DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 41,1
- 44,17):
Chanukka ssame'ach! .
Es bestehen überraschende Parallelen zwischen den Gesetzen und Bräuchen bezüglich der Chanukka-Lichter und denen der Schabbat-Lichter. In beiden Fällen lautet das Gebot "Ein Licht pro Mann und sein Haus", dass in jedem Hause ein Licht im Namen der ganzen Familie gezündet werde (und in beiden Fällen gilt als Schwerpunkt des Hauses der Raum, wo die Mahlzeiten eingenommen werden). Beide Gebote werden ausschließlich durch Zünden einer Kerze (oder Öllampe) mit einem Docht erfüllt, nicht aber durch eine geflochtene Kerze oder Fackel o.ä. Und beide Gebote sind von so großer Wichtigkeit, dass sich selbst der ärmste Jude nicht mit der Behauptung herausreden kann, es stehen ihm nicht genügend finanzielle Mittel dafür zur Verfügung. Beide Gebote werden bereits durch ein einziges Licht erfüllt, wie es heißt: "Ein Licht pro Mann und sein Haus", wobei es verschiedene Bräuche dazu gibt, das Gebot durch Hinzufügung weiterer Lichter zu "verschönern" (Hidur Mitzwa; das Zünden von zwei Schabbat-Lichtern, eines für "sachor", eines für "schamor" [siehe Schabbatmorgen-Kidusch] gehört nicht zum Kern des Gebotes). Das "Verschönern" (mehadrin) an Chanukka besteht im Anzünden von je einem Licht pro Familienmitglied. Bei den aschkenasischen Juden besteht zwar der Brauch, dass jeder für sich zündet, nach Maimonides jedoch (nach dem sich ein großer Teil der Sfaradim richten), zündet das Familienoberhaupt alle Lichter, nach Anzahl der Familienmitglieder. Dieser Brauch wird so jedoch heute kaum noch praktiziert, doch ist er bei den Schabbat-Lichtern weit verbreitet, indem die Mutter Schabbat-Lichter entsprechend der Anzahl der Familienmitglieder zündet. Die Mehadrin min haMehadrin zünden an Chanukka in steigender Anzahl von 1 bis 8, jeden Tag wird ein Licht hinzugefügt. Bei den Aschkenasim tut das jedes Familienmitglied, und der Brauch der Sfaradim - in jedem Haus brennt ein Chanukka-Leuchter, unabhängig von der Anzahl der Bewohner. Einen ähnlichen Brauch gibt es bei den Schabbat-Lichtern. Manche Familien zünden immer sieben Lichter an, für jeden Wochentag eines, wie groß die Familie auch sei. All das weist auf eine innige Verbindung zwischen diesen beiden Arten von Lichtern hin: Schabbat-Licht und Chanukka-Licht. Diese Verbindung hebt auch die Bedeutung der Unterschiede zwischen den beiden Geboten hervor. Das Chanukka-Licht wird am besten draußen vor der Haustür gezündet, das Schabbat-Licht aber ausgerechnet im Hause drinnen, dort wo man isst. Das Chanukka-Licht soll auschließlich das Wunder bekannt machen, und es ist uns nicht erlaubt, irgend einen Nutzen von diesem Licht zu haben, wir dürfen es nur ansehen. Das Schabbat-Licht hingegen dient vor allem der angenehmen Beleuchtung des familiären Beisammenseins. Das Schabbat-Licht wird dem Brauch nach von der Hausfrau angezündet, obwohl auch der Hausherr dazu verpflichtet ist, wohingegen das Chanukka-Licht vom Mann angezündet wird, obwohl auch die Frau dazu verpflichtet ist. Zwei Lichter erleuchten das jüdische Haus. Das Schabbat-Licht leuchtet mit fraulicher Sittsamkeit nach innen, und das Chanukka-Licht leuchtet mit männlicher Verlautbarung nach draußen. Zwei Aufgaben hat das jüdische Haus zu erfüllen: Einerseits die Entwicklung eines Lebens von Heiligkeit und Reinheit in seinem Inneren, von Gebotserfüllung und Tora, nach dem das Leben jedes einzelnen Hausbewohners geformt wird und seinem Haupt den göttlichen Glanz verleiht, und andererseits diese Werte nach außen hin auszustrahlen. Diese beiden Aufgaben sind so wichtig, dass keine Notlage den Verzicht auf eine von ihnen rechtfertigen kann. Wenn sich aber ein Jude in einer so schlimmen Lage befindet, dass er sich noch nicht einmal einen Becher Wein für den Kidusch leisten kann und nur eine einzige Kerze besitzt, wofür sollte er sie verwenden? Dazu heißt es im Talmud: "Raba sagte: Das ist mir gewiss, dass vom Wohnungslichte und dem Chanukkalichte das Wohnungslicht zu bevorzugen sei, wegen seines Hausfriedens" (Schabbat 23b). Die innere Stärke des
jüdischen Hauses wird sich weiterentwickeln, hinzufügen und anwachsen,
bis sie mächtig genug ist, alle Finsternis draußen zu erleuchten.
