DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EKEW
Nr. 681
22. Aw 5768

Redaktion und Übersetzung der deutschen Ausgabe: R. Plaut
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AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25):
Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des Schma-Gebetes).
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Warnung an Hochmütige

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Rabbi Moscheh von Coucy, Autor des Sefer Hamitzwot Hagadol, erzählt, wie er dazu kam, über das Verbot des Hochmutes in seinem Buch zu schreiben (Verbot Nr. 64):
"Eine Ermahnung zur Demut pflegte ich Vielen zu predigen. Doch dies als Verbot zu zählen war nicht nach meiner Ansicht. Auch unser Lehrmeister Moscheh [ben Maimon, "Maimonides"] zählte und erwähnte dies nicht in seiner Liste der Verbote, und als ich bis hier gelangte, die Liste der Verbote zu vollenden, erschien mir des nachts im Traum: Da hast du ja die Hauptsache vergessen! - Hüte dich, dass du nicht den Ewigen vergisst (Dt. 6,12; 8,11). Am Morgen nahm ich mir diesen Vers vor, erkannte in ihm ein bedeutendes Fundament der G~ttesfurcht und begann mit dem Verfassen mithilfe dessen, der den Weisen Weisheit gibt. Danach schaute ich im ersten Kapitel des Traktates Sota (5a) nach, wo es heißt: 'Wo ist das Verbot des Hochmutes zu finden? ..Rav Nachman ben Rabbi Jizchak sagte: Hieraus: und dein Herz hochmütig wird und du vergisst (Dt. 8,14), und daneben heißt es: Hüte dich, dass du nicht den Ewigen vergisst (s.o.)'".

Einzig und besonders ist er, der Autor des Sefer Hamitzwot Hagadol, in seiner Zählung der Gebote, indem er den Hochmut als eines der Toraverbote aufführt. Nach seiner Ansicht ist das Gebot "Hüte dich, dass du nicht den Ewigen vergisst" keine allgemeine moralische Empfehlung, sondern ein ausdrückliches Toraverbot: Du sollst nicht hochmütig sein.

Die Verwendung dieses Verses als Quelle des Verbotes des Hochmuts bedarf weiterer Erläuterung. Was hat die Demut, auf der Ebene zwischen Mensch und sich selbst, und seinen Nächsten, mit dem Vergessen G~ttes zu tun? Man könnte eher verstehen, wenn es hier um einen Mangel an Respekt vor G~tt ginge, doch worin besteht die Verbindung zum "Vergessen"? Dazu müssen wir einen Blick in den Wochenabschnitt werfen.

Die Warnung der Tora hängt mit dem Erfolg des Menschen zusammen. "Dass nicht, wenn du isst und satt wirst, und schöne Häuser baust und bewohnst... und alles, was dein, sich mehrt" (Dt. 8,12-13) - mit dem Ergebnis: "dein Herz sich erhebe und du vergisst den Ewigen, deinen G~tt, der dich aus dem Lande Ägypten geführt, aus dem Hause der Knechte; der dich geleitet durch die große und furchtbare Wüste... der für dich Wasser heraus gebracht aus dem Kieselfelsen; der dich gespeist mit Man in der Wüste..." (V.14-16). Der erfolgreiche Mensch neigt dazu, die Erfolge sich selbst zuzuschreiben - seiner Kraft, seiner Begabung, seinem Fleiß, seiner Mühe und selbst seinem Glück. In diesen Momenten vergisst er den, der ihm alle diese Kräfte und Begabungen und selbst die Eigenschaft des Fleißes und der Mühe zum Erreichen seiner Ziele aus eigener Kraft gab. Die Unentbehrlichkeit desjenigen, der die Kraft gibt, wird genau dann offenbar, wenn die Kraft ausbleibt; im Lande Ägypten, in der Knechtschaft, in der großen und furchtbaren Wüste, dem Ort von Schlangen und Skorpionen, von Verschmachtung, wo kein Wasser ist. Die Geschenke G~ttes, in der Zeit der Not offen sichtlich, weisen auf die zur Zeit des Überflusses im Verborgenen gegebenen hin. Der Erfolgsmensch, der G~tt vergisst, schreibt sich den Erfolg selbst zu, indem er sagt: "Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir all dies Vermögen geschafft" (Dt. 8,17).

