DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Num. 30,2-32,42):
Moscheh erhielt den Befehl von G~tt: "Befeindet die Midjaniter und schlaget sie. Denn feindselig sind sie euch durch ihre Arglist, die sie gegen euch erlistet, wegen Peor und wegen Kosbi der Tochter des Fürsten von Midjan ihrer Schwester" (Num. 25,17-18). Wie brachten die Midjaniter ihre Feindseligkeit Israel gegenüber zum Ausdruck? Indem sie ihre Töchter zur Unzucht frei gaben, und indem sie die Israeliten zu Götzendienst verleiteten. Darum befahl G~tt Moscheh vor dem Einzug ins Land: "Übe Rache für die Kinder Israels an den Midjanitern; danach sollst du versammelt werden zu deinen Stämmen" (Num. 31,2). Obwohl er verstand, dass sein Tod von diesem Krieg abhing, ging Moscheh mit Freude ans Werk und zögerte es nicht hinaus - und stellte die Armee zum Kriege auf, wie es heißt: "Rüstet von euch Männer zum Heere und sie sollen über Midjan ziehen, Rache des Ewigen an Midjan zu üben" (Num. 31,3) - denn wer gegen Israel ansteht, der ist als ob er gegen G~tt steht. Und so siegten die Israeliten im Krieg gegen Midjan: "Und sie rückten mit dem Heereszuge gegen Midjan, wie der Ewige dem Moscheh geboten, und erschlugen alles Männliche" (31,7) - aber dennoch zürnte Moscheh den Heeresführern: "Und Moscheh zürnte über die Vorgesetzten des Heeres... Und Moscheh sprach zu ihnen: Wie, die Frauen habt ihr alle leben lassen? Siehe, sie waren den Kindern Israels auf den Rat Bil'ams zur Verleitung zum Treuebruch am Ewigen wegen Peor, und es kam das Sterben über die Gemeinde des Ewigen" (V.15-16). Und worin bestand der Rat Bil'ams? "Selbst wenn ihr alle Heere der Welt gegen sie versammelt, werdet ihr sie nicht bezwingen können - außer durch Unzucht" (siehe Raschikommentar, nach Sanhedrin 106a). Nach dem Stand der Dinge führten wir beim Einzug in das Land Israel zwei Arten von Kriegen - den Krieg Jehoschuas zur Eroberung des Landes, und den voran gegangenen Krieg gegen Midjan, den Krieg gegen den Ratschlag des bösen Bil'am mit dem Ziel, das Volk Israel durch die Verbreitung einer Kultur der Unsittlichkeit zu schwächen. So steht es auch heute. Wir müssen an beiden diesen Fronten kämpfen. Die eine Front - gegen unsere Feinde, die uns ausrotten wollen. Dagegen müssen wir stark, vereint und einig sein, mit starker Armee und starker Wirtschaft. Und die zweite Front verläuft bei Erziehung und Kultur, nämlich der Kultur der Unsittlichkeit Bil'ams die jüdische Kultur gegenüber zu stellen, durch einen kulturellen und pädagogischen Wandel in Staat und Gesellschaft, durch Verscheuchen der Finsternis durch Mehrung des Lichtes - des Lichtes der Liebe, des Lichtes des Glaubens und des Lichtes der Sittlichkeit, der Reinheit des Herzens, der Reinheit der Augen und der Reinheit der Familie. Auf diese Weise werden sich an uns die Worte des Propheten Jecheskels erfüllen: "Und werde auf euch sprengen reines Wasser, und ihr werdet rein sein... und ich gebe euch ein neues Herz, und einen neuen Geist geb' ich in eure Brust" (36,25-26). In Erwartung der vollkommenen
Errettung,
Neugier und Abschalten Das kann jeden Moment passieren - mitten im Schmone-Esre Gebet, beim Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte am Bett der Kinder, während des gemeinsamen Familienabendbrotes oder einfach so während der Autofahrt. Plötzlich ist er da, ob vibrierend oder klingelnd, als leise Melodie oder lautstarker Trompetenschall - und es gelingt ihm, alles auf der Stelle zu unterbrechen: die Konzentration beim Gebet, das familiäre Beisammensein, die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Er siegt über alles, der Klingelton des mobilen Telefons; er torpediert den erhabenen Moment, wenn der Bräutigam die Braut mit ihrem Schleier bedeckt, und ebenso, lehavdil, die Gefühle der Trauer und des Abschieds bei einer Beerdigung. Er verwandelt