DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KEDOSCHIM
Nr. 665
28. Nissan 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 19,1-20,27):
Gebot und Versprechen, heilig zu sein; div. Ge- und Verbote und deren Strafen; Inbesitznahme des Landes von Milch und Honig. 

Jom Ha'Atzma'ut
(Donnerstag, 3. Ijar, vorgezogen)


Am Schabbes-Tisch...

Prompte Zahlung

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Wie ein Granatapfel mit Kernen ist unser Wochenabschnitt mit Geboten gefüllt. Von seiner Überschrift Kedoschim tihju, "Heilig sollt ihr sein", könnte man Gebote erwarten, die den Menschen vom Wahn der Welt entfernen und ihn in immer höhere geistige Sphären erheben. Doch G~tt beeilt sich sehr, den "Höhenflieger" wieder auf eine niedrigere Flugbahn zu bringen und ihn auf dem Boden der Wirklichkeit zu landen, einer Wirklichkeit, in der es Menschen gibt, und Eigentum, und "Liebe und Brüderlichkeit, Frieden und Freundschaft" neben Hass, Neid und Konkurrenzkampf. Damit zeigt uns G~tt, dass es nicht reicht, ihn mit dem Namen "heiliger G~tt" zu loben, wie zu Beginn des Schmone-Esre Gebetes, vielmehr ist der Segensspruch mit "guter G~tt" zu beenden.

Viele Gebote dieses Wochenabschnittes betreffen die zwischenmenschlichen Beziehungen: die Armengeschenke, die Verbote des Raubes und des Diebstahls in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, Beeinflussung eines Gerichtsverfahrens, üble Nachrede und Klatsch, Rache und das Bewahren eines Grolls. Zuallererst - das Gebot der Nächstenliebe und das Verbot des Bruderhasses. Zwischen all diesen Geboten befinden sich auch einige bezüglich der Arbeitsverhältnisse. "Du sollst deinem Nächsten nichts vorenthalten und ihm nichts rauben; du sollst den Lohn des Tagelöhners nicht über Nacht bei dir stehen lassen bis zum Morgen" (Lev. 19,13). Nicht nur, dass man dem Nächsten nicht mit Gewalt das Seine entreißen darf - "du sollst nicht rauben", es ist auch verboten, bei sich zu belassen, was man dem Anderen schuldet, sei es die Rückzahlung eines geborgten Betrages, sei es ein noch nicht gezahlter Arbeitslohn. Dazu heißt es: "Du sollst deinem Nächsten nichts vorenthalten". Doch damit nicht genug. Es gibt nicht einmal eine Erlaubnis für einen temporären Aufschub der Zahlung - "du sollst den Lohn des Tagelöhners nicht über Nacht bei dir stehen lassen bis zum Morgen".

Dieses Verbot von der Einbehaltung des Lohnes erklärt die Tora selber, nämlich von seiten der Notlage des Arbeiters. So heißt es im Abschnitt "Ki Teze": "Du sollst dem armen und dürftigen Tagelöhner unter deinen Brüdern oder den Fremden, die in deinem Lande, in deinen Toren, sind, den Lohn nicht vorenthalten. Am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben, die Sonne darf darüber nicht untergehen, denn er ist arm und wartet sehnsüchtig darauf; damit er nicht über dich zum Ewigen rufe, und auf dir eine Schuld laste" (Dt. 24,14-15). Hier herrscht eine wirtschaftliche Notlage - "arm und dürftig...", "oder den Fremden...", "denn er ist arm...", und auch eine seelische Notlage: "und wartet sehnsüchtig darauf". Es wäre allerdings ein Irrtum zu glauben, dieses Gebot entspringe nur der Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen. Nachmanides betont in seinem Kommentar zur Stelle, dass dieses Gebot auch gegenüber einem reichen Arbeiter gelte, "nur rede die Tora vom Normalfall, wenn sich die Armen, die Dürftigen und die Fremden vermieten". Das Verbot der Verzögerung der Lohnauszahlung besteht demnach auch bei einem armen Arbeitgeber und einem reichen Arbeitnehmer. Und nicht nur das. Im Gegensatz zu gewissen sozialistischen Auffassungen, die das Verbot der Lohneinbehaltung nur bei Arbeitnehmern gelten lassen, weitet das jüdische Gesetz dieses Verbot auch auf den selbständigen Arbeiter und auf die Miete von Tieren und Gegenständen aus (wer z.B. seinen Wagen in die Werkstatt zur Reparatur bringt, darf den Werkstattbesitzer nicht vor vollendete Tatsachen stellen und mit einem später datierten Scheck bezahlen, ohne dass dies vorher vereinbart worden war). 

