DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in der Tora (Gen. 23,1-25,18):
.
Den Erwerb, den unser Vorvater Awraham tätigte, die Höhle Machpela, von Efron, war kein normaler Erwerb. Es steht dort: "So verblieb das Feld Efrons, das in der Machpela, das vor Mamre, das Feld und die Höhle darin, und alle Bäume, die auf dem Felde, die in dem ganzen Bezirke ringsum standen, dem Awraham als erkauftes Gut" (Gen. 23,17-18). Der Raschikommentar erklärt dazu: "So verblieb das Feld Efrons - wörtlich 'erhob sich'; denn es war eine Erhebung für das Feld, dass es aus der Hand eines Gewöhnlichen in die Hand eines Königs überging". Eigentlich dasselbe Feld und dieselbe Höhle, aber in Wirklichkeit änderte sich der Wert dieser Orte von einem Extrem zum anderen. Von Efron - der als "Gewöhnlicher" angesehen wird, zu unserem Stammvater Awraham, der als "König" gilt. Ein königliches Feld. Im Laufe der Zeit offenbarte sich genau dort in Chevron ("Hebron") der Beginn des davidischen Königtums. Bekanntlich war das davidische Königtum nicht nur eine politische Realität, vielmehr offenbart sich durch das israelitische Königtum die Königsherrschaft G~ttes, wie wir im Gebete sagen: "Der Ewige, G~tt Israels, ist König und sein Reich herrscht über alles". Und wann wird sich seine Herrschaft offenbaren? Wenn sich das messianische Königtum etabliert, wie es heißt: "Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde; an selbigem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig" (Secharja 14,9). Nach dem Stand der Dinge, nach über tausend Jahren, in denen Juden das Betreten der Höhle verboten war, ist es uns heute endlich vergönnt, dass die Kindeskinder von Awraham, Jizchak, Jakov, Sara, Rivka und Lea zur Höhle Machpela und nach Chevron zurückkehren. Unsere neuerliche Verbindung mit Chevron bedeutet eine Erhebung für jene heiligen Stätten, über die sich das Königtum Davids offenbarte. Auch in unseren Tagen wird Chevron erbaut, und seine wunderbaren Bürger hängen daran mit bloßen Händen, trotz aller Schwierigkeiten und des Druckes, der vom In- und Ausland auf sie ausgeübt wird. Sie gelten als die Pioniere, die vor dem Lager herziehen, vor dem Volke Israel, das Königtum Davids zu erneuern. Durch ihre Opferbereitschaft strahlen sie großen Glauben und große Liebe zum Lande Israel aus. Glauben und Liebe, die sich auf unseren Vorvater Awraham stützen, dem gesagt wurde: "Geh... in das Land... und ich werde dich zu einem großen Volke machen... und du sollst ein Segen sein... und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des Erdbodens" (Gen. 12,1-3). Wie gut ist unser Anteil, das Verdienst, nach dem Lande unseres Lebens zurückkehren zu dürfen, und nach Chevron, der Grabstätte unserer Stammväter und -mütter. Und nicht mehr fern ist der Tag, an dem auch die Völker der Erde das anerkennen werden... "so dass alle Sterblichen deinen Namen anrufen, dir alle Gesetzlosen der Erde zuzuwenden... und werden alle das Joch deiner Herrschaft annehmen. Mögest du so bald für immer über sie herrschen" (Alenu leschabe'ach). In Erwartung der vollkommenen
Errettung,
Einer der Verse, die unseren
Vorvater Awraham vor seinem Ableben beschreiben, lautet: "Und Awraham war
alt und betagt, und der Ewige hatte den Awraham gesegnet mit Allem" (Gen.
24,1). "Alt" kann man verstehen. G~tt segnete Awraham mit allem
Reichtum, sowohl spirituellem als auch materiellem - auch verständlich.
Aber was bedeutet "betagt"? Erklärt der Kommentar "Sfat Emet"
(Chaje Sara 5652): "Betagt - er vergeudete nicht einen einzigen
Tag... denn alles, was er jeden Tag schuf, hatte Bestand, und am nächsten
Tag wandte er sich einer anderen Stufe zu...". Eine der am häufigsten
im Leben des Menschen anzutreffenden "Krankheiten" ist der Mangel an Flexibilität,
die Inertia. Der Mensch bemüht sich, sein materielles und spirituelles
Leben aufzubauen und auf einen bestimmten Stand zu bringen, und wenn er
ihn erreicht hat, scheint es ihm, dass er sein Lebensziel erreicht hat.
