DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MEZORA
Nr. 663
7. Nissan 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet  ç !
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt    ç !

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 14,1-15,33): 
Behandlung eines vom Aussatz befallenen Hauses; Aussatz-, Ausflußleidende und Monatsblutung, deren Bedeutung auf den Reinheitsstatus des Befallenen, die Begutachtung durch den Priester und die Behandlung; Reinigungsprozedur und zugehörige Opfer.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Wie ein Ausschlag

Rav Jakov Halevi Filber 
Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem

"Wie ein Ausschlag zeigt sich mir im Hause" (Lev. 14,35) sagt der Israelit, und manchmal meint er damit sein eigenes Heim, doch kann dieser Ausspruch auch dem nationalen Heim gelten. An jedem Montag und Donnerstag nach der Toravorlesung bitten wir: "Möge es wohlgefällig sein vor unserem Vater im Himmel, das Haus unseres Lebens zu gründen und Seine Präsenz wiederum in unserer Mitte wohnen zu lassen, bald und in unseren Tagen...". Es wurde uns mit der Gründung des Staates Israel zuteil, dass ein Stück des Hauses unseres Lebens in unseren Tagen erstand, und wir erwarten hoffnungsfroh die vollständige Erfüllung unserer Bitte, doch bis dahin bleibt unser nationales Heim nicht frei von Ausschlagbefall. Betroffen sind das Verhältnis zwischen Mensch und G~tt und zwischen dem Menschen und seinem Nächsten, und in letzter Zeit sogar zwischen den Menschen und ihrem Lande. Viele von uns wundern sich darüber und fragen sich, wie es mit dem Verhältnis zum Staat weiter gehen soll?

Als König Chiskija todkrank war und der Prophet Jeschajahu ihn besuchen kam, verkündete letzterer: "Bestelle dein Haus, denn sterben wirst du und nicht leben" (Jes. 38,1). Im Talmud heißt es zu diesem Ausspruch des Propheten: "Sterben wirst du - in dieser Welt, und nicht leben - in der kommenden Welt" (Brachot 10a). Und mit Recht fragt der König: "Weshalb dies alles?!", womit habe ich so eine schwere Strafe verdient? Da antwortete der Prophet: Weil du nicht die Fortpflanzung gepflegt hast. Dazu bemerkte der König: Weil ich im heiligen Geist geschaut, dass mir ungeratene Kinder entstammen werden. - Weil diese Kinder die zukünftigen Könige des Volkes Israel sein werden, wollte er nicht an der Herbeiführung dieses Zustands beteiligt sein. Dazu hatte der Prophet Folgendes zu sagen: "Was gehen dich die Geheimnisse des Allbarmherzigen an? Du solltest tun, was dir geboten, und der Heilige, gepriesen sei er, mag tun, was ihm gefällt" (ebda.). 

Diese Debatte zwischen dem König und dem Propheten erklärte Rabbiner A.J.Kuk in seinem Agada-Kommentar Ejn Aja folgendermaßen: Chiskija sieht die Dinge als König nach dem Hier und Jetzt, nach den unmittelbar zu erwartenden Konsequenzen, und darum scheint es ihm vorteilhafter, ein "Ende mit Schrecken" zu bereiten, auch wenn damit die davidische Königslinie begraben wird, nur dass er bloß nicht die Verantwortung für eine schlimme Wirklichkeit tragen muss. Der Prophet hingegen, der die Dinge mit einem Blick auf die Ewigkeit sieht, antwortet ihm im Namen G~ttes. dass es sich doch lohne, eine Generation, oder sogar ein ganzes Zeitalter lang Bosheit zu leiden, wenn dadurch die Kontinuität der davidischen Linie bewahrt bleibt. 

Aus den Worten Rabbiner Kuks lernen wir, dass auch die Ereignisse, die wie ein Ausschlag an unserem nationalen Hause haften, nicht dessen Zerstörung oder Ableugnung rechtfertigen, vielmehr müssen wir uns in Geduld fassen und die Kontinuität und die Vollständigkeit des nationalen Rahmens wahren - und auf den "Ewigen Israels" vertrauen, dass er uns zu besseren Tagen führe.
 