Die tiefere Bedeutung des Verbotes der verzögerten Lohnzahlung wird im Sohar erklärt (hier zitiert aus dem Buch "Ahawat Chessed", Einleitung des 9.Kap.): "Am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben, die Sonne darf darüber nicht untergehen - sieh dich vor, seinetwegen nicht vor deiner Zeit aus der Welt zu gehen, wie gesagt wurde: Ehe denn finster wird die Sonne... (Kohelet 12,2). Von hier lernten wir etwas anderes: Wer die Seele des Armen vervollständigt - selbst wenn seine Zeit gekommen ist, aus der Welt zu gehen, so wird ihm G~tt seine eigene Seele vervollständigen und ihm zusätzliches Leben geben. Du sollst den Lohn des Tagelöhners nicht über Nacht bei dir stehen lassen - komm und sieh: Wer den Lohn des Armen nimmt, der nimmt sozusagen dessen Seele und die Seele der Mitglieder seines Haushalts. Er verging sich an deren Leben, und G~tt wird seine Tage verkürzen und sein Leben in der kommenden Welt verkleinern...". In diesem Lichte bringt der Sohar dann die Verhaltensweise des Rav Hamnuna: "Als der Tagelöhner seine Arbeit beendete, gab er ihm seinen Lohn und sagte: 'Nimm deine Seele, die du mir zu getreuen Händen gegeben hast'. Und selbst wenn der Tagelöhner sagte: 'Das Geld sei in deiner Hand, denn ich möchte meinen Lohn nicht empfangen', wollte er es nicht bei sich behalten. Dann sagte er: 'Dein Körper sollte nicht bei mir verpfändet sein, erst recht nicht deine Seele; denn das Pfänden der Seele ist nur G~tt möglich, wie es heißt: In deine Hand will ich meinen Geist verfügen (Psalm 31,6)".

Wenn also mit dem Tagelöhner (oder mit dem Selbständigen) keine spätere Zahlung vereinbart worden war, sollte man pünktlich bezahlen, auch wenn der andere sich mit einem Zahlungsaufschub einverstanden erklärt. So hielt es auch unser Lehrmeister Rabbiner Zwi Jehuda Kuk. An einem Schabbat sahen ihn seine Schüler in einem Anzug, den er sonst nur während der Woche zu tragen pflegte. Es stellte sich heraus, dass er seinen Schabbatanzug in die Reinigung gegeben hatte, und wie er ihn abholen wollte, fand er nicht genug Geld in seiner Tasche. Und obwohl ihn der Wäschereibesitzer drängte, den Anzug mitzunehmen und später zu bezahlen, weigerte sich Rabbiner Kuk, damit er sich nicht der Einbehaltung des Lohnes schuldig mache, und ging lieber den ganzen Schabbat mit dem Wochentagsanzug herum. 

Dieses Verhalten hatte seinen Ursprung wohl bei seinem Großvater mütterlicherseits, dem Oberrabbiner von Jerusalem, genannt "Aderet":
"Mit dem Gebot Am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben war ich ganz besonders vorsichtig, soweit es mir irgend möglich war, auch dass ich nicht vergesse, entsprechende Vereinbarungen im voraus zu treffen... trotzdem verzögerte ich es nicht einen Augenblick, und ich ermahnte den Arbeiter, seinen Lohn einzufordern, und fast ließ ich ihn nicht seine Arbeit machen, bevor ich nicht seine Bezahlung vorbereitet hatte" ("Nefesch David" S.189).

Und wenn wir schon von diesem Thema reden, möchte ich an die Mädchen erinnern, die in fast jedem Hause als Babysitter fungieren. Häufig kommt es vor, dass die Eltern zu später Stunde heimkehren und gerade kein Kleingeld zur Hand haben, die Babysitterin zu bezahlen. Wenn dann keine vorherige Abmachung über verspätete Zahlung bestand, liegt hier der Verbots-Tatbestand der "Lohnübernachtung" vor. Die Erfahrung zeigt, dass sich viele dieser Mädchen genieren, die Eltern später an die Zahlung zu erinnern, wodurch dieses Verbot aus Nachlässigkeit auch noch zur Vorenthaltung des Arbeitslohns führt.
 