Von da an versucht er bloß, den Status quo zu erhalten, wodurch sein
Leben zur Routine wird. In dieser Lage wird er nicht "betagt", d.h., er
gelangt nicht zu den Tagen, sondern die Tage kommen zu ihm. Er funktioniert
nur noch technisch und in bekannten Bahnen, anstatt neue Initiativen zu
ergreifen, voranzukommen und sich mit der Zeit weiter zu entwicklen. Stattdessen
herrscht die Zeit über ihn und bewegt ihn weiter. Nicht er bestimmt
über seine Tage, sein Leben, sondern umgekehrt, seine Tage lenken
ihn. Langsam aber sicher zermürbt ihn die Routine, und so wird er
immer weniger, sackt immer weiter ab, während er seine Zeit mit vollen
Händen vergeudet. Der göttliche Willen, die Tora, zielt natürlich
genau in die andere Richtung, in den Worten des "Or Hachajim Hakadosch"
(zu Gen. 23,1): "Denn die Gerechten beleben ihre Tage, und die Bösewichte
werden von ihren Tagen am Leben erhalten". Wie aber erreicht man die Stufe,
nicht einen einzigen Tag zu vergeuden und jeden Tag, jede Stunde mit sinnvoller
Tätigkeit, mit unendlicher Weiterentwicklung und Fortschritt anzufüllen?
Erklärt der "Sfat Emet" (ebda. 5654): "So wie jene haben alle
Dinge ihre Wurzel im Himmel, und dazu heißt es: Tag für Tag
quillt das Wort (Psalm 19,3), vom oberen Tage zum unteren Tage, und
die Gerechten müssen alles mit der Wurzel verbinden, und das ist die
Hauptbedeutung des 'Gerechten', dass er nämlich Himmel und Erde verbindet,
denn es obliegt den Gerechten, aus den unteren Tagen Gefäße
für die Aufnahme des Überflusses aus den Tagen des Himmels zu
machen...". Wenn dem so ist, kann nur jemand, der seinem ganzen Wesen nach
mit Himmelsfurcht erfüllt und der in Wahrheit mit G~tt und der Tora
verbunden ist, die Tage zum Leben bringen, indem er von Tag zu Tag auf
eine höhere Stufe gelangt und sich ständig mit Aufbau befasst
- und damit die ganze Welt mit aufbaut.
Niemand wird abstreiten können, dass es in spiritueller Hinsicht eine Erscheinung des "Niedergangs der Generationen" gibt. Schon die Altvordern lehrten: "Waren die Früheren Engel, so sind wir Menschen, waren die Früheren Menschen, so sind wir Esel, und zwar nicht Esel wie der des Rabbi Chanina ben Dossa, oder der des Rabbi Pinchas ben Ja'ir, sondern ganz gewöhnliche Esel" (Schabbat 112b). Dieser Niedergang wird besonders deutlich, wenn man eine längere Zeitperiode betrachtet, doch findet er selbst bei aufeinander folgenden Generationen statt, wie Rabbi Jischma'el ben Rabbi Jossi sagte: "So wie Gold und Sand, unterscheidet sich diese Generation von Vaters Generation" (Talmud jeruschalmi, Gittin, 6.Abschnitt, Hal.7). Die große Frage lautet, wozu dient dieser Prozess, kann man ihn eventuell bremsen? Steht es in unserer Kraft, den in dieser Generation im Verhältnis zur vorigen zu erwartenden Niedergang zu verhindern, oder handelt es sich um eine eiserne Regel G~ttes, die wir in Liebe akzeptieren müssen, zusammen mit der Hoffnung, ein wenig von den Gründen zu offenbaren, warum der Schöpfer seine Welt nach dieser Methode lenkt? Im Allgemeinen sehen wir doch, wie die Welt in wissenschaftlicher Hinsicht die ganze Zeit voran kommt, und die technologischen Neuerungen jeder Generation stellen die ihrer Vorgänger in den Schatten. Hier könnte man eher sagen: Wenn die Früheren wie Esel waren, so sind wir wie Menschen... Eigentlich hätte man vermuten können, die Erlaubnis, die G~tt dem Menschen zu wissenschaftlichen Entdeckungen und Entwicklungen gab, den Fluch von Adam und Chawa zu beseitigen, ginge Hand in Hand mit der moralischen Entwicklung des Menschen, im Wissen G~ttes, der Mensch werde seine Kraft und seine Intelligenz nicht zum Schaden nutzen. Doch wenn die Generationen in wissenschaftlicher Hinsicht Fortschritte machen, in spiritueller Hinsicht aber abnehmen, dann bewegen wir uns in Riesenschritten zum Abgrund. In seinem Kommentar zur Mischna "Sprüche der Väter" sah Rabbiner Jakov Moscheh Charlap (5642/1882-5712/1951, u.a. Leiter der "Merkas Harav"-Jeschiwa von Rabbiner Kuk) in dem Prozess, der zum Niedergang der Generationen führte, das Ergebnis einer Fehleinschätzung einer segensreichen Sache: "Vielmehr sind die Niedergänge einer jeden einzelnen Generation sicher