 
 
HaRav Engelmann

Des Kaisers neue Kleider

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Wir alle kennen doch aus unserer Kindheit das klassische Märchen vom eitlen Kaiser, der sich neue herrschaftliche Gewänder schneidern lassen wollte. Die Schneider, zwei Betrüger, führten ihn an, webten überhaupt nichts und kleideten ihn in ein Gewand aus Betrug und Einbildung, wobei sie dem Kaiser unentwegt Komplimente über die Schönheit des Kleides machten. Der Kaiser fiel darauf herein, und nicht nur er, sondern das ganze Volk stand da und gratulierte ihm zu den neuen Kleidern, die gar nicht existierten. "Wunderbare Kleider", so erklärten die Schneider dem Kaiser und dem Volk, "die nur die Klugen und für ihre Stellung Geeigneten sehen können...".

Angesichts einer einfältigen, von verbrecherischen Gewaltherrschern angeführten Welt, die ganz ausgezeichnet die Einfältigkeit der Massen und deren Herdentrieb auszunutzen wissen, beendete der Autor die Geschichte mit dem Erscheinen eines kleinen Kindes, das beherzt die einfache Wahrheit verkündete: "Aber er hat ja gar nichts an! Aber er hat ja gar nichts an!".

Manchmal hat ein Märchen mehr Erfolg als ihm gerechterweise zusteht. So geschah es mit "Des Kaisers neuen Kleidern". Als Kinder wurde uns diese Geschichte vor dem Einschlafen erzählt, und als Erwachsene standen wir damit des Morgens auf, so sehr ist sie in uns verwurzelt. Die Moral wurde nur zu gut verstanden. Hinter jedem Gewand verbirgt sich eine Einbildung, hinter jedem guten Willen versteckt sich irgend eine schäbige Absicht. Mir scheint, als ob in der heutigen gesellschaftlichen Atmosphäre jeder mit jedem um die Rolle des kleinen Kindes konkurriert, als ob es nichts anderes mehr auf der Welt gäbe als die Frage, wer am lautesten schreit: Der Kaiser hat doch nichts an! Die Massenmedien wetteifern um die "Ehre", den Kaiser in seiner Nacktheit zu zeigen, und unter dem gehässigen Geschrei der Massen müssen entblößte politische Führer öffentlich aufmarschieren. Selbst wenn es einem gelingt, seine Blöße zu bedecken, wird sich schon der Zyniker vom Dienst finden, der alle zu überzeugen versteht, dass dieses Kleid nur ein Stück Haut sei und auch dieser Kaiser nichts an hat.

Vielleicht mögen Manche meinen, der Kaiser hat doch wirklich nichts an und ist wirklich verkommen, und deshalb hat man die Pflicht zu rufen und zu warnen. Nicht der aktuelle Kaiser beunruhigt mich, sondern die ganze Erscheinung. Eine Gesellschaft, die sich daran gewöhnt, hinter jedem Gewand die Blöße zu suchen, die alles in Zweifel zieht und sich über alles lustig macht, begnügt sich nicht mit dem Ausruf "Er hat doch gar nichts an!" nur gegenüber dem Kaiser. Wir gewöhnen uns an, alles in trübem Licht zu sehen, zynisch und zweifelhaft. Alle sind nackt, die Regierung, die Politiker, die Ärzte, die Berufstätigen, die Lehrer, die Eltern, die Rabbiner... bei allen suchen wir, was sich hinter der seriösen Fassade verbirgt, sind wir gewohnt, das persönliche Interesse hinter jeder ehrenwerten Tätigkeit zu suchen. Rufen wir uns die Kehle heiser, dass alle nackt sind - und verbleiben am Ende in einer Welt ohne Vertrauen, ohne Freude, ohne einen Funken Unschuld; eine Welt von kleinen, tatenlosen Kindern, deren ganze Freude in der Bloßstellung der Erwachsenen liegt.

