DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Anschrift: Sderot Hame'iri 2
Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL 
Tel. +972 2 6511906
Fax +972 2 6514820             http://www.machonmeir.org.il

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NIZAWIM
Nr. 686
27. Elul 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
Telefax: (+972 72) 230 0891
e-mail: kimizion@012.net.il
separate Homepage: www.kimizion.org
-Archiv der "Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag' den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update) als die Machon-Meir-Seite

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Dt. 29,9-30,20):
Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt, nochmalige Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches Versprechen, auch nach schwerer Strafung zu G~tt und Land zurückzukehren.

Dienstag u. Mittwoch: Rosch Haschana



 
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Doppelte Umkehr

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

In seinem Buch "Sifre Chassidim" bringt Rabbiner Schlomo Josef Sewin ein Gespräch zwischen dem "Ba'al HaTanja" (Gründer des Lubawitsch-Chassidismus) und dem Enkel des "Zemach Zedek" über folgende Geschichte: An einem Schabbat Parschat Nizawim sprach der "Magid von Meseritsch" über den Vers "Dass du zurück kehrest zu dem Ewigen, deinem G~tte" (Dt. 30,2), und erklärte bei dieser Gelegenheit, dass die Bemühung um die Rückkehr zu G~tt bis hin zum höchsten Namen G~ttes reichen müsse (der Name, der das "Seiende" andeutet; er wird anders ausgesprochen als geschrieben), der höher ist als die Welt und von dem wir sagen: "Man stellte sich dich vor, doch nicht nach deinem Sein, verglich dich nach deinen Taten" (Anim Semirot), und dass am Ende der Umkehr der G~ttesname des Seins (im genannten Vers "Ewiger") gleich sein wird "deinem G~tte" (elohecha), da elohim den gleichen Buchstabenwert (86) hat wie "die Natur" (hateva). Die anwesenden Toragelehrten waren von diesen Worten sehr bewegt, auch der Zaddik Rabbi Suscha von Annipoli, der allerdings einschränkte: Die Worte des Magid sind zu hoch und erhaben für mich; Umkehr (Tschuwa) bedeutet für mich [nach den jeweiligen hebräischen Anfangsbuchstaben der Verse]: 
T - "Untadlig sollst du sein gegen den Ewigen deinen G~tt" (Dt. 18,13)
sch - "Ich nehme den Ewigen mir stets vor Augen" (Psalm 16,8)
u - "und liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18)
w - "Auf allen deinen Wegen merk' auf ihn" (Sprüche 3,6)
a - "demütig wandele vor deinem G~tte" (Micha 6,8)

Auf den ersten Blick wurden hier zwei verschiedene Ansichten zur Umkehr geäußert. Nach dem Magid bezieht sich der Prozess der Umkehr auf die ganze Welt, entsprechend dem Prophetenworte: "Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde; an selbigem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig" (Secharja 14,9), wohingegen Rabbi Suscha die Umkehr zum Bereich des persönlichen Verhaltens des Menschen rechnet. In Wirklichkeit aber besteht hier aber gar kein Widerspruch, denn beide zielen auf dieselbe Sache. Die Umkehr gleicht einer Leiter, die auf dem Erdboden steht, deren Spitze aber in den Himmel reicht, wobei der Magid von der Spitze der Leiter erzählte, Rabbi Suscha aber von den unteren Stufen.