 
 
HaRav Aviner

Wieder zusammen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Jerusalemer Altstadt

Vor allem muss ein Mensch normal sein. Auch ein Volk muss normal sein. Und was ist das, ein normales Volk? Erklärt der MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag in der Einleitung zu seinem Buch "Nezach Israel", das ganz und gar diesem Thema gewidmet ist: Ein normales Volk zeichnet sich durch drei Dinge aus - seine Angehörigen leben zusammen, es befindet sich in seinem Land, und es herrscht dort souverän. 

G~ttseidank sind wir wieder zusammen. Es ist zwar nicht immer leicht, und es ist auch nicht immer angenehm, zusammen zu leben. Doch getrennt voneinander ist es unendlich schwerer, wie uns unsere schmerzliche Geschichte in der Zerstreuung lehrte. Zusammen sein oder nicht sein.

Wir sind aber nicht aus irgend einer Notwendigkeit zusammen, sondern weil wir wirklich ein Volk sind, nur vergessen wir das manchmal, wegen der vielen Zerstreuungen, wegen der vielen Spaltungen in ethnische Gruppen, nach Ideologien, in Strömungen und Methoden. Man darf sich aber davon nicht ablenken lassen: so ein Durcheinander kommt in den besten Familien vor. Da gibt es den Vater, die Mutter und lauter verschiedene Kinder - aber alle sind Freunde miteinander. 

Im Exil lebten wir jeder in seiner eigenen kleinen Familie, und jetzt sind wir eine einzige große Familie. Wir kehrten nach Hause zurück, in unser großes Haus, das ist eine große Heiligung des göttlichen Namens.

Auch die ganze Menschheit ist uns lieb und teuer, doch erstmal müssen wir an uns selbst denken, für unser eigenes Volk sorgen, für unser eigenes Land und unseren eigenen Staat. 

Wir kehren in unser Land zurück, und damit kehren wir zu uns selber zurück, wir knüpfen an unsere langjährige Geschichte an, wir werden eins mit unserer Vergangenheit, mit unserer Gegenwart und unserer Zukunft. Wir werden eins mit uns selber, über alle Unterschiede hinweg. Erst recht in der Armee, wo sich bewahrheitet: Einer für Alle und Alle für Einen. Das ist zwar das Motto der Drei Musketiere von Alexandre Dumas, doch passt es genau auf unsere Armee, Zahal, die israelischen Verteidigungsstreitkräfte.

Wie glücklich können wir uns schätzen, dass sich an uns das "Schir Hama'alot" bewahrheitet: "Stufenlied. Als der Ewige die Weggeführten Zions zurück führte, waren wir gleich Träumenden. Dann füllt mit Lachen sich unser Mund, und unsere Zunge mit Jubel" (Psalm 126,1-2).
 

Frage und Antwort

Frage: Eine Bekannte verstarb ohne Verwandte. Ich sage Kadisch für sie. Muss ich jedes Mal vorher ihren Namen erwähnen?
Antwort: Das ist nicht nötig, denn Sie haben diese Pflicht auf sich genommen, und im Himmel ist dies bekannt.

Frage: Darf man am Schabbat Geschirr aus der Geschirrspülmaschine nehmen, das man am Freitag dort hinein gestellt hatte?
Antwort: Es ist erlaubt, denn die Maschine ist ausgeschaltet, und ein Öffnen der Tür bewirkt kein Ein- oder Ausschalten des Stromes. Manche Juden stellen sogar schmutziges Geschirr am Schabbat in die Maschine. Sie tun das nicht, um am Schabbatausgang Zeit zu sparen, denn das wäre eine verbotene Vorbereitung von Schabbat zum Wochentag, vielmehr wollen sie die Küche sauber halten. Man darf Geschirr heraus nehmen und hinein stellen.

Frage: Darf ein Trauernder während der Schiva (die ersten 7 Trauertage) sein eigenes Essen essen?
Antwort: Aschkenasim - nur die erste Mahlzeit nach der Beerdigung ist verboten. Die Nachbarn bereiten ihm eine Mahlzeit, die sog. Se'udat havra'a, das Mahl der Tröstung. Sefaradim - es gibt unterschiedliche Bräuche. Die meisten essen nicht ihr eigenes Essen während der ganzen Schiva

(aus Rav Aviners wöchentlichen Live-Frage&Antwort-Radioprogrammen)
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
www.kimizion.org/shiur
- englischsprachige Sendungen und Nachrichten
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israelische Sommerzeit (=GMT+3; nur hebräisch!) 
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Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di. 23.00-24.00, 
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