All dies verbleibt im Rahmen der oberflächlichen Betrachtungsweise. Wer seinen Erfolg sich selbst zumisst, vergisst die göttliche Oberlenkung, aber noch nicht G~tt selbst. Hinter der praktischen Frage jedoch, wer für den Erfolg des Menschen verantwortlich ist, verbirgt sich eine wesentlich tiefere Frage: Woher stammt der Wert des Menschen? Woher nimmt der Mensch sein Selbstwertgefühl? Der von seinem Erfolg geblendete Mensch fühlt einen bestimmten Selbstwert, nämlich dass er "mehr wert ist als andere" - wegen seines Erfolges. Sein Erfolg bezeugt seinen Wert und erzeugt sein Selbstwertgefühl. Das ist der große Irrtum. Hat denn ein erfolgloser Mensch keinen Wert?! Darf man ihn etwa unter dem Vorwand ermorden, er habe ja keinen Wert?! Woher stammt der wahre Wert des Menschen? Nur von seiner Eigenschaft als Geschöpf "im Ebenbild G~ttes". Dieser Wert besteht bei allen in gleichem Maße. Dieser Wert hängt von gar nichts ab. Dieser Wert besteht immerzu und unter allen Lebensumständen. Wer sein Selbstwertgefühl aus sich selbst schöpft, kann gar nicht anders als sich selbst seine Erfolge zuzuschreiben, denn nur dann fühlt er, dass sein Leben einen Wert hat. Der Mensch jedoch, der sein Selbstwertgefühl von G~tt schöpft, der ihn in seinem Ebenbilde geschaffen, und aus der ihm innewohnenden göttlichen Seele, des "Teiles G~ttes von droben" (Ijow 31,2), hat kein Bedürfnis, sich selbst seine Erfolge zuzuschreiben. Dieses Bewusstsein erzeugt notwendigerweise die Fähigkeit der Erkenntnis der wahren Quelle seines Erfolges. "Dann gedenke des Ewigen deines G~ttes; denn er ist es, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen" (Dt. 8,18).

In diesem Lichte wird die innere Ordnung dieses Verses verständlich. Der Hochmut beginnt eigentlich mit der Anmaßung, selber seinen eigenen Wert bestimmen und das eigene Selbstwertgefühl aus sich selbst schöpfen zu können; "Dein Herz sich erhebe" (Dt. 8,14). Das Resultat: Du hast keine andere Wahl als dir selbst deine Erfolge zuzuschreiben und von ihnen das Gefühl des eingebildeten Selbstwertes zu schöpfen - und damit nicht nur die göttliche Oberlenkung als Quelle deiner Erfolge "zu vergessen", sondern auch die Existenz G~ttes an sich als die Quelle deiner Existenz und deines Selbstwertes. 

So schrieb Rabbiner A.J. Kuk (Acht Sammlungen, II,§160): "Das Wissen um die Tiefe des Glaubens... ist es, das die Demut in die Welt bringt. Der Mensch ist nichts gerechnet gegen die höchste Vollkommenheit, die kein Ende hat. Doch damit irgend ein Ansatzpunkt im Herzen entsteht, diese Nichtigkeit zu fühlen... braucht man eine Erziehung zu Moral und Reinheit, zur Veredlung der Charaktereigenschaften... Dann beginnt die Demut zu erscheinen, und zusammen mit ihr erhebt sich ein Stolz des Heiligen, der reine Stolz, der sich des göttlichen Funkens in seinem Innersten rühmt, dessen Wert unendlich ist. Die Entfernung vom göttlichen Licht bringt den verächtlichen Hochmut mit sich. Der Mensch schaut mit Hochmut auf jede Überlegenheit, die er bei sich fühlt, stellt sich nicht zurück vor jedem furchtbar erhabenen Glanz, den er sowieso nicht spürt, und weit entfernt ist er vom gesunden Menschenverstand. Und weil die Größe unendlicher Vollkommenheit in seiner Seele nicht zur Geltung kommt... schreitet die Eigenliebe, die sich mit dem Hochmut verbindet, auf ihren eigenen Wegen voran. Gleichzeitig aber schleicht sich eine Art Selbstverleugnung ins Herz, mit schmählichem Resultat: Siehe, alles ist nichtig! Nichts hat irgend einen Wert! Und welchen Wert besitzt das private Selbst, mit allen seinen Begabungen und Vorzügen?".

Nach diesem Prinzip erklärt sich auch das Ende dieses Wochenabschnitts: "auf dass er seinen Bund aufrecht halte" (Dt. 8,18). Diese Worte stehen dem Versuch des Menschen gegenüber, sein Selbstwertgefühl seinen spirituellen und moralischen Erfolgen zu entnehmen. Auch diese vermitteln Hochmut und G~ttvergessen, genau so wie das Vertrauen auf den eigenen wirtschaftlichen Erfolg. Zu diesem Zwecke folgt die Erkenntnis, dass der göttliche Segen nicht von deinem Verdienst abhängt, sondern auf dem Bund mit den Vorvätern beruht (Rabbiner S.R. Hirsch). "Dann gedenke des Ewigen deines G~ttes; denn er ist es, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen, auf dass er seinen Bund aufrecht halte, den er deinen Vätern geschworen, wie diesen Tag geschieht" (Dt. 8,18).
 