Aus den Midraschim geht hervor, dass die Tora nicht nur der Welt voran ging, sondern "G~tt in die Tora schaute und die Welt erschuf". Dahinter steht die Idee von der Tora als Plan der Welt, und nach diesem Plan schuf G~tt die Welt. Nur dass andere Midraschim besagen, es bestehe ein Unterschied zwischen dem Plan der Schöpfung und deren praktischer Verwirklichung, wie es in der Erklärung des Raschikommentars zum ersten Vers der Tora heißt: "Zuerst bestand die Absicht, auf Grund der Gerechtigkeit zu erschaffen, da er aber sah, dass die Welt dann nicht bestehen könne, schickte er die Barmherzigkeit voran und verband sie mit der Gerechtigkeit". Oder wie die Deutung zu Gen. 1,11 "Fruchtbaum Frucht tragend" - "der Geschmack des Baumes gleiche dem Geschmack der Frucht, sie aber tat nicht so, sondern die Erde brachte nur Bäume hervor, die Früchte trugen, aber der Baum selbst war keine Frucht" (Raschi). Diese Unterschiede resultierten aus dem allgemeinen Niedergang, der sich zur Zeit der Schöpfung abspielte, den Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto in seinem Buch "138 Tore der Weisheit" beschrieb: "Die Welten wurden in einer Weise geschaffen, die ihnen einen Aufstieg von ihrer Stufe ermöglichte, denn dazu gingen sie hernieder zur Zeit des Bruches - damit sie jeweils ein wenig aufsteigen, bis alles wieder zur vollkommenen Stufe zurück kehrt wie vor dem Bruch". Aber zu dem Niedergang an sich lässt sich fragen: Der Herr der Welt ist doch allmächtig, warum schuf er die Welt nicht von Anfang an perfekt und hätte ihr damit den Niedergang erspart? Die Antwort lautet: Die Schöpfung wurde mit Mängeln geschaffen, damit der Mensch etwas zu vervollkommnen habe, wie es heißt: "..welches er, G~tt, ins Dasein gesetzt hatte, es fort zu gestalten" (Gen. 2,3). Zusätzlich zum Niedergang der Welt zur Zeit der Schöpfung erkennen wir einen weiteren Niedergang als Folge der Sünde des ersten Menschen, und auch dieser Niedergang wird am Ende korrigiert werden, wie Rabbiner Luzatto in seinem Buch "Da'at Tewunot" zur Sünde des ersten Menschen schrieb: "Wir haben hier drei Unterteilungen zur Existenz des Menschen: erstens seine Existenz vor der Sünde, zweitens seine Existenz nach der Sünde, drittens seine Existenz, wie sie hätte sein können, hätte er nicht gesündigt, und das ist die Existenz in der kommenden Zukunft". Über diese beiden Niedergänge redete der Magid in seinem Vortrag, dass Tschuwa nicht nur die Korrektur der Sünden des Menschen entsprechend seiner freien Entscheidung bedeutet, vielmehr sei der vollkommene Prozess der Tschuwa die Rückkehr der Welt zu ihrem ursprünglichen Plan. Rabbi Suscha wollte dem Magid nicht widersprechen, sondern nur den Versammelten mitteilen, dass man zu dieser großen Tschuwa, von der der Magid redete, nur gelangen kann, wenn ihr die Umkehr von den Sünden in unserer Welt voran geht; unter Anwendung der von Rabbi Suscha genannten fünf Prinzipien der irdischen Tschuwa legen wir das Fundament für die Leiter, die am Ende des Weges mit der Spitze in den Himmel reicht.
 
 
 
 
HaRav Engelmann

Vergeben und Vergessen

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

1. Die Kunst, um Verzeihung zu bitten

Verzeihung zu erbitten ist schwer, schwer, einen Irrtum zuzugeben. Noch schwerer ist es manchmal eingestehen zu müssen, dass das Böse, das von uns ausging, gar nicht so irrtümlich war... Es fällt schwer, zuzugeben, dass wir nicht die Krönung der Perfektion darstellen, trotz des Eindrucks der pedantischen Genauigkeit, den wir zu erwecken suchen. Es ist schwer, jemanden um Verzeihung zu bitten, dem wir etwas antaten, denn so eine Bitte wird als Übernahme der Verantwortung für das Geschehene aufgefasst, auch wenn die Gegenseite manchmal nicht so ganz unschuldig daran war. Wer um Verzeihung bittet, gilt als der "Verlierer" der Schlacht, und derjenige, der über die Vergebung entscheiden kann, als "Sieger". Vor allem fällt die Bitte um Verzeihung so schwer wegen unserer Eigenschaft des Stolzes, weil diese Eigenschaft das Erkennen unserer eigenen Fehler erschwert und das Auffinden von Schwächen bei anderen unterstützt. Besonders schwer fällt die Bitte um Verzeihung bei jemandem, den wir für niederrangig halten, zum Beispiel gegenüber unseren Kindern, unseren Schülern oder von jedem anderen Menschen, der irgendwie von uns abhängt. Es ist schwer, um Verzeihung zu bitten, weil dieses kleine Wort größer ist als die Summe seiner Buchstaben und die Erkenntnis enthält, dass wir auch nur Menschen sind, mit Fehlern und Mängeln, manchmal mit nicht ganz reiner Absicht; wir sind Menschen und keine Engel.

Gerade weil es so schwer fällt, um Verzeihung zu bitten, ist dieser Schritt so sehr nötig. Dieses kleine große Wort wiegt Stunden moralischer Belehrung auf und Jahre der Arbeit an den Charaktereigenschaften. Dieses Wort konfrontiert den Menschen mit seinem wahren Status als Mensch, als mit Mängeln und Schwächen Behafteter, mit seiner Unvollkommenheit. Es ist beinahe unmöglich, die hohen Feiertage zu begehen, ohne aus tiefstem Herzen jemanden, den wir verletzten, um Verzeihung zu bitten. Es ist unmöglich, sich in aufrechter und arroganter Haltung vor den Herrn der Welt zu stellen wie jemand ohne Fehl und Tadel. Um vor ihm richtig bestehen zu können, in gebeugter Haltung und in Demut, muss man den Mut aufbringen können, Fehler zuzugeben und jemanden um Verzeihung zu bitten.

