DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
"Jerusalem
Reclamation Project"
AUF HEBRÄISCH:
Diese Woche in
der Tora (Num. 16,1-18,32):
In unserem Wochenabschnitt lesen wir den Vers: "Das ist das Gesetz [wörtl.: die Tora], wenn ein Mensch in einem Zelte stirbt: Jeder, der ins Zelt geht, und alles, was im Zelte ist, soll sieben Tage unrein sein" (Num. 19,14). Er handelt von einem bestimmten Gesetz der Unreinheit von Mensch und Geräten, die sogenannte "Bezeltung". Dazu erklärte Rabbi Schimon ben Lakisch im Talmud (Brachot 63b) "Woher, dass Worte der Tora nur dem erhalten bleiben, der sich für sie töten lässt? Es heißt: das ist die Tora: wenn ein Mensch in einem Zelte stirbt...". Es stellt sich die Frage, was Rabbi Schimon ben Lakisch mit seiner Anleitung, sich für Worte der Tora "töten zu lassen", im Sinn hatte, denn wenn man das wörtlich nimmt - wie soll man diesen Tod im werktäglichen Leben in die Tat umsetzen?! Dazu gibt es verschiedene Ansichten, eine davon ist die grundlegende Antwort von Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels) in seinem Agada-Kommentar Ejn Aja (Brachot 9.Kap., §342): "Für die Gemeinschaftlichkeit, die zur Bewohnung der Welt notwendig ist - das Ziel der gemeinschaftlichen Führung sei, dass die Menschen, die Bewohner des Landes, ein ausgewogenes und geordnetes Leben führen können. Damit allerdings die Allgemeinheit zu einem ausgewogenen Leben gelange, müssen vereinzelte Menschen im Dienste der öffentlichen Arbeit stehen, und wesentlich mehr Arbeit, die die Grenze der Ausgewogenheit überschreitet, beitragen, wie die Arbeit der Soldaten, die manchmal ohne Schlaf auskommen müssen und viele Stunden Wache stehen, viel mehr, als eine durchschnittliche Beschäftigung verlangen würde. Doch nehmen sie dieses Joch in Liebe auf sich, wenn sie ein Herz haben, und freuen sich bei ihrer Arbeit, da sie wissen, dass nur ihr Beitrag, ihr Leben außerhalb der Grenzen der ausgewogenen Belastungen zu führen, den übrigen Angehörigen ihrer Nation das ausgewogene Leben ermöglicht... Wenn die Soldaten ihr Leben nun auch im Rahmen der Grenzen der Ausgewogenheit zu führen wünschten, dann wäre der Staat verloren, er würde nicht einmal durchschnittliche Lebensführung ermöglichen können, denn Raub und Überfall würden sich mehren, und es würden ihn seine Bedränger schlagen und vom Angesicht der Erde vertilgen". Erklärung: Jede Gesellschaft, jede Gruppe von Menschen, streben nach einem ausgewogenen, normalen Lebensstil in allen Bereichen des Lebens - Wirtschaft, Gesellschaft, Verteidigung, Bildung usw. Doch um diesen Normalzustand zu erlangen, braucht jeder Staat Menschen, die ein extremes Leben zu leben bereit sind, d.h. jenseits des Normalen, was den persönlichen Einsatz, die Mittel, den Zeitaufwand usw. angeht, damit die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ein normales Leben führen kann. In jeder Gemeinde gibt es Komitees, die mit Leuten besetzt sind, die in ihrer Sorge um die Sicherheit, die Erziehung, die Eingliederung von Neueinwanderern usw. schwerer als der Durchschnittsbürger zu arbeiten bereit sind. Wenn es in einer Gesellschaft g~ttbehüte keine solchen "Extremisten" gäbe, würde ihr nicht nur Fortschritt und Weiterentwicklung versperrt sein, vielmehr wäre ihr selbst ein durchschnittliches, normales Leben unmöglich, und sie würde langsam aber sicher zerfallen. Darüber hinaus beklagen sich