nicht als Niedergang beabsichtigt, sondern geradewegs als Aufstieg, und nicht nur als 'Niedergang zur Vorbereitung eines Aufstiegs', sondern als echter Aufstieg" (Mej Merom II). Nach seinen Worten hat jede Generation ihre bestimmte, ausschließliche Aufgabe, und wenn sie sich ihrer annimmt und sie erfüllt, leistet sie ihren Beitrag zur Kette der Generationen, die immer weiter aufsteigt: "Die Sache liegt so - jede Generation hat ihre besondere Aufgabe, nämlich was diese Generation offenbaren, verbessern und reparieren soll, und dazu wurde diese Generation auch mit mit dem nötigen Mut und der Kraft ausgestattet, diese Aufgabe zu verwirklichen. Wenn diese Generation abtritt und eine neue kommt, wird sie nicht den gleichen Mut wie die vorige Generation mitbekommen, der für die Aufgaben bestimmt ist, die bereits in Erscheinung traten, sondern nur neuen Mut für die neuen Aufgaben. Und wenn sie ihre (neue) Aufgabe g~ttbehüte nicht ernst nehmen, befinden sie sich im Zustand absoluten Niedergangs, [sie erreichen] weder das Alte noch das Neue, das Alte nicht, weil ihnen der passende Mut und die Kraft dazu fehlt, und das Neue nicht, weil sie sich nicht genug darum bemühen". Wenn die erste Generation die ihr zugedachte Aufgabe erfüllte, besteht keine Erwartungshaltung gegenüber der folgenden Generation, zu den gleichen Dingen zurückzukehren und die gleichen Ziele anzustreben. Vielmehr sollte sie ihrer eigenen Bestimmung folgen und nicht versuchen, ihre Vorgängerin nachzuäffen. Darüberhinaus verfügt sie wie gesagt über die besonderen Kräfte zur besten Erfüllung ihrer eigenen Aufgabe, doch nicht über die Begabungen der vorigen Generation. Der Niedergang der Generationen resultiert nun unvermeidlich aus dem Versuch der neuen Generation, die vorige nachzumachen unter gleichzeitiger Vernachlässigung der eigenen Aufgabe. Der Niedergang ist deshalb vorprogrammiert, weil die Generation ja nicht über die Mittel und auch nicht die Begabungen zur Erfüllung der vorigen Aufgabe verfügt. Manchmal gerät die neue Generation in Verzweiflung, wenn sie mit Gewalt versucht, ihre Vorgängerin zu kopieren und dann feststellen muss, dass sie nicht über die nötigen Kräfte verfügt, und manchmal verlangt die Generation der Eltern um jeden Preis von der Generation ihrer Kinder, auf identischem Wege fortzufahren, und zwingt sie damit zum Niedergang und zum Verfehlen ihrer eigenen Bestimmung auf Erden. Viele Spannungen zwischen den Generationen von Eltern und Kindern sind darauf zurückzuführen. Die Eltern kennen einzig und allein ihre eigene Aufgabe und tun sich schwer, bei ihren Kindern andere Begabungen zu entdecken, die ihnen die Verwirklichung von Zielen ermöglichen, von denen die Eltern nichts ahnten. In diesem Falle lässt
sich also der Niedergang verhindern, wenn man nur das passende Ziel dieser
unserer Generation richtig erkennt. Dazu gehört viel Mut, Einfallsreichtum
und die Kraft zu Neuerungen, nicht so wie letztes Jahr weiterzumachen.
Man muss mit wohlwollendem Auge das Glied der Kette betrachten, das die
vorige Generation hinzufügte, und sich um das Glied bemühen,
das wir dieser Kette hinzufügen sollen. "Wenn man sich aber
andererseits mit Hilfe des neuen Mutes anstrengt, die neue Aufgabe zu erfüllen,
dann wird sich die neue Aufgabe mit den alten verbinden, und man erreicht
sie leicht, da der Weg vor ihr bereits geebnet wurde, und auf diese Weise
erhebt sich die neue Aufgabe höher als die Aufgaben der vorigen Generationen,
und ganz im Gegenteil - so steigen die Generationen stetig auf, erreichen
Größe". Möge G~tt unsere Augen erhellen und uns unseren
Teil offenbaren, die Mission unserer Generation, die Aufgabe, die die ganze
Generation begeistern wird.
Kommentare von Rabbiner
Schlomo Aviner zu aktuellen Themen auf hebräisch im Internet
(audio/online):
Radio "Reschet Moreschet" -
Desgleichen Radio "Kol-Chai", Di.
23.00-24.00,
MACHON MEIR
MACHON ORA - für Frauen
Neu! Wir freuen uns,
zusätzlich zur hebräischen Abteilung die Eröffnung eines
spanischsprachigen
und eines russischsprachigen Programmes bekanntgeben zu können.
SPENDEN
Lichterzünden/Schabbatausgang
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