2. Die Kunst des Verzeihens

Es fällt schwer, jemandem zu verzeihen. Schwer, weil es sehr verführerisch ist, jemandem etwas auf ewig nachzutragen, der einen verletzt hat, es ihm immer wieder unter die Nase zu reiben und ihn in seiner Schuld zu belassen. Verzeihung gewähren fällt schwer, denn seine Schandtat katapultierte mich in moralischer Hinsicht sofort über ihn - er ist der Böse und ich bin der Gute, ich bin der Gerechte und er der Sünder. Es fällt schwer zu verzeihen wegen des Stolzes, der glauben macht, meine verletzte Ehre sei unbezahlbar, und überzeugt ist, dass nichts das mir Angetane aus der Welt schaffen kann, wegen meiner eingebildeten überzogenen Selbsteinschätzung. Es fällt schwer zu verzeihen wegen des Wissens, dass ein Mensch, der es wagte, meine Verzeihung zu erbitten, einen Weg wählte, der große Selbstüberwindung erfordert, und wir sind nicht so schnell bereit, jemandem, der uns gerade etwas angetan hat, besonderen moralischen Wert zuzugestehen. Es fällt schwer zu verzeihen, weil der Standpunkt des Verletzten und Bemitleidenswerten recht bequem ist, man wird fast süchtig danach, der Benachteiligte zu sein, den die Welt mit Füßen tritt, denn der Armselige, den Alle schädigen, hat mit sich selbst Mitleid und verlangt nichts von sich. Zu verzeihen bedeutet voran kommen und nicht sich in der Vergangenheit verschanzen.

Gerade weil das Verzeihen so schwer fällt, muss man verzeihen, denn "das Leben des Leibes ist ein gelassenes Herz, aber Knochenfraß ist Eifersucht" (Sprüche 14,30), siehe Kommentatoren zur Stelle. Denn ein Mensch, dessen gelassenes Herz leicht verzeiht, erfreut sich langer Lebenstage und baut sich sein eigenes Leben, wer aber voller Rachsucht ist für das, was man ihm angetan hat und zur Vergebung nicht bereit ist - dessen Knochen verfaulen. Wer nicht verzeiht lebt nicht sein eigenes Leben, er entwickelt nicht seine Persönlichkeit und denkt stattdessen fortwährend daran, wie er sich an seinem Nächsten rächen kann. Die obsessive Beschäftigung mit dem Stürzen seines Gegners bringt unheilbare Fäulnis in sein Leben.

Die Fähigkeit des Verzeihens plaziert uns an den hohen Feiertagen vor dem Ewigen wie biegsame Schilfrohre und ermöglicht uns die Bitte vor dem Herrn der Welt, dass auch er uns alle unsere Sünden verzeihen möge.

"Stets sei der Mensch biegsam wie ein Rohr und nicht hart wie eine Zeder. Darum ist es jenem beschieden, dass aus ihm eine Schreibfeder gefertigt wird, damit die Tora, Tefillin und Mesusot zu schreiben" (Ta'anit 20b).
 
 

Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
(Audio +TV) aus Israel:
www.israelnn.com
- auf russisch:
www.sedmoykanal.com

Bücher von Rabbiner Aviner: www.havabooks.co.il
Seine Handy-Nr. (auch SMS): +972 (0)52 3653028
(hebr./frz./engl./jid.)

Radio "Reschet Moreschet" - 
Hören Sie Rabbiner Aviners Fragestunde live
vom Internet und stellen Ihre Frage per Telefon: 
(+972 2) 5302685,  jede Woche Do. 22.30-24.00
israelische Sommerzeit (=GMT+3; nur hebräisch!) 
http://moreshet.iba.org.il

Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
Tel. (+972) 50 800 93 93
http://www.93fm.co.il
 
 

MACHON MEIR
Jüdische Studien in Hebräisch und Englisch in jeder Schwierigkeitsstufe,
Anfängerkurse auch auf Russisch -Französisch - Spanisch/Portugiesisch
Tanach, Mischna, Gemara, Themen der jüdischen Weltanschauung
-gelockerte Atmosphäre
-religiöser Zionismus
-Emuna nach den Lehren Rav Kuks
-Anerkannte Hebräisch-Kurse (nachmittags)
-ULPAN GIUR
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an obige Anschrift von Machon Meir

MACHON ORA - für Frauen
Lernen Sie bei uns über das Judentum, stärken Ihren Glauben im Geiste der Liebe zu den Geschöpfen in einem reichhaltigen und umfassenden Programm mit persönlicher Note, Verbindung zu Torapersönlichkeiten, Unterbringung in besonderer, familiärer Atmosphäre.

Wir freuen uns, zusätzlich zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
Einzelheiten: Spanisch - Tel. +972 2 6512194, +972 52 4621830
Russisch - +972 2 6537835
 

SPENDEN
Überweisungen an:
MACHON MEIR, Konto bei Postal Bank, Jerusalem, Konto Nr. 4-16179-3
oder per Scheck direkt an
MACHON MEIR
P.O.B. 34107
JERUSALEM 91340
ISRAEL
oder via Kreditkarte nach telefonischer Absprache mit dem
Büro von Machon Meir (+972 2 6511906)

Lichterzünden/Schabbatausgang in:
Jerusalem: 17.55/19.06
Tel Aviv: 18.13/1908
Haifa: 18.05/19.06