diese "Extremisten" nicht nur nicht über ihre Aufgabe und verzweifeln auch nicht daran, sondern sind noch über ihre Arbeit und ihre Aufgabe glücklich, und rechnen es sich als ein großes Verdienst an, das da in ihren Schoß fiel. Über diesen "Tod" sprach Rabbi Schimon ben Lakisch. Jede Gesellschaft muss Leute von Verantwortlichkeit und Initiative hervor bringen, Idealisten, die sich ehrlich um das Wohl der Allgemeinheit bemühen, selbst um den Preis des "Todes". D.h., sie verzichten für diese Aufgabe auf Annehmlichkeiten, Privatleben und sonstige persönliche Bedürfnisse. Wehe der Gesellschaft, in
der niemand die Verantwortung für die Verwirklichung ihrer Werte und
Ideale übernehmen will. Die heutige israelische Gesellschaft benötigt
viele "Extremisten" auf vielen Gebieten, in den Lehrhäusern, bei der
ländlichen Besiedlung, im Erziehungswesen, in der Armee, in der Politik,
in der Wirtschaft, in den Medien, für große Familien, und vieles
mehr, und all dies auf dem Fundament echter und vollkommener Toratreue.
So, und nur so, wird uns ein normales und ausgewogenes Leben in allen praktischen
und spirituellen Lebensbereichen vergönnt sein.
Warum gerade zehn? 613 Gebote! "Alles, was der Ewige geredet, wollen wir tun und gehorchen" (Ex. 24,7)! Und trotzdem steht geschrieben: "..und was fordert der Ewige von dir als: auf Recht halten, Liebe üben, und demütig wandeln vor deinem G~tte" (Micha 6,8). Das ist alles?! Natürlich nicht. Vielmehr erklärte Rabbi Jehuda Halevi, wenn alles schwierig und kompliziert, kaputt und verworren ist, kann man nicht gleichzeitig auf allen Hochzeiten tanzen. "Ergreifst du viel, so hast du nichts ergriffen, ergreifst du wenig, so hast du es ergriffen" (Joma 80a). Darum muss man sich zuerst auf die wichtigsten Prinzipien konzentrieren, und alles Weitere später hinzu fügen (Kusari II,47). Offensichtlich hat Maimonides dreizehn Glaubensprinzipien aufgestellt. Andere Toragrößen taten ihm gleich und verfassten Glaubensgrundsätze, z.B. Rabbi Josef Albo, Rabbi Schimon ben Zemach Durano, Rabbi Chasdai Kreskas, Rabbi Jizchak Abarbanel und andere. Warum nur Prinzipien, es ist doch alles wichtig?! fragte Rabbiner David ben Simra, denn man darf doch noch nicht einmal auf den kleinsten Buchstaben verzichten? Vielmehr erklärte Rabbiner A.J. Kuk: Wenn ein Mensch tödlich krank ist, kann man nicht alle seine Probleme auf einmal heilen, sondern Stück um Stück, und darum muss man sich zuerst auf die lebenswichtigen Organe konzentrieren, und danach die weniger wichtigen Organe behandeln (Ma'amarej Hara'aja S.15). Die 10 Gebote unserer Partei (welcher auch immer): 1. Jüdischer Staat Ja, wir sind Juden, wir sind Brüder, und das ist unser Staat. Dieser Nationalstolz bildet die Grundlage für alles Weitere. Einmal sagte der ehemalige französische Regierungschef Pierre Mendès-France, der ein Jude war, zu Golda Meir: "Damit das klar ist: Zuerst bin ich Franzose, danach Sozialist, und zuletzt Jude". Gab sie zur Antwort: "Macht nichts - bei uns liest man von rechts nach links". Dies ist ein jüdischer Staat. Lassen wir uns nicht beirren - importiere keine Nichtjuden. 2. Jüdische Kultur Darum ist auch unsere wahre Kultur eine jüdische. Wir lieben unser kulturelles Erbe, unseren Tanach (Bibel), unseren Schabbat, unsere Kaschrut, unsere rabbanitische Rechtsprechung. 