jede Begegnung zweier Menschen in eine flüchtige Angelegenheit, die auf geborgter Zeit basiert, die jederzeit ohne Vorwarnung unterbrochen werden kann, wenn der Klingelton erschallt. Er kennt keine Grenzen und lässt sich nur schwer aufhalten, da er sich auf eine Kraft stützen kann, die uns allen innewohnt - die Neugier. Wir sind neugierig zu wissen, wer uns sucht und was er zu sagen hat. Wir bevorzugen das Unbekannte des Gesprächs-in-Wartestellung dem Moment, den wir gerade erleben, und für das Linsengericht einer Einbildung verkaufen wir sofort die handfeste Wirklichkeit. Für die Möglichkeit, überall und jederzeit erreichbar zu sein, verzichten wir auf Konzentrationsfähigkeit und seelische Ausgeglichenheit, bis dass es scheint, dass nicht nur das Handy beim Anruf "zittert", sondern mit ihm auch sein Träger. Die Neugier steht in Verbindung mit unserer stetigen Unsicherheit, vielleicht etwas Unbekanntes zu verpassen, und darum nehmen wir überall hin das mobile Gerät mit. Diese Neugier kennt keine Befriedigung, doch verlangt sie nach ihr hier und jetzt. Sicher gibt es unter uns Leute, deren ständige Erreichbarkeit per Handy großen Segen bringt, doch Hand aufs Herz: Wieviele von uns gehören zu diesem Personenkreis? Einmal hieß es, wer nicht weiß, wann die Gemara zu schließen, öffne sie besser gar nicht erst - es scheint mir, dieser Ausspruch lässt sich auf unser Thema übertragen; wer nicht weiß, wann das Handy abzuschalten, benutze es lieber gar nicht erst. Mit dem Herumtragen dieses Gerätes bringt man doch wohl den Willen zum Ausdruck, jederzeit mit den Menschen verbunden zu sein, die nicht in der Nähe sind, und den möglichen Kontakt mit ihnen sicher zu stellen. In Wirklichkeit aber erzeugt dieses Gerät eher einen Zustand der Abkoppelung als dass es die gute Botschaft der Verbindung überbringt. In dieser absoluten Empfangsbereitschaft offenbart sich unsere Weigerung, mit den Dingen, mit denen wir uns gerade beschäftigen, eine echte Verbindung einzugehen. Nicht selten finden wir mehrere Menschen zwar in physischer Nähe in reger Unterhaltung vertieft vor - doch nach einigen Augenblicken näherer Betrachtung entpuppen sie sich als vollkommen isoliert voneinander: Jeder Einzelne spricht mit einem unsichtbaren Partner. Sie erscheinen nahe beieinander, doch sind sie weit voneinander entfernt. Konzentration In seinem Buch Mussar Awicha beschreibt Rabbiner A.J.Kuk eine Erscheinung, wobei der Mensch das Gefühl empfindet, die Begegnung mit G~tt sei immer dort möglich, womit er sich gegenwärtig nicht beschäftigt. Beim Gebet glaubt er, würde er nur jetzt lernen, wäre ihm die G~ttesnähe vergönnt, und bei seinem Lernen spürt er, das Gebet würde ihm jetzt das erhabene Vergnügen der G~ttesnähe bescheren. Bei der Arbeit schmerzt ihn der Mangel, sich jetzt nicht mit Torastudium beschäftigen zu können, und beim Toralernen verfolgen ihn die Gedanken an seine Geschäfte. Da lenkt Rabbiner Kuk das Bewusstsein des Menschen auf den Vers "Auf allen deinen Wegen merk' auf ihn" (Sprüche 3,6). Ein Bewusstsein mit der Absicht, dem Menschen die Sicherheit zu vermitteln, dass er mit seiner derzeitigen Beschäftigung - wenn er sie nur mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Konzentration verfolgte - die Verbindung zum Schöpfer der Welt finden werde: "Denn weil er sich mit jener Arbeit beschäftigt, befindet sich auch G~tt sozusagen seinerseits mit ihm bei genau dieser Arbeit, und dabei wird er ihn finden, und nicht an einem anderen Orte... und wenn der Mensch etwas Vollkommenes bewirkt, sei es in Gedanken, sei es durch die Tat, sollte er sich seines Anteils freuen und nicht einer anderen Sache nachlaufen, denn die ganze Welt konzentriert sich vor ihm geradewegs in dieser speziellen Sache" (Mussar Awicha, §2,2). Rabbiner Kuk ruft zu Konzentration und Vertiefung in der Sache auf, mit