regierung.

In diesem Zusammenhang pflegte Rabbiner Kuk auch zu sagen: die Öffentlichkeit (Zibur) besteht normalerweise aus "Zadikim" (Gerechten) an der Spitze, darunter die "Benoni'im" (Mittelmäßigen) und ganz unten die "Rescha'im" (Bösewichte) [die kombinierten Anfangsbuchstaben ergeben das Wort Zibur]. Es gibt aber auch den umgekehrten Zustand, rowez, wie es heißt: "Wenn du siehst, wie der Esel deines Hassers unter seiner Last erliegt [rowez]" (Ex. 23,5), wenn die Bösewichte oben und die Gerechten unten sind, dann, so sagte Rabbiner Kuk, will man doch am liebsten weglaufen. Aber nein, um G~ttes Willen! "Du darfst dich nicht wegwenden!" (Dt. 22,3). Es gibt keine Möglichkeit des Weglaufens, das ist unser Staat, unsere Regierung - "hüte dich, es ihm allein zu überlassen" (Ex. 23,5). Das gibt es einfach nicht. Weiter sagte Rabbiner Kuk: Vielleicht gibt es Leute, die den Staat loswerden wollen - wir werden ihnen nicht diese "Genugtuung" verschaffen, wir werden ihn nicht abschaffen, wir werden nicht weglaufen, wir werden ihn nicht im Stich lassen. Wir werden ihm helfen: "hilf ihm, sie herab zu lassen" (ebda.). Wir gehören zusammen in die jüdische Allgemeinheit, trotz aller Probleme. Es gibt reichlich Probleme, auch von innen, doch wir gehören zur jüdischen Allgemeinheit trotz aller Komplikationen. - Außerdem sagte er: Wir sagen: "Ich bin vollkommen von der Ankunft des Maschiach überzeugt, und wenn er auch zögert, trotzdem hoffe ich täglich auf ihn, dass er kommen wird" (s.o.). Was bedeutet hier "trotzdem"? Antwortete Rabbiner Kuk: Trotz aller Wirrungen, trotz aller Schwierigkeiten muss man standhalten - aber von innen. 

Auch in unseren stürmischen Tagen angesichts eines langsamen Zerfalls der nationalen Standfestigkeit dürfen wir uns nicht von der jüdischen Allgemeinheit trennen; im Gegenteil, wir müssen ihre Kraft stärken, die Welt des zionistischen Torastudiums stärken, die Besiedlung ausweiten, uns auf allen Ebenen des Staaatswesens integrieren und von keinem Stützpunkt ablassen, von dem man uns verdrängen will. In der zionistisch-religiösen Öffentlichkeit liegt die Hoffnung, die einen jüdischen Staat im Lande Israel verspricht, und auf die Verwirklichung dieses Zieles sollten wir alle unsere Energien richten.
 
 
 
HaRav Engelmann

Sehnsucht nach Raban Gamliel

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

"Anfangs war das Hinausführen des Toten für die Angehörigen schwerer [wegen der kostspieligen Totenkleider] als sein Tod, so dass die Angehörigen ihn liegen zu lassen und fortzulaufen pflegten, da trat Raban Gamliel auf und ließ an sich selbst missächtlich verfahren, indem er anordnete, ihn in Flachsgewändern zu bestatten" (Mo'ed Katan 27b).

Der Weg zum Friedhof ist mit guten Absichten gepflastert... Aus den guten Absichten hinsichtlich der Ehre des Toten und gutem Willen, dem Verstorbenen Hochachtung zu verschaffen, der nun seinen letzten Weg geht, entstand ein gesellschaftliches Verhaltensmuster, das an die Verwandten des Verstorbenen hohe Ansprüche hinsichtlich der Beerdigung stellte. Im Laufe der Zeit wurde aus einem würdigen Brauch eine überwältigende gesellschaftliche Norm, die es den Verwandten nicht mehr erlaubte, den Toten in einfachen Gewändern zu bestatten. So eine gesellschaftliche Atmosphäre lässt einem Mittellosen keine Chance. Wenn er den Toten in teuren Gewändern bestattet, bedeutet das für ihn den finanziellen Ruin, und wenn die Gewänder seinen finanziellen Möglichkeiten entsprechen, wird er unter dem Druck der gesellschaftlichen Schande zusammen brechen, bis dass er es lieber dem Toten überlässt, sich selbst zu beerdigen... Es sollte betont werden, dass der Talmud nicht nur von Armen spricht, sondern ganz allgemein, was darauf hin deutet, dass das ganze Volk dieser Last nicht gewachsen war.

Der Talmud betont noch einen weiteren Aspekt. Wenn sich die Beschäftigung mit dem Hingeschiedenen auf die Ausgaben für die Totengewänder und die Vorbereitung einer besonders ehrwürdigen Beerdigung konzentriert, wenn der Zwang, den Erwartungen zu entsprechen, den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Verwandten beansprucht, fällt das wirklich Wichtige ganz unter den Tisch. Der Tod des Verwandten wird zur Nebensächlichkeit, die Ausschmückung der Beerdigung Hauptsache. Die Gedanken sind nicht frei für den Abschied, weil sie sich auf das gesellschaftliche Überleben und dessen hohen Preis richten, was den Talmud zu der zynischen Bemerkung über die Gefühle der Verwandten zur Stunde des Ablebens veranlasste: "Anfangs war das Hinausführen des Toten für die Angehörigen schwerer als sein Tod..." (s.o.).