 
 
Kinder, Kinder...

Die Ehrung der Eltern (I)

Rav Lior Engelmann 
Rabbiner an der Jeschiwa Ateret Kohanim/Jeruschalajim

Die Schwierigkeit

Ein schweres Gebot, die Ehrung der Eltern, schwer und erstaunlich. Schwer, weil wir gefordert sind, grenzenlose Ehre jemandem angedeien zu lassen, den wir uns nicht als Eltern ausgesucht haben und dessen Ansichten sich nicht immer mit den unsrigen decken. Zwar obliegt den Eltern unsere Erziehung, doch klingen ihre Worte nicht immer wohl in unseren Ohren, ihre Ansprüche sind nicht nach unserem Herzen, und dennoch konfrontiert uns die Tora mit einem Gebot über das seelische Verhältnis zu ihnen - unsere Pflicht der Ehrung. Normalerweise ehrt man jemanden, den man wegen seiner Errungenschaften auf verschiedenen Gebieten bewundert, oder wegen seiner edlen Charakterzüge, mit denen er gesegnet wurde, doch das Gebot der Elternehrung verlangt nach einer Ehre, die überhaupt nicht von der wirklichen Statur und Selbstwert abhängt. Ein Sohn ist zur Ehrung des Vaters auch dann verpflichtet, wenn der Sohn, objektiv gesehen, zehnmal bedeutender ist, sei es in Hinsicht auf Toragelehrsamkeit und gute Taten, sei es in Hinsicht auf Reichtum und gesellschaftlichen Status. Der Sohn ist selbst dann zur Ehrung des Vaters verpflichtet, wenn jener ihn, jedenfalls seinem Verständnis nach, im Laufe des Lebens nicht korrekt behandelt hat. 

Ein schweres Gebot, die Elternehrung... Unter anderem macht es solche Mühe, weil es ein stetiges Gefühl der Dankbarkeit gegenüber den Eltern fordert, und der Mensch in seinem Stolz mag gar nicht gern ein längeres Verharren im Zustand der Dankbarkeit. Viel lieber ist ihm da der Gedanke, er habe allen seinen Erfolg in dieser Welt seinen eigenen zehn Fingern zu verdanken, und er ist nicht bereit, ständig unter dem Eindruck zu leben, dass seine Existenz und all sein Besitz auf das Konto anderer geht. Ein Ignorieren der Elternehrung ermöglicht ein Gefühl des "Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir all dies Vermögen geschafft" (Dt. 8,17) und befreit den Menschen von der Dankbarkeit gegenüber jenen, die ihm Gutes erwiesen. Dieses Gebot fällt besonders der heutigen Generation schwer, wo die Eltern selber nicht auf ihrer Ehre bestehen. Sie glauben auf diese Weise ein Verhältnis von Nähe und Liebe aufbauen zu können und verstehen nicht, welcher große Schatz dem Kind entgeht, dem man keinen Respekt abverlangt. Wenn die Eltern nach gegenseitiger Freundschaft mit ihren Kindern streben, lassen sie vor ihnen das Tor zur lebensnotwendigen Welt der Elternehrung versperrt. Dieses Gebot ist vor allem deshalb so schwer, weil wir es nicht aus der richtigen Perspektive sehen und den in seiner Erfüllung verborgenen Schatz nicht entdecken. 

Die Einstellung zum Leben

Eine weitere Schwierigkeit bei der Ehrung der Eltern besteht in der Einstellung zum Leben an sich. Die Eltern sind es, die den Menschen in die Welt bringen, und wenn er einmal mit Bitterkeit sein Leben betrachtet und in einem Winkel seines Herzens der Gedanke reift, besser nicht geboren worden zu sein - wendet er ihnen die kalte Schulter zu. Aus diesem Grund tauchen zur Zeit des Heranwachsens bei den Jugendlichen drängende Fragen zum Sinn und Ziel des Lebens auf, gleichzeitig mit Problemen im Verhältnis zu den Eltern. Respekt vor den Eltern drückt Freude über das Leben aus, das uns dank ihrer Mühen vergönnt ist, und ein Mangel an Respekt bedeutet, es gebe nichts, worüber man dankbar sein müsste, nach dem Motto: "Warum habt ihr mich bloß in die Welt gesetzt...". Hieraus geht hervor, dass die Schwierigkeit der Ehrung nichts mit dem Verhältnis des Kindes zu seinen Eltern und der ihnen entgegengebrachten Wertschätzung zu tun hat, sondern mit einer wesentlich fundamentaleren Angelegenheit, nämlich seinem Verhältnis zum Leben.

[Fortsetzung nächste Woche]

 

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