der sich der Mensch gerade beschäftigt, und warnt vor Zerstreuung. Er leitet den Menschen an, sich mit allen seinen Kräften dieser einen Sache hinzugeben, mit der er sich gerade beschäftigt. Das Handy scheint mir das moderne Mittel zur Zerstreuung der Gedanken zu sein. Die ständige Zugänglichkeit zu einem Gerät, das uns von einem Moment zum anderen aus unserer gegenwärtigen Beschäftigung heraus reißen kann, beraubt uns der Konzentrationsfähigkeit und der Möglichkeit, etwas in einem Durchgang zu vollenden. Das zeigt sich z.B. beim Torastudium, das häufig unterbrochen wird, im Verhältnis zum Arbeitseinsatz, zum Gespräch im engsten Familienkreis, und überhaupt bei jeder Sache, auf die wir uns besonders konzentrieren wollen. Selbst ein verstohlener Blick auf das Gerät, nur um zu sehen, wer denn gerade mit uns sprechen möchte, unterbricht die Kontinuität der Beziehung zu jener Sache, der wir gerade unsere Aufmerksamkeit schenken (wollten). Es bedarf einer gewissen Überwindungskraft, doch scheint mir, die Entscheidung, das Handy zu bestimmten Tageszeiten abzuschalten oder an einem unzugänglichen Ort aufzubewahren, wird uns nicht nur die Freiheit wieder bringen, die uns mit der ständigen Erreichbarkeit abhanden kam, sondern auch großen Segen. Praktische Vorschläge Neben der Entscheidung, einige Stunden pro Tag ohne das gleichzeitig verbindende wie isolierende Gerät zu verbringen, scheint mir die Erlaubnis gerechtfertigt, manchmal Gespräche nicht annehmen zu müssen. Während des familiären Abendessens, beim Erzählen einer Gute-Nacht-Geschichte sagt die Bevorzugung eines fernen Gesprächspartners etwas über die Bedeutung aus, die wir dem Kontakt mit ihm beimessen. Man muss sich dazu erziehen, die Beantwortung eines Anrufs nicht immer als absolute Pflicht anzusehen, zugunsten der eigenen seelischen Gesundheit. "Die guten Sitten gehen dem Gespräch voran" - das Handy kappt die Verbindung des Menschen zu seiner Umgebung in solch einer Weise, dass ihm nicht einmal bewusst wird, wie er lautstark in aller Öffentlichkeit sein Telefongespräch führt, die Umstehenden belästigt und ihnen manchmal private Dinge zu Ohren kommen lässt, die besser ins stille Kämmerlein gehören. Es scheint mir, dass ein weinig Mühe, solche öffentlichen Gespräche einzuschränken und sie bei Bedarf so kurz, knapp und leise wie möglich zu halten, für alle Beteiligten von Vorteil wäre. Wir befinden uns in einer Welt, in der wie lange Stunden täglich für unseren Lebensunterhalt verwenden müssen, und dadurch werden nicht wenige uns teure Angelegenheiten an den Rand gedrängt. Die mobilen Kommunikationsgeräte verschärfen nur noch dieses Problem, indem der Mensch den ganzen Tag für seinen Beruf erreichbar bleibt, bis dass er zum Sklaven seiner Arbeit wird. Man sollte also sorgfältig auf eine deutliche Trennung von Arbeits- und Freizeitstunden achten (natürlich gibt es einige Wenige, deren Arbeit 24 Stunden am Tag einen großen Segen für die Allgemeinheit bedeutet, doch reden wir hier von der Mehrheit der Menschen). Ganz allgemein sollte man
weniger reden. Die mobilen Geräte erleichtern unser Leben, doch sollten
wir dabei auf eine verständige Benutzung achten und unser Leben nicht
mit endlosen Gesprächen verbringen. Ein Aufkleber mit dem Bild des
"Chafez Chajim" (der nach seinem gleichnamigen Buch über die Gesetze
der Vermeidung übler Nachrede benannte Rabbiner Israel Meir HaKohen)
auf dem Handy mag das Gewissen veranlassen, hinter dem Rücken des
"Chafez Chajim" den Lippen keine unbeschränkte Freiheit zu lassen...
Kommentare von Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Bücher von Rabbiner
Aviner: www.havabooks.co.il
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Wir freuen uns, zusätzlich
zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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