3. Jüdische Erziehung Wir brauchen wohl nicht besonders zu betonen, wie sehr uns unsere Kinder am Herz liegen. Wir wollen eine jüdische Erziehung, eine gute Erziehung, und keine Jugendkriminalität, g~ttbehüte, angesichts derer unser Herz bricht. Dafür werden wir sehr, sehr viel investieren. 4. Familie Das ist die "Stammzelle". Eine gesunde und starke Familie sorgt für eine gute und stabile Gesellschaft, gute Partnerschaft und gutes Bevölkerungswachstum. Wie gut und wie angenehm! 5. Wir sind alle eine Familie Eigentlich sind wir alle eine einzige, große Familie. Wir sind doch Brüder. Darum werden wir unseren Brüdern den Armen helfen, von vorherein werden wir Arbeitsplätze schaffen, damit es erst keine Armen gibt. "Dass unter dir kein Dürftiger ist!" (Dt. 15,4). 6. Unser Land Das ist unser Land, das ganze Land, es gehört nicht anderen Völkern. Lasst euch nicht verwirren. Dies ist das Land Israel und nicht das Land Ischmael. Natürlich werden wir uns den Minderheiten gegenüber menschlich verhalten, wie es ihnen angemessen ist, doch nationale Rechte haben sie nicht in unserem Lande. Sie verfügen derzeit über 22 eigene Staaten mit der 500fachen Ausdehnung unseres Staates. Das scheint doch ausreichend - oder?! 7. Starke Verteidigung Schlaft nicht ein auf der Wacht, um uns herum gibt es hunderte Millionen Feinde, und einige Millionen innerhalb unserer Grenzen - die uns in militärischer und politischer Hinsicht am liebsten lebendig verschlingen würden. Fasse sie nicht mit Samthandschuhen an, sondern greife rigoros durch. Wer dich zu töten daher kommt - komme ihm zuvor (Brachot 58a). 8. Ausmerzung des Verbrechens Was soll das vorstellen, dass es hier plötzlich alles mögliche organisierte Verbrechen gibt?! Natürlich ist auch die nicht organisierte Sorte Verbrechen, aber zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens braucht man große Opferbereitschaft, opferbereite Polizisten und opferbereite Richter. 9. Blütenweiße Regierung Ohne Korruption - wir sind der vielen schmutzigen Geschichten überdrüssig, wir haben die Nase voll von "deine Fürsten Unbändige und Diebesgesellen, allzumal Bestechung liebend und jagend nach Bezahlung" (Jeschajahu 1,23). Wir wollen anständige, gute und moralische Regierungspolitiker. G~ttseidank lassen sich solche finden. 10. Regierungsbeteiligung Wir wollen, dass unsere Volksvertreter in der Knesset uns vertreten und nicht sich selber. Das brächte eine starke und einige Regierung. Wir haben genug von Eintagsfliegen-Parteien, die jede in ihr kleines Horn stößt, als ob nur bei ihr die ganze Wahrheit und alle Gerechtigkeit zu finden wären. *** Das ist, kurz gesagt, die Grundlage, wollen wir uns nicht verzetteln. Lasst uns zu den einfachen Dingen zurück kehren, zu den natürlichen und normalen Dingen, die wir vergaßen. Wollen wir nicht zu kompliziert, philosophiert oder durchkalkuliert daher kommen, sondern lieber zu den einfachen und fundamentalen Dingen zurück kehren. Es liegt in unserer Hand.
Sicher ist die Lage schwierig. Doch sind wir eine große Generation,
wir sind eine wachsende Generation mit großen, gewaltigen Kräften,
mit gewaltigen Möglichkeiten. Wir haben schon viel geschafft und werden
noch viel mehr schaffen. Die nächste Generation, unsere Jugend, unsere
Hoffnung, ist besser als wir, sie ist ganz wunderbar. Wir schenken ihr
unser Vertrauen.
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Aviner: www.havabooks.co.il
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