Diese Erscheinung, was die Beerdigung angeht, ist uns heutzutage fast unbekannt. Umso bekannter ist sie uns jedoch im Zusammenhang mit der Ausstattung von Hochzeiten. Mit allem guten Willen, diesem geheiligten Abend der Eheschließung das würdige Ambiente zu verleihen, wurden nach und nach gewaltige Erwartungen bezüglich des Charakters der Veranstaltung erzeugt. Die Dekoration wurde zur Pracht, die festliche Mahlzeit zu einem Gelage, das Geld fließt in Strömen und die Freude wird zu einer Vorführung. Kein Raum für Kompromisse, kein Gedanke an Bescheidenheit, man muss die Gäste mit den feinsten Delikatessen bewirten, "und das Schenken geschah in goldenen Gefäßen, in den unterschiedlichsten Gefäßen" (Esther 1,7), indem wir den Reichtum der Würde unserer Familie und die Pracht ihrer Größe zur Schau stellen...

Viele spüren bereits, dass die Grenze des guten Geschmacks schon lange überschritten wurde, doch eine Familie, die nun ihre Kinder verheiratet, fühlt, dass sie den Teufelskreis nicht durchbrechen kann, und sie schafft es nicht, sich zur Änderung der Spielregeln durchzuringen. Man kann doch nicht die Gäste enttäuschen, die selber erst vor kurzem eine Tochter verheirateten und die Hochzeitsgäste mit allem erdenklichen Guten überhäuften, und es ist auch nicht angenehm, zur Zielscheibe ewiger Nörgler zu werden... Und so rollt die Gewohnheit ungestört immer weiter, von Hochzeitssaal zu Hochzeitssaal, und überwältigt die jungen Paare mit immer größer werdenden Erwartungen.

So wie bei den übertrieben ausgestatteten Beerdigungen zahlen auch hier Viele den Preis. Wer nicht über die nötigen Mittel verfügt, will sich die Beschämung ersparen und erzeugt die Vorstellung, als fehle ihm an nichts. Mangels einer Alternative opfert er lange Jahre auf dem Altar der Schuldentilgung, die er für eine einzige Nacht der Erwartungserfüllung auf sich nahm. Wer über eine sensible Seele verfügt - selbst wenn er genug Geld hat, um den Ansprüchen gerecht zu werden - wird spüren, dass hier etwas sehr im Argen liegt.

Wie zur Zeit der prachtvollen Beerdigungen, so auch bei den Hochzeitsfeiern. Die Aufmerksamkeit wird von den wahren Inhalten, von der Freude über einen neugegründeten Haushalt, auf Nebensachen gelenkt, auf Äußerlichkeiten, auf Anschein, Pracht und Dekoration, bis sich auch hierbei erfüllt: "sie lassen ihn liegen und flüchten" - sie lassen die wahre Freude links liegen wegen des Drumherums der Hochzeit. Nicht selten verfinstern Wolken der Zwietracht über die finanziellen Aspekte der Hochzeit die Beziehungen der beiden Familien, die sich doch gerade erst aus freudigem Anlass zusammen fanden. 

Ich sehne mich nach Raban Gamliel, viele von uns fühlen so. Eine Sehnsucht nach jemandem, der kommt und die Spielregeln ändert. Jemand so reich wie Raban Gamliel und eine Toraautorität wie Raban Gamliel, der gar nicht einmal neue Verordnungen schafft oder die Heiratsgesetze ändert, sondern seine eigenen Angelegenheiten in bescheidener Einfachheit regelt. Ich weiss, dass heutzutage so ein Einzelner nicht reicht, doch einer muss schließlich den Anfang machen. Der Talmud berichtet von der gesellschaftlichen Veränderung, die den Taten von Raban Gamliel folgte, und sie wurde so hoch geschätzt, dass man im Trauerhause zu seiner Ehre ein Glas Wein zu trinken pflegte (Ketubot 8b).

Sicher muss die Hochzeitszeremonie würdevoll begangen werden, denn "man darf nicht beim Tore des Königs in einem Sackkleide eintreten" (Esther 4,2), und trotzdem besteht zwischen der heutigen Wirklichkeit und würdiger Schlichtheit eine weite Kluft. Ich weiß zwar nicht wie, aber irgendwie muss in das gesellschaftliche Bewusstsein gelangen, dass die Ehre von Braut und Bräutigam in einer bescheidenen Hochzeit liegt. 

Auf manchen Einladungen steht: "Schlichte Kleidung krönt das Ereignis", und in Rücksichtnahme auf die Gastgeber hüllen sich die Gäste in einfache Gewänder - bis sie im Festsaal angekommen feststellen, dass die Veranstaltung keineswegs zu ihrer schlichten Kleidung passt...

Von nun an sollte es heißen: "Eine schlichte Veranstaltung krönt die Veranstaltung"!
 
 

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