In so einer Welt wird ein Mensch, der sich keine Blöße gibt und auch nicht verdorben ist, nicht mit dem Anlegen von herrschaftlichen Gewändern einverstanden sein. Wofür soll er sich denn in die Schlammschlacht der hämischen Beobachter begeben?! Und so verurteilen wir uns selber zum ewigen Leben im Schatten von halbnackten politischen Führern, die sich ihrer Blöße gar nicht so sehr schämen und denen die Rufe "Er hat doch gar nichts an!" sowieso nicht zu Ohren kommen...

Soweit, was die politische Führung angeht, doch meine Sorge gilt nicht so sehr den Kaisern und Kanzlern, sondern uns selber, den einfachen Leuten. So eine Atmosphäre trifft vor allem uns, sie berieselt uns in reichem Maße mit dem Gift des Zynismus und der Hinterhältigkeit, sie zerstört die Sanftmütigkeit und das gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl, sie verwandelt die Umgangssprache in eine harte Sprache, eine harte und böse Sprache... Sie erzeugt Augen, die das Gute nicht mehr sehen, die nur noch dem Bösen folgen, und wer etwas Böses offenlegen will, dessen Wunsch wird erfüllt... Nicht so lehrten uns unsere Weisen, sondern: "beurteile jeden Menschen nach der günstigen Seite" (Mischna "Sprüche der Väter", 1.Kap.). Nicht nur, dass man sich nicht die ganze Zeit mit dem Entfernen von Kleidern und der Offenlegung von Schande beschäftigen sollte, vielmehr sollte man bekannt machen, dass nicht alles, was nackt und bloß aussieht, hoffnungslos verloren ist.

Der Erste, der die Stimmung des "Er hat doch gar nichts an!" in der Welt verbreitete, war Haman, der seine Pfeile in alle Richtungen verschoss, der allen Geschöpfen schmähte - doch sein Ausruf "Er hat doch gar nichts an!" war gegen den Herrn der Welt gerichtet, denn letztendlich, wenn alle bloß sind und die Bosheit die Welt beherrscht - welche Erscheinung gibt dann derjenige ab, der sie alle geschaffen hat...

Der Kaiser ist bekleidet! Es mag sich vielleicht etwas kindisch anhören, aber ich habe eine neue Version der alten Geschichte: Es war einmal ein König im Lande Israel, und dieser König beschäftigte zwei begabte Schneider. Eines Tages wandte sich der König an sie mit den Worten: "Liebe Schneider, bitte schneidert mir ein neues herrschaftliches Gewand, so wie ich es gern habe, nicht zu sehr funkelnd, dass es die Augen blendet, sondern schlicht. Ihr versteht schon, ein Gewand, das nur die Weisen sehen...". Die Schneider machten sich an die Arbeit, sie nähten Tag und Nacht, und nach einer Woche präsentierten sie ein einfach wunderbares Gewand. Zu Beginn des neuen Jahres legte der König das neue Kleid an und trat hinaus vor die wartenden Volksmassen, um sie zu begrüßen. Das Volk, das sich schon daran gewöhnt hatte, nackte Könige zu sehen und sich bereits erwartungsfroh die Hände rieb, schärfte die Zunge und ließ den traditionellen Ausruf erschallen: "Aber er hat ja gar nichts an!". Ein Lachen ging durch die Menge, Buh- und Schmährufe waren zu hören, wie in jedem Jahr. Doch der König ließ sich nicht beirren, er rückte nicht vom Fleck, er glaubte an sein Volk, und seine Hoffnung wurde denn auch nicht enttäuscht: Plötzlich, ganz hinten, erhob sich ein besonders aufgewecktes Kind, sah den König, sah genau hin und rief: "Aber er hat doch etwas an! Aber er hat doch etwas an!", bis sich die ganze Menge anschloss: "Er hat etwas an, hurra, hurra!".
 
 

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