Frage: Jedesmal, wenn ich die Klagemauer besuche, sprechen mich zahlreiche Leute an, die Geld von mir wollen - sollte ich diesen Bettlern/Schnorrern Geld geben? Und was ist mit Bettlern auf der Straße? Und wie verhält es sich bei Leuten, die an meine Wohnungstür klopfen und um Geld bitten? Antwort: Die meisten Bettler sind Schwindler. Die Halacha (Religionsgesetz) besagt, dass wir den Bettlern kein Geld geben, bevor wir geprüft haben, ob sie wirklich arm sind. Dies wurde von den talmudischen Weisen angeordnet, da schon damals die meisten Bettler Schwindler waren. Die Quelle finden wir im Talmudtraktat Baba batra (9a) und im Schulchan Aruch (Jore Deah 251,10) und gilt bis auf den heutigen Tag. Heutzutage sind 90% der Leute, die andere um Geld angehen, Schwindler. Wenn uns jemand um Geld bittet, werden wir ihm keines geben, solange er nicht einen nachprüfbaren Beweis von einem vertrauenswürdigen Rabbiner bietet. Wenn er allerdings etwas zu essen haben will, geben wir es ihm sofort. Und wenn er ein Betrüger ist? In einer potentiell lebensgefährlichen Situation stellen wir nicht lange Fragen. In Israel bitten die meisten Bettler nicht um etwas zu essen, weil es viele Suppenküchen gibt, und wenn man ihnen Nahrungsmittel anbietet, sagen sie, dass sie Geld vorziehen. Frage: Erfüllt man ein Gebot (Mitzwa), wenn man jemandem Zedaka (Almosen) gibt, der nicht arm ist? Antwort: Die halachischen Autoritäten behandelten die Frage, ob jemand das Gebot der Zedaka erfüllt, wenn der Empfänger in Wirklichkeit nicht arm ist. Sie verweisen auf die Talmudstelle in Baba batra (8b) und erklären, dass man nicht nur kein Gebot erfüllt, sondern sogar ein Gebot vereitelt, da man dieses Geld an wirklich Arme hätte geben können. Nun könnte man behaupten, die Tat des Geldgebens habe trotzdem seine guten Seiten, selbst wenn der Empfänger nicht arm ist, weil es die guten Charaktereigenschaften stärkt, wie es Maimonides zu Beginn seines Kommentars der Mischna "Sprüche der Väter" erwähnt: durch ständige Wiederholung guter Taten werden sie schließlich Bestandteil des Charakters. Das gilt jedoch nicht, wenn die Tat nicht wirklich gut ist. Jemand ist grausam, wenn er nicht den Armen gibt, aber es macht ihn nicht besser, wenn er den Wohlhabenden gibt. Wir müssen das Spendengeld den echten Armen geben. Man darf dem psychologischen Druck der Bettler nicht nachgeben: "Ich habe viele Kinder und eine kranke Frau", "Sie haben ein Käppchen auf dem Kopf und wollen keine Zedaka geben?!", und schließlich geben Sie ihm eine Münze und er wirft sie verächtlich auf den Boden, usw. usf. Wenn jemand arm war, bevor er an der Klagemauer zu sammeln anfing - am Ende des Tages würde er nicht mehr als arm gelten: im Durchschnitt hat so ein Bettler dann 1000 Schekel zusammen! Empfehlungsschreiben von
einem Rabbiner
Häufig bitten Leute um Geld für Jeschiwot oder Organisationen, die gar nicht existieren, nie existierten und niemals existieren werden. Einmal unterschrieb ich für eine Organisation der Armenhilfe. Später fand ich heraus, dass sie jedem $1000 gaben, der in die "Nachal Charedi" (strengorthodoxe Armee-Einheit) eingezogen werden sollte, um ihn damit zu überreden, sich nicht einziehen zu lassen. Sie behaupteten, solche Leute seien arm: Wenn sich jemand in die israelische Armee einziehen lässt, zeuge das von spiritueller Armut... Ich rief sie an und verlangte, meinen Namen sofort vom Empfehlungsbrief zu streichen, was sie allerdings nicht taten. Ich rief nochmals an, keine Reaktion. Ich schrieb einen Brief, wieder keine Reaktion. Ich schickte einen Brief durch meinen Rechtsanwalt, und sie riefen an: "Warum denn gleich grob werden?! Kann man denn nicht von Mensch zu Mensch miteinander reden" usw. ... Wir müssen uns sehr vorsehen, wem wir unser Geld geben. Zusammenfassung: Wir geben
Zedaka nur an Leute, die erwiesenermaßen arm sind, oder an vertrauenswürdige
Organisationen. Geben Sie einer, zwei, drei solcher Organisationen. Man
kann sowieso nicht alle armen Leute gleichzeitig versorgen. Die
meisten Bettler sind keine bösen Leute, sie sind bloß geistig
und emotionell unstabil. Wir verurteilen sie nicht, aber Zedaka geben wir
nur an wirklich arme Leute.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch
im Internet (audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Neu! Wir freuen uns,
zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines
spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
in:
|